Was geht eigentlich seit Monaten in Stuttgart ab?! Haben sie dort was im Wasser, bessere Luft (bestimmt nicht, im Kessel) oder einfach eine kreativere Ader als andere Städte? Keine Ahnung, was aber in letzter Zeit aus der Landeshauptstadt Baden-Württembergs so kommt ist stark! Defiance gehen seit Monaten durch die Decke, das neue Album von Minus Youth ist brutal eingeschlagen und nun steht das Debüt-Album von Deadweight an, welches auf den Namen Echoes Of Despair hört.
Die ersten fünf (!) Singles waren mehr als vielversprechend, am 03.07.26 folgte nun also das Gesamtwerk. Werfen wir einen kurzen Blick zurück: Ein erstes Lebenszeichen der Band gab es erst vor zwei Jahren mit mehreren Singles und der darauffolgenden EP Desolace. Damals hat die Band bei mir einen starken ersten Eindruck hinterlassen. Selten habe ich Bands erlebt, die so durchdacht, professionell und ausgereift an den Start gehen, das ist schon sehr erstaunlich. Klar, die Musiker waren bereits in zahlreichen Bands vor Deadweight aktiv, trotzdem muss man das erstmal so hinkriegen. So wurden vor Veröffentlichung des Debüt-Albums schon Shows mit Battery, Malevolence oder Dogbite gespielt – stark!
Nun aber zu Echoes Of Despair – und da fangen wir von vorne an: Aufgrund der vielen Veröffentlichungen in Single-Form hat die Band bereits eine große Palette an Covern in die Weiten des Internets geworfen. Vor der EP Desolace war ein klares Muster erkennbar, das deutete sich mit den in Grautönen gehaltenen Single-Covern vor dem Debüt-Album nun auch an – kam dann aber überraschenderweise doch ein bisschen anders. Zwar gibt es vereinzelt Bezüge zum Album-Cover, das fällt dann aber doch nochmal etwas aus der Reihe, mit seinem sehr düsteren, Death-Metallischen Stil. Hätte ich so nicht erwartet, sieht aber ziemlich cool aus!

Auch musikalisch gibt es ein paar Veränderungen im Hinblick auf die starke erste EP: Der Sound passt sich mehr dem Album-Cover an. Es scheint, als hätte die Band ihren Stil um einige Grad mehr in Richtung der Metal-Schiene eingestellt. Bereits auf Desolace waren starke Metal-Einflüsse zu hören, jedoch hatten auch die Hardcore- und phasenweise Punk-Elemente einen großen Einfluss. Diese sind nun reduzierter und in Teilen den Metal-Elementen gewichen.
Dies manifestiert sich anhand mehrerer Faktoren: Zum Einen gibt es einen sehr großen Einsatz der Double-Bass, vor allem zu Beginn des Albums. In fast jedem Song gibt es lange Passagen, was die Songs grundlegend getragener macht. Generell stechen die Drums für meine Ohren stark hervor, so ist beispielweise das Ride-Becken in Rift so brutal on Point. Darüber hinaus gibt es immer wieder kleine Raffinessen an den Drums, die die Songs im Gesamten aufwerten.
Ein weiterer Unterschied ist der Einsatz der Gitarren, wo vermehrt auf klassische (hohe) Metal-Melodien gesetzt wird und hier und da auch Soli eingestreut werden. Immer wieder blitzen aber auch die Hardcore-Einflüsse durch, beispielsweise in Lowlife oder Silicon Blood, oder gar kleine Beatdown-Momente (Chronos & Perish). Bei Silicon Blood gibt es auch mal einen Uptempo-Beat, was dem bis dahin eher getragenen Soundgewand gut tut. Der Fokus verschiebt sich also leicht, ohne auf Abwechslung und Aspekte aus dem Thrash/Hardcore zu verzichten.
Als dritter großer Aspekt ist – neben den gewohnt brachialen Shouts – auch der an einigen Stellen eingebaute cleane Gesang zu nennen. Auch das ist für mich in der Menge überraschend, funktioniert aber zwischendurch erstaunlich gut. Normalerweise bin ich bei cleanem Gesang im Metal/Hardcore/Metalcore weg, und auch bei Deadweight ist mir das zu viel – aber an der ein oder anderen Stelle klappt das sogar für mich ganz gut.
Grundlegend ist – neben den Änderungen in der Ausrichtung des Sounds – zu sagen, dass Deadweight eine unglaublich talentierte Band sind, was das Songwriting angeht. Die Songs sind klug, durchdacht, technisch anspruchsvoll und schaffen es, eine Stimmung zu erzeugen, die sich perfekt mit dem Albumcover deckt. Das Pendel schlägt immer noch zwischen Metal und Hardcore aus, es ist für meine Ohren jedoch eine größere Tendenz zu ersterem zu erkennen. Darüberhinaus ist die Produktion ultra clean und eines Debüt-Albums mehr als würdig. Hier weiß jeder was er tut, das spiegelt sich definitiv im Sound wieder.
Achja, Gäste gibt es auch! Und zwar steuert Sabrina von Defiance in Chronos einen Part bei, Stuttgart supports Stuttgart, so muss das sein!
Wer das Ganze live erleben möchte, sollte zur Release-Show am 22.08. ins Zinsholz nach Ostfildern (bei Stuttgart) kommen. Dort spielen neben Deadweight außerdem Peace Of Mind, Pure Devotion und World At War.
Fazit: Die neun Songs auf dem Debüt-Album Echoes Of Despair wissen zu überzeugen! Die Ausrichtung von Deadweight hat sich etwas verändert, der Metal verdrängt den Hardcore ein wenig, ohne die Überhand zu übernehmen. Das funktioniert super und erweitert das eh schon große Portfolio der Band nochmal. Deadweight beweisen, dass sie Kreativität, perfektes Songwriting und eine große Abwechslung unter einen Hut bekommen können. Eine Vinyl-Version ist derzeit (noch) nicht angedacht, ich hoffe sehr, dass sie noch kommt. Bis dahin der dringende Appell: Streamt Echoes Of Despair!

















