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WTF Records

Wo Pornophon her kommen werde ich wohl jetzt nicht explizit erörtern müssen. Aber dass die Schwaben schon seit 24 Jahren Mucke machen, das ist wohl für den ein oder anderen Musikfan bestimmt etwas überraschend. Denn auch an mir, ich bin ehrlich, gingen die Jungs bisher vorbei, obwohl 1998 gegründet. Aber das ändert sich ja jetzt.

Ulmer Schule wurde bereits 2020 aufgenommen und auf eine, auf 300 limitierte Re-Vinyl-Platte gepresst. So, was ist nun bitte Re-Vinyl? Es ist nicht so, dass alte Schallplatten zerhäckselt werden und dann neue draus gemacht werden. Bei der Produktion von farbigen Platten wird oft zu viel produziert, weil es schwer abzuschätzen ist, wie viel man braucht. Diese Reste werden dann zusammengekippt und angeboten. Das ist Re-Vinyl. Und darus werden dann Platten gemacht, die alle Unikate sind, denn aus den Resten lässt sich nicht sagen, wie die LP dann aussehen wird. Aber gut, so viel zu diesem Thema.

Nun denn, zur musikalischen Untermalung dieser schönen Scheibe. 13 Songs, eine dreiviertel Stunde beste Unterhaltung und deutschsprachiger Post-Hardcore-Punk-Not-So-Easy-To-Define. Das ist geboten. Ein paar Songs hab ich mir dann jetzt raus gepickt, die ich vielleicht ein bissel beschreiben kann und an denen man vielleicht die allgemeine Ausrichtung von Pornophon erahnen kann.

Ich möchte ein Gutmensch sein, in Rostock-Lichtenhagen. Ich möchte ein Gutmensch sein, in Solingen und Mölln. Ich möchte ein Gutmensch sein, in Hoyerswerda. Ich möchte ein Gutmensch sein, in der Keupstraße in Köln.

Flott und wütend gibt der Song Gutmensch einen Gedanken wieder, den wohl Jede*r mit etwas Empathie schon mal gehabt haben sollte. Wenn mehr Menschen aufstehen würden, dann würde es oft nicht so weit kommen, wie an besagten Orten. Aber sitzen bleiben ist einfach bequemer. Ein Hammer-Song, wie ich finde.

Der Titeltrack beschäftigt sich dann aber mit was Anderem. Denn mitten in Ulm gibt es einiges an Rüstungsfirmen. Namen will ich keine nennen, aber wenn man etwas recherchiert, dann findet man schnell raus, dass Ulm ein „Bundeswehr und Waffen-Problem“ hat. Und genau das kritisiert Ulmer Schule.

Was ich gerne auch noch anmerken würde ist, dass von 10% der Einnahmen aus den Plattenverkäufen an Sea-Eye Ulm gehen. Auch das sollte vielleicht bei der Entscheidung zum physischen Tonträger etwas helfen. Ich hab euch mal die Seite verlinkt. Einfach auf den Sea-Eye-Namen klicken. Aber jetzt nochmal zur Platte:

Pornophon schaffen es, auf ihre eigene Art abwechslungsreich zu bleiben. Mal sind die Songs flotter und geben Anlass zum Pogo. Mal sind sie eher destruktiv und schwer zu verdauen (10000 Jahre) und lassen den Kopf langsam auf und ab nicken. Auf jeden Fall kann Ulmer Schule durchaus überzeugen. Gefällt mir echt. Das Album erscheint auf Klangbad und sollte in die Hände der Post-HC und Post-Punks auf jeden Fall gelangen. Auch wenn die eigene Genrefindung immer noch in Arbeit ist…

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