Als ich auf dem Tells Bells ins Merchzelt ging, hatte ich mir eigentlich selbst ein Kaufverbot erteilt. Zumindest für Bandshirts – davon habe ich definitiv schon viel zu viele. Doch dann saß da ein Typ mit einem Buch, und hinter ihm hing ein riesiger Druck von Pete Koller von Sick Of It All. Ich blätterte durch das Buch und wusste sofort: Das musste mit. Die Bilder waren einfach zu geil!
Ich kam mit dem Verkäufer ins Gespräch, und es stellte sich heraus, dass er selbst der Fotograf war: Per Schorn. Also fragte ich ihn kurzerhand, ob er Bock auf ein Interview hätte. Hatte er – und wie sich herausstellte, las er auch regelmäßig Away From Life.
Gesagt, getan: Hier ist nun das Interview. Ich sage so etwas selten, aber ich bin mächtig stolz auf das, was dabei herausgekommen ist. Pers Antworten sind mindestens genauso gut wie seine Bilder. Aber lest selbst!
Und falls ihr noch ein Weihnachtsgeschenk sucht – so lange ist es ja gar nicht mehr hin –, bekommt ihr hier vielleicht eine Idee. Sein The Photo Booth Book hat mich jedenfalls sofort gepackt.
Viel Spaß mit dem Interview!
AFL: Per, bevor wir über The Photo Booth Book sprechen: Du schreibst, dass Bad Religions „Generator“ deine erste Platte war und dich mit 13 in die Welt des Punkrock gezogen hat. Erinnerst du dich noch daran, was dich damals an dieser Musik so gepackt hat?
Per: Ja, auf jeden Fall. Bis zu diesem Album hatte ich bereits erste musikalische Gehversuche im Bereich Metal unternommen, beispielsweise Running Wild oder Guns N’ Roses, aber die Melodien und Texte auf „Generator“ hatte ich so noch nie gehört. Die Anfangsworte von Greg, bevor die Musik richtig losgeht: „Like a rock, like a planet, like a fucking Atom Bomb…“, haben mich komplett überfahren. Ich dachte wirklich für bestimmt eine halbe Stunde: Besser wird es nicht, und habe nur den ersten Song „Generator“ immer wieder von vorne gehört. Heute zählen aber auch Songs wie „Two Babies in the Dark“ oder „Atomic Garden“ zu meinen Lieblingen, und das ganze Album ist nach wie vor eines meiner Lieblingsalben.
AFL: Dein erstes Konzert war Nuckelavee in einem kleinen Jugendclub in deinem Heimatort. Im Buch schreibst du sogar, dass diese Band einer der Gründe ist, warum das Buch überhaupt existiert. Was ist an diesem Abend passiert, dass er dich bis heute begleitet?
Per: Nuckelavee haben einem kleinen 12- oder 13-Jährigen gezeigt, dass es lediglich ein wenig Mut und Eigeninitiative braucht, um etwas zu erschaffen. Und wenn man sich dazu entscheidet, Musik zu machen, kann man damit andere Menschen inspirieren, ihnen helfen oder sie einfach glücklich machen. So war es auch an diesem Abend. Ich kannte die Jungs aus der Schule, sie waren einige Klassen über mir, und nun standen sie in einem kleinen JUZ hinter ihren Instrumenten und spielten Songs, die mich inspirierten, etwas Eigenes zu machen.

AFL: Mitte der 90er hast du Ignite auf Deutschlandtour begleitet und mit einer Olympus Stylus fotografiert – wobei du selbst schreibst, dass die meisten Bilder ziemlich schlecht waren. Wann kam der Moment, an dem aus „Ich fotografiere Bands“ wirklich der Wunsch wurde, Fotograf zu werden?
Per: Ich kam das erste Mal in einer Foto-AG während der Schulzeit mit der Fotografie in Berührung. Ab dann habe ich einfach alles in meinem Leben fotografiert. Dass daraus mehr wurde, begann ziemlich genau auf dieser Ignite-Tour. Ich wollte zunächst bessere Live-Fotos machen. Ende der Neunziger habe ich mir meine erste Spiegelreflexkamera gekauft, die ich dann – es war ja die Hochphase der Baggypants – zerlegt und an die Beine getapet in die Venues geschmuggelt habe.
