Angora Club (Foto by Chris Blumbaker / www.blumbaker.de)
Angora Club (Foto by Chris Blumbaker / www.blumbaker.de)
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Nuclear Blast

Das Debütalbum von Angora Club gehört zu meinen diesjährigen Favoriten. Das Review zu Hasenangst könnt ihr hier durchlesen. Aus den tiefgründigen Texten konnte ich dann auch schließen, dass ein Interview bestimmt ganz schön informativ wäre. Und so ist es dann auch geworden. Aber lest selbst…

Viele meiner Freunde kaufen gerade Häuser und kriegen Kinder und das ist auch gut so. Hauptsache man ist glücklich mit dem, was man tut.

Hallo, wie immer zunächst eine Frage für die, die euch noch nicht kennen… Wer seid ihr, wo kommt ihr her und wie lief’s bisher?

Knott: Moin, ich bin Knott. Gitarre, Gesang & Texter im Angora Club. Ich komme aus Flensburg und bis jetzt ging alles gut.

- Umfrage -
AWAY FROM LIFE Leserumfrage 2020

Olli: Hallo, ich bin Olli, Sänger bei Angora Club. Ich komme aus Flensburg, wohne aber mittlerweile in Glücksburg.

Zur Band: Angora Club. Punkrock aus Flensburg. Gegründet Anfang 2018. Erstes Demo-Tape (4 Songs) Ende 2018, ca. ein Dutzend Konzerte gespielt und dieses Jahr im Mai unser Debütalbum „Hasenangst“ als LP, CD & digital auf Kidnap Music veröffentlicht. Läuft!

Simon: Moin, ich bin Simon. Bassist und einziger Nichtraucher in der Band.

Helge: Ahoi! Ich bin Helge. Ehemaliger Krabbenfischer, jetzt Chefkoch & Schlagzeuger.

Was soll euer Name ausdrücken?

Knott: Flauschigkeitselite.

Wie landet eine Band mit einem Demo bei Kidnap Music?

Olli: Wir haben früher mit Mr. Burns (unsere ex-Band) des öfteren mit Pascow zusammen gespielt. Kidnap Music hatte auch schon eine Single und die letzte Burns LP veröffentlicht. Daher kennen Knott und ich Alex schon ca. 20 Jahre. Als die Hasenangst fertig aufgenommen war, haben wir ihm die Aufnahmen geschickt und gefragt, ob er sich  vorstellen könnte, die Platte zu machen. Er fand die Songs super und hatte Bock drauf.

Angora Club - Hasenangst (2020)
Angora Club – Hasenangst (2020)

Eure LP kommt in fetter Aufmachung. Mich hat besonders das Cover beeindruckt. Während ich versuchte, das Cover in guter Quali für meine Rezi zu bekommen, hab ich ein Foto versehentlich an eine Kollegin geschickt. Die fand’s auch hübsch… Wäre bei Cannibal Corpse vielleicht nicht passiert ;-). Erzählt mal etwas darüber…

Knott: Meine Freundin hat das Bild entdeckt und ich war sofort begeistert. Den anderen ging es genauso. Ich finde es passt richtig gut zur Musik und es ist wunderschön.

Olli: Ja und es ist natürlich auch ein guter Kontrast zu den eher düsteren Texten.

Das Album kann in gewisser Hinsicht als Konzeptalbum bezeichnet werden. Ziemlich mutig, seine Depression auf diese Art zu verarbeiten… Bringt uns einmal dieses Konzept näher.

Knott: Das Konzept war ungewollt. Als ich anfing Texte auf deutsch zu schreiben, merkte ich, dass ich viel persönlicher wurde und dass es mir richtig gut tat, wenn daraus ein fertiger Song wurde. Es sprudelten auf einmal viele negative Emotionen heraus, aber das ist gut so.

Olli: Für die Hasenangst hat Knott ja alle Texte geschrieben. Er hatte quasi einen Lauf, da wollten wir ihn nicht stoppen.

Wenn wir schon dabei sind, gehen wir mal auf die Texte ein… Wer ist Johannes a.D.?

Knott: Das ist ein alter Bekannter von mir, der etwas verbrannte Erde hinterlassen hat. Der Song handelt aber nicht unbedingt nur von ihm.

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Nasser Hund geht ziemlich deutlich auf Depressionen ein und enthält am Anfang auch die Zeile „3 Sekunden freier Fall und alles wäre vorbei“. Wie verhindert man solche Gedanken?

Knott: Suizid war nie eine Option. Egal wie schlecht es geht. Echte Freunde, Musik, Tiere, Liebe und das Leben überhaupt sind einfach viel zu schön.

Dazu gibt es auch ein Video. Erzählt mal davon.

