Marathonmann - Maniac (2023)
Marathonmann - Maniac (2023)

REVIEW VON NITA:

Marathonmann aus München haben Bock. Bock zu machen, was sie wollen, no matter what. Am 19. Mai 2023 erscheint ihr neues Album Maniac auf Redfield Records. Und mit eben diesem überraschen sie mit einem neuen Sound und einer Zeitreise in die 80er Jahre. Bereits im Dezember veröffentlichten sie die Single Auryn mit synthie-getriebenem Rhythmus und 80er Flair – mit Zitaten und Anspielungen an diese Zeit, sowohl inhaltlich als natürlich vor allem musikalisch. Diese Auskopplung fand ich wirklich sehr frisch und interessant, mit ein Grund dass ich neugierig wurde und mich dann auch gerne für diese Review gemeldet habe.

Marathonmann (Pressebild 2023)
Marathonmann (Pressebild 2023)

Als ich dann das erste Mal die neuen Stücke angehört habe, kam mir ganz ernsthaft die Frage in den Sinn „Wer hat denn diese furchtbaren Pur x Marathonmann Mash-ups gemacht?!“ Mir war es zu poppig, zu viele Assoziationen mit Bands wie eben Pur, in meinem Fall also eher sehr negativ. Die neuen Eindrücke ließen mich etwas ratlos zurück. Ich musste das Album erstmal zur Seite legen, sprach Freunden gegenüber vom „Review Angstgegner“. Auf Social Media las ich neulich „Was macht Ihr da nur?“ als wieder ein neues Stück veröffentlich wurde. „Worauf wir Bock haben!“ war die klare, kurze, augenzwinkernde Antwort der Band. Und ja, das machen sie, zurecht.

Abtauchen in die Welt der Achtziger Jahre

Vor allem Sänger Michi soll in den letzten Jahren sehr in die Welt der 80er abgetaucht sein und auch die anderen Bandmitglieder mögen diese Zeit, vor allem auch die Ästhetik der Bands und Filme von damals. Ich war in den 80ern ein kleiner Stöpsel und kann mich eher grob erinnern, bin aber natürlich mit Themen wie Walkman, VHS und den Kultfilmen aus der Zeit groß geworden. Das ist auch alles super und nostalgische Gefühle an Die unendliche Geschichte oder auch Die Goonies sind bei mir sehr stark. Aber wie steht es um die Musik? Die habe ich wohl eher verdrängt, finde sie in Kombination mit Filmen aus der Zeit super. Aber jetzt das alles nochmal neu aufleben lassen und hören? Dazu war ich erstmal nicht bereit.

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Mit der Zeit konnte ich mich dann besser auf dieses neue und sehr intensiv andere Soundkleid von Marathonmann einstellen und entdeckte darunter dann durchaus doch die gewohnten Texte und die sehr typische Melancholie. Maniac ist 80er Jahre Synthie Sound pur mit Chorus Gitarren und elektronischen Bässen. Von einem „Puh, das geht gar nicht…“ kam ich für mich zu einem „Okay, ganz so übel ist es doch nicht“. Maniac ist ein auf den Punkt produziertes Album, die Band geht ihren Weg konsequent und unbeirrt voran, sowohl im Erscheinungsbild Artwork, Bandfotos und natürlich der Musik.

Dranbleiben lohnt sich

Klar, das Album und ich hatten keinen guten Start, doch es gibt einige Songs, die ich mittlerweile wirklich sehr stark finde und neben Auryn sehr gerne höre: Einraumleben, Tie Fighter und Almanach, das einen sehr eindringlichen Refrain hat. Mein Highlight ist Haze, das mir dank Text und Stimmung sehr unter die Haut geht. Es ist eine Art ruhigere Ballade mit reduzierten Synthieklängen. Und am Ende auch wieder logisch, dass derzeit keiner der ganz krassen Synthieknaller unter meinen Favoriten landet.

Im kompletten Review Prozess war ich immer beruhigt, dass wir von Anfang an eine Doppelreview geplant hatten, weil Tobias ebenso sehr interessiert war. Von ihm folgt hier direkt im Anschluss dann eine ausführlichere und fundierte Ansicht zum Album.