Ich hatte etwas gefunden, für das ich mich wirklich begeistern konnte, und für den Jungen, der fünf Monate zuvor die Schule hingeschmissen hatte, gab es nun eine Perspektive, die er interessant fand, sodass ich dann eine klassische Ausbildung zum Fotografen anfing und später noch ein Designstudium drangehängt habe.

AFL: 2008 hast du Walter Schreifels zum ersten Mal porträtiert. Drei Jahre später bittet er dich, Rival Schools zu fotografieren, und praktisch über Nacht entsteht die erste Version deiner Photo Booth. Wie improvisiert war dieses erste Setup tatsächlich?
Per: Das Setup war in der Tat sehr improvisiert 😀
Im Prinzip waren es drei Stoffbahnen, eine weiße und zwei schwarze, die an Stativen hingen, und eine Lampe.
Heute ist die Kabine etwas professioneller und aus transportablen Rahmen aufgebaut.
Ein weiterer Unterschied zum heutigen Prinzip der Kabine war, dass ich Rival Schools sowohl vor als auch nach dem Konzert fotografiert habe.
AFL: Walter schlug anschließend vor, daraus eine ganze Serie von Bandporträts zu machen. Du warst begeistert – aber zunächst antwortete kaum jemand und viele Bands lehnten ab. Wie nah warst du wirklich daran, das Projekt wieder aufzugeben?
Per: Sehr nah. Ich glaube, im ersten Jahr habe ich mit Sicherheit 30 Bands angeschrieben und keine Rückmeldungen bekommen. Nicht mal Absagen. Das war sehr frustrierend, und irgendwann fängt man auch an der besten Idee an zu zweifeln, wenn sie gefühlt nicht ankommt. Zum Glück habe ich mich aber lange genug nicht beirren lassen und es weiter versucht.
AFL: Dann kamen Nations Afire, Frank Turner und Sportfreunde Stiller dazu und plötzlich nahm das Ganze Fahrt auf. Erinnerst du dich an den Punkt, an dem du gemerkt hast: Okay, daraus könnte wirklich etwas Größeres werden?
Per: Genau, Nations Afire hat auf meine Anfrage innerhalb von zwei Stunden sehr euphorisch zugesagt. Und kurze Zeit später auch Frank Turner. Bis heute ist Frank der Türöffner im Buch, jede Band kennt ihn, und sobald sie seine Fotos im Buch sehen, kommt man ins Gespräch. Als Bands wie NOFX, Sick Of It All oder Samiam zusagten, da hatte ich den Gedanken: Jetzt wird’s was Größeres.
Bevor ich 2015 zum Wrecking Ball Festival nach Atlanta eingeladen wurde, gab es einen ersten kleinen Prototyp des Buches. Und das half mir, Bands wie Descendents, Thrice oder The Get Up Kids in die Kabine zu bekommen.
AFL: Das Prinzip ist ungewöhnlich streng: Jeder Musiker bekommt vier Bilder im Abstand von fünf Sekunden. Keine Wiederholung, kein Umsortieren, anschließend dasselbe mit der kompletten Band. Warum war dir diese Beschränkung so wichtig?
Per: Das hat eigentlich zwei Gründe:
Zum einen wollte ich ein Konzept haben, das sich extrem schnell mit den Künstler:innen umsetzen lässt, denn diese haben manchmal weder die Zeit noch die Lust, sich lange vor eine Kamera zu setzen, wenn sie Konzerte spielen.
Zum anderen soll es ja tatsächlich wie eine klassische Fotokabine sein, wie die Passbildkabinen am Bahnhof oder die, die man heute immer wieder auch in Venues findet. Und die funktionieren nun mal so. Vier Bilder und dann ist es vorbei.
