Bad Religion - No Control
Bad Religion - No Control

Am 2. November 1989 erschien mit No Control der Nachfolger von Suffer. Bad Religion haben hier deutlich mehr Tempo drauf und direkt der Opener Change Of Ideas ist unterhalb der 1-Minute-Grenze. Ebenso klassisch: Bis auf Sanity (2:45 Minuten) ist jeder andere Song auf diesem Longplayer unterhalb der knackigen 2:30-Minuten-Punkrock-Song-Marke.

Sänger Greg Graffin beschäftigt sich im ersten Stück mit dem Wandel der eigenen Weltsicht. Diese Änderungen kamen zu dem Zeitpunkt vermutlich durch sein Studium zustande. Das Resultat ist: Graffin promovierte in Zoologie an der Cornell University und hielt sowohl an der University of California, Los Angeles, als auch an der Cornell University Lehrveranstaltungen in den Naturwissenschaften. Außerdem ist der Frontmann die einzige Konstante in der Band und als Co-Gründer seit 1980 dabei.

Der Song Big Bang (Urknall) beschäftigt sich mit dem Urknall und der Theorie vom „Big Crunch“ (das sich das Universum irgendwann zusammenzieht und möglicherweise implodiert). Hier ist sind beide Konzepte als Metapher zu verstehen. Gibt es keinen Big Crunch, dann ist das Universum endlich und ebenso die darin enthaltene Energie, die für das Wachstum gebraucht wird. Ist die Energie endlich, könnte es den Big Crunch geben. Inspiration zum kam von Stephen Hawkings Buch „Eine kurze Geschichte der Zeit“ aus dem Jahr 1988 (mit dem Untertitel: „Vom Urknall zu den Schwarzen Löchern“).

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Der Titelsong beschäftigt sich mit der Idee, dass es die Kultur war, die der Menschheit dieses größere Wachstum ermöglicht hat. Ohne dieses Ideenreichtum hätten die Menschen eine bestimmte Größe in Sachen Population erreicht und würden dann stagnieren. Laut der besungenen Theorie gibt es das häufig / immer in der Tierwelt. Nur Medizin, Agrikultur und vieles mehr haben zu einer solchen Steigerung geführt.

Sometimes I Feel Like scheint etwas in Richtung Alexithymie zu besingen. Die Unfähigkeit Gefühle beschreiben, benennen und artikulieren zu können. Automatic Man besingt satirisch den „Held“, der in jedem von uns steckt, der immer und überall arbeiten geht, Teil der großen Konzernmaschinerie ist und nicht selbst denken kann.

I Want to Conquer the World beschäftigt sich mit dem Christentum (und meines Erachtens damit auch mit jeder anderen Glaubensrichtung / Religion, weil sie sich zu sehr ähneln). Der Erzähler hinterfragt die Aktionen, die viel zu laut sind und die eigentlich Botschaft überdecken würden. Außerdem kann mensch im altruistischen Sinne helfen ohne je von Gott, Glauben, Religion gehört zu haben – mensch benötigt dies alles nicht, um „gut zu sein“ oder „zu helfen“. Wenn mensch helfen möchte, kann dies auch immer und überall geschehen.

Sanity beschäftigt sich im weitesten Sinne mit „(geistiger) Gesundheit“ – vielleicht auch im Sinne von Stabilität (auf mentaler Ebene). Kurt Vonnegut sagte einmal sinngemäß, dass eine geistig gesunde Person einer geistig ungesunden Gesellschaft als geistig ungesund erscheinen muss. Vermutlich, weil die geistig ungesunde Gesellschaft ihren eigenen Zustand nicht erkennen und reflektieren kann.

Henchman könnte als frühe Warnung der Band gesehen werden bezüglich der Versuchung die von den sogenannten (a)sozialen Medien ausgeht. Die verzweifelte Suche nach (schneller) Anerkennung während mensch seine Individualität verliert. Mit It Must Look Pretty Appealing gibt es wieder einen guten Song auf die Ohren. Besungen werden die ganzen Versuchungen mal mit Hilfe von Metaphern und Wortspielen, mal ohne.

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Laut einem Beitrag auf der Fan-Website TheBRPage schrieb Gitarrist Brett Gurewitz den Song You als „umgekehrtes Liebeslied für eine Ex-Freundin, auf die ich stinksauer war“. Außerdem gibt es eine weitere Ebene auf der man das Lied lesen kann: eine zynische Satire, das Menschen nicht fähig sind (Welt-)Frieden herzustellen. Progress besingt den Fortschritt und das, was mit ihm mitkommt (Nachteile).

In I Want Something More macht sich die Band Gedanken darüber, dass sich Milliardäre immer wieder neue (umweltschädlichere) Methoden einfallen lassen müssen, um einen bestimmten Rohstoff zu bekommen. Im kleinen sind es (verbeamtete/unkündbare) Lehrer, die sich keine Gedanken darum mehr machen müssen, wie sie ihren Unterricht gestalten müssen.

Anxiety handelt von der Angst, die in uns allen wohnt. Frontmann Greg Graffin stellt im Chorus eine hervorragende Verbindung zum evolutionsbiologischen Konzept des Atavismus her. In Billy geht es um einen Jungen, der sich in Drogen und Lastern verliert. Der Titel greift das etablierte Pseudonym von „Bily Gnosis“ auf. Gitarrist Brett Gurewitz beschrieb den Song als: „… einen der wenigen Songs, die irgendwie vage autobiografisch waren. Billy war ich. Es ging um einen Jungen, der drogensüchtig war.“

The World Won’t Stop ist der Rausschmeißer vom Album No Control. Er handelt davon, dass es in der Phase von Jugend zu Erwachsenwerden eine Phase gibt, wo das Gefühl von Verantwortung steigt. Diese treibt den Gros der Menschen dazu härter zu arbeiten und dabei sich selbst zu verlieren. Dem „großen Ganzen“ bist du egal. Die Welt dreht sich weiter, wenn du nicht mehr bist. Es ist eine Warnung davor, sich zu verlieren für all den vermeintlichen Ruhm, der Anerkennung etc.

Die fünfzehn Stücke sind voller Melodie, mit einem angenehmen Tempo versehen und können mitreißen. Vor allem sind sie voller intelligenter Texte, die wirklich gut dafür geeignet sind, sich damit zu beschäftigen. Heutzutage geht das wirklich noch einfacher als Ende der 1980er / Anfang der 1990er Jahre.

No Control ist zurecht ein Klassiker und bereitete mir viel Spaß.

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– Playlist: Happy Release Day

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