Interview mit COR-Sänger Friedemann

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Ihr aktuelles Album Leitkultur ist noch pressfrisch und die darauf befindlichen Stücke auch noch in der Live-Erprobungsphase…das sind nur zwei von vielen Günden, warum wir Sänger Friedemann einmal ein paar Fragen stellen wollten.

Und was sollen wir sagen? Es hat sich mal wieder gelohnt, aber lest doch selbst…!

„Da wo Menschen mit Herz und Verstand zu Hause sind, da gehören wir hin.“

Interview mit Sänger Friedemann:

 

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AFL: Zu Beginn möchte ich einmal kurz die Gelegenheit nutzen, um euch zu euren neuen grandiosen Werk „Leitkultur“ zu gratulieren…das ist die Kultur die nicht zuletzt vom Inhalt her mehr Menschen leiten sollte!
Nun aber zu den Fragen und da beginne ich doch auch direkt bei dem neuen Werk:

Euer neues Album hört auf den Titel „Leitkultur“…was hat euch zu diesem Titel bewegt? Stand der Song vor der Diskussion um dieses Thema?

Friedemann: Wir fanden es wichtig in dieser Zeit darüber zu reden, wie wir als Gesellschaft leben wollen. Was sind unsere Werte, wo sind unsere Grenzen, wie soll unsere Zukunft sein etc. und wir sollten es über Szenen – und Anschauungsgrenzen hinaus tun, mit allen Teilen die zu unserem Kosmos gehören, denn nur dann macht es Sinn und ist zukunftsträchtig.

AFL: Ich muss euch auch wieder zu eurem grandiosen Cover-Artwork gratulieren…aus wessen Händen stammt denn dieses?

Friedemann: Wie so oft in den letzten Jahren von unserem Freund Conny Ochs, der die Musik bekommt und sich dann eigene Gedanken macht. Wir lassen uns darauf ein und so wird COR zu mehr als einer 4-Mann-Gruppe.

AFL: Mögt ihr mal die Songs eures neuen Albums kurz mit einem Satz beschreiben?

Friedemann: Die Songs sollen Anstöße für das Nachdenken über unsere Art zu leben sein und Kraft geben, Ideen und Träume in die Tat umzusetzen.

„Eine Heimat zu haben ist großartig, sie zu lieben auch, sie über alle anderen Orte zu stellen sehr dumm.“


AFL: Ich war seinerzeit sehr beeindruckt von eurer Aktion „Musikinstrumente für Kuba“ und ich muss auch sagen, dass es sich echt gut anfühlt, dass meinem alten Gitarren-Verstärker nun auf Kuba Klänge entlockt werden. 

Sammelt ihr auf der derzeit laufenden Tour auch wieder Instrumente und wenn nicht, plant ihr eine Folge-Aktion?

Friedemann: Im Moment ist es aufgrund der politischen Situation und den damit veränderten Bedingungen auf Cuba schwierig solche Aktionen durchzuziehen, weil die Menschen dort gerade andere Probleme haben und für den Erhalt bzw. die kluge Veränderung ihres Landes alle Kraft aufwenden.

Wir planen aber für die Band Tendencia ein paar Songs in einem guten Studio zu mixen und zu Mastern und das Ganze dann hier zu veröffentlichen. Das ganze dauert seine Zeit, denn die Daten der Aufnahme müssen erstmal nach Deutschland kommen. Gut Ding will Weile haben.

AFL: Ich habe gerade schon eure frisch angelaufene Tour zum neuen Album angesprochen und ich muss sagen, dass ich immer sehr begeistert von eurer Bühnenpräsenz bin. 

Was ist denn das, was euch am Publikum am meisten begeistert? Wenn sie richtig abgehen oder doch eher wenn ihr merkt, dass eure Botschaften auch in den Köpfen ankommen?

Friedemann: Wenn die Menschen zuhören und aus dem Gehörten Konsequenzen für ihr Leben einleiten und Dinge umsetzen. Wir würden den gern der Mut zur Tat sein, ein guter Begleiter.

„Auch im kleinsten Kaff kann man etwas bewegen wenn man will.“


AFL: Ich war gerade erst auf eurer Heimatinsel Rügen, um mir den Geburtsort meiner Urgroßmutter anzuschauen. Dort musste ich mir dann vorstellen, wie denn euer Band-Dasein so begann. 

Gab es auf Rügen überhaupt Raum für eine Szene oder musstet ihr für kleine Gigs usw. immer aufs Festland in die größeren Städte reisen. Denn ich haben z.B. in Klein Zicker nicht allzu viele Bandkeller finden können.

Friedemann: Wir haben uns unseren eigenen kleinen Club eingerichtet und Festivals veranstaltet. DIY. Auch im kleinsten Kaff kann man etwas bewegen wenn man will.

Heute existiert hier ein Bandhaus mit 10 Räumen und einem kleinen Saal und außerdem veranstalten wir unser Festival „Fette Ente im Krokoteich“ in jedem Jahr Ende August.

AFL: Warum würdet ihr eure Heimat Rügen niemals gegen Berlin o.ä. eintauschen? Und wie haltet ihr es mit der Begrifflichkeit „Heimat“? 

Friedemann: Ich halte meine Art von Dorfleben für mich als die einzig gute Art zu leben – im Einklang mit der Natur, mit Ruhe und wenig Stress. Das ist nicht jedem vergönnt, aber für mich unabdingbar und hart erkämpft. Ich liebe die körperliche Arbeit, das Geschafftsein nach einem langen Tag auf dem Hof. Berlin würde Unruhe, Lärm und Stress bedeuten. Das will ich nicht. Eine Heimat zu haben ist großartig, sie zu lieben auch, sie über alle anderen Orte zu stellen sehr dumm.

