The Vageenas
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Insanity

Beim Sommerfest der Villa Wedel, das ist in der Nähe von Hamburg, hatte ich die Gelegenheit mit  The Vageenas zu sprechen. Die Chance habe ich natürlich genutzt und gleich mit der gesamten Band über ihr 25-jähriges Jubiläum, die Veränderungen in der Szene und ihr soziales Engagement, wie zum Beispiel beim kommenden Straßenklang Benefiz konzert in Hamburg gesprochen. Es war ein sehr schöner Nachmittag und ein sehr nettes Gespräch mit wirklich absolut authentischen und liebenswürdigen Menschen, aber lest selbst.

AFL: Schön das es geklappt hat, wenn ich mich nicht verrechnet habe, dann ist dieses Jahr euer 25-jähriges Jubiläum. Wird es da noch was geben? Ein neues Album oder ein Best-Of?

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HC-Punk-Umfrage

Burn: Ja das 26. Jahr wird es auch noch geben!

Babette: Nein ein Best-Of Album wird es nicht geben, sowas finde ich persönlich total Kacke.

AFL: Ich lass da jetzt aber nicht locker, habt ihr noch was geplant?

Burn: Ja. Im 26. Jahr wird es was Neues geben, wie das genau aussehen wird, wissen wir aber selber noch nicht, das hängt noch von ein paar Faktoren ab.

Babette: Mach es doch nicht so spannend, als Interviewer würde ich das hassen und denken, sag es oder sag es nicht.

Burn: Wir haben natürlich auch was drumherum geplant, aber wir wissen noch nicht; ob es so klappt, daher will ich da noch nicht viel zu sagen.

AFL: Dann will ich da auch gar nicht weiter nachbohren. Wenn ich ehrlich bin habe ich euch nach Teenage Music aus den Augen verloren, ich hatte eigentlich gedacht euch gibt es nicht mehr.

Burn: Was? Du hast die 26 Platten die danach kamen verpasst?

AFL: Was ist in der Zwischenzeit passiert?

Babette: Uns gibt es nie, nie. Mal gibt es uns und dann auch mal nicht, aber nie offiziell nicht und dann gibt es uns wieder.

Burn: Wir haben sehr viele kreative Pausen zwischendurch.

Volker: Vor fast vier Jahren hat mich eine sehr gute Freundin darauf aufmerksam gemacht, dass die Vageenas einen Gitarristen suchen, aber da waren sie auch schon länger auf der Suche.
Francesco: Ja und ich hatte mit Burn in einer anderen Band zusammengespielt und so bin ich dann Bassist bei den Vageenas geworden. Da wusste Babette aber auch noch nicht worauf sie sich einlässt.
Babette: Ich mag den Francesco total gerne.

Burn: Ja man muss schon sagen The Vageenas hatten seit 93/94 an die 30 Musiker in der Band.

Babette: Ja genau so um die 30. Der Burn ist jetzt seit 2006 dabei…

Francesco: Ja und wir so seit 4 Jahren.

Burn: Ja so ist das Leben, man hat dann immer ganz viel vor und dann ergeben sich doch wieder andere Umstände und dadurch gab es dann halt wieder Veränderungen, es gab aber nie Stress oder böses Blut, aber halt lange Kreative Pausen, obwohl wir haben schon in der Zwischenzeit immer Live gespielt.

Burn: Eine Sache haben wir tatsächlich doch noch nach Teenage Music gemacht. Wir haben einen Song zum Film Chaostage beigesteuert.

AFL: Wie hat sich den euer Publikum verändert im Laufe der Zeit? Sind die mit euch alt geworden oder sind da auch viele jüngere Leute bei?

Burn: Sagen wir mal so, sowohl als auch, es sind viele Leute die mit uns gealtert sind, manche auch in Würde, aber auch ganz viele neue Leute.

Volker: Vor zwei Jahren haben wir auf dem Untergang! Festival in Mühlheim gespielt, das eigentlich so ein Teenage Deutschpunk Festival ist, wo alle so 20-25 Jahre alt sind.

