Home Interviews Interview zum...

Interview zum ersten Raggle-Taggle Festival

0

Geburtsstunde eines neuen Festivals gegen Rechts.

Das Raggle-Taggle Festival feiert dieses Jahr in Birkenfeld seine Premiere! Dennoch gibt es allen Grund, das Festival mit seinem Line-Up bereits jetzt als Geheimtipp zu handeln. Wir unterhielten uns im Vorfeld mit Streetworkerin Jeanette über die Geburt dieses neuen Festivals.

AFL: Liebe Jeanette, stell dich und dein Team doch mal vor!

Jeanette: Ein fröhliches „Hallo“ in die Runde! Ich bin Streetworker der Verbandsgemeinden Birkenfeld und Baumholder. Neben mir stehen 7 junge Menschen aus der Verbandsgemeinde Birkenfeld und Idar-Oberstein, die tatkräftig bei der Planung und Organisation helfen, sowie der SC Birkenfeld 1919, die uns das Gelände stellen und am Grill stehen werden.


AFL: Was hat euch dazu bewegt, ein eigenes Festival ins Leben zu rufen?

Jeanette: Seit einigen Jahren findet ganz in der Nähe ein Festival statt, auf dem Bands spielen, die teilweise der Grauzone zuzurechnen sind. Das hat uns schon lange gestört und wir wollten ein Zeichen setzen. Dabei bezeichnen wir uns nicht als Gegenfestival, sondern sehen uns als Alternative dazu. Wir haben das Datum unseres Festivals also ganz bewusst zeitgleich gesetzt. Zudem gibt es hier im sogenannten Hinterland wenig Möglichkeiten für junge Leute, gute Punkfestivals zu besuchen. Im Saarland gibt es zwar einige tolle Festivals, die aber mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum zu erreichen sind. Es wird unseres Erachtens im Allgemeinen auch zu wenig gegen Rechts unternommen und auch zu wenig über die Gefahren aufgeklärt, die von Grauzonenmusik ausgeht. Für mich als Streetworker war es auch wichtig, dieses Festival gemeinsam mit jungen Menschen aufzuziehen und zu zeigen, dass es durchaus noch Jugendliche gibt, die hochmotiviert sind und sich nicht scheuen, politisch Gesicht zu zeigen.


AFL: Habt Ihr bereits Erfahrung mit der Planung von Festivals oder ist das jetzt der erste Freiflug für euch?

Jeanette: In jungen Jahren war ich beteiligt an der Organisation des Burg Open Airs in Lindenfels im Odenwald. Das ist schon lange her und ich war nur ein kleiner Teil des Orga-Teams. Olli und Thommy aus dem jetzigen Orga-Team haben auch schon kleinere Festivals mit organisiert – z.B. das Schools Out in Idar-Oberstein. Also ist es eigentlich schon fast ein Sprung ins kalte Wasser, da noch keiner selbständig so ein großes Konzert aufgezogen hat. Es ist schon verdammt viel Arbeit – die nervenaufreibend sein kann, aber auch Spaß macht. Wir sind sehr gespannt, ob sich die Mühen lohnen. Raggle-Taggle bedeutet übrigens: „bunt zusammengewürfelt“ – und genau so sehen wir uns auch: wir sind ein bunter, fröhlicher Haufen


AFL: Egotronic, Die Dorks, Christmas, Captain Capgras und viele weitere Bands werden auf eurem Festival spielen. Was war euch bei der Auswahl der Bands wichtig?

Jeanette: Das wichtigste Kriterium für uns war, dass alle Bands ganz klar Kante gegen rechts beziehen und sich auch nicht mit Grauzonenbands die Bühne teilen. Ebenso war es uns wichtig, auch Bands aus der Region ins Line Up zu nehmen. Für den Opener hatten wir einen Bandcontest veranstaltet, auf dem 8 Bands auftraten. Alle Bands waren grandios und wir hatten es schwer, einen Gewinner zu küren. Die Band Dosenbier hatte uns dann aber so überzeugt, dass sie unser Festival eröffnen dürfen. Thommy aus dem Orga-Team ist Mitglied der Band Revolution Inc. Da war klar, dass er für seine Mühe natürlich auftreten darf (nebenbei sind die auch noch richtig gut ). Christmas ist unsere lokale Größe, die hoffentlich auch Fans mitbringen. Im ersten Jahr haben wir bei der Bandauswahl einige private Connections genutzt – auch, um die Kosten so niedrig wie möglich zu halten. Trotzdem ist es uns gelungen, ein – unseres Erachtens – “hammer“ Line Up zu stellen. Lizal von Die Dorks hatte sich auf einen Aufruf nach Bands auf Facebook gemeldet und mit den Bands Egotronic und 5 Farben Scheisse verbindet mich die Herkunft. Torsun von Egotronic und Maddie von 5 Farben Scheisse und ich sind zusammen in einem kleinen Ort im Odenwald aufgewachsen. Captain Capgras aus Darmstadt kennen wir von diversen Konzerten und wir hoffen, dass Marco auf der Bühne wie gewohnt alles gibt und das Publikum mitzieht. Diese Rampensau sollte man sich wirklich nicht entgehen lassen