Mein Fazit: auch wenn Euch das neue Marathonmann Album vielleicht anfangs abschreckt, gebt dem neuen Sound definitiv eine Chance, es lohnt sich. Ich freue mich darauf das Ganze bald live zu erleben. Diese Woche ist die Band im Rahmen von kleinen, intimen Release Shows in München (18.05.), Köln (19.05) und Hamburg (20.05) unterwegs.

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REVIEW VON TOBIAS:

Erinnerungsblitze vor meinem inneren Auge: 1988 auf der Rückbank des Passats meiner Eltern, NDR 2 läuft rauf und runter – ZDF Hitparade, Formel Eins mit Kai Uwe Hübner und Ronnies Popshow im Röhren-TV – das Ausprobieren von den Synthie-Drum-Sounds auf den Keyboards in der Ausstellung beim Musikalienhandel in meiner Heimatstadt… die Erinnerung an unzählige 80er Jahre Synthie-Pop-Rock-Hymnen werden bei den ersten Takten jedes einzelnen Songs auf Maniac von Marathonmann getriggert.

Die ganze Platte, vom Titel über das Artwork (achtet mal auf die Details wie Neonleuchtschrift und den Walkman auf dem Bett…) bis zur Instrumentierung und Songwriting ist eine Hommage an die Ära der Musik der 80er Jahre. So deutlich wie nie zuvor verlassen Marathonmann ihre Punkrock Ursprünge. Wie sie selbst singen im Titeltrack:

Manche Sachen müssen weichen, dann können Dinge neu entstehen.

Gewagt? Auf jeden Fall. Gewonnen? Das muss jede*r für sich selbst rausfinden.

Das 80er Jahre Revival ist spätestens nach Stranger Things wieder salonfähig in der Popkultur. Wobei, gänzlich unerwartet kommt dieser Wandel auch für Marathonmann nicht: Schon auf dem Vorgänger Die Angst sitzt neben dir aus dem Jahr 2019 konnte man diverse musikalische Zitate aus dieser Ära entdecken. Dazu dann das Cover von Dein ist mein ganzes Herz von Heinz Rudolf Kunze, das schon lange zum Live Repertoire der Band aus München gehörte und 2020 als Single veröffentlich wurde, waren klare Anzeichen, dass hier ein Herz für die 80er schlägt. Einen so deutlichen Stilwandel hätte aber vor der Vorankündigung von Maniac wohl niemand erwartet.

Was bleibt also von den Ursprüngen?

Die Stimme von Michael „Michi“ Lettner, leicht angezerrt und damit lange nicht so weichgespült wie in den Originalen aus den 80ern, steht nach wie vor über der Musik von Marathonmann. Deutsche Texte, mal nachdenklich mal eher kryptisch mit einzelnen englischen Passagen, geben auch Maniac eine sehr melancholische Grundstimmung. Auch finden sich wieder große Melodien, wie auch schon die Vorabsongs gezeigt haben, die reihenweise im Ohr bleiben. Dabei bedienen sich Marathonmann recht häufig an den klassischen Vier-Akkorde-für-die-Hookline in unterschiedlichen Variationen, ohne allerdings sich dabei zu offensichtlich zu wiederholen.

Intensiver Einsatz von Synthezier Sounds

Der neue Sound von Marathonmann zeichnet sich durch intensiven Einsatz von Synthesizer Sounds aus. Die Gitarren treten in den Hintergrund, bzw. positiv formuliert, werden sehr akzentuiert eingesetzt an einzelnen Stellen in den Songs. E-Drum Sounds inkl. Percussion Fill-In Effekten wie das markante Synthie-Klatschen, tatsächlich ein Saxofon-Solo gleich im dritten Track Auryn oder auch das Cliché-Gewitter-Sample zum Einstieg von Feuer komplettieren die 80er-Sound-Standards auf Maniac. Im Unterschied zu früheren Alben entsteht so ein Gegensatz zwischen der Melancholie und Emotionalität der Lyrics und Vocals und der Künstlichkeit der Instrumentierung.

Marathonmann (Pressebild 2023)
Marathonmann (Pressebild 2023)

Maniac umfasst 14 Songs in 42 Minuten und erscheint in den üblichen Formaten auf Redfield Records. Die Tracks auf dem Album sind allesamt sehr kompakt und reißen selten die 3 Minuten Grenze. Die Songs aufgeräumter und reduzierter zu belassen, war auch klar benanntes Ziel von Marathonmann beim Songwriting. Und so wird auch mal auf Bridge oder C-Teil verzichtet, um noch stärker auf den Kern zu fokussieren. Jeder Song bringt eine individuelle Stimmung mit, die eine unbestimmte Assoziation weckt „hab ich doch irgendwo schon mal (vor sehr langer Zeit) gehört“, ohne dass man es direkt mit einem spezifischen Vorbild aus den 80ern verbinden kann.

