Das TELLS BELLS Festival ist ein im beschaulichen Villmar, nahe Limburg, angesiedeltes Festival, das Jahr für Jahr Line Ups in den Ring wirft, die es wirklich in sich haben. Da hier aber Preise aufgerufen werden, als würden die örtlichen Schülerbands ihrer ersten Show entgegenzittern, haben wir von AWAY FROM LIFE den Verdacht gehegt, dass es sich hier eventuell um reine Geldwäsche der italienischen Mafia handelt.

Also haben wir uns mit harten Fragen bewaffnet, einen Zugang zum inneren Zirkel des Villmar Kult e.V., der das TELLS BELLS organisiert, erschlichen, um der Sache auf den Grund zu gehen. Es wurde uns eine dreiviertel Stunde eingeräumt…und die haben wir knallhart genutzt.

Ob das TELLS BELLS wirklich Teil von mafiösen Strukturen ist, welche Zwecke rohe Eier in Villmar manchmal noch erfüllen und wie sich die Bands bei so einem Festival backstage benehmen, könnt Ihr im folgenden Interview nachlesen.

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v.l.n.r.: Kathi, Ralph, Andy

AFL: Toll, dass das Interview zustande kommt. Vielen Dank, dass Ihr Euch während des Festivals ein bisschen Zeit nehmt. Könnt Ihr Euch zum Anfang bitte mal vorstellen? Wie viele seid Ihr insgesamt?

Kathi: Ich bin Kathi, seit Anfang an dabei und mache den Backstagebereich. Insgesamt sind wir 100 Leute im Verein.

Ralph: Ich bin der Ralph Schäfer, der 1. Vorsitzende von Villmar Kult e.V. und auch Gründungsmitglied. Den Verein haben wir 2002 gegründet und das Tells Bells veranstalten wir seit 2004.

Andy: Ich bin der Andy, 2. Vorsitzender vom Villmar Kult e.V., ich mache das Bandbooking beim Tells Bells und bin auch Gründungsmitglied.

AFL: Erzählt doch bitte mal von den Anfängen des Tells Bells. War das ne Suff-Idee? Wie ging das Ganze los?

Ralph: Angefangen hat das so, dass wir die Veranstaltungen in Villmar, die aus Disco- und Schlagerveranstaltungen bestanden, ein bisschen ätzend fanden und wir was machen wollten, das in unsere Musikrichtung geht. Dann wollten wir irgendwann mal die König-Konrad-Halle in Villmar mieten und dort Partys machen. Das wurde uns als Privatpersonen verweigert. Es wurde uns von der Gemeinde mitgeteilt, dass wir dafür einen Verein bräuchten und dann hatten wir sieben Leute zusammen gefunden und haben den Villmar Kult e.V. gegründet. Dann hatten wir zwei oder drei Alternative-Partys, um das erste Tells Bells Festival vor zu finanzieren.

Vom Namen her war das schon eine kleine Suff-Idee (lacht). Der baut auf die Wiese auf, wo der Campingplatz ist, das ist die Tells-Wiese…

Andy: Weil da vor 80 oder 100 Jahren Theaterstücke von Wilhelm Tell aufgeführt wurden. Und dann leitet sich, sehr offensichtlich, von AC DC das Tells Bells Festival ab. So ist der Name entstanden.

AFL: Als das Festival dann ins Laufen kam, gab es den Moment, an dem Ihr Euch gefragt habt: „Worauf haben wir uns da nur eingelassen?“ Hattet Ihr Unterstützung? Woher kam das Know-How?

Kathi: (lacht) Das Fragen wir uns jedes Jahr. Gerade in diesem Jahr, bei dem Wetter, fragen wir uns, warum man sich das antut. Aber im Endeffekt macht es ja dann doch Spaß.

Andy: Das erste Festival hier im Umkreis war das Out Of Ordinary Festival, ca. 25 Kilometer von hier, die haben uns schon mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Die haben uns die Bühne, als wir sie noch selber konstruiert haben, zur Verfügung gestellt. Die machen auch Thekendienst. Das Festival gibt es leider nicht mehr, aber wir wurden von denen echt extrem unterstützt. Und dann lernt man auch jedes Jahr wieder einige Sachen dazu, mit denen man eigentlich gar nicht rechnet, dass es sowas gibt (lacht).

