Vandalismus (Credit: QuintenQuist)

Wie das so ist… Der Startschuss um zu fragen liegt begraben unter Gin & Bier… Passt gut, zu einem Interview, das vor allem aus Punchlines versucht seine Fragen zu stellen… Fangen wir mal an und gucken, was wir daraus machen…

Vandalismus – Freunde lügen nicht

„Echte Freunde lügen nicht!“ Das Album ist nach Stranger Things benannt, als Sample kommt es auch vor. Welches Konzept steckt hinter dem Album?

Ich hab eigentlich nie ein Konzept für ein Album, mehr so ’ne Stimmung oder Art, wie ich es gerne hätte. Was nicht heißt, dass es dann auch wirklich so wird und klingt. Bei diesem Album wollte ich einfach drauflos schreiben und machen, laufenlassen, wenig Kopf und Konzept, ich wollte rotzig und direkt machen, wie ich Bock habe, und so sollte es dann auch klingen. Hat aus meiner Sicht auch gut geklappt.

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„Du schreibst dein Album 14 Tage in ner Holzhütte in Schweden/Ich schreib mein Album jeden Abend und verkörper was ich rede“ → Die ersten beiden Zeilen drücken bereits viel aus, mehr Battlerap als früher. Was macht den Wandel von Disko → Destroy Vandalismus aus? warum der neue Name?

Wie schon davor gesagt, einfach drauflos, raushauen, weniger verkopfen im Sinne von Songideen und -strukturen, mehr aus dem Bauch. Unbedarfter, deswegen auch der neue Name, alles wieder auf Null, auch wenn es nur für mein Gefühl beim Machen ist. Und da ich mich momentan weniger düster und dramatischer fühle, gibts halt mehr in die Fresse. In nett. Aber eben immer noch dass was auch mit mir zu tun hat, also ehrlich, nicht so ich schreibe ´n Text, weil ich halt n Text schreiben will und dann guck ich mal wie ich das mache. Ich find schon, dass man hören sollte, dass derjenige das, was er da sagt auch echt sagen „musste“, sonst hätte er bisschen ´ne Krise bekommen. So mag ich es, aber da is ja auch jeder anders.

„Billy Idol hatte objektiv mehr Hits als Michael Jackson“  Mhm, also objektiv nicht eigentlich… Vielleicht subjektiv…

Ach, neee..? Echt? (lacht)
Na, ich hoffe man peilt, dass das Absicht war, das so überheblich auszudrücken, also als  glasklar objektiv anzusehen, dass Billy Idol mehr geile Songs als Michael hatte. Ist auch eher als metaphoröses Statement zu verstehen, Billy Idol ist trotz Popappeal mehr straighter Rock, Michael Jackson hochgejubelter Popstar mit seichten Songs aus anderen Sphären. Armer Kerl. Wer da wirklich der größere Musiker ist, bleibt eben subjektiv, deswegen kann ich mir auch rausnehmen zu sagen, dass Billy Idol der objektiv Bessere war. Checkt die Best Of von Billy Idol, da sind von 12 Songs 11 Superhits.

„Alte Regeln sind mir viel zu eng – Torch Steinar“ hat mich ziemlich geflasht. Wie bist du darauf gekommen?
Keine Ahnung, ehrlich gesagt. Also, das Torch Steinar-Wortspiel ist mir irgendwann eingefallen, und der Rest kam dann dazu. Aber danke, ich hab mich auch mega darüber gefreut.

„Ich war nie Bukowski-Fan und werd‘ es auch nicht mehr (mehr)“, schade. Was gefällt dir an ihm nicht?

Bukowski wurde halt oft als Vergleich zu mir rangezogen und da war mir wichtig zu sagen, nö, so bin ich nicht. Bukowski war mir auch als ultimative Blaupause für den Loser einfach immer zu lahm, auch wenn das jetzt bisschen überheblich klingt, mir egal. Die Geschichte des versoffenen Versagers, der nur zu Pferdewetten geht, ist halt nach einem Buch durcherzählt und auch ganz okay. Er hat ja quasi fast immer das Gleiche geschrieben, und es war mir irgendwann zu läppsch, dass er zur dieser Superloserstilikone hochglorifiziert wurde, ähnlich wie Lebowksi, und seitdem als Jesus für alle Menschen steht, die mit diesem Versager-Image flirten. Jeden, der da Bock drauf hat, will ich da nicht vollquatschen, aber mir wars wichtig, dass ich damit nix zu tun habe, nicht so bin. In allem Versagen und Versiffen war ich aktiver und hab‘ andere Sachen gemacht.