Musikalische Zeitreise, bitte anschnallen

Das Album beginnt mit dem Titelsong Maniac, der ein klassischer Intro-Build-up-Track ist. Ohne Gesang hätte der Song auch auf dem Soundtrack der nächsten Stranger Things Staffel landen können. Bei den ersten Takten des anschließenden Feuer fühlt man sich unversehens zurückversetzt ins Cockpit einer Maschine bei Top Gun, während gerade die Startbahn verlassen wird. Es folgen Auryn, Diamant und 1985, die allesamt schon als Vorabtracks bekannt waren.

So geht es weiter, dabei hat jeder Song seine eigenen Elemente und Stimmungen. Die große Palette an Synthie-Sounds, die Marathonmann jetzt zur Verfügung stehen, da man sich von der klassischen Gitarre-Bass-Schlagzeug Instrumentierung gelöst hat, machen es einfach, Abwechslung in die Songs zu bringen.

Diese sind mal eher balladesk, wie Haze oder Clock Tower, das mich irgendwie immer an Falco denken lässt. Zumeist aber im Midtempo oder Uptempo Bereiche wie das schon als Vorabtrack veröffentlichte Tie Fighter, Almanach oder auch Alone In The Dark. Überhaupt ist dieses Duett mit Lana von Kochkraft durch KMA ein weiteres Highlight in der zweiten Hälfte der Platte. Nicht nur die weibliche Stimme sondern auch der Gegensatz zwischen Strophe und Ohrwurm-Refrain lassen ein bisschen an Ideal denken.

Für wen ist Maniac jetzt also etwas?

Alles daran ist eine 80er Hommage, hebt dabei viele Elemente in die 2020er und verschneidet sie mit dem Punkrock Vibe, den Marathonmann im Kern immer noch ausmacht. Gleichzeitig ist die Platte aber extrem nah am Original des 80er Jahre Sounds, mit voller Ernsthaftigkeit und nicht als Parodie. Gitarrist Leo Heinz sagt:

Ich bin überzeugt, dass viele Fans das schätzen werden. Außerdem liebt doch jeder die 80er.

Die Rückmeldungen zu den ersten Kostproben waren aber trotzdem erwartungsgemäß gemischt. Ganz klar aber, Maniac triggert jede*n, die/der in ihrer/seiner Kindheit dieser Musik ausgesetzt war und noch den ein oder anderen Guilty Pleasure mit sich herumträgt. Für jüngere Generationen kann es aber durchaus schwieriger sein, Maniac voll und ganz zu erschließen, wenn diese Bezüge fehlen. Denn, die Songs von Maniac werden sich ganz wunderbar auf einem Mixtape zwischen Rainbirds’ Blueprint, Don Henley’s Boys Of The Summer, Clowns & Helden’s Ich liebe Dich, Limahl’s Never Ending Story und den halben Top Gun Soundtrack (aber bitte ohne Take My Breath Away) machen.

Mein Fazit: Die ganze Platte ist ein Trip down memory lane, und was für einer. Maniac funktioniert am besten, wenn man es laut hört und nicht als leise Radiountermalung. Gerade dann treten die Punkrock Wurzeln noch deutlicher zu Tage. Wenn man einmal die Erwartungshaltung abgelegt hat, dass Marathonmann nur so wie auf den letzten vier Alben klingen dürfen, sich drauf einlässt und der 80er Jahre Trigger verfängt, dann entwickelt sich Maniac zu einem außergewöhnlichen Stück Musik, das seines Gleichen sucht und sehr lange Spaß macht. Ganz große Platte.


Tracklist

  1. Maniac
  2. Feuer
  3. Auryn
  4. Diamant
  5. 1985
  6. Einraumleben
  7. Du Bist Die Nacht
  8. Clock Tower
  9. Alone In The Dark
  10. Tie Fighter
  11. Haze
  12. Almanach
  13. The Void
  14. Out Run
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