Ralph: Bisher hatten wir mit dem Wetter die letzten 14 Jahre immer sehr viel Glück gehabt. Wir hatten bei zwei Festivals mal ein bisschen Regenschauer gehabt, aber so ein zwei Tage Dauerregen hatten wir hier noch nicht. Deshalb waren wir auch etwas überrascht, dass die Platzverhältnisse gestern so extrem waren, aber ich denke wir haben so gut es geht reagiert, um heute doch mit dem Programm fortfahren zu können.

Man lernt halt jedes Jahr dazu. Auch die Leute aus der Crew wissen in den Bereichen, in denen sie tätig sind, bescheid, sodass die Sache läuft und man nicht immer hinterher sein muss. Es macht ja auch jeder freiwillig und es ist auch schwierig da immer die Leute rum zu kommandieren.

AFL: Wie veränderte sich dann das persönliche Leben als Organisator eines Festivals?

Andy: Komplett eigentlich. Gerade beim Booking oder Ralph kümmert sich um die Infrastruktur mit Bauzäunen, Bühne und Sound, dass das eigentlich das ganze Jahr latent begleitet wird. Ein, zwei Monate vorher wird es dann teilweise richtig stressig. Wenn die Bands dann ankommen und ihre Wünsche äußern und das dann wieder 42 Mal zwischendurch wieder abändern.

Die Festivallandschaft ist in Deutschland ja mittlerweile ziemlich ausgeprägt und da muss man beim Booking schon schauen, dass man ein anständiges Line Up zustande bekommt. Direkt nach dem Festival muss ich eigentlich schon wieder mit dem Booking für das nächste Jahr anfangen. Mir wäre es ohne das Festival über das Jahr ziemlich langweilig.

Ralph: Die letzten Monate vor dem Festival besuchen wir viele andere Festivals und Veranstaltungen, um da Werbung für das Tells Bells zu machen. Da sind wir richtig aktiv und deutschlandweit unterwegs.

Andy: Es macht wirklich Spaß. Es ist zwar stressig, aber positiver Stress im Endeffekt. Bei Werbung auf Festivals ist der größte Teil die Fahrt, vier bis fünf Stunden teilweise, dann eine Stunde Plakate kleben und dann gehen wir aber auch zum gemütlichen Teil über.

Kathi: Aber positiver Stress eigentlich erst, wenn es vorbei ist…oder? So am Samstagnachmittag kann man sich langsam entspannen, da wird es langsam besser.

Andy: Der Freitag ist immer stressig mit dem Einlass, bis alles da ist. Dann fehlt hier noch was, da ist irgendwas und Samstag ist es dann ruhiger.

AFL: Wenn man so durch Villmar läuft, kann man erahnen, dass Ihr nicht sofort alle Ortsbewohner auf Eurer Seite hattet. Ist das so? Gab es Widerstände und wenn ja: Wie massiv waren sie?

Andy: Anfangs, weil wir auch relativ grün hinter den Ohren waren, waren hier die Zustände teilweise schon relativ chaotisch, die Leute haben geparkt, wo sie wollten. Die haben die Parkplätze am Einlass gar nicht genutzt. Die Leute haben irgendwo ihr Zelt aufgeschlagen und da waren dann massive Widerstände. Nach zwei oder drei Jahren mussten wir dann zum Kreuzverhör auf die Gemeinde, wo die uns dann alle in die Mangel genommen haben.

Ralph: Es gab aber auch Anwohner, die uns unterstützt haben.

Kathi: Es gab aber auch Anwohner, die haben Unterschriften gegen uns gesammelt.

Andy: Aber mittlerweile steht die komplette Gemeinde, bis auf zwei, drei Quertreiber, hinter uns. Die finden es gut, dass junge Leute sich engagieren und was machen und sehen dann auch darüber hinweg, dass es mal zwei, drei Tage lauter und etwas dreckig ist.

AFL: Könnt Ihr Euch an skurrile Storys erinnern, die den Widerstand mancher Anwohner verdeutlichen?

Ralph: (lacht) Das eine war mit der Sprechanlage…

Andy: (lacht) Da waren Ralph und Kathi auf Weltreise und selbst nicht da. Da hatte ein Festivalgast ein kleines Wortgefecht mit einem Anwohner. Dann ist der Festivalbesucher hingegangen und hat dem ein rohes Ei in die Sprechanlage gedrückt und hat ihm am gleichen Abend noch mit einem Stein die Fensterscheibe eingeschmissen.

