Prunknelke Foto (© Leo Gölles)

Leo, Gitarre und Vocals, von der Band Prunknelke stellte sich den „6 Fragen an…“-Format und sprach mit mir über Sorgen, Inspiration, Technik, Emotionen beim Publikum, Literatur und einigem mehr. Die Sterben-EP ist Mitte Mai bei grazil Records als Stream-only-Release erschienen.

Welches Album hatte den größten Einfluss auf dich als Musiker?

Da gibts ein paar Kandidaten. Die “ The Shape of Punk to Come” von Refused hat natürlich einen riesigen Wowfaktor wenn man sie das erste mal hört, “Aufrecht” von Flowers in Concrete und “Asbest” von Nekrodeus sind zwar zeitlich und musikalisch recht weit auseinander haben aber für mich beide diese Gedankenbarriere durchbrochen, dass man lokal keine spannende Musik machen kann.

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Das Album mit dem größten Einfluss ist aber wahrscheinlich “Leaves Turn Inside You” von Unwound.
Kulturell ein Punkalbum, musikalisch ein Spagat zwischen, PostPunk, NoiseRock, Folk und Psychedelia – untermalt von einem choralen, fast schon religiösen Unterton.
Alles eingebettet in eine minimalistische, zeitlose Production.
Besonders wie mit Raum und Struktur gespielt hat einen riesigen Einfluss auf mich.
Wie von Passagen mit unglaublich viel Platz für die einzelnen Elemente zu fast schon klaustrophobischen Sektionen gewechselt wird und wie schleichend die Übergänge sind, die Songstrukturen sind oft eher progig angehaucht aber immer songdienlich – es fühlt sich nie so an also ob Ego in den Prozess hineinspielen würde- das sind alles Dinge die “Leave Turn Inside you” für mich ausmachen.

Allein das intro, “We Invent You” eine zweiminütige Synthdrone die zu einem folkigen Dreampop?Shoegaze? Song wird, resettet einen enfach komplett, so dass man den Rest als Gesamtkunstwerk wahnehmen kann.

Zugegebenermaßen das Album ist sehr sperrig und geht auch keine Kompromisse ein was Länge oder PopAppeal angeht, aber ich denke genau das zieht mich auch an.

Lieblingsalbum ist auch ein Ding bei dem wir als Band recht divers aufgestellt sind, bei den anderen sieht das so aus:

Oblivion Access – Lil Ugly Mane
Chaos A.D. – Sepultura
We’re Only in It for the Money – Mothers of Invention

Welcher Song kam positiver bei dem Publikum an, als du erwartest hast? Und wieso hattest du diese Erwartung(en)/Befürchtungen?

Das sind so Dinge über die ich nicht wirklich nachdenke wenn wir einen Song schreiben, da gehts in erster Linie darum, dass er uns gefällt – ist aber natürlich immer schön wenn er dem Publikum auch gefällt.
Ein Track bei dem es mich aber wundert, dass wir immer wieder danach gefragt werden ist “Wert”.
Das ist ein sludgiger Song der in einen noisigen Jam endet und als Closer fungiert. Wir versuchen da immer noch mal alles raus zu holen, den letzten Rest der Stimmbänder zerstören, Effektspielereien haupsache laut und ein bisschen unberechenbar also jetzt nicht die Definition von catchy.
Wir werden abe trotzdem immer wieder danach gefragt und müssen dann immer vorwarnen, dass die aufgenommene Version ganz anders ist als live weil der großteil des Songs improvisiert ist.

Gibt es ein Buch/Film, das/der Einfluss auf eure Texte genommen hat? Wenn ja, welches/welcher und wieso (gerade dieses Werk)?

