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Da Max noch mit Reagan Youth auf Tour ist, ist es nun an mir diese ostersonntägliche Ausgabe von 10 Records Worth To Die For zu präsentieren. Ich konnte dafür Thomas Backes gewinnen, den ich kennen lernte, als er noch solo als Friends & Liars und mit seiner alten Melodeath-Band And Plagues Will Follow am Start war. Mittlerweile ist er Sänger von Tides!, die just am Karfreitag ihr Debütalbum Celebrating a Mess released haben. Das ist sehr gut geworden und eigentlich wollte ich ein Review dazu schreiben, doch Simon ist mir hier zuvorgekommen. So, nun genug der einleitenden Worte, los gehts…

10 Records Worth To Die For mit Thomas Backes von Tides

Ich würde mich selbst als „Spätzünder“ bezeichnen, was Vinyl angeht. Meinen ersten Plattenspieler hatte ich erst so mit 18,von daher ist meine Sammlung wohl deutlich kleiner als diejenige des ein oder anderen Vorredners in dieser Kategorie. Macht aber nix, es kommen ja fleißig neue dazu. An dieser Stelle erstmal noch Grüße an Measy / Giulio Galaxis (der in #39 seinen Plattenschrank geöffnet hat), meine allererste Platte kam nämlich von seiner damaligen Band Die Rote Suzuki. Nachdem das jetzt geklärt ist kann es dann wohl in ungeordneter Reihenfolge losgehen mit zehn der Platten, die mich in meiner musikalischen Entwicklung geprägt haben.

Rise Against: Revolutions per Minute

Ich habe die Band leider noch nie spielen gesehen, hat sich wohl einfach noch nie irgendwo ergeben. Ich mag vor allem die frühen Alben total gerne. Tim McIlraths Stimme, gemischt mit dem schnellen Punk der frühen Tage ist wirklich was ganz Besonderes. Ich weiß noch, dass ich den ersten Song von Revolutions per minute damals auf dem Weg zu einem Handballspiel gehört habe und sofort mehr wollte. Die Songs unserer ersten EP wurden musikalisch mit am ehesten mit Rise Against verglichen, was mich schon ein bisschen stolz gemacht hat.

Bring Me the Horizon: Suicide Season

Okay, zugegeben, von dieser Band mag man halten, was man will. Ich zähle zu denen, die ziemlich viel davon halten, was die Briten da abziehen. Als ich die Band mit 20 zum ersten Mal im Exhaus in Trier gesehen hatte war natürlich der optische Eindruck der Kids, Emo -Frisuren, bunte Shirts und noch buntere tattoos, noch etwas gewöhnungsbedürftig. Die technischen Fähigkeiten, die man schon auf dem ersten richtigen Album sah, ließen aber auch da schon so einiges einiges erwarten. Was ich aber am spektakulärsten finde, ist dass sich BMTH mit jedem (oder mindestens jedem zweiten) Album neu erfinden. Natürich ist dann das Geschrei immer gross: zu poppig, zu elektronisch, zu Stadion-Rock. Aber mich begeistert gerade diese Vielseitigkeit und auch dieser Anspruch und Wunsch, sich immer ein Stück weiterzuentwickeln. Suicide Season ist für mich die Platte, die das beste Gleichgewicht zwischen Pop-Appeal und Härte hat.

Hell & Back / Perfect Youth: Split

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Die vermutlich am wenigsten bekannte Platte dieser kleinen Sammlung, aber für mich persönlich eine mit hoher emotionaler Bedeutung. 2015 haben beide Bands, mit deren Mitgliedern ich gut befreundet bin, diese Platte aufgenommen,die musikalisch wirklich toll geworden ist (kann ich jedem mal empfehlen reinzuhören). Viel wichtiger ist aber, dass es im Anschluss zur Split auch eine gemeinsame Tour gab, bei der ich mit meinem Songwriter-Projekt auch mit von der Partie war. Diese acht Tage mit solch tollen Leuten unterwegs zu sein hat definitiv geprägt und es zaubert mir auch heute noch ein Lächeln ins Gesicht, wenn ich einen Song der Platte höre. Wundervolle Musik, wundervolle Menschen.