Babette: Und jünger!

Volker: Wir sind da nur eingesprungen und es hat geklappt: Die Kids, das soll jetzt gar nicht despektierlich sein, wir sind ja eher so zwanzig Jahre älter, aber die kannten uns, also es gibt immer noch Punks die nachwachsen und die Vageenas hören.

Babette: Die Leute hatten total Spaß das wir spielen. Wir sind wie gesagt für eine andere Band eingesprungen und ich bin dann eher skeptisch, weil sich die Leute ja auf eine bestimmte Band freuen und die spielt dann nicht, sondern da kommt eine andere Band ist das ja nicht die günstigste Ausgangsposition, aber die Leute haben sich total gefreut.

Francesco: Wir machen ja auch eigentlich eine komplett andere Richtung, deswegen war das echt überraschend.

Babette: Ich glaube das liegt auch mit an diesem Chaostage Film.

Burn: Ja Babette ist ja auch sehr präsent in diesem Film

AFL: Wie sieht so ein Tag aus, wenn ihr unterwegs seid zum Auftritt? Macht ihr immer das gleiche? Aus dem Alter immer zu saufen seid ihr ja schon raus oder?

Babette: Ich trinke gar nicht.

Francesco: Der Burn fährt immer, der trinkt auch nicht.

Babette: Wir trinken eigentlich immer Kaffee.

Burn: Ja mit Kaffee und Wasser sind wir eigentlich immer zufrieden (alle lachen)

Francesco: Damit haben wir schon so manchen alternativen Laden in die Bredouille gebracht. Die haben immer nur Bier und keinen Kaffee.

Burn: Oder keine Milch für den Kaffee

Volker: Ich trinke gerne Bier!

Burn: Du bist ja auch ein Schnösel.

Babette: Die Frage war ja eigentlich ganz anders wie sieht unser Tag denn aus.

Volker: Ich bin Düsseldorfer und die kommen aus Bochum, das muss erstmal organisiert werden. Ich fahre dann manchmal mit der Bahn, das ist aber auch abenteuerlich. Letztendlich ist es wie bei allen Bands: Kilometer fressen auf der Autobahn.

Burn: Also es gibt keinen festen Ablauf, wir versuchen das halt vorher so gut wie möglich zu planen um dann festzustellen das es dann doch irgendwie nicht so klappt.

Francesco: Die Rückfahrt aus Salzburg hat dann zum Beispiel auch fünf Stunden länger gedauert als geplant.

Volker: Wir haben die Zeit genutzt und ich habe mit Burn fünf Stunden darüber diskutiert wie man Zucchini und Kartoffeln auf dem Balkon anpflanzt. (lacht) Mittlerweile habe ich das auch umgesetzt.

Francesco: Lange Autofahrten sind einfach immer Scheiße.
Burn: Wir schaffen das aber immer noch nach der langen zeit irgendwie Gesprächsstoff zu haben das für uns die Zeit gefühlt schnell vorüber geht. Immerhin haben wir uns noch was zu sagen, ich kenne das auch anders.

AFL: Was macht ihr so nebenbei neben den Vageenas? Leben könnt ihr ja mit Sicherheit nicht davon!

Burn: Also ich bin Selbstständig, habe eine Firma, ansonsten habe ich auch noch andere Bands in denen ich spiele. Bin Tontechniker, Produzent, produziere auch viele Bands. Das ist so das was ich mache.

Babette: Ja und ich mache nichts und passe auf Hunde auf.

Volker: Ich bin auch freiberuflich unterwegs und mache Ton-Zeugs, ich gebe aber auch Gitarrenunterricht in der Musikschule.

Francesco: Ich mache beruflich was im Handwerk und dann habe ich noch zwei andere Bands. Die eine ist gerade nicht so aktiv, wir suchen einen Schlagzeuger für Punk in Düsseldorf so Richtung Green Day oder so.