Das war 2010 ein ziemlich beschissenes Festival durch die Katastrophe bei der Love Parade. Da haben wir kurzfristig ziemlich heftige Auflagen bekommen. Es war eh alles angespannt und dann bei der letzten Band diese Aktion. Da haben wir hier mit Tränen in den Augen da gestanden. Und der Anwohner hat uns aber beruhigt und gesagt, dass alles gut ist und wir uns keine Sorgen oder Vorwürfe machen sollen.

Das war die einzige Aktion in Bezug auf Vandalismus. Sonst ist es halt ein bisschen dreckig und laut, aber da stehen die Anwohner drüber.

Die direkte Anliegerstraße macht sogar Samstagabend ihr Straßenfest, weil die Straße eh abgesperrt ist. Dann setzen die sich da hin und grillen und trinken und haben eine schöne Hintergrundbeschallung.

Kathi: Manchmal laden die Anwohner die Camper auch zum Duschen ein. Ich weiß zwar nicht, ob es was kostet, aber sie dürfen duschen, sie dürfen teilweise frühstücken. Es gab auch schon jemand, der für die Camper Würstchen gegrillt hat.

AFL: Gab es andererseits Zuspruch von Seiten, mit dem Ihr nicht gerechnet hattet? Wer waren Eure ersten Unterstützer außerhalb des Vereins?

Andy: Das fängt an mit ortsansässigen Firmen, die uns Material in Form von Staplern und Radladern zur Verfügung stellen. Extrem wichtig ist, dass wir beim Thekendienst von fast allen Ortsvereinen entlastet werden, vom Männergesangsverein bis hin zum Tennisclub. Wir bekommen mittlerweile sehr viel Zuspruch.

Ralph: Wir versuchen sowas aber auch wieder zurück zu geben und die anderen Vereine aus Villmar zu unterstützen, wenn da Veranstaltungen sind, sind wir auch immer mit einer Thekenmannschaft da.

Andy: Und da wir sowieso, auch wenn man das aufgrund der Musikrichtung nicht vermutet, sehr gerne auf die Kirmes gehen (lacht), machen wir da natürlich auch gerne Thekendienst und geben damit den Vereinen ein bisschen was zurück. Unterstützen auch teilweise in Form von Spenden.

AFL: Von 2006, der dritten Ausgabe, zu 2007 gab es einen gewaltigen Sprung im Bekanntheitsgrad der Bands. Wie kam das zustande?

Ralph:Wir haben mit einem kleinen Budget angefangen. Wenn was hängen bleibt, investieren wir das in Equipment, um uns den Aufbau zu erleichtern oder in das kommende Jahr ins Line Up. Dann wächst das dann halt stätig. Aber es muss auch vom Booking her passen. Wir haben kein unendliches Budget bei unseren Eintrittspreisen, deswegen schauen wir immer, dass es passt und dann schlagen wir zu. Wir haben auch oftmals Bands, denen es hier gefallen hat und das dann auch an andere Bands weiter geben. Und wenn es dann ins Booking gepasst hat, haben wir dadurch halt einen kleinen Sprung (gnadenlose Untertreibung; AFL) gemacht.

Andy: 2008 hatten wir dann hier Agnostic Front. Das ist ja dann mal ne richtige Hausnummer. Die hatten da, glaube ich, noch ne Lücke in ihrer Tour, dass die verhältnismäßig günstig zu haben waren. Das war dann der größte Quantensprung von 2007 zu 2008. 2009 hatten wir dann ähnliches Glück mit Sick Of It All und dann hat sich das so entwickelt, dass es jedes Jahr ein bisschen mehr wurde. Es wurde von den Besuchern sehr gut angenommen, wobei wir das Booking fast ausschließlich nach unserem persönlichen Geschmack machen. Aber es scheint ja einigen Leuten auch zu gefallen.

AFL: Was ändert sich in der Organisation, wenn die Bands größer bzw. bekannter werden?

Kathi: Das Catering (lacht)…in erster Linie das Catering.

Andy: Teilweise ein bisschen divenhaft (lacht)…da haben wir einige lustige Storys…

AFL: Habt Ihr hier auch schon Erfahrungen mit Rockstar-Gehabe gemacht? Erzählt mal…ihr müsst auch die Namen nicht nennen…

(alle lachen)

Kathi: Aftershow-Food. Es musste nachts um eins in Villmar eine Käsepizza her. Das ist natürlich hier etwas schwierig. Wir sind hier nicht in Frankfurt. Es gibt zwar n Shop wo man Pizza kaufen kann, aber nicht um eins (lacht).

AFL: Das hört sich jetzt noch nicht so wild an. Da gibt es doch nicht bessere Storys, oder?