Nicht wirklich.
Unsere Songs haben auch nie wirklich konkrete Themen oder Geschichten.
Es sind einfach Aneinderreihungen von Sätzen/Wörtern die zusammen irgendwas auslösen sollen und das können viele verschiedene Dinge sein. Ich glaube auch nicht, dass unsere Texte für alle aus der Band das gleiche bedeuten, wir haben da ehrlich gesagt nie groß0 darüber gesprochen.. Das klingt jetzt vielleicht abstrakt macht aber für uns beim Songwriting richtig Sinn.

Wie entstehen eure Songs in der Regel, ausgehend von einem Riff, spielt ihr einfach los und ordnet dann …?

Oft komm ich mit einigen Riffs oder losen Songideen in den Proberaum und dann wird solange gemeinsam daran gearbeitet, viel gejammt und wieder verworfen bis ein Song daraus entsteht,
ganz oldschool keine Preproduction, keine vorprogrammierten Parts einfach im Proberaum abhängen und Songs schreiben.
Wir haben immer wieder versucht ganze Songs alleine zu schreiben – funktioniert für uns nicht, wir müssen alle gemeinsam in einem Raum sein.
Wir setzen uns auch keine Ziele/Vorgaben beim Songwriting, dass ein Chorus nach 30Sekunden passieren muss oder dass eine bestimmte Struktur eingehalten wird zum Beispiel, am Ende muss uns der Song gefallen – natürlich bleibt man trotzdem oft bei einer popigen Struktur, man ist ja darauf konditioniert.

Was für Emotionen wollt ihr beim Publikum auslösen und weshalb?

Das ist mir ehrlich gesagt relativ egal.
Also uns gehts darum Musik zu machen die uns gefällt und natürlich ist das super wenn andere Leute sich damit identifizieren können und ihnen ein Song oder zwei gefallen, aber was sie bei einem Song fühlen sollte doch der Audience selbst überlassen sein.
Vielleicht fühlen ein paar im Publikum auch das selbe das wir dabei fühlen, ein paar werden sich ganz andere Assoziationen haben.
Prinzipiell sollte das in der eigenen Verantwortung liegen.

Welches Instrumentarium habt ihr bei euren Aufnahmen zum aktuellen Album genutzt und wieso fiel die Wahl genau darauf?

Nachdem das ja alles Punkrock ist wird gespielt was live gespielt wird und die Wahl der Instrumente fällt auch recht leicht, wenn man nur so viel zur Verfügung hat.

Also in unserem Fall ist das Bass, Drums, Gitarre und seit neuestem haben wir einen Menschen für Synthesizer/Sampling aber das ist Zukunftsmusik, hihi hoho

Am Bass war es ein Markus Miller Bass in einen FenderRumbleCombo. Die Rumbles werden gern als BedroomPracticeAmp abgetan, aber solange man nicht unendlich laut damit spielen muss klingen sie echt gut, besonders der Drive und Presence Boost hat einen coolen Charackter wenn der Bass etwas klängy ( ist das ein Wort?) sein darf.

Die Gitarre ist eine cheape Hollowbody die ich über die letzen Jahre modifiziert habe. Die spannendste Änderung ist wahrscheinlich, dass ich den PickUpSelector ausgebaut habe und jetzt immer in der MiddlePosition spiele.
Der Sound ist praktische zwei Humbucker, Orange CR120 und ein 2x12Cab also nichts außergwöhnliches. Der ganze Gain kommt vom Amp selbst und Pedals wurde nur ein Tuner und ich glaube ein Eq verwendet, der aber nur dazu da war die Lautstärke vorm Amp für cleanere Parts zu reduzieren.
Sound relativ low gain und viele Mitten

Eine Akustikgitarre kommt auch immer mal wieder auf der EP vor, die haben wir einfach im Proberaum gefunden. Die Saiten schon richtig tot und auch nicht wirklich intoniert aber sie hat gut in den Vibe gepasst.

Das Kit war ein Gretsch Catalina, was für Becken und Felle kann ich dir nicht sagen.

🎧 Folgt unserer Playlist
– Playlist: Happy Release Day

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