Olli: Das Video gedreht hat Janko Jens aus Hamburg, ein Freund von Helge. Aufgenommen wurde im Februar, in Flensburg. Es war arschkalt. Das Konzept mit dem Hasenkostüm hatten wir uns vorher grob überlegt. Im Kostüm steckte Helge und der Hase sah mehr aus wie ein Hund. Was ja wieder zum Songtitel passte. Wir hatten auf jeden Fall viel Spaß an dem Tag!

Simon: Behind the scene: Als die Schlussszene anstand, war die Frage, wer im Hasenkostüm ins Wasser springt. Hatte verständlicherweise niemand so richtig Bock drauf. Dann kam zufällig ein Typ (Wimpy, wie wir jetzt wissen) vorbei, packt seine Badesachen aus und will ins Wasser gehen. So wurde er dann zum ersten Stuntman in einem Angora Club Video.

Angora Club, Quelle:Facebook

Auch Minusmann und Untergang wurden mit einem Video veredelt…

Olli: Mittlerweile ist mit dem Song Schatten“ noch ein viertes Video dazugekommen. Die wurden alle von Chris Blumbaker aus Flensburg visuell umgesetzt. Inzwischen sind wir fast Videoprofis und es macht schon Spaß, wenn du dann den fertigen Clip siehst.

Peter Pan… Die Faszination für das immer jung gebliebene Kind hab ich nie ganz verstanden. In welcher Beziehung steht der Titel zum doch sehr düsteren Text?

Knott: Ich glaube, dass viele in meinem Umfeld meinen Lebensstil zu krass finden. Etwas gesünder leben könnte mir bestimmt nicht schaden. Ich kann aber nicht. Ich bin sehr gerne manchmal benebelt. Macht Spaß.

Olli: Ja, Knott, ey. Leb´ mal gesünder und rauch nicht so viel. Wie war die Frage?

Toter Winkel ist kein Cover von Love A. Vielmehr nimmt das Stück Bezug zum Albumcover. Wer ist Hase, wer ist Fuchs?

Knott: Das kann man frei interpretieren.
Der Fuchs kann Sucht, Angst, Hass, Krankheit sein… oder einfach ein Fuchs.

Olli: …oder eine schlaue Sau.

Hobbyraum… Zum Erwachsenwerden gehört für viele dazu, Subkulturen zu verlassen oder nur noch im Hobbyraum zu fröhnen… Wie verhindert man das? Und soll man das?

Knott: Ich glaube, man muss es nicht verhindern. Das steckt ja in fast allen Menschen drin. In mir aber absolut gar nicht. Viele meiner Freunde kaufen gerade Häuser und kriegen Kinder und das ist auch gut so. Hauptsache man ist glücklich mit dem, was man tut.

Olli: Ich denke, es muss nicht unbedingt ein Widerspruch sein. Blöd wird’s, wenn du nur noch im Hobbyraum sitzt und den „wilden Zeiten“ hinterher trauerst und eben nicht glücklich bist.

Helge: Indem man die Subkultur nicht verlässt. Finde ich persönlich gar nicht so schwierig.

Was versteht ihr unter einem Leguan bzw. was drückt das Bild für euch aus?

Knott: Da habe ich gar nicht drüber nachgedacht, als ich den Song schrieb. Das kam einfach. Im Nachhinein ist es wohl etwas oder jemand, der nirgendwo reinpasst und sich unverstanden fühlt. Künstlerische Freiheit.

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Untergang ist dann erstaunlich direkt im Vergleich zum Rest des Albums. Ist es wichtig, die Positionen klar zu beziehen?

Knott: Sehr, sehr, sehr wichtig.

Olli: Ja, leider immer noch wichtig. Es laufen zu viele Deppen rum, die gefälligst nicht unsere Musik hören sollen. Also, rechte Spinner, Nazis und artverwandtes Gesindel, verpisst euch!

Helge: Aber sowas von! War es immer und wird es auch immer sein.

Livebild Quelle: Facebook

Doch nichts wird sich verändern, wenn du dich nicht veränderst“… Aber gar nicht so einfach, oder?

Knott: Der Freund, über den ich dieses Lied (Minusmann) schrieb, hat sich sehr zum Positiven gewandelt. Trinkt keinen Tropfen Alkohol mehr und ist super drauf. Toptyp.

Ok, stoppen wir hier mal den chronologischen Rundgang… Erklärt ihr überhaupt gerne eure Texte oder sollen die lieber für sich selbst stehen?

Knott: Ich freue mich natürlich, wenn sich jemand dafür interessiert und versuche es dann auch so gut wie möglich zu beantworten.

Olli: Ich finde das kommt auch immer auf den Text an. Manche erklären sich von selber und andere dürfen auch gerne mal frei interpretiert werden.

Vergleiche mit anderen Bands sind nicht von der Hand zu weisen. Sogar der Promotext spricht davon… Provokant gefragt: Warum braucht es euch und was unterscheidet euch vom Rest der Indiepunk-Szene aus dem Norden?