Brand New: The Devil and God Are Raging Inside Me

Brand New sind einfach eine unglaublich großartige Band. Deja Entendu ist eines der gehaltvollsten Pop-Punk-Alben, das mir je untergekommen ist. Bei The devil and God… nehmen sie hingegen das Gas deutlich raus, zugunsten einer Tiefe, die ich sonst ohne Scheiß noch bei keinem Album von irgendeiner Band erlebt habe. Die dynamischen Wechsel innerhalb der Songs sind grandios und Jesse Laceys Stimme deckt von brechend bis aggressiv ein beeindruckendes Spektrum ab. Einfach mal so einen Song zu hören, das geht vielleicht mit ein, zwei Songs auf der Platte. Der Rest ist eher was fürs Am-Stück-hören. Das mache ich heute noch regelmäßig beim nachts Autofahren, weil es genau die richtige Musik ist, um mal über die verschiedensten Dinge nachzudenken, die einen so beschäftigen.

Broadway Calls: Good Views, Bad News

Für mich glaube ich das beste Pop-Punk­-Album überhaupt. Ein Hit nach dem anderen mit unglaublichem Ohrwurm-Potential. Für mich ist das eine ganz große Qualität bei einer Punkbank, wenn man nicht nur gut auf die 12 kann, sondern auch tolle Melodien schreibt. Als ich noch in Trier gewohnt habe, war ich mal auf einem Konzert von Set Your Goals in der Rockhal in Luxemburg, und wie es halt manchmal so ist war das eines dieser Konzerte, bei denen das Vorprogramm deutlich geiler war als der Hauptact. Gespielt hatte zuerst eine Band, deren Namen ich nicht mehr erinnere, aber ich glaube der Bassist hatte nur einen Finger an der rechten Hand und ist abgegangen wie nix. Danach dann Broadway Calls, nie von denen gehört, aber vom Fleck weg angefixed. Die Platte habe ich mir an dem Tag nicht gekauft und das bitter bereut. Nachgeholt habe ich das Ganze dann Jahre später auf Tour im Coretex in Berlin. DIe Platte ist also tolle Musik und gleichzeitig eine schöne Tourerinnnerung.

Darkest Hour: Undoing Ruin

Ja, weil ich in der prägenden Zeit Anfang Zwanzig viel neumodischen Metal gehört (und sogar in einer Death Metal-Band gespielt habe), finden sich in meiner Sammlung natürlich auch ein paar Perlen aus dieser Sparte. Darkest Hour bewundere ich für ihre Rohheitt und trotzdem Melodieverliebtheit, die sich Album um Album bewährt haben. Definitiv eine Band, mit jedem Album geil abliefert, auch wenn ich zugeben muss, dass ich ihr Schaffen heute ein wenig aus den Augen verloren habe. Die machen die Sache auch schon seit bald zwanzig Jahren und das fast in Originalbesetzung, was ich großartig finde.

Pascow: Richard Nixon Discopistole

Ich war knapp im Alter, einen Rollerführerschein machen zu dürfen, als ich Pascow für mich entdeckt habe. Bis heute eine Band, die mich mit jedem neuen Album einfach nur komplett umhaut, obwohl ich Punkrock mit deutschen Texten meistens total stumpf finde. Am prägendsten war aber die Discopistole: ich kann mich heute noch an die legendäre Releaseparty im Saalbau in St. Wendel erinnern. Dort, wo sich sonst ein gesetztes Publikum Theaterveranstaltungen ankuckt, hat irgendwer dieses Konzert genehmigt, das die Messlatte für alle folgenden Releaseparties von irgendwem einfach nur unerreichbar hoch gesetzt hat. Der Boden war mit Matten ausgelegt, aber ich glaube, es ist trotzdem total viel kaputt gegangen. Auf jeden Fall eine unheimlich prägende Veranstaltung, die ich auf immer mit dem Album verbinden werde. Außerdem ist da mit „Ich habe Hollywood besiegt“ mein Lieblingssong drauf, falls man von Pascow überhaupt nur einen Lieblingssong haben kann.