Ich sag mal so in der Punk Szene ist ja nicht alles gleich Soli was Soli heißt, aber unterm Strich, wenn es für eine gute Sache ist und auch genau dafür ist, dann brechen wir uns alle keinen Zacken aus der Krone, das machen wir absolut gerne.

AFL: Ihr seid ja auch beim Straßenklang Festival am 20. Dezember im Monkeys Club in Hamburg dabei. Ein Solikonzert für die Obdachlosenhilfe Alimaus. Ist euch sowas wichtig? Das Motto ist ja von der Straße für die Straße?

Babette: Das ist selbstverständlich finde ich und das muss ich auch nicht besonders hervorheben.

Burn: Ich sag mal so in der Punk Szene ist ja nicht alles gleich Soli was Soli heißt, aber unterm Strich, wenn es für eine gute Sache ist und auch genau dafür ist, dann brechen wir uns alle keinen Zacken aus der Krone, das machen wir absolut gerne.

AFL: Macht ihr andere Sachen im sozialen oder Umweltschutz-Bereich?

Burn: Ja mache ich, war früher mehr, aber ist zeitlich mittlerweile etwas schwieriger, ich bin immer viel ins Altenheim gefahren und habe mich da mit den Leuten beschäftigt, also da wo die Pflege aufhört, einfach mal ein bisschen zu hören, ein offenes Ohr haben oder ein Gesellschaftsspiel spielen.

Francesco: Die Babette sammelt und macht ganz viel für den Tierschutz.

Babette: Ja ich sammle für vier private Organisationen die sich vor allem für Hunde einsetzen, da gehe ich zum Beispiel auch Pfand sammeln.

Burn: Erzähl mal von den Hemden, das ist der absolute Knaller.

Babette: Ja wir haben ja Merchandise und das sieht so aus, ich habe bei mir um die Ecke einen super tollen Secondhand Laden, da kostet jeder Artikel einen Euro und da kaufe ich immer die Klamotten für unser Merch. Ich habe mal vor 25 Jahren mit einer Freundin einen Stempel mit unserem Schriftzug aus Linoleum gemacht. Damit bedrucke ich die Hemden und Shirts und so und dann verkaufen wir die Klamotten und alles was über den einen Euro rüber geht, wird dann gespendet.

AFL: Das heißt dann ja es sind alles Einzelstücke!

Babette: Ja genau das ist auch das schöne dabei, es sind alles Unikate und ich versuche den Druck auch immer anders zu machen.

Früher war halt alles anders und ganz neu und heute ist es halt auch etabliert, was machst du heute noch um Leute zu schocken, das geht ja eigentlich gar nicht mehr.

AFL: Wie hat sich die Szene verändert? Was ist besser geworden, was ist schlechter geworden?

Volker: Schlechter geworden ist auf jeden Fall das sie kleiner geworden ist, es fehlt auch wenn es blöde klingt ein wenig der Nachwuchs, der noch den Punk als Subkultur für sich entdeckt. In vielen Läden fehlt dann der aktive Nachwuchs, die Versuchen dann den Laden am laufen zu halten, aber es ohne aktiven Nachwuchs wird das dann halt schwer.

Burn: Ich habe den Eindruck, dass auch die Punkszene eine total überfressene Konsumgesellschaft ist und nur noch stumpfsinnig konsumiert ohne wertzuschätzen was wirklich dahintersteckt. Die ganzen Ideale die wichtig waren in der Szene gehen langsam verloren, das ist so mein Eindruck. Vielleicht sehe ich das aber auch zu schwarz.

Babette: Früher war halt alles anders und ganz neu und heute ist es halt auch etabliert, was machst du heute noch um Leute zu schocken, das geht ja eigentlich gar nicht mehr. Wenn ich da an Wendy O. Williams oder die Slits denke, da waren die Leute ja noch geschockt, wen man Nippel gezeigt hat oder so.