Olli: Bei der Frage bin ich natürlich befangen. Klar finde ich, dass wir unseren ganz eigenen Stil haben. Die Kombination von diesen vier Typen, mit den verschiedenen musikalischen Vorlieben, ergibt dann ein neues Ganzes. Angora-Style eben. Das Rad erfindet keiner im Punkrockbereich mehr neu, das ist so. Das mögen dann letzten Endes auch andere beurteilen. Entweder es berührt dich oder eben nicht.

Helge: Es braucht uns genauso viel oder wenig, wie jede andere Band. Ich brauche das für mich, mit Freunden Musik machen.

Ok, ich hab euer Album hoch gelobt und es zählt zu einen meiner bisherigen Jahreshighlights… Wie waren die Reaktionen ansonsten? Corona hat sicher auch eure Pläne auf Eis gelegt. Wie war es zur Hochzeit der Pandemie das Album zu releasen?

Simon: Die Reaktionen waren unfassbar positiv. Hätte ich in dem Maße nicht erwartet. Wäre natürlich nett gewesen, das Ganze auch zur Veröffentlichung live zu präsentieren. Als die ganze Geschichte langsam anzog, hatten wir tatsächlich noch die Hoffnung, dass bis zum Release-Konzert am 23. Mai wieder alles normal läuft. Kam dann ja doch anders …

Olli: Das freut uns, dass dir das Album gefällt. Danke! – Ja, das Timing war eher suboptimal, konnte ja niemand ahnen. Die Veröffentlichung zu verschieben, war aber keine Option. Und die Platte läuft, trotz fehlender Konzerte, echt gut. Die Reaktionen waren bis jetzt super. Die Releaseparty haben wir erstmal auf Ende September verschoben. Mal sehen, was dann geht.

Wie sind eure weiteren Pläne?

Olli: Wir haben die konzertfreie Zeit genutzt und schon reichlich neue Songs geschrieben. Album Nr. 2 könnte also wahrscheinlich nächstes Jahr aufgenommen werden. Und sobald es geht, natürlich wieder Konzerte spielen.

Helge: Spielen, spielen, spielen und ne´ neue Platte.

Ich liebe kurze Frage-Antwortspielchen. So Assoziations-Ketten… Also, was meint ihr zu…

Turbostaat  –  

Knott: Großartig

Olli: Flensburg, verdammt. Grüße!

Pascow –  

Knott: Kenne ich schon über 20 Jahre. Tolle Leute!

Olli: Topband & schöne Menschen!

AWAY FROM LIFE –

Knott: Abonniert. Sehr cool und interessant.

Olli: Sehr schönes, informatives Online-Mag.

Corona-Lügen –

Knott: Geht mir alles extrem auf die Nerven.

Olli: Können diese ganzen Verschwörungsvögel nicht einfach mal die Schnauze halten?!

Black Lives Matter –

Knott: Every Live matters. Für mich ist jeder gleich.

Olli: Leider eine nötige Bewegung. Es ist zum Kotzen, dass wir im 21. Jahrhundert immer noch gegen Rassismus kämpfen müssen.

So, und jetzt könnt ihr noch eins auswählen und begründen….

Ärzte oder Hosen –

Knott: Ärzte, bin ich mit aufgewachsen, unter anderem.

Olli: Musikalisch schon lange beide nicht mehr meins, ansonsten Ärzte.

Simon: Hören: Ärzte. Als Support begleiten: Hosen (Helge zu liebe).

Onkelz oder Frei.Wild –

Knott: Boxhamsters.

Olli: Pest oder Cholera?

Helge: Dann doch lieber Freitod, muss man nicht begründen.

Turbostaat oder duesenjaeger –

Knott: Turbostaat UND duesenjaeger

Olli: Ich liebe beide Bands!

Trump oder Johnson –

Knott: Beide Scheiße!

Olli: Politisch & frisurenmäßig beide komplett unnütz!

Simon: Beide, zurücktreten.

Bier oder Wein –

Knott: Definitiv Wein.

Olli: Bier, aber auch gerne mal ´n Wein.

Helge: Bier, Sodbrennen.

Netflix oder Disney+ –

Knott: Mir egal.

Olli: Netflix und dann hauptsächlich Serien. Mit Disney+ hab ich mich noch nicht beschäftigt und auch keinen Bock drauf.

So, hoffe es hat euch halbwegs Spaß gemacht… die letzten Worte in dem Interview gehören euch….

Knott: Danke für das tolle Interview und für das Interesse an uns. LIEBE.

Olli: Vielen Dank, hat auf jeden Fall Spaß gemacht. Hört euch „Hasenangst“ an und esst mehr Gemüse, PEACE!

- Spotify-Playlist -

Die Spotify-Playlist zu unserem Jahresrückblick: Best-Of Hardcore-Punk 2020:

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