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Dead Serious Recordings

Kann man eigentlich noch mehr Verzweiflung in Töne packen?

Die fünf Belgier von Sundays haben mit Free At Loss eine 4-Song EP rausgehauen, die wirklich bewegt. Anders als auf der Vorgänger LP zeigen sie sich hier weniger von ihrer Hardcore-Punk- sondern mehr von ihrer Post-Hardcore-Seite. Wie man das unterscheiden kann? Kann man nicht. Zumindest nicht bei Sundays, die mit dieser Platte zeigen, dass alles Recht ist, wenn es darum geht, Emotionen auszudrücken.

Nicht nur die Art zu schreien, auch die Instrumentierung und die Art des Songwritings erinnern stark an Defeater. Das liegt auch daran, dass kein geringerer als Jay Maas, Gründungsmitglied von Defeater und Produzent für Death Of A Nation und Verse, hier an den Reglern saß. Aber genug verglichen. Das haben Sundays nicht verdient.

Der Titel Free At Loss (möglicherweise eine Anlehnung an Free at last von Youth Of Today) und das darin versteckte Wortspiel lassen darauf deuten, dass die Songs von verschiedenen Momenten des Verlusts erzählen, vom Loslassen, das aber auch befreiend wirken kann. Eine Stimme, die durch Mark und Bein geht, schreit Gedanken heraus, die vom Suchen des Lebenssinns handeln, von Familientragödien, bis hin zum sich verloren Fühlen. Die Tracks sind durchdacht, ohne so zu wirken, und besitzen eine bewegende Dramaturgie. Düster und traurig, depressiv.

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Optimist

Gleich mit dem ersten Song Impressions of an Empire ziehen uns Sundays in ihre Welt aus Resignation, Wut und Verzweiflung. Nachdem sich das Gitarren-Feedback im Hintergrund aufgelöst hat, braut sich an der Front ein Gewitter zusammen – aus getragenen Riffs, über die sich stimmgewordene Resignation legt: „There is no light at the end of the tunnel / It’s just stories beautiful bedtime stories / for us to fall asleep“. Und in dem Moment, in dem man denkt, mehr Energie wäre nicht möglich, packen einen Sundays mit einem Rhythmus- und Tempowechsel am Kragen und zerren einen noch weiter mit rein. Ein Traum von einem Melodic-Hardcore Song!

Vocalist Bert Vandaele schreit sich auch auf den folgenden drei Songs die Seele frei. Dabei zeigt er in Fading Out sein gesamtes Spektrum – von Spoken Words bis hin zu Geschrei. Ebenso beeindruckend wie die Vocals sind die Gitarren, die einen durch Mark und Bein fahren. Sie schaukeln sich mit der Stimme gegenseitig hoch und erzeugen ein Chaos aus Tönen, das trotz allem irgendwie geordnet klingt. Das Schlagzeug scheint an manchen Stellen so stark mit den Anschlägen der Gitarren zu verschmelzen, dass man kaum noch sagen kann, wo die Drums aufhören und die Gitarren anfangen. Man könnte vermuten, dass bei den Aufnahmen so einige Sticks oder Felle dran glauben mussten. Zumindest mussten sie leiden, so wie der Protagonist in den Texten. Zwischen Schlagzeug und Vocals wabern die dissonanten und messerscharfen Gitarren und unterstützen die Stimme von Vandaele perfekt.

Pic by Kevienpictures

Eine wunderschön tragische Melodie trägt uns durch Black Ponds, ohne dabei kitschig zu klingen. Und auch hier wird in Defeater Manier die Spannung erst mitreißend aufgebaut, um sie mittendrin wieder raus zu nehmen und schließlich umso mehr in die Felle, Saiten und Ohren zu krachen. Trommelwirbel, harte Beats, abgestoppte Akkorde, durchgeschrammelte Riffs: Es scheint, als würden Sundays mit ihren Instrumenten jede Emotion durchspielen.

Und dann ist da noch One Of Them: Der Song startet mit der Erkenntnis „Breathe! Think! Live!“ und wechselt zu nervösen Herzschlägen, Gedanken und einem verzweifelten Gespräch mit sich selbst. Ebenso, wie die Person in diesem Song, die sich wundert, wie sie hier hingeraten ist und wie ihr Leben so ablaufen konnte, lässt einen der Song zurück – überwältigt.

Es ist immer wieder beeindruckend, wie sehr das Mixing Einfluss auf die Wirkung von Musik hat. Im Gegensatz zum Vorgänger Album spielen die 4 Songs auf Free At Loss in einer anderen Liga. Das Album wirkt soundtechnisch ausgefeilt, ohne dabei überproduziert zu wirken. Free At Loss hat die rohe Energie vom Punk, den Wums vom Hardcore und den Noise- und Drama-Anteil vom Post-Hardcore. Das klingt nach einem Befreiungsschlag für alle drei Genres und für eine Menge von Gefühlen.

Tracklist:

  1. Impressions Of An Empire
  2. Fading Out
  3. Black Ponds
  4. One Of Them
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Demons Run Amok

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