Diesem Rundling haben sich gleich zwei unserer Schreiber angenommen und so bekommen wir einen doppelten Einblick in diese EP – also weiterlesen lohnt sich!

Andreas:

Hunger lautet der Titel der jüngsten Veröffentlichung von der kanadischen Band Vultures. Die EP wurde bereits am 04. Oktober 2019 veröffentlicht und umfasst sechs Nummern mit einer Gesamtlaufzeit von 18:37 Minuten. Nach der 2016 veröffentlichten EP Malcontent ist dies nun das zweite Release der Band. Produziert wurde das Werk von Tim Creviston, der u.a. auch schon mit Misery Signals zusammengearbeitet hat.

In Bezug auf das Coverartwork finde ich den Titel zwar weniger passend (da vergeht einem eher der Appetit), aber man soll das Buch ja nicht nach seinem Umschlag bewerten. Und bei Musik gilt das erst recht. Wenn man dann also die Erinnerungen an den letzten Zahnarztbesuch wieder erfolgreich verdrängt hat, kann man sich ruhigen Gewissens der Platte widmen.

Musikalisch drückt sich Vultures hier selbst den Stempel von „Metallic Hardcore“ auf.  Das hat zwar sicherlich seine Richtigkeit, dennoch erinnert mich das Dargebotene doch eher an Sachen, die bei mir unter „Metalcore“ abgespeichert sind. Das sind wie meistens aber sehr schwammige Grenzen und kein Grund kleinlich zu sein.

Egal wie man es nennt, die Musik der Kanadier weiß durchaus zu überzeugen. Beim ersten Durchlauf war ich zwar noch etwas abgeschreckt von den Vocals, aber wenn man sich erst an die Stimme gewöhnt hat, laufen die sechs Nummern runter wie Öl. Und mittlerweile finde ich den „Gesang“ von Fronter Alex Pearce richtig gut.

Insgesamt eine durchaus gelungene EP, von einer Band, von der man zukünftig sicherlich noch einiges hören wird. Sollte besonders interessant sein für Sympathisanten von Bands wie Dillinger Escape Plan, Converge oder Stray From The Path.


Johnny:

Vultures sind eine 2015 in Kanada gegründete Band, die ihre Musik als „Canadian West Coast Hardcore“ labeln und als Inspiration Größen wie Converge und ‪The Dillinger Escape Plan‬ nennen. Tatsächlich sind diese Einflüsse auch auf der neuen EP nicht zu leugnen.

Aber von vorn: Die EP hat es tatsächlich vorrangig über das Cover in mein Ohr geschafft. Dieses wurde vom Künstler Dusty Ray geschaffen, der sich mit recht obskurer und verstörender Kunst einen Namen gemacht hat (googlen auf eigene Gefahr). Das Artwork von Hunger passt nicht nur perfekt zum Titel der EP, es spiegelt auch die sich darauf befindende Musik sehr gut wieder: aggressiv, wütend und unbehaglich.

Die ca. 20 Minuten lange Scheibe macht gleich mit dem ersten Song Push klar, wo es lang geht, denn der puscht ordentlich. Was zunächst nur wüst und chaotisch klingt, offenbart bei genauem Hinhören die musikalischen Qualitäten der Band: die temporeichen, verspielten und mit verrückten Melodien gespickten Songs sind super detailliert zusammengebaut. Die lange Arbeit der Band an dieser Platte hört man heraus; nichts wirkt deplatziert, alles wurde sich sehr gründlich überlegt. Die einzelnen Instrumente spielen so on-point mit- und aufeinander, dass man sich wirklich wundert, es hier mit einer ungesignten Band zutun zu haben. Abgerundet wird das Ganze durch die Stimme von Frontmann Alex Pearce, der eine Bandbreite von wütend-rotzigem Gebrüll bis zu verstört-verzweifelten Schluchz-Schreien präsentiert. Nie übertrieben, immer passend.

Hervorgehoben sei noch der Song This Hunger, auf dem sich niemand geringeres als Larissa Stupar von Venom Prison die Ehre gibt und wieder einmal beweist, wie verdammt krass sie ist.

Fazit: Allein vom musikalischen Können her müssten die Kanadier mit dieser EP ganz weit oben mitmischen. Technisch gibt es für mich nichts zu meckern. Die Songs wirken allesamt sehr gut durchdacht und die Jungs haben richtig viel Kreativität in diese 20 Minuten investiert. Allerdings ist die dadurch ordentlich durchmischte Art Hardcore vermutlich nichts für jedermann und schon gar nichts für nebenbei. Einen Versuch sollte trotzdem jeder wagen.
Man darf gespannt sein, was uns Vultures auch in Zukunft noch um die Ohren hauen werden. Hungrig sind sie auf jeden Fall.

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