„Wieder da, ich zeig noch immer meine Fresse nicht“, dabei verzichtest du aber meistens auf Masken, eher dunkle Kapuze im Gesicht. Warum ist dir deine Anonymität wichtig? Und wie viel „Vandalismus“ oder „Disko/Destroy Degenhardt“ steckt in dir? Ist alles in den Texten echt?

Ich finde, das sollte nicht so wichtig sein. Personenkult wird ja immer extremer, jeder ist eine Marke. Da will ich bisschen mehr meine Ruhe, meinen Abstand von haben. Natürlich will ich auch bisschen cool sein, aber es geht mehr um die Musik, als um den Pseudo-Popstar dahinter. Klar habe ich auch ein Ego und freu‘ mich über gutes Feedback, aber die Sache an sich sollte das Geile sein. Früher war mir wichtig, dass jede Zeile, die ich geschrieben habe, wortwörtlich so stimmt. Jetzt seh‘ ich das etwas offener und schreibe auch Sachen, wo es mir einfach um die Aussage und den Style geht, hinter dem ich aber komplett stehe. Wie gesagt, etwas freier machen, lieber mehr an Zeilen und Worten rumfrickeln als an Konzepten.

„Ich kannte alle Tapes von meinem Vater auswendig bis jetzt“ Was hat dein Vater gehört und was hat dich sonst noch beeinflusst?

Von meinem Vater: Elvis, Udo Lindenberg, Bryan Adams, Bruce Springsteen, sehr viel straighter, ehrlicher Straßenrock, Ärzte, aber auch viele deutsche Sachen, Puhdys und Karat natürlich als Ossi. Am wichtigsten war aber vor allem, dass durch ihn Musik immer sehr präsent war, so dass halt immer schon viel Musik im Haus lief. Bis heute hört er noch zu allen Sachen Musik, egal ob Steuererklärung oder Sonntagsessen, das kann ich gar nicht so. Also, wenn ich mich konzentrieren muss, dann kann ich Mucke daneben nicht, das find‘ ich bei ihm ziemlich cool. Ansonsten hat mich alle Musik beeinflusst, die ich höre und gehört habe, aber das ist ja jetzt viel zu viel zum Aufzählen.

„Zum Glück für alle kann das Album niemand rezensieren“ Naja, ich habs rezensiert (hier), ein paar andere habens rezensiert… Wie waren die Reaktionen und liest du dir diese auch durch oder ist dir das egal?

Klar les‘ ich das meistens, der Satz war eher so gemeint, dass ich mir nicht hätte vorstellen können, dass das irgendwie reszensierbar wird, weil, wie gesagt, ich es als völliges Kuddelmuddel drauflos gemacht und empfunden habe. Das Feedback war ja mega gut, mehr als ich erwartet hätte, ohne jetzt absichtlich auf demütig zu machen. Mir war nicht klar, ob das noch jemand feiert. Für Interviews und Rezensionen hätte ich mir nur noch mehr Auseinandersetzung mit der Mucke und den Texten statt mit meiner Person gewünscht, aber das macht ihr hier ja jetze ganz gut.

Danke. „Ich hab‘ den Punkrock nie verloren, ich hab‘ ihn wieder neu geboren“ Ich finde deinen Rap ja auch so hart, das er gut als Punkrock durchgehen kann… Fehlen halt die Gitarren. „Ich will progressiv und Punk sein/Denn Hardcore braucht kein‘ Dealer“  Hast du Punkvorbilder? welche Punkphase ist dir die liebste? Was magst du am Punk nicht?

Ich bin mit deutschem Punk groß geworden, Hass, Normahl, N.O.E., Toxoplasma, Slime, Daily Terror; Molotov Soda usw. Ich hatte sogar ’ne Funpunkphase und sah mit 15 genau wie der blaue Bogumil von den Tauben aus. Ich hab selber noch eine Punkband BARKAS, wir machen großartigen Krach und spielen auch live, aber jetzt nehmen wir gerade das erste Album auf. Vorbilder, noch nie drüber nachgedacht, da ich bei Punk weniger die Typen dahinter kenne als im Rap, wo ja mehr Interviews u.ä. präsent sind, ist das schwerer. War ja auch ’ne Zeit, in der man nur Vinyls und Poster hatte. Aber vielleicht würd‘ ich dann doch auch Slime als Band gesamt nehmen, weil ich finde, dass sie den Spagat zwischen dreckigem Asselpunk zu lyrischeren, ausgereifteren Songs gut und vor allem glaubwürdig geschafft haben, so dass sie noch heute Alben veröffentlichen können. Im Verhältnis zu „Alle gegen alle“ ist „Schweineherbst“ fast Pop, aber ist es natürlich nicht, sondern ein unfassbar gutes Album, das über Dosenbier und Aldiparkplatz hinausgeht und kein softer Schlager-Popscheiß ist wie fast alle „Punk“bands heute, die halt bisschen Platten verkaufen wollen. Damit hast du auch den Punkt den ich an „Punk“ nicht mag, dass „Punk“bands, die sich aus voller Überzeugung so nennen und es früher vielleicht auch mal waren, heute angepasste Popmusik machen, weil der Markt halt so funktioniert, wenn man mehr als 100 Platten verkaufen will. Dann lieber Untergrund, Alter!

