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Hardcore Festspiele in Wien! Nach dem Gastspiel von Terror, Death Before Dishonor, Jesus Piece, Lion’s Law und Ill Blood am Vortag machten am 12.November 2019 Sick Of It All, Comeback Kid, Cancer Bats und Additional Time im Rahmen der Dragon Fire Tour 2019 Halt in der altehrwürdigen Arena in Wien. Die Show rund um Terror habe ich ausgelassen, da ich das Package in beinahe gleicher Ausführung erst vor kurzem auf dem The Sound Of Revolution Festival (Bericht) gesehen hatte. Bei Sick Of It All herrschte dagegen natürlich wieder Anwesenheitspflicht!

ARENA WIEN – Die Location

Arena Wien - Außenansicht
Arena Wien – Außenansicht

Mittlerweile habe ich schon ein paar Konzertberichte für AFL geschrieben, erstaunlicherweise war da noch kein Konzert in der Arena dabei. Daher ein paar Worte zur Location. Bei der Arena handelt es sich eigentlich um DIE Konzertlocation in Wien, in der seit den 70er Jahren diverse Veranstaltungen stattfinden. Der geschichtliche Background würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen (Stichwort Arena-Besetzungen), Interessierte können sich hier oder bei Wikipedia einen Überblick verschaffen. Jedenfalls gibt es hier die große Halle (Kapazität für ca. 935 Leute), kleine Halle (ca. 240 Leute), Dreiraum (würde schätzen ca. 80 Leute +-) und das Beisl (= Kneipe). Im Sommer gibt es noch Open Air Konzerte, mit bis zu 3000 Leuten. Wie ihr euch vorstellen könnt, ist hier immer etwas los und so verschlägt es jeden halbwegs Musikinteressierten (welche Musik auch immer) aus dem Raum Wien/Umgebung früher oder später in die Arena. Ob er will, oder nicht.

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ADDITIONAL TIME

Additional Time, 1 - 12.11.2019 - Arena, Wien
Additional Time, 1 – 12.11.2019 – Arena, Wien

Wie es sich für eine Band wie Sick Of It All gebührt, war der Austragungsort heute die große Halle. Auch wenn der Beginn der ersten Band Additional Time für einen Dienstag recht sportlich angesetzt war (19:00 Uhr), schaffte man es punktgenau in Wien Simmering aufzuschlagen. Die Band aus dem Saarland hatte ich zuletzt auf dem LHHC Fest im August gesehen und eigentlich könnte ich den Text von damals 1:1 übernehmen. Wieder wurde der straighte Hardcore Sound sehr engagiert zum Besten gegeben. Zwischendurch gedachte die Band einem kürzlich verstorbenen Freund, möge er in Frieden Ruhen. Zu Beginn waren noch nicht viele Zuseher da, doch im Laufe des Sets wurden es immer mehr, sodass die Halle gegen Ende hin in Anbetracht der Uhrzeit doch recht akzeptabel gefüllt war. Die Truppe hat für mich auf jeden Fall Potential, Gerüchten zufolge sollen nach der Tour die Arbeiten zu einer neuen Platte beginnen. Man darf gespannt sein.

CANCER BATS

Cancer Bats, 1 - 12.11.2019 - Arena, Wien
Cancer Bats, 1 – 12.11.2019 – Arena, Wien

Mit den Cancer Bats folgte im Anschluss eine Unbekannte für mich. Man kennt zwar den Namen, trotzdem staunte ich nicht schlecht, als beim Beginn der Show die Halle auf einmal ziemlich voll war. Wo kommen denn die auf einmal alle her? Nicht schlecht für die zweite Band des Abends. Der plötzliche Besucheransturm lässt sich durch den Sound der Band auch relativ leicht erklären, denn die Kanadier legten gleich ordentlich los und hielten den Energielevel auch durchgehend konstant hoch. Musikalisch ist das jetzt nicht unbedingt meines, ich verstehe aber jeden, der diesen Mix aus Rock/Punk/Hardcore abfeiert. Macht auf jeden Fall Laune. Das Gehörte kam auch sehr gut beim Publikum an, auch wenn die Lage bis auf kurze Schubsereien gegen Ende hin noch ruhig blieb.

COMEBACK KID

Comeback Kid 1 - 12.11.2019 - Arena, Wien
Comeback Kid 1 – 12.11.2019 – Arena, Wien

Vertrautere Klänge gab es danach bei Comeback Kid. Zwar ist der melodische Hardcore der Landsleute von Cancer Bats auch schon wieder nicht ganz mein Fall, dennoch haben mich CBK live bis jetzt immer überzeugt. So konnte man dem bevorstehenden Set relativ zuversichtlich entgegen blicken. Der Beginn in Form von False Idols Fall war aber noch ziemlich verhalten, denn obwohl keine Absperrung vor der Bühne zu vernehmen war, hielten die textsicheren Besucher noch einen respektablen Abstand zur Stage. Das wirkte in Anbetracht der Band schon irgendwie skurril und die Bewegungslethargie dürfte auch dem Frontman Andrew Neufeld ein Dorn im Auge gewesen sein. So dauerte es nicht lange, bis sich der Sänger von der Bühne herabließ, um in der Menge für ein bisschen Bewegung zu sorgen. Dieser Gewaltexzess zeigte seine Wirkung und mündete in einem pogoartigen Moshpit. Von da an nahm die Show glücklicherweise auch an Fahrt auf.