AFL: Gibt es auch ein Rahmenprogramm neben den Live-Auftritten der Bands?

Jeanette: Es wird eine Ausstellung der Heinrich-Böll-Stiftung in einem separaten Zelt zu sehen sein, in der über rechte Strukturen und Rechtsrock aufgeklärt wird. Zusätzlich haben wir einige Info-Stände am Start wie z.B. „Kein Bock auf Nazis“, Amnesty International, Die Linke und natürlich Viva con Agua.


AFL: Selbst Szene-Größen wie MC Motherfucker von der Terrorgruppe ließen es sich nicht nehmen, Werbung für das Raggle-Taggle Festival zu machen. Tolle Sache! Wie kam das zustande?

Jeanette: Eigentlich wollte Micro von den Abstürzenden Brieftauben die Moderation übernehmen, musste dann aber leider doch absagen. Um uns trotzdem zu unterstützen, hat er mit Norm dieses tolle Video gedreht. Weiter hat er uns T-Shirts von einer Tour von 1987 geschickt, die wir zugunsten unseres Festivals versteigern dürfen. Zwei davon kommen in den nächsten Tagen noch online. So ein Schätzchen sollte man sich nicht entgehen lassen. Ich bin seit über 30 Jahren Fan der Abstürzenden Brieftauben. Daraus hat sich eine Freundschaft zu Micro entwickelt, die ich nicht missen möchte. Er war von unserer Idee begeistert und unterstützt uns, wo er kann. Archi von der Terrorgruppe habe ich einfach nach Unterstützung gefragt. Man kennt sich von diversen Konzerten und er ist einfach ein super lieber Mensch. Vielleicht machen noch ein paar Größen mit und helfen uns bei der Bewerbung? Mal abwarten…

AFL: Vielen Dank für das Interview! Bitte erzähl uns noch schnell wieso wir das Raggle-Taggle Festival auf keinen Fall verpassen dürfen!

Jeanette: Na das ist doch klar: zeigt mit uns Gesicht gegen rechts und Grauzone. Die 5000 Besucher des anderen Festivals werden wir in diesem Jahr nicht toppen können – aber lasst uns zeigen, dass es junge (und auch gerne ältere) Menschen gibt, die sich deutlich positionieren. Außerdem wird es gewiss eine tolle Party mit super Bands und leckerem Essen. Unser veganer Stand ist einen Besuch wert – wo sonst gibt es auf einem Festival indische vegane Speisen? Zusätzlich haben wir dafür gesorgt, dass auch Rollstuhlfahrer unser Fest besuchen können. Es wird eine behindertengerechte Toilette geben und einen separaten Rolli-Bereich, von dem aus die Bühne gut zu sehen ist. Wenn alles gut läuft, wollen wir unser Festival etablieren und jährlich stattfinden lassen.

RAGGLE-TAGGLE FESTIVAL

30. Juni 2018
Am Stadion, Birkenfeld
Einlass 14:00 Uhr
Weitere Infos auch im Facebook-Event

RUNNING ORDER:

15:00-15:40 Uhr: Dosenbier
16:00-16:40 Uhr: 5 Farben Scheisse
17:00-18:00 Uhr: Revolution Inc
18:20-19:20 Uhr: Captain Capgras
19:50-20:30 Uhr: Christmas
21:00-22:00 Uhr: Die Dorks
22:30-24:00 Uhr: Egotronic

 

Birkenfeld geht viral#gehzumraggletaggleUnd noch mehr Prominenz macht Werbung

Gepostet von Streetworker Birkenfeld Baumholder am Samstag, 28. April 2018

 

Demons Run Amok - Fest

Beitrag kommentieren

Kommentar eingeben
Name eingeben