Ralph: Die Story geht eigentlich noch ein bisschen weiter. Wir haben dann über den lokalen Bäcker, dessen Sohn auch bei uns im Verein ist, dass der nachts um eins die Pizza in den Ofen schiebt und dann hoch fährt. Dummerweise ist der Bäcker dann eingeschlafen und die Band hat die Pizza dann erst etwas später bekommen.

Kathi: Bis die Pizza da war, das war dann schon eine Stunde Hölle (lacht). Und sonst schicken die Bands halt Catering-Rider, da steht alles Mögliche drauf…

Andy: Was letztes Jahr noch ganz lustig war: ein veganer Sänger hat sich n Cheeseburger genommen (lacht) und hat dann dem Koch gesagt, dass der sehr gut ist, schmeckt wie ein normaler Cheeseburger (alle lachen) und da wurde er aufgeklärt. Er hat es ausgespuckt und geflucht…

Kathi: Wir haben extra vorher gesagt: linke Seite vegan, rechte Seite Fleischburger. Aber die hatten halt Hunger und es hat mir keiner zugehört (lacht).

Andy: Eigentlich sind die meisten relativ easy.

AFL: Gab es hier schon durchgeknallte Stage-Rider?

Kathi: Durchgeknallt würde ich nicht sagen. Es gibt schon relativ viele Wünsche. Es gibt Catering-Rider die länger sind, welche die kürzer sind. Sowas wie Socken ist fast schon Standard in der Szene. Richtig durchgeknallt würde ich jetzt nicht sagen. Es ist machbar.

Ich glaube manchmal sind auch Tests drauf. Ob man das jetzt erfüllt oder nicht.

Das war jetzt zwar nicht bei uns, aber bei einem befreundeten Festival: da sollte es nach Farben sortierte M&Ms geben (alle lachen).

AFL: Ich nehme an, dass sich mit der Vergrößerung eines Festivals dann auch die Strukturen im Verein verändert haben… Wie seid Ihr mittlerweile aufgestellt? Und gibt es auch Nachwuchs? Ich will Euch nicht zu nahe treten, aber…

(alle lachen)

Ralph: Wir haben einen Vereinsvorstand, der aus dem 1. Vorsitzenden, 2. Vorsitzenden und dem Kassierer besteht. Das ist der geschäftsführende Vorstand. Darüber hinaus haben wir noch kleinere Ämter. Sonst haben wir keine passiven Mitglieder sondern nur aktive. Das kommunizieren wir bei Anfragen auf Vereinsbeitritt entsprechend, dass wir ein Verein sind, wo mit angepackt werden muss. Und diejenigen, die an dem Wochenende sehr aktiv sind, bilden ein kleines Orga-Team. Aber höchstens sind das im Ende so sechs bis acht Leute.

Andy: Gerade diese Festival-Touren und die mittel- und langfristige Vorbereitung, das sind nicht viele Leute. Bei den Festival-Touren sind wir zwischen vier und zehn, die da Promo machen. Auch mal auf ein Konzert gehen, dass einem nicht so gefällt, um Werbung zu machen.

Aber dann beim Aufbau waren wir am Dienstag so um die 30. Es nimmt sich halt nicht jeder Urlaub dafür. Ich nehme mir jedes Jahr dafür zwei Wochen Urlaub, Ralph und Kathi auch, aber es macht halt nicht jeder. Kann man auch nicht verlangen. Einige haben mittlerweile Family, da bedanken sich die Frauen, wenn man sich mal zwei Wochen Urlaub nimmt, um hier auf dem Festival rum zu laufen.

Ralph: Aber es ist schon immer so, dass wir beim Auf- und Abbau so um die 30 + x zur Verfügung haben.

Andy: Gerade dieses Jahr, bei den Wetterverhältnissen, zeigt es sich, dass man sich auf die Leute verlassen kann. Also insgesamt…naja…das ist ein internes Thema…

(alle lachen)

AFL: Ihr zaubert Jahr für Jahr geile Line-Ups. Dieses Jahr ist für mich persönlich der absolute Kracher. Meint Ihr, das ist noch zu toppen?

Andy: Die Frage stellen wir uns jedes Jahr selber. Das haben wir letztes Jahr auch gesagt. Aber dieses Jahr, mit den ganzen Punkrock-Bands, die selten in Europa sind, das ist schon sehr geil.

