Die Anti-Corpos drehen nach 20-Jahren Bandgeschichte noch einmal richtig auf. Das brasilianische Trio ist mittlerweile in Berlin ansässig und hat seinen Sound kälter, dystopischer und härter werden lassen. Auf Backlash liefern sie neun kurze Stücke intensiven queer-feministischen Noise-Punk/HC mit 90er Screemo-Einflüssen ab, die die Welt in ein kaltes, schonungloses Licht rücken. Dystopie und Realität geben sich in den Songs die Hand, aber nicht im Sci-Fi-Sinn in einer fernen Zukunft, sondern mitten in der Gegenwart. Es geht um Krieg, soziale Kälte, rechte Gewalt, Rassismus, Misogynie und gesellschaftliche Erschöpfung. Die Platte klingt nach Überforderung, Wut und Durchhaltewillen in einer Gesellschaft, die Solidarität bekundet aber selten einlöst. Die berliner Kälte klingt dabei deutlich durch und lässt das Album im Vergleich zu früheren Veröffentlichungen der Band weniger chaotisch und dafür deutlich schwerer klingen. Richtig gutes Album, auch weil ich diese Tiefe und Bandbreite aufgrund des sympathischen Albumcovers gar nicht erwartet hätte.
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