Man muss schon sagen, Kidnap Music hats drauf. Gerade was neue Bands angeht, hat das St. Wendeler Punklabel, hinter dem Teile der Band Pascow stehen, momentan ein sehr gutes Näschen. Nach dem formidablen Debütalbum von Maffai (Review hier), der neuen Christmas (hier) und dem gigantischen zweiten Album von Akne Kid Joe, das sogar die Charts eroberte (Review hier), kommt nun Angora Club. Die Band gibts erst seit Anfang 2018. Bisher hatten sie nur ein Demotape auf der Hasenseite (zu dem Wortspiel kommen wir gleich noch). Die Band kommt dennoch nicht aus dem Nichts, die Mitglieder spielten schon in Bands wie Sally Voltage, Kevin Pascal und Mr. Burns. Man merkts, mal wieder Nordlichter aus Flensburg. Da drängt sich nun die Frage auf: klingts wie Turbostaat?

Und die Antwort ist: JA! Dass das nichts schlechtes ist, werde ich gleich noch referieren, jetzt aber erstmal die Basisdaten: das Debütalbum erscheint morgen, am 15. Mai 2020 und hört auf den wunderschönen Namen Hasenangst. In der letzten Zeit habe ich kein schöneres Cover gesehen, ein wirkliches Kleinod im Plattenschrank. Genau – die Platte: 180 gr. Vinyl, Cover aus schwerem Karton, Booklet in Heftform, selber schuld, wer sich die CD kauft. 12 Songs, eingespielt im Herbst 2019 im Marekords-Studio in Flensburg. Produziert hat Marc Mißfeld.

Okay, schöne Aufmachung, hin und her… Aber stimmt der Inhalt? Ja, der stimmt. Der Turbostaat-Einfluss ist definitiv hörbar, aber ich nehme an, dass man anscheinend im Norden einfach auch ähnliche Stimmen hat. Hat wohl was mit Meeresbrisen und Salzgehalt in der Luft zu tun. Ansonsten kann man vielleicht noch KMPFSPRT zu den Einflüssen zählen, denn deren Songs sind ebenfalls so dicht instrumentiert, wie bei Angora Club. Denn mit den 12 Songs kann die Band definitiv eigene Akzente setzen. Wer auf hintergründigen Punk mit nicht ganz doofen Texten steht, wird hier sehr gut bedient.

Laut Gitarrist und Texter Knott könnte man das Album auch als Art ungewolltes Konzeptalbum verstehen. Dieser geht nämlich offensiv mit seiner Depression um. So handeln die Songs „von Selbstzweifeln, der Alltagsbewältigung und dem Älterwerden“, wie er uns im Promotext offenbart. Das hört sich jetzt deprimierender an, als es tatsächlich ist. Das Album ist weder langweilig, noch wirklich von einer traurigen Grundstimmung geprägt. Ja, wirklich lebensbejahend sind die Texte jetzt auch nicht. Aber kritisch und durchdacht. Jedes Lied ein Anspieltipp!

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Nuclear Blast

Tracklist

1. Johannes a.D.
2. Nasser Hund
3. Peter Pan
4. Toter Winkel
5. Hobbyraum
6. Leguan
7. Blei
8. Untergang
9. Minusmann
10. Erika.Alt.Ent.
11. Schatten
12. Utopia

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