Wir haben jetzt schon Wunschvorstellungen, wen wir nächstes Jahr gerne hätten und das versuchen wir, soweit es geht, in die Tat umzusetzen. Aber es kommt sowieso immer komplett anders, dementsprechend sind Bands, die man gar nicht auf dem Schirm hat auf einmal dabei oder Bands die man erst kennen lernt, weil man sie gerade angeboten bekommt. Es wird sich zeigen, ob wir das toppen können oder nicht. Wenn wir das Niveau halten, sind wir gut dabei.

AFL: Welche Bands waren noch nicht hier, die Ihr unbedingt auf die Bühne bringen wollt?

Andy: Comeback Kid! Hoffentlich werden die dadurch jetzt nicht teurer, wenn ich das sage (lacht).

Kathi: Sick Of It All könnte nochmal kommen.

Andy:Die haben sich mittlerweile als absoluter Crew-Favorit herauskristallisiert.

Kathi: Und A Wilhelms Scream, aber das beruht auf Gegenseitigkeit.

AFL: Laut den Kassierern – und da gebe ich Ihnen voll und ganz recht – ist das Schlimmste, wenn das Bier alle ist. Hattet Ihr schon solche Situationen, wo elementare Dinge gefehlt hatten? Was war da los?

Ralph: Also anfangs hat uns der Getränkelieferant ein bisschen unterschätzt und musste teilweise mehrfach anrücken. Obwohl wir bereits beim Aufbau schon Nachlieferungen hatten (lacht). Dann hat er gemerkt, dass er uns noch einen zweiten und dritten Kühlwagen hinstellen sollte, weil er keine Lust hatte noch mehrfach am Tag was nachliefern zu lassen. Aber es ist noch kein Besucher bei uns verdurstet.

Andy: Letztes Jahr, da war es sehr heiß, da haben wir Panik bekommen, weil wir dachten, die Becher würden nicht reichen.

AFL: Wenn ich mir die Bands der letzten Jahre anschaue und die Preise, die Ihr aufruft: wie ist das möglich?

Andy: Keine Ahnung. Wir sind halt ein gemeinnütziger Verein und haben keine Gewinnerzielungsabsicht. Wir haben ein paar Sponsoren. Die Masse macht es vermutlich, dass die Leute wahrscheinlich extrem durstig sind, bei den Preisen.

Ralph: Wir haben viel Unterstützung durch regionale Firmen, viele verstehen das und finden das gut und wir bekommen bei denen dann gute Preise. Weil es ja auch für einen guten Zweck ist. Wenn was beim Festival hängen bleibt, dann wird das natürlich gespendet.

Andy: Es gibt auch viele Landwirte, die das hier unterstützen. Wir haben hier zehn Ballen Stroh geleifert bekommen, die haben ihre Traktoren für mehr oder weniger umme zur Verfügung gestellt. Das spart natürlich auch schon mal eine Stange Geld. Die Unterstützung ist hier gemeindeinternsehr, sehr groß. Wir machen uns hier nicht die Taschen voll. Es geht um Rücklagenbildung und Spenden und ich denke, dass das die Leute hier auch cool finden und uns deswegen so weit es geht unterstützen.

AFL: An wen spendet Ihr? Habt Ihr da Standard-Organisationen oder überlegt Ihr jedes Jahr aufs Neue?

Andy: Die Hardcore Help Foundation ist die letzten drei Jahre immer berücksichtigt worden, weil das einfach erstens immer gut passt und zweitens ne richtig gute Sache ist. Die sind jedes Jahr mit einem Stand hier vertreten. Und ansonsten sammeln wir vereinsintern Vorschläge und dann wird geguckt wo es aktuell am ehesten benötigt wird.

Der Sportverein bekommt immer was, weil die uns die Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Ohne diese Räumlichkeiten wären so große Bands vielleicht auch nicht möglich, weil die sich nicht unbedingt in ein Zelt setzen würden.

Kathi: Vereine, von denen wir wissen, dass was Großes ansteht, die werden von uns eigentlich immer bedacht.

AFL: Wie sieht es mit dem Zuschauerandrang aus? Könntet Ihr mehr Karten verkaufen, als es möglich ist oder hält sich das in Grenzen?

Andy: Komischerweise könnten wir mehr Karten verkaufen, wird sind nie ausverkauft. Ich nehme an, dass es ander Lage liegt, dass wir hier relativ ländlich sind und es halt einfach unbekannt ist, deswegen nehmen wir auch so Touren auf uns; nach Bremen letzte Woche nochmal in Belgien, Ruhrpott-Rodeo. Wir kämpfen auf jedem Festival um jeden einzelnen Gast, weil wir bei den Preisen darauf angewiesen sind.