Comeback Kid 2 - 12.11.2019 - Arena, Wien
Comeback Kid 1 – 12.11.2019 – Arena, Wien

Man bekam, was man von einer CBK Show erwartet, ein Set gespickt mit Ohrwürmern wie Wasted Arrows, Should Know Better, G.M. Vincent And I, Somewhere, Somehow, um nur ein paar zu nennen. Haben die eigentlich einen Song, der nicht im Gehörgang hängen bleibt? Vor allem die letzte Nummer Wake Up The Dead stellte stimmungstechnisch den Höhepunkt dar und schwirrt auch noch Tage danach in meinem Kopf herum. Frontman Andrew wirkte heute irgendwie nicht so spritzig wie sonst, was nach einer langen Tour aber auch absolut verständlich ist. Unter dem Strich war es dennoch ein angemessenes Aufwärmprogramm für den nun folgenden Headliner.

SICK OF IT ALL

Zu dem Stellenwert von Sick Of It All bedarf es an dieser Stelle sicherlich keiner weiteren Worte. Wie bei unzähligen anderen auch, ebneten die Jungs aus New York auch bei mir den Weg in diese wunderbare Subkultur. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich mit meinen damals jungfräulichen 12 Jahren die With Full Force 2003 DVD auf und ab gespielt habe, auf der Suche nach neuen Heavy Metal Bands. Begriffe wie Stagedive, Moshpit oder Wall Of Death waren da noch Fremdwörter, umso fassungsloser bin ich dann beim Clip von SOIA mit Injustice System (Video) hängen geblieben. Kopfschüttelnd ob dieser Psychopathen habe ich schnell wieder zu Soulfly vorgespult. Doch ohne es zu wissen, war das der Anfang vom Ende und 15 Jahre später bin ich selbst so ein Psychopath. Danke, Sick Of It All!

Sick Of It All, 5 - 12.11.2019 - Arena, Wien
Sick Of It All, 5 – 12.11.2019 – Arena, Wien

Der Bogen in die Gegenwart ist leicht gespannt, denn besagter Song Injustice System sollte auch an diesem Tag der furiose Startschuss in eine rauschende Hardcore-Party werden. Wie bei größeren Bands üblich, eröffnete sich in Windeseile ein ausgedehnter Push-Pit im vorderen Bereich. Für mich war der Abend nach knapp 2 Minuten eigentlich schon gelaufen, die Nummer kannst du sowieso nicht toppen. Danach war es Zeit für Clobberin‘ Time, ehe mit Inner Vision erstmalig ein Song vom letzten Album Wake The Sleeping Dragon! zum besten gegeben wurde. Die Band zeigte sich in bester Spiellaune, Sänger Lou strotzte vor Energie wie eh und je und Bruder Pete drehte derweil eifrig seine berüchtigten Pirouetten.

„we know each other for a Long time. thank you Arena for all the support over the years“

Die Setlist deckte so ziemlich alle Schaffensphasen der Band ab und im Prinzip gab es abwechselnd „alte“ und „neue“ Songs auf die Ohren und weiter vorne auf’s Gemüt. Auf den Klassiker My Life (1989) folgte z.B. kurz darauf der Song Bull’s Anthem vom letzten Album, danach gab es Uprising Nation (2006), ehe Bassist Graig Setari seine Gesangskünste bei Busted (1997) präsentieren durfte. Somit hatte eigentlich keiner was zu meckern, was in einer durchgehend ausgelassenen Stimmung in der gut gefüllten Halle resultierte.

Zwischendurch bedankte sich der Frontman beim Arena-Publikum für das Erscheinen an einem Dienstagabend und über den Support in den vergangen Jahrzehnten. Man ist schließlich nicht zum ersten Mal hier und kommt immer wieder gerne in die Arena. Das wirkte authentisch und hört man natürlich gerne. Weiteren musikalischen Honig schmierten sie den Besuchern mit Hits wie Good Lookin Out, Step Down oder Road Less Traveled um’s Maul. Die nahmen das dankend an und waren weiterhin voll bei der Sache, was sich auch in unzähligen Stagedives zeigte.

„do you really want to stand there? You’ve still got your whole life ahead of you!“

Sick Of It All, 3 - 12.11.2019 - Arena, Wien
Sick Of It All, 3 – 12.11.2019 – Arena, Wien

Irgendwann begab sich Lou auch hinab ins Publikum, um die Meute zu einem Circle Pit um ihn herum zu animieren. Dies war wohl als kleine Aufwärmübung für die nachfolgende SOIA Tradition zu verstehen. Als der Sänger das Publikum in zwei Hälften teilte, wussten die Meisten wohl schon was bevor stand. Die meisten deshalb, weil ein paar unbeirrte in der Mitte nicht vom Fleck wichen, was Lou mit obigem Zitat kommentierte. Tja Pech gehabt, denn als Scratch The Surface startete rannten beide Seiten ohne Rücksicht auf Verluste aufeinander los. Die Wall Of Death war noch ein richtiger Augenschmaus kurz vor dem Schluss, denn im Anschluss gab es nur noch den Gassenhauer Us Vs. Them als Rausschmeißer.

Als die letzten Akkorde verstummten, waren wir bereits auf dem Weg nach draußen und ließen diesen genialen Abend noch einmal Revue passieren. Beim Blick auf die Uhr holte einen die traurige Realität wieder ein. Es war zwar offiziell noch immer Dienstag, doch in sechs Stunden läutete bereits wieder der Wecker. Die Ermüdungserscheinungen am nächsten Tag nahm man aber gerne in Kauf, Sick Of It All sind live einfach eine Macht!

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