Akne Kid Joe – Die große Palmöllüge ::: Review (2020)

2

Akne Kid Joes zweites Album Die große Palmöllüge ist seit dem 03. April 2020 draußen und hat es in den deutschen Charts auf den unfassbaren 29. Platz gebracht, damit sogar höher als ihre Labelbosse Pascow, die lediglich Platz 47 erreichten. Woran lag das? Gute Frage, wahrscheinlich am Esprit und der Musik der Band, vielleicht an einer schwachen Veröffentlichungswoche. Wer weiß das schon… Einen Glückwunsch jedenfalls an die Band, wobei ich mir gut vorstellen kann, dass sie darauf scheißen. Denn gesch… wird auf vieles auf dem Album. Vor allem auf Konventionen.

Das Album beginnt mit dem lakonischen Dialog: Was ist denn das für eine Musik? – Das ist Punk. – Oh, Das klingt sehr wütend. – Sind sie auch. Worüber sind die so wütend? – Über alles. Und das ist auch ungefähr das Marschprogramm, das das Album vorlegt. Denn so richtig gut finden sie nicht viel. Stattdessen geht es in den ironischen Texten gegen die AfD und Spießer, aber auch gegen Altpunks und solche, die es werden wollen.

Akne Kid Joe (2020)

Die ersten drei Songs sind ja bereits von den ziemlich genialen Videos bekannt. Was ziemlich gut kommt sind natürlich die elektronischen Elemente, die schon ein bisschen ein Alleinstellungsmerkmal sind, sowie die wechselnden Gesänge.

- Newsletter -
 

Auch die restlichen 11 Songs (+1 Bonus bei der Vinylversion, den hab ich aber noch nicht gehört) sind schwer gelungen, Ausfälle gibt es eigentlich keine. Etwas schwierig ist vielleicht die recht negative Grundeinstellung und die dauernde Ironie beziehungsweise der Zynismus, die man vielleicht als Punkerfrüchtchen auch noch haben kann, darf und vielleicht auch haben soll, die aber auch eine gewisse Distanz zum Publikum schaffen kann. Und die dann noch erklärt wird, wie im Track zu Was ist eigentlich dein scheiß Problem?!, bei dem ein Sternchen noch einmal darauf hinweist, dass Wörter wie „Indianer“, „Mohr“ und „Zigeunerschnitzel“ „total daneben sind“. Ich finde, das braucht eine Punkplatte nicht. Haben auch Jello und Crass nie gemacht, wenn sie die „Täterperspektive“ in ihren Songs eingenommen haben.

Egal, zurück zur Musik. Die meisten Tracks gehen gut ins Ohr, sind jetzt keine Mitgröhlhits, aber durchaus sehr eingängig. Den Gastbeitrag von Alex Pascow kennt wahrscheinlich jeder von dem Frühlingshit des Jahres (also Sarah (Frau, auch in ner Band)) und den ironischen Offbeat bei Gestern Emergenza hat sicherlich auch jeder gefunden. Hervorheben kann man vielleicht noch den Rausschmeißer Zwischen Thermomix & Webergrill, der in Zusammenarbeit mit HC Baxxter entstand und ziemlich coole Kirmestechno-Element enthält.  Was auf dem ersten Album Markus Söder war, nämlich eine Hassfigur, dem ein Lied gewidmet wurde, ist heuer Dagmar Wöhrl, deren Charity-Aktionen hier für beißenden Spott sorgen.

Sicher ein Album, das noch viele weitere Runden auf meinem Plattenteller drehen wird und ganz sicher ein Kandidat für die Top 5 am Jahresende.

Tracklist

  1. Intro 00:20
  2. Sarah (Frau, auch in ner Band) feat. Alex Pascow 03:05
  3. Gestern Emergenza 01:57
  4. What AfD thinks we do… 03:18
  5. Unser Lehrer Dr. Specht 01:55
  6. Pizza Napoletana 01:40
  7. Steppenwolf 02:25
  8. Unsere Kneipe 02:26
  9. Dagmar Wöhrl 03:06
  10. Was ist eigentlich dein scheiß Problem?! 03:04
  11. Das schöne Leben 02:10
  12. Ich vs. mich vs. euch 02:27
  13. Nachbarn 01:49
  14. Schäm dich! 01:51
  15. Zwischen Thermomix & Webergrill feat. HC Baxxter 03:22

PS: Im Übrigen wäre ich sehr dankbar für den Namen des Films, aus dem der oben genannte Dialog stammt. Es kommt mir so verflucht bekannt vor.

PPS: Ja, die Textzeile „von uns gibts einen Eintrag auf Wikipedia“ ist jetzt das einzig wahre am Song 😉

- Spotify-Playlist -Auf der Suche nach neuen Hardcore-Bands? Dann check unsere Spotify-Playlist New Hardcore Bands:

PLAYLIST FOLGEN »

BEWERTUNG
Bewertung
Vorheriger BeitragPUP veröffentlichen neuen Song „Anaphylaxis“
Nächster BeitragOAKHANDS veröffentlichen neues Video „La Jetée“
Gripweed ist Wikipedianer mit Leib und Seele und das, was man gemeinhin als Musiknerd bezeichnet. Musikalisch ist er in vielen Genres beheimatet, wobei er das Exotische und Unbekannte den Stars und Sternchen vorzieht. Eine Weile bloggte er auch auf blogspot.de und war Schreiberling des leider eingestellten saarländischen Webzines Iamhavoc. nach dessen Einstellung wechselte er mit Max zu AWAY FROM LIFE.

2 Kommentare

Beitrag kommentieren

Bitte gebe dein Kommentar ein
Bitte gebe dein Name ein