- Werbung -
Dead Serious Recordings

Mortality Rate sind zurzeit sicher eines der heißesten Eisen in der kanadischen Hardcore Szene. Während ich diese Zeilen verfasse, befindet sich die Band rund um Frontfrau Jess Nyx gerade auf ihrer ersten Europa-Tour überhaupt. Dankenswerterweise hat sich Jess trotz des Planungsstresses im Vorfeld der Tour dazu bereit erklärt, ein paar Fragen von uns zu beantworten. Was sie unter anderem über ihre jüngste Veröffentlichung You Were The Gasoline (hier geht’s zu unserem Review) oder dem Begriff „Female Fronted Hardcore“ zu sagen hat, könnt ihr hier nun Nachlesen.

Interview mit Jes Nyx von Mortality Rate

„Wir sind eine Hardcore Band, also spielen wir, denke ich, aggressive Musik?“

AFL: Hallo, zuerst einmal natürlich vielen Dank für eure Zeit! Für all jene, die euch noch nicht kennen, stellt euch doch bitte einmal kurz vor. Wer seid ihr und für was steht ihr ein?

- Werbung -
Stäbruch Festival
Mortality Rate-Sängerin Jess Nyx (Bild zur Verfügung gestellt von Isolation Rec.)
Mortality Rate-Sängerin Jess Nyx (Bild zur Verfügung gestellt von Isolation Rec.)

Jess: Mein Name ist Jess und ich bin die Sängerin von Mortality Rate. Wir alle stehen für Gleichberechtigung und Akzeptanz aller Menschen in der Szene, unabhängig von Geschlecht, Alter, Hautfarbe, sexuellen Präferenzen etc.

AFL: Seit wann seid ihr in dieser Konstellation aktiv?

Ich habe diese Band gemeinsam mit Coady (Drummer) Ende 2013 gegründet. Wir hatten im Laufe der Zeit ein paar Wechsel im Line Up, aber Jake war eigentlich auch seit Beginn an dabei. Und jetzt wo wir Dereck mit an Bord haben, haben wir denke ich die perfekte Besetzung gefunden.

AFL: Wie würdest Du eure Musik beschreiben? Was sind eure Einflüsse?

Ich weiß nie, wie ich diese Frage beantworten soll. Wir sind eine Hardcore Band, also spielen wir, denke ich, aggressive Musik? Wir haben keine speziellen Einflüsse und wir sind alle am Schreibprozess der Songs beteiligt, also schwirren da auch immer ein Haufen Ideen herum. Ich denke, die Jungs beeinflussen mich mehr, als irgendeine Band, die ich höre.

AFL: In gut zwei Wochen startet eure Europa Tour. So viel ich weiß, ist das eure erste Europa Tour? Seid ihr schon aufgeregt und was erwartet ihr euch von der Tour?

Wir freuen uns schon so sehr auf diese Tour, wir sind schon sehr aufgeregt! Das wird unsere erste Tour außerhalb von Nordamerika und wir haben keine Ahnung, was uns erwartet, aber wir freuen uns schon sehr, neue Menschen und Plätze kennenzulernen.

AFL: Gibt es irgendwelche Städte/Locations, auf die ihr euch am meisten freut?

Ich kann momentan keine Stadt/Location auswählen, alles wird großartig! Vielleicht kann ich beim nächsten Mal eine spezielle Stadt nennen, wenn ich die jeweiligen Szenen dann schon kenne.

Mortality Rate (Bild zur Verfügung gestellt von Isolation Rec.)
Mortality Rate (Bild zur Verfügung gestellt von Isolation Rec.)

AFL: Mit Bochum spielt ihr auch in einer deutschen Stadt. Ihr habt kürzlich auch beim deutschen Label Isolation Rec. unterschrieben. Wie ist der Kontakt zustande gekommen und wieso habt ihr euch für das Label entschieden?

Nachdem wir unsere letzte EP digital veröffentlicht hatten, hat Pascal von Isolation uns kontaktiert und sein Interesse bekundet, das Werk pressen und veröffentlichen zu wollen. Wir hatten sofort ein gutes Gefühl dabei. Er ist so nett und es fühlt sich gut an, mit einem Label zusammenzuarbeiten, das so ambitioniert ist wie wir selbst.

AFL: Isolation Rec. hat also auch eure neue EP You Were The Gasoline veröffentlicht. Ich habe sie mir schon unzählige Male angehört und muss sagen, dass sie mir wirklich sehr gut gefällt. Könnt ihr uns etwas über den Entstehungsprozess erzählen, welche Themen beschäftigen euch auf der Platte und wer hat die Lyrics geschrieben?

Vielen Dank! Da steckt nicht wirklich eine interessante Geschichte hinter dem Entstehungsprozess. Wir haben die Musik gemacht und ich habe die Lyrics dazu geschrieben, danach haben wir aufgenommen! Ich schreibe über persönliche Dinge, die ich lieber für mich behalten möchte. Alles was ich preisgeben möchte, findet sich in den Lyrics wieder.

„Wir sind auf einem „guten“ Weg, diese Welt auf dem schnellsten Weg unbewohnbar zu machen und es ist alles unsere Schuld.“

AFL: Die Platte behandelt auch den Verlust einer geliebten Person, sie ist Evan Cole Shaw gewidmet. Könnt ihr uns verraten wer Evan war und wie er Mortality Rate beeinflusst hat?