AFL: Was war die witzigste Story, die Ihr je im Laufe eines Tells Bells erlebt habt?

(schweigen)

AFL: Oder ist hier nichts lustig?

Ralph: Hier ist Lachverbot!

(alle lachen)

Andy: Hier muss man böse gucken, das ganze Festival über!

(alle lachen)

Ralph: Ich denke die Aufräumarbeiten sind immer ganz lustig. Und was man da für Gegenstände, vor allem auf dem Campingplatz, findet.

Kathi: Vollgeschissene Eimer.

(alle lachen)

Ralph: Wir haben vor mehreren Jahren eine Gummi-Quietsche-Elefanten gefunden, der nun seit mehreren Jahren beim Aufräumen dabei ist. An einem Stock befestigt.

Andy: Das ist das Zepter. Da war einer der hat aufgeräumt und hatte noch ziemlich gut einen sitzen gehabt, weil er vom Trinken direkt aufräumen gegangen ist. Dann kam er wieder und hatte einen Besenstiel mit dem Elefantenkopf dran und der ist seitdem. Quasi das Maskottchen, das uns bisher Glück gebracht hat.

Kathi: Der ist aber auch vom Stock gefallen.

Andy: Weil der bei unserer After-Party öfter mal in die Mangel genommen wird.

AFL: Näheres ersparen wir uns hier…

Andy: Es handelt sich lediglich um Wrestling-Moves.

(alle lachen)

AFL: Gab es schon mal den Gedanken: „das schaffen wir nicht mehr. Das war das letzte Mal!“?

Kathi: Gestern Abend…

(alle lachen)

Andy: Früher war der Gedanke Standard. Aber Energie und Lust ist definitiv noch vorhanden. Wir haben auf jeden Fall noch Ziele vor Augen. Jetzt muss man mal gucken, ob dieses Jahr – aufgrund des Wetters und der fehlenden Besucher – ein großer Rückschlag wird oder ob wir das halbwegs auffangen können und dann wird sich geschüttelt und spätestens nach der Kirmes (im September; AFL) geht die Lust wieder los.

AFL: Was ist das Punkt von dem Ihr sagen würdet: „Dafür mache ich das!“ Wofür lohnt sich der ganze Aufwand?

Kathi: Wenn wir Montagabend beim Restetrinken zusammen sitzen und uns die Storys vom Wochenende erzählen.

Andy: Das ist der geilste Tag im Jahr, wenn Montagabend hier fast alles weg ist und zusammen sitz, trinkt und lacht, Musik hört, sich auf das nächste Jahr freut. Das ist inneres Blumenpflücken.

AFL: Habt Ihr Ideen für eine Weiterentwicklung – in welcher Form auch immer – oder genießt Ihr eine gewisse Routine?

Ralph: Es ist eher die Routine. Wir wollen nicht unbedingt größer werden. Der Spaß und Zusammenhalt im Team sollte an erster Stelle stehen. Und so ist es auch. Und wenn wir eine andere Größenordnung angehen würden, kann es im Team in der Form nicht mehr funktionieren. Dann würden wir richtig in die kommerzielle Richtung gehen, die Sicherheitsauflagen würden sich erhöhen. Das würde auf Kosten des Spaßes der Besucher gehen und wir wollen den Besuchern immer Spaß bieten. Und wenn es zu groß würde, wäre es nicht mehr das Ding, was wir gerne machen wollen.

Andy: Es soll ein Festival bleiben, wo wir selbst gerne hingehen würden. Gute Preise, gute Bands, schnelle Bedienung.

Kathi: Nicht zu voll…

Ralph: Die Leute ja…

AFL: So, ich gehe jetzt was trinken und Ihr könnt weiter arbeiten…herzlichen Dank für Eure Zeit, Jungs. Wollt Ihr noch etwas los werden?

Andy: Die Leute können uns gerne supporten. Es lohnt sich auch eine weitere Anfahrt, bei dem Preis-Leistungs-Verhältnis. Es wäre schön, wenn wir die Bude mal komplett voll bekommen würden. Wir waren mal kurz davor, aber nie komplett ausverkauft.

Dass das TELLS BELLS noch nie ausverkauft war, ist wohl die schockierendste Aussage des ganzen Interviews…

Ihr wisst was zu tun ist: TELLS BELLS in Villmar! 10.08.-11.08.2018!!!

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