AFL: Gleichzeitig gibst du den Musikern keine Anweisungen, wie sie sich vor der Kamera verhalten sollen. Dadurch entstehen Grimassen, Unsicherheit, völliger Blödsinn, aber auch sehr ruhige Momente. Ist dieses Nicht-Eingreifen manchmal schwieriger, als jemanden ganz klassisch zu inszenieren?
Per: Ja und nein… Ich definiere die Kabine wie eine kleine Bühne, die ich den Künstler:innen bereite. Also inszeniere ich den Rahmen und lasse sie darin machen, was sie wollen.
Ich mache das nun schon seit über 14 Jahren, und bis heute ist es beispielsweise etwas herausfordernd – wenn man das so sagen will –, den Auslöser zu drücken, wenn man genau weiß, dass das Bild definitiv unscharf werden wird, weil die Person sich im letzten Moment bewegt hat. Unter diesen Bildern sind aber auch ein paar Lieblingsbilder, die ohne den Zufallsfaktor niemals so entstanden wären.
Beispielsweise Frank Turner: Frank setzte sich mit seiner Teetasse in die Kabine und mein erster Gedanke war, ihn zu fragen, ob er die Tasse nicht abstellen möchte. Zum Glück habe ich nichts gesagt, denn durch die Tasse sind die vier Bilder so einzigartig geworden.
AFL: Bei 130 Bands muss es enorme Unterschiede gegeben haben. Wer war für dich am einfachsten zu fotografieren – jemand, bei dem du praktisch nur auf den Auslöser drücken musstest und sofort wusstest: Das funktioniert?
Per: Die Unterschiede zeigen sich häufig eher vor dem Fotografieren. Beispielsweise kam Oise, der Manager von Boysetsfire, abends nach dem Konzert zu mir und entschuldigte sich, dass die Fotos in der Kabine nicht geklappt hätten. Worauf ich erwiderte, dass wir die Fotos wie besprochen schon längst realisiert hätten. Daraufhin bat mich Oise, mit auf Tour zu kommen, da er es beeindruckend fand, dass ich diese fünf Chaoten schneller fotografiert hatte, als er sie normalerweise finden konnte.
Das Fotografieren selber bzw. jedes Bild funktioniert ja immer, das ist ja das Konzept des Ganzen. Nur wann es letztlich dazu kommt, dass die Band bei mir auftaucht, ist vorher nie klar. Selbst wenn man einen Termin ausgemacht hat.
AFL: Und jetzt darfst du ruhig jemanden anschwärzen: Wer hat dich beim Fotografieren am meisten genervt oder war am schwierigsten vor die Kamera zu bekommen? Und warum?
Per: Lustigerweise hat mich tatsächlich keine der Bands genervt. Alle haben Bock auf das Projekt gehabt und sich mehr oder weniger inszeniert. Einige Bands, die ich fotografiert habe, sind nicht ins Buch gekommen, da sie sich durch untragbare Handlungen selbst disqualifiziert haben. Wenn du Namen hören möchtest, sind das Bands wie Anti-Flag oder Beach Slang.
Das Shooting mit L7 ist leider auch nicht im Buch, da die Damen mit nur vier Fotos nicht zufrieden waren, immer weitermachen wollten und somit das Konzept nicht mehr funktionierte.
AFL: Welche Bilder oder Serien aus dem Buch sind deine persönlichen Favoriten? Gibt es eines, bei dem du heute noch denkst: Genau deshalb habe ich dieses Projekt gemacht?
Per: Die erste und vielleicht offensichtlichste Anekdote gehört Fat Mike. Wir hatten die Fotos der Band und aller anderen Mitglieder direkt nach dem Konzert fotografiert, aber Fat Mike fand die Idee so grandios, dass er über eine Stunde überlegte, was er wohl Besonderes in der Kabine machen könnte, bevor er die Idee mit dem Sexspielzeug hatte. Seine Domina und er machten extra einen Testdurchlauf, um sicherzugehen, dass die Fünf-Sekunden-Regel eingehalten werden konnte.
