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Dead Serious Recordings

Das Tells Bells in Villmar, nahe Limburg, öffnete am 11. August zum 14. Mal seine Pforten für Liebhaber der härteren Töne (für alle anderen übrigens auch). Zum wiederholten Mal ist es hier den Organisatoren gelungen ein Line Up zu zaubern, das sogar Freudentränen in das Gesicht des härtesten Hardcore-Kid treibt. Neben regionalen Bands haben sich dieses Jahr absolute Kracher wie Good Riddance, First Blood, No Turning Back, No Fun At All, Face To Face und Terror das Mikro in die Hand gegeben. Und das Ganze für 27 (!) Taler das Wochenende inklusive Camping. Möglich ist das, weil mit dem Festival keine Gewinnerzielungsabsicht verfolgt wird, dahinter steht der Villmar Kult e.V. (unser Interview mit den Organisatoren findet Ihr hier).

Und den Leuten des Vereins geht es um eine gute Zeit, zu fairen Preisen, was sich auch in den Beträgen für die Getränke widerspiegelt. Wer bei Bier oder Apfelwein für 1,80 € lange überlegt oder gar meckert, war entweder noch nie auf einem Festival oder kommt aus einem Paralleluniversum, in dem das Gesöff in Bächen durch das Land strömt.

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Stäbruch Festival

Musikalisch eröffnet wurde das Festival von Defeater. Ja, genau…DIE Defeater aus Boston. Möglich war das, weil die Band am Abend eine Show in Oberhausen hatte und den Nachmittag nochmal sinnvoll nutzte. Ihr Melodic-Hardcore kam dann auch entsprechend gut bei den Anwesenden an, die Band wurde gebührend abgefeiert.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Petrus bereits seinem offensichtlich etwas unfähigen Praktikanten das Ruder über die Zentrale überlassen, um sich zwei Tage frei zu nehmen. Dass der Kerl das Gewerbe das gesamte Wochenende nicht in den Griff bekam, disqualifiziert ihn wahrscheinlich für weitere Einsätze in der Abteilung. Wohin er versetzt wurde und ob es da besser läuft, werden wir natürlich investigativ verfolgen.

Also kurz: es hat das ganze Wochenende mehr oder weniger geschifft, dass es nicht immer Spaß machte, sich vor der Bühne aufzuhalten. Da eine gewisse Regenjacke ihren Namen nicht verdiente, gab es zu Beginn des Freitagnachmittags in einem Zelt auf dem Infield diverse Getränke, um der Körpertemperatur unter die Arme zu greifen. Der Journalistenpflicht wurde eine Zeit lang nicht nachgekommen, aber mal ehrlich: meine Mama sagt immer, dass die Gesundheit vorgeht.

Die Tatsache, dass ich somit nichts über The Tex Avery Syndrome, Visions Only und Rogers sagen kann, tut mir leid…aber ich mache das Wetter (noch) nicht.

mit freundlicher Genehmigung von Beckstage Photography

Mit No Trigger kam dann eine Band auf die Bühne, die ich zuletzt 2007 auf dem Sucks´n´Summer gesehen habe und auf die ich mich sehr gefreut hatte. Mit Hilfe des Zaubertranks trat eine gewisse Ignoranz gegenüber dem Wetter ein und der Gang vor die Bühne wurde gewagt. Elegant ist zwar anders, aber was will man machen, wenn einem bei jedem Schritt der Schuh im Schlamm stecken bleibt…? Und ist es dann fair, dass die Band so geil spielt, dass man immer tanzen muss? Rücksichtslose Kerle…diese No Trigger-Typen…

Face To Face zeigten sich in absoluter Spielfreude. Die Songs des Quartetts aus Kalifornien, US&A, zünden live einfach und es wurden die wichtigen Songs, vor allem vom aktuellen Album Protection, gespielt. Das gleichzeitige Tanzen erwies sich als immer schwieriger, was einzig und allein am aufgeweichten Boden lag…!