Burn: Die Szene hat ja auch angefangen, viele Dinge die man mit Punk verbunden hat, schlecht zu machen oder zu verbieten. Man darf dies nicht mehr sagen, der fühlt sich auf den Schlips getreten, der ist beleidigt. Für mich war Punk immer eine Sache wo man auch provoziert und polarisiert und aneckt, wo man auch vielleicht extra mal Sachen sagt um Aufmerksamkeit zu bekommen und heutzutage sagst du einmal was Falsches, dann hast du schneller 20.000 Leute die gegen dich sind, als wie du Leute gewinnst, wenn du Musik machst.

Volker: Und dann hat ja auch irgendwann angefangen das sich die Szene von innen selbstzerfleischt hat. Aber, es gibt auch noch einen harten Kern, damit wir jetzt auch nicht alles schlecht reden. Und da gibt es auch noch gute Sachen die passieren.

AFL: Was läuft denn bei euch so gerade für Musik?

Francesco: The Braves und Sex Pistols wie schon seit 30 Jahren

Burn: ich höre gerade viel Reggae, viel alten Punk, also 77er Punk und viel Sixties Kram von Hendrix über die Beatles, Aretha Franklin, alles Querbeet.

AFL: Habt ihr Rituale vor einem Auftritt?

Volker: Burn versucht Babette zu beruhigen.

Burn: Nein das siehst du falsch ich versuche nicht Babette zu beruhigen, ich versuche Babette in Ruhe zu lassen.

Babette: Jeder macht das worauf er Bock hat, ein festes Ritual haben wir da nicht.

Hier zum Abschluss noch ein paar Begriffe und ihr sagt was euch spontan dazu einfällt.

AFL: Bier

Volker und Burn gleichzeitig: Lecker.

Babette: Trinke ich nicht.

AFL: AFD

Alle im Chor: Scheiße!

AFL: Fußball

Alle: Scheiße!

Burn: Es gibt bei uns tatsächlich keinen Fußball Fan in unserer Band. Ich war mal in Buenos Aires und der Taxifahrer kannte sich definitiv mit der Bundesliga besser aus als ich.

AFL: Klimaschutz

Volker: Thema des Jahrtausends.

Burn: Wie sollen wir als Band die in einem Kraftfahrzeug durch Deutschland fährt darauf antworten. Eine schwierig zu beantwortende Frage. Auf jeden Fall ein wichtiges Thema, aber manches lässt sich halt auch nicht vermeiden. Kleine Dinge zu ändern ist der richtige Weg.

Francesco: Vegan leben zum Beispiel.

AFL: Letztes Stichwort! Punk!

Burn: Ist nicht tot, muss aber mittlerweile nachts dreimal Pipi.

Volker: Habe ich aufgesogen und komme nicht davon weg.

Babette: Was manche unter Punk verstehen ist für mich manchmal nur Asi oder Penner Das was ich selbst unter Punk verstehe finde ich super.

AFL: Das lasse ich mal als Schlusssatz stehen, vielen Dank für das Gespräch.

The Vageenas könnt ihr dieses Jahr noch auf dem Straßenklang Benefiz Konzert in Hamburg zusammen mit Small Town Riot und Violent Instinct sehen.

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Moin! Ich bin Sven aus der Nähe von Hamburg, 72er Jahrgang und seit über 20 Jahren glücklich verheiratet. Ich bin seit Sommer 2018 bei AWAY FROM LIFE und mache hauptsächlich Konzertfotos, Reviews und Interviews. Wenn ich nicht meinem „normalen“ Job nachgehe oder für AWAY FROM LIFE schreibe, könnt ihr mich entweder im Stadion beim FC. St. Pauli, auf Konzerten, beim Fotografieren oder beim Sport treffen. Bei letzterem schlägt mein Herz für‘s Boxen und Kraftsport, mittlerweile laufe ich aber auch einige Kilometer in der Woche. Ich liebe NYHC, bin aber auch für viele andere Genre offen, die zu unserer Szene gehören oder zumindest daran angrenzen. Meine All-Time Lieblingsbands sind Sick Of It All, Misfits, Ramones, Agnostic Front, und Slipknot. Hardcore lives!

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