AFL: Du hast im letzten Jahr dein zweites Solo-Album „Wer Hören Will Muss Schweigen“ veröffentlicht und unlängst kam noch das Live-Album „Live Aus Der Jägerklause“ mit hinzu. Wie wichtig ist es hier für dich auch die ruhige Seite auszuleben und warum?

Friedemann: Ich habe diese zwei Seiten schon immer, wobei die ruhige mir immer wichtiger wird, weil ich merke wie mich Hass und Wut entkräften und verbrennen. Durch die ruhigeren Töne erreiche ich, dass Menschen besser zuhören und komme somit dem Ziel, unser gesellschaftliches Leben zu beeinflussen und zu verändern näher.

Eine neue Platte ist aufgenommen und wird im nächsten Jahr erscheinen.

AFL: Wie steht es um den Rest der Band…gibt es da auch noch Nebenprojekte?

Friedemann: Nein. Matze und Johannes begleiten mich bei den Friedemann Sachen live.

AFL: Was schallt denn so bei euch aus den Lautsprechern, wenn ihr auf Tour unterwegs seid? Ich meine mich zu erinnern, dass zumindest du auch „szene-entferntere“ Musik hörst…z.B. Udo Lindenberg.

Friedemann: Friedemann liest oder schläft im Bus, Johannes schläft oder liest, Matze fährt und Pilse schläft auch oder fährt, unser Radio ist seit 3 Jahren kaputt und das ist nicht schlimm, denn abends gibt’s genug Musik. Zu Hause hören wir sehr breit, quer durch alle Arten Musik, Hauptsache sie hat Herz und Seele.

AFL: Eingangs waren wir kurz bei dem Thema Szene…Szenen sind wichtig und ich liebe es, mich auch einer zugehörig zu fühlen. Diese haben aber auch ihre Schattenseiten. 

So kann es sein, dass man nur noch selten aus seiner Szene heraustritt und es sich dort gemütlich macht. Was gerade in diesen Zeiten nicht passieren darf.
Zudem begegnet einem dort auch immer wieder so etwas wie Szene-Intoleranz (ohne Tätowierung und Tunnel wird man ja teilweise nur zur Hälfte als zugehörig wahrgenommen). 

Wie siehst du das?

Friedemann: Uns ist Szene egal. Da wo Menschen mit Herz und Verstand zu Hause sind, da gehören wir hin. Szenedenken spielt für uns keine Rolle. Besagte Intoleranz hält uns von Zugehörigkeiten ab.

AFL: Auf eurer Homepage liest man, dass COR mehr als eine Band ist. Ihr bezeichnet COR ja auch als Lebensstil.
Was genau bedeutet COR für euch?

Friedemann: Freundschaft, Leidenschaft und der Wille über den Tellerrand hinauszudenken und sich zu engagieren.

AFL: Ich stand letztens vor dem Problem, dass ich einem Kumpel euren Musikstil erklären wollte…konnte es aber tatsächlich nicht wirklich. Ich würde euch am ehesten als poetisch ausgeführten Thrashcore bezeichnen. Ihr selbst sagt ihr macht Trashrock…was genau macht Trashrock aus?

Friedemann: Bei jeder guten Musikrichtung was lernen, dann mixen und mit eigenem Stil eigenen Texten und in eigener Art und eigenem Sound spielen.

AFL: Gerade in der heutigen Zeit der Abhängigkeiten innerhalb der Musikindustrie ist der DIY-Gedanke meiner Meinung nach unverzichtbar. Welchen Stellenwert hatte und hat DIY für euch? Hat sich da bei euch seit dem Beginn von COR was an eurer Einstellung geändert?

Friedemann: DIY bedeutet enormen Einsatz, Freunde die helfen und alles geben. Alleine wären wir nichts. Alle diese Menschen die für uns etwas tun, nehmen dafür wenig bis kein Geld und helfen uns extrem engagiert. Ohne Freunde, ohne Familie, ohne Unterstützung – kein DIY.

Wir sind manchmal etwas ernüchtert, dass sich das nicht durchsetzt und alle uns bewundern, aber keiner das wirklich nachmachen will.

AFL: Im Pressetext zu eurem neuen Album schreibt ihr: „Wir sind uns sicher: diese Welt braucht Veränderungen, neue Ideen, Visionen und Menschen, die bereit sind diese Ansätze mit Leben zu füllen und umzusetzen.“

Wenn ihr eine Sache wählen könntet, die sich von heute auf morgen in der Welt ändern würde, was wäre das?

Friedemann: Der Weltfrieden.

AFL: Ich bedanke mich sehr für deine Zeit und die Klänge, mit denen ihr mir immer wieder Denkanstöße und gute Zeiten beschert!
Wir bzw. ich sehe euch auf eurer laufenden Tour! Alles Gute!


Tut es mir doch gleich und seht sie live:

03.11. – Dresden / Beatpool
04.11. – Leipzig / Ut Connewitz
09.11. – Essen / Don´t Panic
10.11. – Wiesbaden / Kreativfabrik
11.11. – Quedlinburg / KUZ Reichenstrasse
17.11. – Hamburg / Logo
18.11. – Hannover / Bei Chez Heinz
25.12. – Stralsund / Alte Eisengießerei

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Ich beginne mal nicht mit meinem Namen, sondern mit dem was mich ausmacht: Ich bin ein Weltenbürger, welcher es liebt seine Gedanken und Emotionen in guten handgemachten Klängen zu verlieren und genauso wieder herauszubefördern. Oder um es einmal schlicht und einfach mit den Worten eines guten Freundes zu beschreiben: I LIVE ON A BIG ROCK - CALLED PUNK-ROCK

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