Steve Braun – V-Mann (Buch) ::: Review (2021)

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Steve Braun hat gerade einen Fotoband über die Nürnberger Punkszene veröffentlicht. V-Mann heißt das 592 Seiten starke Werk. Das ganze Projekt wurde 2017, während seines Studiums in der Klasse Jürgen Teller an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, gestartet und ist zwischen tagebuchartiger Erzählung, dokumentarischer Fotoserie und persönlicher Liebeserklärung an die Szene angesiedelt. In Zusammenarbeit mit der Nürnberger Punk-Szene, die auch Texte beigesteuert hat, wurde dieses Fotobuch realisiert. V-Mann deshalb, weil Braun wegen seiner langen Haare von Nille Hangoverson, dem Asozialen Landesvater Bayerns (so heißen die APPD-Landesvorsitzenden). Insgesamt über vier Jahre begleitete er die Nürnberger Punkszene. Begleitend zu den zahlreichen Schnappschüssen schrieben die drei Punkveteranen Nille Hangoverson, Gertold Grecht und Lutz kleinere Texte, meist Anekdoten zu dem Fotoband. Die Bilder entstanden überwiegend mit Point-und-Shoot-Kameras, da sie bei Feiern, Konzerten und an Szenentreffs relativ zufällig entstanden.

(c) Steve Braun

Das Buch ist, wie oben schon angedeutet richtig fett und wiegt auch einiges. Spinnen kriegt man damit jedenfalls gut platt. Taugt es ansonsten was?

Nun, es liefert einen recht authentischen Blick in die bayerische Punk, insbesondere die APPD-Szene. Gescheut wird weder vor Ekelbildern, noch vor nackten Tatsachen (auch wenn es sich dabei meist um Penisse handelt). Der ästhetische Wert scheint dem angemessen, wobei einige Bilder sicherlich auch etwas (Nach-)Bearbeitung vertragen hätten (Stichwort: rote Augen) und zum Teil fragt man sich auch, warum man abgeschnittene Köpfe in einem Band eines Fotografie-Studenten findet. Auch fehlt so eine gewisse Ordnung, so dass es einem vorkommt, als wären die Bilder willkürlich aneinander gereiht. Die Texte sind ganz gut zu lesen, viel Propaganda für die APPD und ein bisschen was Anekdotisches, viel zum Selbstverständnis der Schreiberlinge. Über die abgebildeten Personen erfährt man leider nix. Insgesamt hätte ich mir dann doch mehr erwartet. Aber ein interessantes Zeitdokument ist es allemal und wer einen netten Bildband über die Punkszene benötigt, findet hier einen authentischen Blick.

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(c) Steve Braun

Erschienen ist es im Verlag Hirnkost (ehemals Archiv der Jugendkulturen). 35 Euro kostet das Teil. Nicht viel für 592 Seiten voller Farbfotografien.

(c) Steve Braun
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