Eine zweite Serie, bei der ich bis heute ein Schmunzeln im Gesicht bekomme, ist Coheed and Cambria. Claudio saß bereits bei seinen vier Einzelaufnahmen komplett identisch in der Kabine und blieb auch für die Gruppenfotos unbeweglich sitzen, obwohl Joshua ihm dermaßen ins Ohr gebrüllt hat.
Aber ich glaube, dass sich im ganzen Buch diese lustigen Fotos verstecken: Jesse von Juppicide in seinen Masken, Ben Reed von Small Brown Bike, der in der Kabine hochspringt, Frank Iero von L.S. Dunes, der sich in der Kabine im Kreis dreht, oder Adam von Jawbreaker, der mit einer Banane telefoniert.
AFL: Zwei meiner persönlichen Favoriten sind Judge und Aaron Dalbec. Bei Judge finde ich es großartig, dass Mike Judge auf den vier Aufnahmen gefühlt einfach immer gleich aussieht. Und die Serie mit Aaron Dalbec finde ich einfach unglaublich lustig. Erinnerst du dich noch an diese beiden Shootings und wie diese Aufnahmen entstanden sind?
Per: Die Bilder von Mike entstanden 2015 auf dem Wrecking Ball Festival. Die Kabine war im Backstage-Bereich aufgebaut und es war ständig Trubel und immer irgendwas los.
Mike kam zu mir und sagte, dass er kein großer Fan von Fotos ist, aber dass er das Projekt respektiert, und setzte sich ohne ein weiteres Wort in die Kabine, bewegte sich 20 Sekunden nicht und stand wieder auf. An diesem Beispiel sieht man, glaube ich, wie die Bands das Projekt wahrgenommen haben und mir einfach vertraut und mitgemacht haben, obwohl sie sich nicht gerne fotografieren lassen.
Aaron ist das absolute Gegenteil. Nachdem ich das Konzept erklärt hatte, verschwand Aaron und kurze Zeit später tauchte er mit dem Burger wieder auf. Gerade weil Bane die letzte Band im Buch ist, finde ich diesen Abschluss, nicht nur von Aaron, sondern auch von Zachary, einfach grandios.
AFL: Gab es auch den umgekehrten Fall: Jemanden, bei dem du während des Shootings dachtest, da passiert eigentlich gar nichts – und beim späteren Anschauen festgestellt hast, dass gerade daraus richtig starke Bilder entstanden sind?
Per: Da fallen mir spontan zwei Bands ein: The Dillinger Escape Plan und Propagandhi. Bei beiden Bands dachte ich, dass die Fotos furchtbar langweilig seien, und merkte erst später am Computer, wie sehr ich über die Bilder lachen musste.
Bei As Friends Rust habe ich nach dem Shooting festgestellt, dass die Kamera falsch eingestellt war, und ich wollte das Shooting schon löschen und der Band nach Antwerpen hinterherfahren, um alles neu zu fotografieren. Aber die Bilder sind so stark geworden, dass ich sie doch nicht gelöscht habe.
AFL: Greg Graffin schreibt im Vorwort sinngemäß, dass die Lockerheit auf deinen Bildern nicht inszeniert ist und eine Fotosession mit dir eher wie ein Gespräch unter Freunden wirkt. Ist dieses Vertrauen zwischen Fotograf und Musiker letztlich wichtiger für ein gutes Porträt als technische Perfektion?
Per: Ja, ich glaube schon. Natürlich sollte man die Technik so weit im Griff haben, dass ein Foto dabei entsteht, das halbwegs richtig belichtet ist und im besten Fall den Protagonisten zeigt. 😀
Aber gerade Musikern fällt es, glaube ich, schwer, sich jeden Tag aufs Neue auf unbekannte Personen einzulassen. Daher ist Gregs Aussage für mich ein riesiges Kompliment, und ich freue mich jedes Mal, wenn Musiker mir vertrauen und ich sie fotografieren darf.