Grim104 ist das einzige Feature auf dem Album. Wie kam es dazu? Wolltest du noch jemand featuren?

Ja es waren noch andere geplant, aber das hat irgendwie nicht gepasst. Ursprünglich waren sogar vier Features geplant, aber die landen dann jetzt auf dem neuen Album.
Grim war schon immer Traumfeature, war schon lange geplant und hat coolerweise jetzt auch gepasst, großartige Type.

„Ich hab mir selbst nicht mehr geglaubt, denn Wikipedia war zu laut“ interessiert mich vor allem deshalb, weil ich selbst „Wikipedianer“ bin. Was meinst du mit dieser Textzeile?

Dass irgendwann die eigene Musikerpersona größer wurde als die Privatperson, dass das, was „da draußen“ stattfand, mich irgendwie übertrümmert hat. Das ist nicht gut, deswegen wieder raus da, Abstand, runterfahren und klarkommen. Und das ist nicht einfach, aber fühlt sich dann ziemlich gut an. Viel Frieden, und das Fuck You ist weniger verkrampft, sondern macht viel mehr Spaß und brennt mehr.
„Ich kenn jedes Slime-Zitat“ Welches ist denn dein Liebstes?

Boah, das ist wie nach dem Lieblingsalbum fragen. Slime sind ja bis zu „Schweineherbst“ eher für grobgeile Parolen bekannt, die so hart perfekt treffen. Obwohl „Viva la Muerte“ war auch schon sehr lyrisch. Ich liebe diese Live-Ansage von dem 84er Album. Viele Zeilen haben viel Schub zu besonderen Phasen gegeben, da gehts gar nicht so darum, dass es die bestmögliche Lyrik ist, sondern dass meiner Meinung nach keine Punkband immer so genau und direkt auf den Punkt Sachen gesagt hat wie Slime. Mit „Schweineherbst“ kamen dann auch noch poetischere Lyrics.

„Ich will, was ich seh‘, ich will was ich hab‘, was ich habe, ist genug“ ist für mich megakrass. „Ernst Zweifel sagt dir, geh’“ find ich sehr, sehr schön.
Okay dann hier doch gesammelt :
„Blut fließt durch sie seit dem Tag, seit dem es sie gibt“
„Nur ein totes ist ein gutes Schwein„
„Und der Blutstoß rief sie Mann um Mann, und die zitternden Knie auf die Erde gesetzt“
„Ich versuchte ihn zu schlagen, ich konnte ihn nicht fassen, so mußte ich mich vertragen“
„Denn dann kam der Meister mit der tollen Idee, setzte sie ihnen ins Hirn wie eine gute Fee“
„Ziehen sich alle dasselbe an, aber haben ja jetzt einen Namen„
„Etikette tötet“ kompletter Song
„Linke Spiesser“ kompletter Song
„Alle gegen alle“ kompletter Song
„Zu kalt“ kompletter Song
und generell ist der Slogan „Legal, Illegal, Scheissegal“ die beste Punchline der Welt für immer.

„Ich sample Störkraft, weil es wichtig ist, dass du dir meiner Schubladenverkörperung nicht sicher bist“ Ein ähnliches Zitat hattest du bereits auf einem früheren Album. „Ich hab Störkraft gesampelt um noch schneller zu sterben“ Das Zitat, auf das du anspielst, ist eine Ansage von einem ihrer Livealben, wenn ich mich recht erinnere, Was genau hast du damit bezweckt und was bezweckst du jetzt mit der nochmaligen Erinnerung daran?

Den Hintergrund der Samples hab ich schon mal angemessen ausführlich in einem Podcast bei allgood.de erklärt. Das ist etwas zu umfangreich, vor allem, weil es ein heikles Thema ist und mir natürlich wichtig ist, da nicht falsch verstanden zu werden. Meine politische und moralische Position ist da natürlich safe, aber mir gings bei der Line jetzt darum, nicht in den Strukturen einer Subkultur, ob politisch oder nicht, festzusitzen und erst recht nicht festgelegte Erwartungen zu erfüllen. Nur damit es nicht falsch verstanden wird, es geht nicht um eine offenere oder lockere Umgangsweise mit rechten oder grauzonenrechten Ansichten, da ist jede straighte Position und Maßnahme notwendig. Mir geht es um eine generelle Eigenständigkeit im Denken, eine eigene Position, die man nicht nachplappert, sondern selbst aufgebaut hat. Das find‘ ich am wichtigsten von allem, weil Nachmachen und Hinterherdackeln das Schlimmste ist, da ist es fast egal, wem man folgt, weil es eben keine Substanz hat. Natürlich ist es schlimmer, wenn man rechtem Scheiß nachrennt, aber ich denke, ihr wisst schon, was ich meine.

