10 Records Worth To Die For: #85 mit Kostia Newt (War With The Newts)

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War With The Newts sind der neue Geheimtipp aus dem Hause Bakraufafita Records. Erst kürzlich haben wir ihr neues Album Muerte мій Amour besprochen und für sehr gut empfunden. Heute stellt uns Sänger Kostia seine zehn Lieblingsplatten vor!

1The Beatles – Rubber Soul

Jep, meine erste Nicht-Pop-Erfahrung. Meine Eltern waren, um es milde zu formulieren, keine großen Musikkenner. Und das Meiste, was bei uns gespielt wurde, war wirklich unterstes Niveau: Postsowjetische Chanson-Pop-Kotze, geschmackloses 70-er-Disco und natürlich Jesus-Lieder. Bodenlos dämlich und schweinisch einfallslos. Umso verwunderlicher ist es, dass unter all dem Dreck die göttliche Vorsehung (es gibt keinen Gott – ist nur eine Ausdrucksweise) diese Platte mit reingelegt hat (vermutlich hat mein Stiefvater die einfach irgendwo mitgehen lassen, ohne zu wissen was drauf war). Das war für mich wie frische Luft damals: Zum ersten Mal habe ich die Erfahrung gemacht, dass Musik in mir keinen Würgereiz hervorruft.

2The Prodigy – The Fat of the Land

Erste Kassette, die ich mir selber gekauft habe. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr genau wie es dazu kam, aber ein Freund von einem Freund wollte angeben und spielte uns etwas “absolut verbotenes” und “sogar gegen Jesus” vor. Hatte sofort meine 100%-ige Aufmerksamkeit, da Herr Christus und meine Wenigkeit damals unsere ersten Differenzen erkannten. Just am nächsten Tag hab ich mir “The Fat of the Land” geholt und enttäuscht wurde ich nicht, denn bis dato kannte ich nur Beatles, Queen & Co., und war von der dämonischen Aggressivität des Albums absolut überwältigt. Zwar kein Punk oder Hardcore, aber es hat mir die Tür zu der dunklen Seite geöffnet und ich finde die meisten Songs auch heute noch ziemlich cool.

3Nirvana – In Utero

Wenn man jung, arm, faul, schwachbrüstig und hässlich ist, dann bleiben einem nur noch wenige Möglichkeiten um dennoch eine Freundin zu finden. Ich hatte eine beschissene alte Akustikgitarre (die ich nicht stimmen konnte – das kann ich mittlerweile) und die Stimme einer qualvoll krepierenden Katze (daran hat sich bis heute nichts geändert). Kurz: Perfekt für diese Songs! “Rape määääh…” am Lagerfeuer hat mir zu meiner ersten ernsthaften Beziehung verholfen und damit dieser Platte einen festen Platz in meinem Herzen gesichert.

4The Offspring – Ignition

Mein erstes Punk-Album. Ich war so um 15 und merkte langsam, dass ich mein Leben mehr oder weniger komplett kacke fand. Musik war damals die einzige verfügbare Droge: So habe ich an dem Kassetten-Stand in der U-Bahn-Station nach “etwas krasserem als Prodigy” gefragt und “Ignition” bekommen. Nun, es war auf jeden Fall genau das, was ich gesucht habe – schnell, melodisch und vor Allem nicht elektronisch-steril, sondern rau und schmutzig. Ach ja: Und es fängt mit “Fuck! Fuck! Fuck! Fuck!…” an – dem stimme ich bis heute noch absolut zu.

5Spermbirds – Something to Prove

Mein erstes Hardcore-Album. Songs für die Ewigkeit. Muss man noch mehr zu diesem Album sagen? Ich denke nicht. Einfach reinhören und mit brüllen “We – got – something to proooove!”

6Slayer – Undisputed Attitude

Slayer haben damals eine Scheibe mit HC-/Punk-Covern herausgebracht – eine Mischung aus schnellem Metal und HC-Punk der alten Schule. Glaube das kam nicht wirklich mega an, aber ich habs mit 16 hoch und runter gehört. Schwer, schnell und mit jeder Menge Fuck-You-Attitude.

“I haaate youuuu!” – “And everything you dooooo!”

7Sektor Gaza – Vosstavshiy iz Ada

Das Urgestein des postsowjetischen Punks. Musik und Texte unter aller Sau – es geht hauptsächlich ums Saufen, Ficken, Drogen nehmen und von der Polizei verprügelt zu werden. Das ist wirklich schlecht, abartig und geschmacklos – und dafür liebe ich es. Tipp: Lässt sich besonders gut auf der Strasse so um 3 Uhr nachts auf einer verstimmten Akustikklampe spielen. Nach einer Flasche Wodka intus, versteht sich.

8KORN – S/T

Ich war damals mit 16 in Deutschland angekommen – keine Freunde, keine richtige Familie, keine Kohle und tiefste Depression. Wenn nicht die Musik, dann hätte ich mir vermutlich das Leben genommen. Es mag banal klingen, aber das schwere, mit Selbsthass erfüllte Album spiegelte mein inneres Empfinden sehr gut wieder und half mir damit durch einen ebenfalls schweren Abschnitt meines Lebens.

9At the Drive-In – Relationship of Command

Dieses Album ist perfekt! Texte sind einfach genial… Gitarrenriffs sind wild und gleichzeitig catchy. Songwriting ist innovativ, artet dennoch nicht in künstliche Verkomplizierung aus. Es ist für mich das ideale Verhältnis zwischen Gebrülle und Melodie, Chaos und Struktur, raffinierter Technik und jeder Menge pfeifenden Dreck, das eine überwältigende emotional-aggressive Atmosphäre heraufbeschwört. Jedes Mal wenn ich das Album durchhöre, habe ich das Gefühl inmitten eines riesigen Gewittersturms zu stehen. Ja, bin eindeutig bereit für diese Platte zu sterben.

10Refused – The Shape of Punk to Come

Es gibt kaum eine andere Platte, die mich musikalisch so sehr beeinflusst hat, wie “The Shape of Punk”. Ja, das Album ist nicht immer einfach (und das mit Absicht), z.T. zu verspielt, aber dennoch mega geil. Wenn man aufmerksam hinhört, so wird man fest stellen, dass 99,9 Prozent unserer musikalischen Ideen aus diesem Album geklaut sind, haha!

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