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Ithaca - They Fear Us (2022)
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WTF Records

DAS ist mal eine Weiterentwicklung! They Fear Us von Ithaca wird mit Sicherheit polarisieren, bringt aber einiges zu entdecken mit.

Das Vorgängeralbum der britischen Band, The Language Of Injury, wurde noch auf Holy Roar Records veröffentlicht. Nach den Vorwürfen gegen den Labeleigentümer und dem folgenden Ende des Labels mussten Ithaca sich wie viele andere Bands eine neue Heimat suchen. Diese haben sie auf Hassle Records / Cargo Records gefunden, die das Zweitwerk herausbringen.

Photo credit Martyna ‘Gingerdope’ Bannister

Klangen Ithaca auf ihrem Debut noch nach Metalcore mit einer starken Mathcore/Chaos Kante a la Converge, werden nun eine ganze Reihe von Genreschubladen aufgezogen. Getragen wird der Sound von der markanten Stimme von Frontfrau Djamila Boden Azzouz, die alle Spielarten von Screams bis zu poppigem Clean Gesang beherrscht. Und hiervon machen Ithaca reichlich Gebrauch.

Die Basis der Songs liegt klar weiter im Metalcore, eher im Midtempo Bereich mit hoher Moshdichte. Der Clean Gesang aber wird anders gesetzt als bei sonstigen Metalcore Alben, die eher nach Schema F funktionieren und bei denen der Clean Gesang im Refrain als Hookline mit Ohrwurmmelodie funktionieren soll.

In The Way als erster Track startet fast erwartbar: Eine fette Produktion, die Bass Drum drückt, treibt den Breakdown. Dann aber nach knapp einer Minute setzt plötzlich nahezu sphärischer Gesang in einem melodischen Part ein. Es folgt ein fast schon klassischer Chugga Chugga Breakdown, der in eine Bass Drum Gewitter übergeht. Über all dem liegt aber im Hintergrund wieder ein Clean Gesang, den man fast schon meditativ nennen könnte. Die Melodieführung weckt Assoziationen an ägyptische Pyramiden.

Der zweite Track The Future Says Thank You beginnt genauso mit einem Metalcore Gewitter. Nach einer Minute setzt dann wieder der langgezogene Gesang von Djamila ein. Auch hier nicht als Refrain gesetzt. Die Songs folgendem keinesfalls dem klassischen Strophe-Refrain Aufbau, viele Teile kommen nur einmal vor.

Die nächsten zwei Songs funktionieren ähnlich, wobei bei der ersten Single They Fear Us, der Clean Vocal Teil tatsächlich als Hookline Refrain eingesetzt wird. Sucht man einen Anspieltipp, dann vermutlich dieser Song, der die Stärken von Ithaca auf diesem Album sehr gut ausspielt und im Ohr bleibt. Das eingesetzte Vocal Sample hat Gitarrist Sam in Indien während der Trauerzeremonie für seine verstorbene Mutter aufgenommen. Ein Konzept, dass Ithaca nach eigenen Worten auf diesem Album mehrfach verfolgen und ihre verschiedenen kulturellen Hintergründe und Ursprünge in der Musik aufgehen lassen.

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Dann folgt mit Cremation Party in knapp zwei Minuten der kürzeste und härteste Song des Albums, der komplett ohne Clean Gesang auskommt. Bei You Should Have Gone Back kurz vor Ende der Platte geht dann endgültig das Experimentierpferd mit den fünf Musikern durch. Das Post Rock Intro geht über in fast schon Prog Rock-artige Gitarrensoli. Der Song steigert sich in ein Metalcore Explosion, nur um am Ende dann sogar noch eine Trompete im Finale des Songs rauszuholen.

Hold, Be Held ist dann als letzter Track eher als Ausreißer einzusortieren. Warum in der Bandinfo etwas von 80’s Powerpop steht wird nun klar. Der Song ist eine Pop Ballade mit viel Tremolo in der Stimme. Die Tonlage und Intonation in der Mitte des Liedes findet man sonst auch mal gerne bei Sängerinnen wie Mariah Carey. Nur zum letzten Refrain werden dann noch mal die verzerrte Gitarre und ein paar Screams im Background herausgeholt.

Leider finden sich nur 9 Songs auf dem 35 Minuten langen Album. Ein-zwei weitere Lieder hätten das Album besser abgerundet. So bleibt der/die Hörer*in mit der Frage, ob Hold, Be Held vielleicht sogar bewusst ein offenes Ende mit einem eindeutigen Fingerzeig in Richtung der nächsten Entwicklungsstufe von Ithaca darstellt.

Fazit

Ithaca gehen mit They Fear Us einen riesigen Weiterentwicklungsschritt von ihrem Debütalbum. Der Genremix auf dem Album ist erstaunlich und bietet viel zu entdecken. Darauf muss man sich einlassen können und wollen. Bei aller Breite und Tiefe des Genre-Mix, den Ithaca hier vorlegen, gelingt es der Band trotzdem, ein homogenes Gesamtwerk zu erschaffen und die Brüche und Übergänge klingen niemals unnatürlich. Spannend wird, wie es den fünf Musikern gelingen wird, die dichten Songs auch live umzusetzen. Ende August gibt es hierzu auf vier Shows in Deutschland erste Gelegenheit dies zu entdecken:

29.08.  Hamburg – Hafenklang
30.08.  Hannover – Bei Chez Heinz
31.08.  Bochum – Die Trompete
01.09.  Karlsruhe – P8

Tracks

  1. In The Way
  2. The Future Says Thank You
  3. They Fear Us
  4. Camera Eats First
  5. Cremation Party
  6. Number Five
  7. Fluorescent
  8. You Should Have Gone Back
  9. Hold, Be Held
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