Blink-182: Dude Ranch

Tom DeLonge war schon eine zeitlang sowas wie ein kleines Idol für mich. Mal das ausgeklammert, was er in den letzten Jahren so vom Stapel gelassen hat, ist er Sinnbild dafür, dass man auch ein toller Musiker sein kann, ohne ein guter Instrumentalist oder Sänger zu sein. Ich mag das Simple an dem Typ, der Band und ihrer Musik. Ich finde auf Dude Ranch, dem Album, das noch nicht die ganz fette Produktion hinter sich hat, hört man das am besten. Ich glaube zur Zeit meiner ersten Band konnte ich jeden Song der Platte spielen. Als ich Blink-182 vor Jahren in Luxemburg spielen sah, habe ich mich über die Songs von Dude Ranch gefreut wie ein kleines Kind. Dammit mal live zu hören war einer der besten Konzertmomente, denen ich jemals beigewohnt habe.

The Offspring: Smash

Leider besitze ich das gute Stück nicht auf Vinyl, aber das war original die erste CD, die ich jemals besessen habe. Damals noch mit dem Nachbarsjungen vor dem TV gewartet, dass Self Esteem auf Viva kommt, um dann im Zimmer durchzudrehen. Auch wenn ich die Texte damals überhaupt nicht verstanden hatte, war auch der Rest der Platte klasse, ich mag diesen „mexikanischen“ Einschlag bei Offspring und Dexter Hollands Gesangsstil. Mit Americana haben die danach auch nochmal so richtig abgeliefert, danach wurd’s mehr so…naja. Ich frage mich heute hin und wieder noch, wie mein Leben und meine Hobbywahl so ausgefallen wäre, hätten wir uns andere Sachen, z.B. die Spice Girls oder was weiß ich was, angehört. Vielleicht wäre ich ein toller Fußballer geworden oder würde mich in Anzügen super wohlfühlen. Wenn ich es mir recht überlege, ist es mir aber so, wie es ist, deutlich lieber. Danke Offspring, danke Smash.

The Gaslight Anthem: Sink or Swim

Die Platte war der erste Berührungspunkt, den ich mit dieser Band hatte, und ich war direkt hin und weg. So eingängig und doch so reif, das war eine geile Mischung auf dieser Platte und dem Nachfolger ’59 Sound. Ein bisschen pathetischer als es sein sollte, ein bisschen amerikanischer als man es vielleicht gewohnt ist, aber insgesamt viele ganz tolle Songs, die mich durch die Winter im Studium gebracht haben. Die Platte gefällt sogar meiner Mutter, was ich in dem Fall als Kompliment meine! Ich glaube aber auch, dass TGA diesen Stil in den zwei Alben so perfektioniert haben, dass alles danach eher wie ein Abklatsch oder zu krass überzeichnet wirkt. Ich kann mir die neuen Sachen heute nicht mehr so gut anhören, obwohl mich Brian Fallons Stimme, Solo oder mit TGA, immer noch echt umhaut.

Demons Run Amok - Fest
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Gripweed ist Wikipedianer mit Leib und Seele und das, was man gemeinhin als Musiknerd bezeichnet. Musikalisch ist er in vielen Genres beheimatet, wobei er das Exotische und Unbekannte den Stars und Sternchen vorzieht. Eine Weile bloggte er auch auf Blogspot.de und war Schreiberling des leider eingestellten saarländischen Webzines Iamhavoc (Archivversion: http://archive.iamhavoc.de/) veröffentlicht seine Beiträge aber jetzt hier,

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