AFL: Der Schlachthof Wiesbaden spielt in der Geschichte des Projekts eine wichtige Rolle. Das Team half dir, Bands zu erreichen, und fand vor Ort immer einen Platz für deine Booth. Wie entscheidend sind solche Menschen und Orte hinter den Kulissen für ein Projekt wie dieses?
Per: Sehr entscheidend! Du kannst der beste Fotograf sein, aber wenn du deine Ideen nicht vermitteln kannst, werden es immer nur Ideen bleiben. Und zur Realisierung brauchst du manchmal Unterstützung. Ich hatte das Glück, dass der Schlachthof meine Idee unterstützenswert fand und mir bis heute immer wieder hilft, wenn ich eine Band fotografieren möchte.
AFL: Über Samiam führte dein Weg schließlich zum Wrecking Ball Festival in Atlanta. Plötzlich standen dort Bands vor deiner Kamera, deren Platten Teil deiner eigenen Sammlung waren – Descendents, Thrice, The Get Up Kids, Coheed and Cambria und viele andere. Kann man in so einem Moment noch einfach professioneller Fotograf sein, oder kommt manchmal doch der Fan durch?
Per: Der „Fanboy“ in mir kommt bei fast jeder Band heraus und freut sich ein Loch in den Bauch. Glaubst du, dass ich mir jemals erträumt hätte, dass der Typ, der bei Bad Religion singt, das Vorwort zu meinem Buch schreibt?
Das Verrückte an dem Projekt ist, wie viele Bands mittlerweile Fanboys von meinen Fotos sind. Bill Stevenson von den Descendents zum Beispiel hat meine Bilder in seinen Blasting Room Studios hängen.
AFL: Im Buch sind 130 Acts vertreten – von Bad Religion, Gorilla Biscuits, Judge und Sick Of It All über Jawbreaker, NOFX und Propagandhi bis zu Have Heart, Turnstile und Touché Amoré. Welche Zusage für die Photo Booth hat dich persönlich am meisten überrascht oder gefreut?
Per: Eine Band ist sicherlich Bad Religion. Gerade weil dadurch eine Freundschaft zu Greg entstanden ist.
Aber auch Descendents (ich habe bis heute ein Foto von Milo und mir als Profilbild) oder Billy Talent, die einige Jahre vorher nicht auf meine Anfrage reagiert hatten, sagten bei der zweiten Anfrage innerhalb von Stunden zu mit der Aussage: „Natürlich machen wir mit, du hast ja alle unsere Helden schon fotografiert.“
Aber eigentlich freue ich mich nach wie vor über jede Band. Gerade die Bands, die ich auf dem Wrecking Ball fotografiert habe, wie Braid, Small Brown Bike oder The Promise Ring, die schon lange oder noch nie in Deutschland waren, oder unbekanntere Bands wie Swain oder Pool Kids sind ein so wichtiger Teil dieses Buchs. Letztlich sollen die Betrachtenden vielleicht die eine oder andere neue Band für sich entdecken.

AFL: Und wer fehlt? Gibt es eine Band oder einen Musiker, bei dem du seit Jahren denkst: Den hätte ich unbedingt noch in meiner Photo Booth haben wollen?
Per: Viel zu viele. Manche haben aus Zeitgründen abgesagt, bei anderen hat das Management die Anfrage geblockt, manche Bands fanden das Konzept nicht passend für sich, und bei manchen haben wir bisher noch keinen Termin gefunden, wie z. B. Social Distortion, Basement oder AFI.
AFL: Du erwähnst Alex Brown von Gorilla Biscuits sehr persönlich. Ihr habt euch 2014 beim Ieperfest kennengelernt und das Buch ist Alex Brown und Travis Dopp gewidmet. War es schwierig, diese Erinnerungen in ein Buch einzubauen, das ansonsten so viel Spaß und Lebensfreude ausstrahlt?
Per: Eigentlich nicht. Wir als Punks wissen doch, dass das Leben kein Märchenschloss ist. Manche Menschen verlassen diese Welt einfach zu früh, und ich freue mich, wenn ich diese tollen Persönlichkeiten mit einer kleinen Widmung ehren kann.

