Manchmal ist Petrus ein Judas

Festival-Freitag

Noch während Max und ich auf dem Weg nach Bonn waren, ereilte uns bereits die Nachricht, dass der Festival-Freitag auf dem Green Juice Festival buchstäblich ins Wasser fallen wird. Das Gelände ist nicht bespielbar; den eigentlichen Parkplatz solle man bitte auch nicht anfahren. Schönes Schlam(m)assel, so hatten die Mädels und Jungs sich selbst und uns zur 10-jährigen Geburtstagssause des Green Juice doch ganze zwei Tage mit feinsten Bands und Festivalspaß gönnen wollen. Sehr schade! Lygo konnten ihren Gig zwar spontan im Bla spielen, leider haben wir diesen Locationwechsel aber zeitlich nicht hinbekommen. Man munkelt aber es sei heiß, voll und gut gewesen.

Als wir dann in Bonn angekommen waren und einen Parkplatz jenseits des Parkplatzes gefunden hatten, zogen wir trotzdem mal los zum Einlass um mal die Lage zu checken. Dort konnte man uns noch nicht viel sagen, aber schönerweise hatten wir die Herren von Royal Republic unterwegs am Bus getroffen. Eine sehr nette Unterhaltung, die einen deutlich spüren lies, dass auch die Bands wirklich unglücklich über die Wetterbedinungen und die resultierende Absage waren. Wenn man zwischen den Zeilen las, könnte es sich wohl lohnen, frühzeitig bei der Location der After-Show-Party zu sein. Das Festival hatte auch bereits angedeutet, dass man versucht, einen „Special Guest“ zu organisieren.

Alles klar! Kurz beim Italiener neben dem Gelände was gefuttert und ab zum Brückenforum, wo die Party gegen Abend beginnen sollte. Als wir ankamen warteten die Festivalbesucher bereits in einer Schlange, die sich einmal um den halben Block wickelte. Viel Gemunkel, viel Geflüster bis dann feststand, wer und wann so auftreten wird. Schönerweise war die Stimmung in der Schlange trotz Warterei und aller Umstände äußerst gut. Als man endlich in die spontan viel früher bereitgestellte Location einfallen durfte, waren The Prosecution bereits zugange.

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Die Halle füllte sich langsam. Als Blackout Problems dann ran durften war es lauschig warm und gut gefüllt. Das Publikum hatte definitiv Spaß, auch wenn wir die Jungs eher als blasse Schönlinge wahrnahmen.

Nach Blackout Problems kündigte sich dann eines meiner persönlichen Highlights an: Royal Republic. Oft gesehen, nie wurde ich enttäuscht und stets darin bestätigt, dass man die Herren aus Schweden definitiv nicht mit den Weichspülern von One Republic verwechseln darf. Als Besonderheit trat die Band als The Nosebreakers, also als ihre eigene, akustische Tribute-Band von sich selbst, auf. Zugegeben: Die in dieser Version angeschlagenen Töne sind dann doch eher zarter als gewohnt, jedoch findet dies auf einem musikalisch extrem hohen Niveau statt und das Green Juice konnte seinen Zuschauern damit definitiv eine Besonderheit jenseits des normalen Programms bieten.

Durch das abgeänderte Programm wurden Adam Angst zum Healiner des Indoor-Freitags. Feine Sache, denn ich mag es nach Festivals schon sehr, mit so einem Auf-Die-Fresse-Gefühl in die Matratze zu fallen. Sänger Felix tänzelt über die Bühne, schreit um sein Leben, mal eher ins und mal eher mit dem Publikum. Roman an der Gitarre shoutet auch ohne Mikro unterstützend an den entsprechenden stellen, was für die Gesamtstimmung einiges ausmacht. David, der neben Roman Gitarre spielt, zeigt sich besonders agil; seine Mimik unterstreicht die teils ironischen und teils sarkastischen Texte ebenso sehr wie die von Frontmann Felix. Zum Schluss der Show begibt sich die Band noch ins Publikum und spielt von dort aus noch einmal alles gegen die Wand. Der großartige Live-Gig von Adam Angst endet damit, dass sich die Band, seit ihrem Ausflug ins Publikum von einer Panade aus Glitzer ummantelt, auf der Bühne verneigt.

Bei den Ankündigungen vor den Bands ließen die Veranstalter durchblicken, dass sich der Festival-Samstag nach wie vor nicht in trockenen Tüchern befand. Man hoffte nicht zuletzt auch für das super sympathische Team, dass der Samstag wie geplant stattfinden konnte. Es wurden wirklich alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das Festival mit möglichst wenigen Einschränkungen in der Indoor-Location stattfinden lassen zu können. Dies ist den Veranstaltern auch absolut gelungen!

 

Festival-Samstag

Als einen morgens via Facebook die Nachricht ereilte, dass der Einlass zum Festival wie geplannt stattfinden könne, da war die Freude wohl bei allen Beteiligten vor, auf und hinter der Bühne groß. Noch kurz nach Einlass war das Green-Juice-Team stellenweise noch fleißig am Aufbereiten des Matsch-Schlachtfeldes, das die Wassermassen der letzten Tage hinterlassen hatten. Man kann nur vermuten, welche Arbeit hier bereits seit den frühen Morgenstunden verrichtet wurde, um das Festival wenigstens an einem Tag unter freiem Himmel stattfinden lassen zu können.