Ich hatte mich echt auf Good Riddance gefreut. Leider musste ich nach dem ersten Song aufgeben, weil mich die Nässe und die Kälte (und der Suff) in die Knie gezwungen hatten. Somit war auch klar, dass ich No Fun At All verschmähen musste. Manchmal is doof…

Mit gen Himmel gereckter Faust und wilde Flüche ausstoßend machte ich mich auf den Weg zu meiner Herberge, lernte dabei einige Vorgärten von Villmar näher kennen und deponierte in einem davon cleverer weise ganz sicher mein Handy, da es doch wirklich schade gewesen wäre das gute Stück zu verlieren…

Am nächsten Tag, voller Tatendrang, blieb ich erstmal etwas länger liegen. Nach dem Interview mit den Organisatoren des Festivals kehrten wir im Rathauseck ein, da es dort wirklich lecker Essen, gute Getränke und Live-Fußball gibt. Und gegen Nahrungsaufnahme kann ja wohl keiner was sagen…

Als wir gegen 17.30 Uhr gestärkt und voller Tatendrang wieder das Gelände stürmten, war das Wetter wirklich gut – also es regnete nicht – und Broken Teeth! waren gerade dabei die Bühne abzureißen. Geile Show von den Jungs aus Manchester…ich komme auf jeden Fall das nächste Mal pünktlich.

Als nächstes gaben sich Siberian Meat Grinder die Ehre…und der wilde Stilmix der Buben machte richtig Laune. Gespickt mit geilen Songs legten sie ein gutes Brett hin und brachten den ein oder anderen Mutigen auf dem weiterhin schwierigen Geläuf vor der Bühne in Bewegung.

Risk It! Yo, Risk It! Was soll ich sagen? Die Jungs aus Dresden haben sich in letzter Zeit fast als Allesspieler etabliert und legten auch beim Tells Bells eine tadellose Show hin, die Spaß machte und die müden Knochen endgültig in Fahrt brachte. Lediglich die immer wiederkehrenden „Szene-Ansagen“ von Sänger Gregor nutzen sich bei mir von Mal zu Mal ab…aber das ist ja mein Problem…

mit freundlicher Genehmigung von Beckstage Photography

Als ich in der Pause zwischen Risk It! und Teenage Bottlerocket Getränke organisieren wollte, habe ich mich in ein Gespräch mit einem gleichermaßen furchtbar betrunkenen und wahnsinnig sympathischen Menschen vertieft, sodass ich Teenage Bottlerocket leider verpasst habe. Scheiß Quatscherei auch andauernd…

Pünktlich zu No Turning Back hatte mich die Matschkuhle aber wieder. Und das war auch wirklich alternativlos. Die Jungs aus Eindhoven sind live einfach stark und legten mit ihrem Old-School-Sound einen gelungenen Auftritt hin…ich glaube mich zu erinnern, dass der Regen wieder einsetzte…

Nachdem No Turning Back einfach geil waren, machten sich First Blood daran, alles zu zermalmen. Sie kamen wahnsinnig druckvoll rüber (hier auch nochmal ein echtes Kompliment an den Sound beim Tells Bells), zockten eine Menge Songs ihres aktuellen Albums Rules und motivierten immer mehr Leute die schwierigen Bodenverhältnisse zu überwinden…mit unterschiedlichem Erfolg…

Ich habe das ganze Wochenende gute bis sehr gute Bands gehört. Aber als Terror kamen, war schnell klar, wer die Chefs im Ring sind. Tight, druckvoll, einfach noch eine Schippe mehr. Eine mega Show; und es war einfach wieder scheißegal, dass es schüttete wie zum Endspiel 1954. Die Herren aus LA haben es einfach drauf, spielten all ihre Hits und ließen wirklich keine Wünsche offen…n Träumchen, mal ganz ehrlich.

mit freundlicher Genehmigung von Beckstage Photography

Völlig nass, total glücklich und mit dem festen Vorhaben nächstes Jahr wieder zu kommen – und zwar völlig egal bei welchem Wetter – ging ich meiner Wege und zog neben dem überragenden Line Up, den fairen Preisen und der mega friedlichen Stimmung eine weitere positive Bilanz: ohne die matschigen Verhältnisse wäre es vor der Bühne ganz anders zugegangen und ein alter Sack wie ich wäre mal schön fachmännisch in seine Einzelteile zerlegt worden. Es ist halt alles eine Frage des Blickwinkels…nur das Tells Bells nicht, das ist von allen Seiten geil!

mit freundlicher Genehmigung von Beckstage Photography

 

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