AFL: Vierzehn Jahre Musikgeschichte landen schließlich in einem einzigen Buch. Wie wählt man aus so einem riesigen Archiv aus? Gab es Bilder oder sogar komplette Bands, die du schweren Herzens weglassen musstest?
Per: Wie bereits bei einer früheren Frage geschildert, sind ein paar Bands rausgeflogen, weil sie sich nicht benehmen konnten. Einige andere Bands haben sich zu schnell wieder aufgelöst, als dass sie einen Fußabdruck in der Szene hinterlassen konnten.
Ansonsten ist die Kuratierung ja denkbar einfach: 100 % werden genutzt, es gibt keine Auswahl 😉
AFL: Du schreibst, dass du für dieses Projekt ausschließlich Bands fotografiert hast, die du selbst wirklich gerne hörst. War das eine bewusste Grenze, damit das Photo Booth Project immer etwas Persönliches bleibt und nicht irgendwann einfach zu einem weiteren Job wird?
Per: Das hast du schön formuliert. Von Anfang an war das Kriterium, ins Buch zu kommen, dass ich mindestens eine Platte von der Band in meinem Plattenregal haben musste. Daran hat sich auch nichts geändert.
Und ja, ich glaube, wenn ich das Projekt für andere Genres oder einfach „die größten Bands der Szene“ geöffnet hätte, wäre es für mich inflationär geworden.
AFL: Eine gemeine Frage für einen Fotografen: Wenn du aus dem gesamten Buch nur ein einziges Photo-Booth-Porträt behalten dürftest – welches wäre es und warum?
Per: Die Frage ist echt fies…
Mir fallen natürlich Hunderte Fotos ein, und auf nur eines kann ich mich nicht festlegen, aber einen Fotostreifen kann ich benennen: Das ist Sergie Loobkoff von – in diesem Fall – Samiam.
Seine Goofy Faces sind für mich einfach der Inbegriff dessen, was man in einer Fotokabine machen soll: Spaß haben.

AFL: Am Ende deiner Einleitung rufst du dazu auf, weiterhin auf Konzerte zu gehen, die Bands zu unterstützen, Musik zu feiern, freundlich zu sein und aufeinander aufzupassen – und zitierst Thrice mit „Stand in solidarity with all humanity.“ Gerade Punk und Hardcore leben stark von Gemeinschaft. Hat sich dein Blick auf diese Szene während der vielen Jahre des Projekts verändert?
Per: Nö.
Natürlich gibt es überall Idioten und manchmal wünschte ich mir, dass auch in unserer Szene die oft hochgehaltene Toleranz doch noch ein wenig mehr in die Tat umgesetzt und Menschen, die sich vielleicht nicht selbst wehren können, stärker unterstützt werden. Aber alles in allem habe ich in den ganzen Jahren immer wieder erlebt, dass Menschen, egal welchen Hintergrunds, akzeptiert werden, und ich habe mehr Menschen im Moshpit kennengelernt als in irgendwelchen fancy Bars.
AFL: Das Buch dokumentiert vierzehn Jahre, wirkt aber gleichzeitig überhaupt nicht wie das Ende der Idee. Ist The Photo Booth Book für dich ein Abschluss – oder steht die Booth beim nächsten interessanten Musiker wieder bereit?
Per: 14 Jahre und kein Ende in Sicht 😀
Tatsächlich sind seit Drucklegung des Buches schon einige Bands dazugekommen. Und es werden auch noch mehr werden, ich habe da noch einige auf meiner Wunschliste… Mal sehen, wie viele noch kommen…
Falls es euch interessiert, die Homepage www.thephotoboothbook.com wird weiterhin aktualisiert.
Und falls ihr das Buch kaufen möchtet, schreibt mir bei Instagram oder eine E-Mail an: contact@perschorn.de und ich melde mich bei euch.
Und bei Coretex gibt es derzeit noch eine Special Edition.










































