Am 31. Juli 2026 erschien das zweite Studioalbum Ataraxia der schwedischen Progressive-Post-Hardcore-Band Allt. Es ist der Nachfolger zum 2024 veröffentlichten Werk From The New World, welches ebenfalls bei Century Media Records erschien. Damals deutlich progressiver, weniger zugänglich und mehr Aggressionspotential.
Den Longplayer beschreibt die Gruppe mit folgenden Worten: „Mit ‚Ataraxia‘ wollten wir aus der Realität heraus schreiben, in der wir tatsächlich leben – nicht aus einer idealisierten Vorstellung davon. Das Album handelt von der Suche nach innerem Frieden, aber auch von jenen Anteilen in uns, die sich dagegen sträuben. Wir alle kennen Momente, in denen wir zwar wissen, was uns guttun würde, aber irgendetwas in uns zieht uns in die entgegengesetzte Richtung. Genau diese Spannung wurde zu einem zentralen Element des Songwritings.“
Weiter wird das Konzept in der Info wie folgt beschrieben: „Ataraxia leitet seinen Namen von dem antiken Konzept der inneren Ruhe ab, nähert sich diesem jedoch als etwas Fernem, Zerbrechlichem und oft Unerreichbarem. Das Album ist im Realismus verwurzelt und geprägt von persönlichen Konflikten, destruktiven Mustern, Sehnsucht, emotionaler Taubheit, Intimität, Isolation und Momenten der Klarheit. Anstatt Ataraxia als Endpunkt darzustellen, begreift das Album es als einen Zustand, dem man sich annähert, in dem man kurzzeitig verweilt und den man oft wieder verliert.“
Nach mehrmaligen Hören hatte ich selbst das Gefühl es gäbe eine Tendenz in Richtung Stoizismus. Geprägt von einer Ambilvalenz während der Titelsong die beschriebene Innere Ruhe zum Thema hat, bewegt sich ein Song wie Ultraviolence am anderen Ende der Skala.
Eine musikalische Gegensätzlichkeit bietet sich auch im Opener New Day und dem Abschluss Avalon. Brachial und auf der anderen Seite Ruhe. Dennoch hat jeder Song ein komplexes, schwieriges Thema. Beim Albumende zu erkennen am Schlüsselwort „Suicide“, der Textzeile „Wash over my soul“ oder
„So am I
Falling backwards or falling within?
What if we turn back the tide?
Save yourself
Cause no one else will”.
Nicht jedes Stück ist durchweg auf “Hauf-drauf” aus, aber alle Stücke verbinden verschiedene Elemente. Die Ambivalenz der Themen spiegelt sich daher auch in der Musik wieder. Ebenso im Auf und Ab, dass hier geschildert wird: Die Suche nach Innerer Ruhe, Ataraxia, der Verlust ebenjener und das sich reflexartige sich-gehen-lassen, weil im Jetzt die Impulskontrolle ausgesetzt hat.
Mir macht das Werk von Anfang bis Ende viel Spaß und kann damit sehr viel anfangen. Musikalisch wie auch textlich. Ein grandioses Werk, das locker Mit-Anwärter zum Album des Jahres sein kann.

















