Back in Business
Manchmal braucht es eben zwei Anläufe.
Als The Meffs im vergangenen Jahr durch Europa tourten, wurden sie mir von mehreren Seiten wärmstens empfohlen. Also war ich durchaus gespannt, als ich die Band beim Jera On Air zum ersten Mal live sah. Und dann? Nichts. Sie konnten mich tatsächlich überhaupt nicht überzeugen. War die Bühne vielleicht zu groß? War es einfach zu früh am Tag? Keine Ahnung, woran es lag – bei mir wollte der Funke jedenfalls nicht überspringen.
Nur wenige Wochen später bekam ich beim Riez die nächste Gelegenheit. Und plötzlich bot sich ein komplett anderes Bild: The Meffs waren die Bombe! Die Band riss das Publikum mit, hatte eine unglaubliche Energie und konnte mich dieses Mal absolut überzeugen.
Irgendwie geht es mir mit den Alben der Band ganz ähnlich. Vielleicht brauchen The Meffs bei mir grundsätzlich zwei Anläufe.
Business as Usual? Ganz sicher nicht!
Denn während mich der Vorgänger nicht restlos gepackt hat, ist Business schon allein produktionstechnisch ein gewaltiger Schritt nach vorne. Der Sound ist druckvoller, aggressiver und schlichtweg geiler.
Dafür dürfte auch Produzent Dan Weller seinen Anteil geleistet haben. Vor allem aber schaffen es Lily Hopkins an Gitarre und Gesang und Lewis Copsey an den Drums, die Energie ihrer Liveshows endlich richtig auf Platte zu bannen. Und immer wieder stellt sich beim Hören die gleiche Frage: Wie zur Hölle können nur zwei Menschen so einen Lärm veranstalten?
Dass Business dabei kein zufällig gewählter Albumtitel ist, macht die Band selbst deutlich. Business ist Arbeit, Krieg und Politik, aber auch Gesundheit und letztlich all das, was unser Leben bestimmt. Entsprechend wütend, politisch und stellenweise auch verletzlich präsentieren sich die elf Songs.
Let’s Get Down to Business
Der Titeltrack Business haut dann auch direkt voll rein. Was für ein geiler Song! Aggressiv, druckvoll und mit genau jener Energie ausgestattet, die mich damals beim Riez schließlich doch noch von The Meffs überzeugt hat.
Auch Where Did It All Go Wrong? zeigt, dass The Meffs das Punkrock-Handwerk ganz klassisch beherrschen. Ein geiler, rotziger Punkrock-Song, der ohne große Umwege nach vorne geht und genau von dieser Unmittelbarkeit lebt. Kein unnötiger Schnickschnack, keine großen Experimente. Und manchmal ist genau das eben good business.
None of Your Business
Dass Business trotzdem nicht einfach elfmal Vollgas-Punk nach demselben Schema liefert, zeigt besonders Disorder (Wake Up). Der Song klingt düster und bedrohlich, entwickelt dabei aber einen verdammt geilen Groove. Der immer wiederkehrende Wake-up-Ruf wirkt wie ein Weckruf, während die Frage nach dem eigentlichen Feind den Kern der Nummer trifft: Wer ist hier eigentlich der Gegner? Du? Ich? Oder vielleicht diejenigen, die davon profitieren, wenn wir uns gegenseitig als solchen betrachten?
Gerade dieser Kontrast funktioniert hervorragend: musikalisch bedrohlich und schwer, gleichzeitig aber so groovend, dass die Nummer unmittelbar mitreißt. Im dazugehörigen Video tauchen zudem einige bekannte Gesichter aus der Punk-Szene auf, darunter Frank Turner sowie Mitglieder von Itchy, Bad Cop/Bad Cop und Booze & Glory.
Mit God Complex holen sich The Meffs dann Unterstützung von Ingo von den Donots. Musikalisch ist die Nummer vergleichsweise simpel gestrickt: ein sich wiederholender Rhythmus, wenig Schnickschnack und ein Refrain, der entsprechend schnell im Kopf landet. Gerade diese Einfachheit funktioniert aber ziemlich gut.
Inhaltlich steht eine ebenso simple wie unangenehme Kernfrage im Mittelpunkt: Wer bist du, wenn niemand zusieht? Was bleibt von der eigenen Haltung und Moral übrig, wenn es kein Publikum gibt, vor dem man sich präsentieren kann? Zusammen mit dem repetitiven Charakter entwickelt God Complex dadurch seinen ganz eigenen Sog. Kein kompliziertes Business – aber verdammt effektiv.
A Two-Person Business
Überhaupt bin ich immer wieder begeistert davon, was The Meffs zu zweit auf die Beine stellen. Lily Hopkins und Lewis Copsey veranstalten einen derartigen Krach, dass man beim bloßen Hören kaum vermuten würde, dass hier nicht eine komplette Punkband am Werk ist.
Genau an dieser Stelle macht sich auch die deutlich stärkere Produktion von Business bemerkbar. Das Ganze hat Druck, klingt aggressiv und dreckig, ohne dabei in einem Soundbrei zu versinken. Für mich ist das einer der entscheidenden Unterschiede zum Vorgänger.
Eine kleine Besonderheit rund um die Veröffentlichung gibt es dann noch mit Breathe. Das Cover des The-Prodigy-Klassikers gehört nicht zur regulären 11-Song-Tracklist von Business, wurde aber im Zuge der Albumveröffentlichung ebenfalls als Aufnahme verfügbar gemacht. Live kannte ich die Nummer bereits – und schon da hat sie bestens funktioniert. Umso cooler, dass The Meffs ihre Version nun endlich verewigt haben.
Sie schaffen es, dem Song ihren eigenen Stempel aufzudrücken, ohne die Wucht des Originals kaputtzumachen. Ein verdammt geiles Cover, das Keith Flint sicherlich auch gefallen hätte.
Business Is Booming
Was The Meffs mit Business abgeliefert haben, ist schlicht und einfach ein Kracher von einem Album. Gegenüber dem Erstlingswerk ist eine deutliche Steigerung zu hören: druckvoller, aggressiver, abwechslungsreicher und vor allem mit einer Produktion, die der Energie des Duos endlich voll gerecht wird.
Hier zeigen The Meffs, welches Potenzial in ihnen steckt. Alte Fans dürften mit Business sowieso ihren Spaß haben – gleichzeitig würde es mich schwer wundern, wenn Lily und Lewis mit dieser Platte nicht jede Menge neue Fans für sich gewinnen.
Bei mir haben The Meffs bekanntlich zwei Anläufe gebraucht. Live wie auf Platte. Aber manchmal lohnt es sich eben, einem Geschäft eine zweite Chance zu geben.
Business as usual? Fuck no. The Meffs mean business.

Tracklist
- Dreamin‘
- What A Nightmare
- Where Did It All Go Wrong
- Business
- Law
- Fight
- Disorder (Wake Up)
- Love To Lose
- So Modern (Keep Up)
- God Complex
- Like Gravity

















