More Everything – Das Band-ABC: Achilles

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Mit Achilles stelle ich euch bereits eine meiner Favoriten vor. Gestossen bin ich auf die Band aus Rochester (USA) über die noch sensationellere Überband Another Breath. Auf ihrem Album „Mill City“ hat der Sänger von Achilles, Rory Vangrol, einen Gastpart beim Song „A Tragic Hero“. Rory Vangrol ist aber nicht nur Sänger von Achilles, sondern auch von der nicht weniger beeindruckenden Band How We Are, welche ebenfalls mal einen Bericht verdient hätte. Des weiteren war er vorher mindestens noch bei den beiden Bands Standfast und From The Ground Up als Sänger tätig. Der/die eine oder andere kennt ihn aber vielleicht auch von Soul Control, wo er ab 2008 den vorherigen Sänger Matt Amore ablöste. Mittlerweile singt er bei Coming Down, welche ebenfalls in Rochester beheimatet sind. Die weiteren Mitglieder sind Drummer Chris Browne und Bassist Josh Dillon, welche beide zeitweise bei Polar Bear Club gespielt haben, und letztlich Gitarrist Rob Antonucci, welcher nicht nur unter anderem bei Dead To The World mitwirkte, sondern mittlerweile auch mit dem damaligen Schlagzeuger Mike Jeffers eine neue Band namens Longest War am Start hat, bei welcher auch Chokehold-Sänger Chris Logan und die beiden ehemaligen Despair-Mitglieder (einer der frühesten Bands von Terror’s Scott Vogel) Gitarrist Matt Dente und Bassist Brian Fligger mit dabei sind.

Achilles selbst gründeten sich 2004 und veröffentlichten in den folgenden 3 Jahren eine selbstbetitelte EP (2004), eine Split mit Engineer (USA) (2005), das Album Dark Horse (2005), welches später in Form einer Split mit den deutschen Seven Bowls Of Wrath erhältlich war, und zuletzt das Album Hospice (2007). Auch wenn die Band sich bis heute nicht aufgelöst hat, senkte sie im Anschluss ihren Puls bedrohlich auf ein paar Schläge im Jahr. Man gab zwar an, an einem halben Song zu schreiben und spielte gelegentlich eine lokale Show, doch ab 2012 war selbst damit Schluss. Um so überraschender war es dann, als Ende 2016 wieder erste Shows gespielt wurden, und sogar Hoffnung auf neue Songs geweckt wurde. Das Arbeitstempo scheint aber weiterhin unbeeindruckend zu sein. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Nun zum Wesentlichen: Die beiden Alben unterscheiden sich stilistisch nicht wesentlich voneinander, Hospice ist aber doch merklich der Nachfolger, da der spezielle Sound hier im Vergleich einfach perfektioniert wurde. Der Sound zeugt von einer eher musikalischen Herangehensweise an Hardcore. Statt mit klassischem Rhythmus wird eher mit noisigen Elementen und divers gearteten Stop-And-Go’s gearbeitet. Nicht selten wird die Musik deswegen auch als Mathcore beschrieben, was meiner Meinung nach aber auch irreführend sein kann. Dies deswegen, da Mathcore oft mit metallischem Hardcore in Verbindung steht. Bei Achilles ist jedoch eher die Verbindug zu den genannten Bands Another Breath und How We Are zu erkennen. Das heisst, der Sound ist nicht zu clean oder bombastisch, sondern hat auch eine punkige Note. Die Marschrichtung geht auch grundsätzlich nach vorne, nur eben nicht immer in sehr flüssiger Schrittfolge. Durch den Einsatz von auf- und abschwellenden atmosphärischen Abschnitten mit Fokus auf die Leadgitarre, ziemlich klassischem Melodic Oldschool-Hardcore (vielleicht ein wenig vergleichbar mit Defeater‘s Travels) und einem ein wenig entrücktem Taktmuster, welches durchaus auch gewisse metallische Einflüsse offenlegt, ist für genügend Abwechslung gesorgt. Wie man das nennen soll, weiss ich nicht. Unverkopfter experimenteller Noise-beeinflusster Melodic Oldschool-Hardcore vielleicht?

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Auch was vergleichbare Bands angeht, fällt mir wenig ein. Khann (USA) oder Le Dead Projet (FRA) haben gewisse Parallelen, verwerten allerding auch mehr Postrock/Post-Hardcore-Bausteine, während Achilles wohl eher zusammen mit oldschooligen, punkigen Hardcore-Bands spielen würden. The Chariot haben ein ähnliches Verhältnis von Variation und Kohärenz, Experimentierfreude und simpler Beschleunigung. Sie integrieren aber auch mehr Newschool-Einflüsse, was sich unter anderem im Riffing und in der etwas fetteren und cleaneren Produktion zeigt. Weiter umfasst bei The Chariot die Bandbreite von Spielarten und Effekten exotischere Bereiche. Auch die atmosphärischen Stimmungen weisen meines Erachtens nach nur wenig Überlappung auf. Die UK-Bands Kerouac, The Long Haul und Bastions wiederum sind düsterer und etwas straighter, könnten aber durchaus auch Gefallen an Achilles finden. Die Band selbst nennt übrigens Botch als Einfluss, über welche ich nicht wirklich etwas sagen kann. Letzten Endes ist das auch alles irrelevant, da man Musik selbst eigentlich nie 1:1 in Sprache übersetzen kann. Das Beste ist also, vielleicht sogar unabhängig von gewohnten Präferenzen, einfach mal reinzuhören, denn die treffendste und prägnanteste Beschreibung für Achilles ist immer noch: „sehr sehr gut“!

Hospice:

Trackliste:

  1. Curtains
  2. Curtains (Continued)
  3. We Are Fixtures
  4. Dear Old Tyger That Sleeps
  5. To The Teeth
  6. Raping The Dead
  7. Standing Night
  8. Reprieve
  9. Swallow
  10. In These Stark Halls
  11. Sea Level
  12. The Cold Floor


Dark Horse:

Trackliste:

  1. Every Hour Wounds, The Last One Kills
  2. Ivory
  3. Over Our Heads
  4. The Dark Horse
  5. In Lights
  6. (Reprise)
  7. Wake Me When It Thunders
  8. Rushmore
  9. Talons
  10. )))

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