The Drowns - Harsh Reality 82026)
The Drowns - Harsh Reality 82026)

Bevor bei Harsh Reality überhaupt die Nadel die Platte berührt, muss man kurz über die Optik reden. Denn verdammt, sieht das Ding gut aus. Das Artwork und die Aufmachung gehören definitiv zu den Sachen, bei denen man die Platte lieber in der Hand hält, als sie einfach irgendwo zu streamen.

Musikalisch packen The Drowns auf ihrem vierten Studioalbum dann irgendwie alles zusammen, was die Band in den vergangenen Jahren ausgemacht hat. Streetpunk, Punkrock, Rock’n’Roll und die deutlich melodischere Seite der Band treffen hier aufeinander.

Und dafür haben The Drowns zwei ziemlich unterschiedliche Waffen.

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Gitarrist Rev Peters und Bassist Andy Wylie teilen sich den Gesang, wobei beide kaum unterschiedlicher klingen könnten. Rev hat diese wunderbar kaputte, raue Stimme, während Andy wesentlich melodischer unterwegs ist. Dieses Wechselspiel gab es auch schon auf früheren Veröffentlichungen der Band, auf Harsh Reality fällt es aber besonders auf.

Los geht es mit Always A Bastard – und das Ding ist direkt eine Bombe. Rau, dreckig und ein Streetpunk-Song genau nach meinem Geschmack.

Direkt danach kommt mit Have A Heart die andere Seite der Drowns zum Vorschein. Melodischer, ruhiger und deutlich poppiger. Und genau dieses Wechselspiel zieht sich immer wieder durch die Platte.

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Ich persönlich weiß ziemlich genau, auf welcher Seite ich stehe: Gebt mir die räudigen Drowns!

Mein Favorit der Platte ist dementsprechend Let’s Start A Cult. Schön dreckig, schön rau und genau die Sorte Drowns, die bei mir am besten funktioniert.

Irgendwann beim Hören kam mir dann eine ziemlich bescheuerte Idee.

Was passiert eigentlich, wenn ich immer einen Song überspringe?

Also ausprobiert.

Und plötzlich hatte ich gefühlt zwei verschiedene Drowns-Platten vor mir. Einmal eine räudige Streetpunk-Platte – und einmal ein wesentlich melodischeres Punkrock-/Pop-Punk-Album. Natürlich geht diese Rechnung nicht bei jedem Song hundertprozentig auf, aber probiert es ruhig einmal aus. Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich Harsh Reality dadurch wirken kann.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich es ein bisschen schade finde, dass wir bei AWAY FROM LIFE keine Doppelreview zu dieser Platte gemacht haben. Ich könnte mir gut vorstellen, dass zwei Leute bei Harsh Reality zu vollkommen unterschiedlichen Lieblingssongs kommen. Wer die melodische Seite der Drowns liebt, wird vermutlich ganz andere Songs hervorheben als jemand wie ich, der darauf wartet, dass Rev wieder losbellt.

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Interessanterweise ist diese Zweiteilung aber keineswegs etwas völlig Neues. The Drowns haben schon auf früheren Veröffentlichungen mit ihren unterschiedlichen Einflüssen und den beiden Stimmen gespielt. Gerade Rev und Andy sorgen seit längerem dafür, dass die Band sowohl die Streetpunk-Kante als auch die melodischere Punkrock-Seite bedienen kann. Auf Harsh Reality wirkt es für mich allerdings fast so, als hätten sie diese beiden Seiten besonders deutlich nebeneinandergestellt.

Trotzdem – und das ist eigentlich das Entscheidende – funktioniert Harsh Reality als komplettes Album.

Es klingt nicht wie eine zusammengewürfelte Sammlung von Songs zweier verschiedener Bands. Vielleicht gerade deshalb, weil die Unterschiede inzwischen ein Teil dessen geworden sind, was The Drowns ausmacht.

Produziert wurde das Album im Blasting Room in Fort Collins von Bill Stevenson, gemischt hat Jason Livermore. Auf Vengeance steuert Zach Blair von Rise Against zusätzliche Gitarre bei und auf 3rd & Pike ist Matt Hensley von Flogging Molly am Akkordeon zu hören.

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Auch textlich bleiben The Drowns politisch. Relentless beschäftigt sich beispielsweise mit dem Druck, den ein Leben erzeugt, in dem Menschen ständig arbeiten und kämpfen und trotzdem immer weiter zurückfallen. Have A Heart stellt dem wiederum einen ziemlich simplen Gedanken entgegen: Vielleicht würde ein bisschen mehr Mitgefühl einiges ändern.

Das alles steckt in 13 Songs, die ziemlich gut zeigen, wie breit The Drowns mittlerweile musikalisch aufgestellt sind.

Und ich weiß zumindest jetzt schon, wie der nächste Kniffelabend mit meiner Frau aussehen wird.

Harsh Reality kommt auf den Plattenteller, wir würfeln ein paar Runden – und spätestens bei jedem zweiten Song wird von der anderen Seite des Tisches vermutlich kommen:

„Drück weiter!“

Sie steht nämlich noch weniger auf melodischen Punk als ich.

Vielleicht mache ich dann einfach wieder mein Experiment und lasse nur die räudige Hälfte laufen.

Anspieltipps: Always A Bastard, Let’s Start A Cult

The Drowns (2026. Photo by Pierre Salmon)
The Drowns (2026. Photo by Pierre Salmon)

Tracklist

  1. Always A Bastard
  2. Have A Heart
  3. Relentless
  4. Hellish Tattoo
  5. Let’s Start A Cult
  6. Strangled Voices
  7. 3rd & Pike
  8. Burn The Page
  9. Vengeance
  10. Death of the Optimist
  11. Tried To Love You
  12. Tender Hooks
  13. No Better
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– Playlist: Happy Release Day
BEWERTUNG
The Drowns - Harsh Reality
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SteveS
Hey, ich bin Steve. Punk hab ich mit 12 entdeckt als ich eine CD von The Exploited kaufte. Hardcore kam ein wenig später, weil ich Gang Green durch ein Coversong von Tankard entdeckte. Ich veranstaltete kleine DIY-Shows in Luxemburg und schrieb fürs Punkrock!, fürs Plastic Bomb, für den Gestreckten Mittelfinger und fürs Polytox. Und nun bin ich hier :)
the-drowns-harsh-reality-review-2026Zwei Seiten, zwei Stimmen, ein verdammt gutes Album. Harsh Reality funktioniert von vorne bis hinten – 5 Sterne!

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