Wo wir gerade bei kontroversen Samples sind… Du hast auch den Refrain von After The Fire (Skrewdriver) für einen deiner Songs gesampelt. Wie kam es dazu?

Siehe Frage davor. Den Song hab ich aber inzwischen auch überall gelöscht, weil mir das doch zu doof war.

„Und ich bau mir eine Burg, alles ist meins und Original“ Deine Sammelleidenschaft hast du schon oft betont und gehört auch zu deiner Bio in der Promo. Für das Album hattest du für die Special Edition Teile deiner Sammlung verschickt. Erzähl mal von der Idee da hinte?

Wir haben überlegt, was wir in ein Bundle packen können, weil wenn man schon sowas macht, dann muss es ja cool sein. Und Bundles machen immer Spaß, weil man viele kleine coole Sachen machen kann. Nothammer ist halt so ein Teenie-Assi-Tool, das fand ich einfach so doofgeil, dass ich es unbedingt machen wollte. Das mit den Videos ist mir irgendwann eingefallen und das hat mega Spaß gemacht. Ich bin ja leidenschaftlicher Videothekar, und wie du schon sagt, wissen das ja auch die meisten. Wir wollten ja auch noch was Persönlicheres machen, und da hat das voll gut gepasst. Ich hab‘ dafür aber nicht meine Sammlung angefasst, sondern die Filme nochmal gekauft. Heißt: ich habe tagelang online nach Videos gesucht und Flohmärkte nach Specials durchsucht. Bester Job der Welt, schade, dass es schon vorbei ist.

„Audiolith zahlt kein Gehalt“ Wie sind denn eigentlich die Verkaufszahlen?

Kein Plan, wir haben noch keine Abrechnung gemacht, aber ich glaub‘ nicht, dass es gechartet ist, hahaha. Hauptsache es macht Plus und ich kann damit meine eigenen immensen Platten- und Comickosten bezahlen. Untergrund, Alter! Aber Audiolith sind halt auch geile Schnuffies, die wissen was sie an solchen Schmuddelkinder wie mir haben. Viel Liebe!

„Mein Bruder wurde nur drei Monate alt dank des Sozialismus“ das ist eine recht harte Textzeile. Was ist da passiert?

Puh, ich glaub das is‘ noch zu persönlich, das müsste ich erst absprechen, ob ich das veröffentlichen darf. Früher hab‘ ich sehr viel intime Sachen einfach so erzählt oder detailliert in Texte eingebaut, ohne Rücksicht auf die Beteiligten, das würde ich jetzt nicht mehr so auf scheißegal machen. Mir war’s wichtig, dass schon mal zu erwähnen, in einem Text. Ich schreib‘ ja auch viel für mich, dann ist es ja schon ein bisschen in der Welt.

„Kauf ich JBG bezahl ich anteilig auch Farid,  Also tausch ich nur Probleme – Abstinenz oder Arschtritt“ Kollegah, Fraid und Mauli werden damit ja explizit erwähnt. Sag doch mal was über die drei…

JAW, nicht JBG, und gemeint damit ist, dass zu jedem guten Typ, den man supportet, auch eine unangenehme Person gehört, die man mitunterstützt, weil sie halt alle zu der „Szene“ gehören. Das ist aber auch mehr emotional-metaphorisch gemeint. Also, dass genau wie es eben tolle Alben und Menschen innerhalb von Rapmusik gibt, man sich dann auch  immer wieder mit verkackten Charakteren auseinandersetzen muss. Ist ja auch nur fair, aber man darf sich dann auch mal darüber abfucken. Und man hat eben keine Wahl. Entweder lass‘ ich es, Abstinenz, oder ich krieg‘ auch mal eine rein und muss dann mit irgendeinem 187-Scheiß leben, Arschtritt.

Ok, sind ein paar Punchlines geworden. ich hoffe, das Interview hat halbwegs Spaß gemacht. Hier ist noch Platz für deine letzten Worte…

Ja, war cool, weil mehr auf die Texte bezogen. Podcast wär‘ noch geiler gewesen, da kann man umfangreichere Sachen besser erklären. Ich sag‘ jetzt einfach mal: Kauft mein Album! Weil ich das noch nie gesagt habe und es sich professionell anfühlt. Nur Spaß, danke!

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