Es hat sich gelohnt! Klar, es gab nach wie vor genug Schlamm-Flächen, aber eigentlich gehört dies ja auch so ein bisschen dazu. Niemand kam sauber aus der Sache raus – dies sollte die Zuschauerschaft vereinen, ob sie nun eher von den früher am Tag spielenden Bands wie Betamensch, Emma6 oder der zeitweise erschreckend nach PUR klingenden Alex Mofa Gang zum Festival gelockt wurden oder ob sie für die später am Tag spielenden Bands gekommen waren. Auf einer kleinen Bühne unterhielten DJs das Publikum während der Umbaupausen. Hübsche Sache, aber nicht so wirklich unser Thema – auch wenn die Musik zum Tanzen gut angenommen wurde.

Für uns wurde es dann zu unserem ersten Tageshighlight spannend. Nach LE FLY, die für Captain Planet eingesprungen waren, lockten SMILE AND BURN zahlreiche Besucher vor die Bühne. Mit einem Sound, der mich in frühe Donots-Tage zurückversetzte, schaffte es die Band zum wiederholten Male mich zu begeistern. Für Max war es die Smile-And-Burn-Premiere und auch er wurde keineswegs enttäuscht. Die sympathische und eigentlich sehr authentische Art des Sängers half sehr dabei, so manchen Standard-Rockstar-Move ungesehen zu machen. Hymnenhafte, singbare Refrains und Songfetzen machten den Auftritt von Smile and Burn zu einem großen Spaß. Eine der letzten Chancen für dieses Jahr die Band live zu sehen habt ihr beim Rockaway BEACH Open Air.

Ein ominöses Gulasch-Gate wurde bereits während der Anmoderation zu ITCHY erwähnt. Gulasch. Gulasch? Das hat mich ja schon ziemlich neugierig gemacht! Direkt ab Song #1 schlug die Band, die sichtlich viele Fans auf’s Green Juice Festival gezogen hat, ein. Die Stimmung war auf einem Höhepunkt, obwohl es in der Zwischenzeit ordentlich zu schiffen begonnen hatte. Dies sollte auch dem Matsch zu neuer Geschmeidigkeit verhelfen…
Itchy jedenfalls ließen sich davon nicht stören, flachsten rum, dass sie selbst ja schließlich im Trockenen stünden. Aller Regengüsse zum Trotz ließ sich Sibbi nicht von dem Ekelwetter beeindrucken und surfte klassisch mit dem Gitarrenkoffer über das Publikum.
Was es mit dem Gulasch-Gate auf sich hat, das erfuhr das Publikum ebenfalls. Scheinbar war das DRK beim Austeilen von Gulaschsoße in einem der Vorjahresausgaben des Green Juice sehr sparsam. Die verwehrte zweite Schöpfkelle Soße rief damals Empörung bei der Band hervor.

„Wir sind Schwaben!
Wenn man uns den Schöpfer Soße wegnimmt,
dann ist das als würde man anderen Menschen
die Leber oder so wegnehmen!“
– Panzer –

Ebenso erwähnte die Band die Projekte, für die sie sich einsetzt – so beispielsweise Ocean Care. Darüber erzählten sie Away From Life bereits im Juli in einem Interview Näheres. Itchy gaben während Ihrer Stagetime wirklich alles was man zum Ignorieren des miesen Wetters und der Schlampampe unter den Füßen benötigte. Das Publikum feierte altbekannte Stimmungsgaranten sowie neue Stücke auf dem aktuellen Album All We Know gleichermaßen.

Als Headliner stand nun Madsen an. Mit großer Verwunderung stellte ich fest, dass der Graben bereits lange vor dem eigentlichen Gig für voll erklärt wurde. Scheinbar hat sich nun zum Headline auch die größere Presse die Ehre gegeben. Trotz aller Bemühungen bei den Securities am Graben war fototechnisch nicht mehr zu holen als ein schneller Schnappschuss.

Auf jeden Fall hat das Green Juice Team trotz aller wetterbedingter Schwierigkeiten ein tolles Festival auf die Beine gestellt. Die meisten Bands fanden während ihrer Auftritte anerkennende Worte für alle Bemühungen und all die Arbeit, die das Team auf sich nahm, um mal eben schnell binnen weniger Stunden eine Indoor-Show zu bewerkstelligen oder eine Sumpflandschaft über Nacht bespielbar zu machen.
Wie wir nun alle wissen: Indoor kann das Green Juice Team! Dies werden die Mädels und Jungs gewiss auch beim Green Juice Special #2 am 30. September im Brückenforum in Bonn mit Bands wie Turbostaat, Schmutzki und Matula unter Beweis stellen. Das Green Juice 2018 soll am 17. und 18. August 2018 auch wieder als 2-tägige Outdoor-Sause stattfinden. Wobei das „wieder“ ja so genau genommen nicht ganz stimmt. 😉

Unter’m Strich

Das Green Juice ist ein Festival, auf dem man wirklich merkt, dass da Menschen dahinter stehen, die das alles mit viel Herzblut, Energie und auch Muskelkraft wuppen. Gerne behalten wir das Line-Up für das nächste Jahr im Auge. Die Atmosphäre stimmt jedenfalls!

         

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