Evan war die selbstloseste und die inspirierendste Person, die wir je getroffen haben. Er war ein sehr nahestehender Freund von uns allen und sein Ableben hatte einen enormen Einfluss auf uns und die Hardcore Szene in Calgary. Eine Sache weiß ich ganz bestimmt, er wird nie vergessen sein. Und das macht den Umgang damit ein klein wenig leichter.

AFL: Ich hoffe, ich habe da nichts falsch verstanden, aber wenn ich mir eure Lyrics so durchlese, scheinen sie voller Wut zu sein. Auch auf dem Cover sieht man ein brennendes Haus, was nicht gerade einen optimistischen Eindruck erwecken lässt. Schieben wir die Wut und Verzweiflung einmal beiseite, was macht euch glücklich und gibt euch Hoffnung in dieser Welt?

Die Lyrics sind definitiv voller Wut, aber in Anbetracht der aktuellen Lage auf der Welt, kannst du mir das vorwerfen? Ich denke das Artwork fängt die Grundstimmung der Platte perfekt ein. Es gibt aber natürlich auch viele Dinge, die mich glücklich machen. Meine Freunde, meine Beziehung, die großartige Hardcore Szene, von der ich ein Teil sein darf… Das Privileg zu haben, arbeiten zu dürfen und das Beste aus mir selbst machen zu können. Da habe ich großes Glück. Aber ich habe generell nicht viel Hoffnung für diese Welt. Wir sind auf einem „guten“ Weg, diese Welt auf dem schnellsten Weg unbewohnbar zu machen und es ist alles unsere Schuld. Es gibt nicht genug Menschen, die bereit sind, diese Missstände zu korrigieren.

Mortality Rate – You Were The Gasoline (Artwork)

AFL: Obwohl die EP wirklich reinhaut, ist die Spielzeit relativ kurz geraten. Arbeitet ihr bereits an neuem Material? Ich hoffe, wir können bald ein Full Length Album erwarten!

Wir halten es lieber kurz und knackig. Wir veröffentlichen lieber 5 Songs die wir lieben, als ein Album, von dem wir nicht zu 100 % überzeugt sind, nur damit wir ein Album veröffentlichen. Eines Tages werden wir aber sicherlich ein Album veröffentlichen! Wir haben aber noch nicht mit neuem Material begonnen.

„Viele Leute haben sich von meinen Worten angegriffen gefühlt.“

AFL: Jess, ich habe einen Ausschnitt vom Set beim Wild Rose Hardcore Fest gesehen. Das wurde von Sunny, hate5six gepostet. Da sagst du, dass „Female Fronted Hardcore“ nicht als eigenes Genre angesehen werden sollte. Für alle, die das Video nicht gesehen haben, könntest du deinen Standpunkt nochmal zusammenfassen? Wie waren die Reaktionen auf deine „Rede“? (Anm.: Nachstehend dann das entsprechende Video dazu)

Viele Leute haben die Idee, dass es unterstützend ist, wenn sie extra hervorheben, dass eine Frau singt. Aber die Leute tendieren auch dazu, uns alle in einen Topf zu werfen und meinen, alle Bands mit Frauen am Mikro klingen gleich. Das ist einfach falsch. Ich sage nicht, dass eine Band besser ist als die andere. Aber die Leute zählen fünf Bands mit Frauen als Sängerinnen auf, als wäre das alles das gleiche Genre. Damit werfen sie uns wie gesagt in einen Topf zusammen und trennen uns so vom Rest der Hardcore Szene. Das ist nicht unterstützend, sondern eher kontraproduktiv. Das entfernt uns vom eigentlichen Genre.

Viele Leute haben sich von meinen Worten angegriffen gefühlt. In unzähligen Kommentaren haben sich auch viele Männer beschwert, dass ich sie angegriffen hätte. Dabei war das nicht einmal explizit an Männer gerichtet. Zeitgleich haben mich aber auch genauso viele Leute unterstützt. Ich habe nicht viele Kommentare gelesen oder auf diese reagiert, denn ich bin der Meinung, dass ich bereits alles gesagt hatte. Großteils haben mir meine Freunde darüber berichtet.

AFL: Bevor wir zum Abschluss kommen, ihr seid ja aus Kanada. Könnt ihr uns ein bisschen etwas über die Hardcore Szene in Kanada erzählen, speziell über die Szene in Calgary?

Ich denke die Szene in Westkanada ist sehr speziell. Es gibt kleine Szenen in den Städten zwischen British Columbia und Manitoba, die untereinander alle sehr gut vernetzt sind. Ich würde sagen es ist EINE Szene, und nicht nur die „Calgary Szene“, oder irgendeine andere Stadt.

AFL: Gibt es aufstrebende Bands, die du empfehlen kannst?

Serration, Fuze, Trench

AFL: Vielen Dank für das Interview!

Mortality Rate – Europa-Tour 2019

Mortality Rate – Europa-Tour 2019
- Werbung -

1 Kommentar

Beitrag kommentieren

Bitte gebe dein Kommentar ein
Bitte gebe dein Name ein