Nachdem uns der Flyer für das Bay Fest schon in den Vorjahren mehrfach ins Auge gesprungen war, lockte uns das diesjährige Line-Up endgültig in den Süden. Neben den vielen großartigen Bands, die zwischen 12. und 14. August aufgetreten sind, überzeugte uns letztendlich eine wunscherschöne Location, die direkt an Italiens Adriaküste grenzt. Oder was gibt es schöneres als im Sommer nachmittags am Strand zu faulenzen und Abends Bands wie Dropkick Murphys, Suicidal Tendencies oder Bad Religion zu lauschen? Richtig, nichts!

Also hieß es für uns Koffer packen, Auto einräumen und über kulturelle Umwege Richtung Bellaria-Igea Marina, die 20.000 Einwohner Gemeine, in der das Bay Fest ausgetragen wurde.

Nachdem wir am Samstag noch einen Stop am Gardasee einlegten, um dort noch etwas Kraft für die kommenden Tage zu tanken und uns langsam mit Pizza, Sonne und Gelato an Italien zu gewöhnen, kamen wir Sonntag morgen nach ca. 1.000 Kilometern Autofahrt an unserem Hotel an. Richtig gelesen, wir entschieden uns gegen das Campen, das gegen eine Campinggebühr von 50,00 Euro möglich war, lieber für ein Hotel mit Meeresblicks – wir sind halt auch keine 16 mehr (leider).

Wie oben schon kurz erwähnt fängt das Bay Fest erst am späten Nachmittag bzw. frühen Abend mit den Bands an. Was die einen vielleicht doof finden, da sie auf Festivals gerne schon am frühen Mittag Live-Bands sehen möchten, war für uns genial. Das hieß also kein unnötiger Bandstress, wodurch wir zunächst einmal in den Genuss kamen den wunderschönen Sandstrand auszukosten und uns im Meer eine kleine Abkühlung zu gönnen.

1Der erste Festival-Tag auf dem Bay Fest 2018 mit Lagwagon, Mad Caddies & The Lillingtons

(Photo by Annæmma Antonello)

Gegen 18:00 Uhr machten wir uns dann gemütlich auf den Weg zum Festivalgelände. Der Weg führte uns durch die schöne Strand-Promenade, bei der die 2-3 Kilometer von Hotel zum Festival mit leckerem italienischen Eis in der Hand wie im Flug vergingen. Die beiden Festivaltage danach ließ sich der Fußweg auch perfekt mit einem Abendessen in einem der schicken italienischen Lokale verbinden.

Als wir an der Location angekommen waren, staunten wir nicht schlecht. Ein sehr schönes Festivalgelände, das sich bei einer Größe von geschätzten 2 Fußballfeldern, keine 300 Meter vom Strand erstreckte. Da nicht nur eine italienische Punk-Rock Band namens Beerbong spielte, sondern wir auch vom Spaziergang zum Bay Fest durstig waren, holten wir uns erst einmal Token, um uns anschließend ein paar kühle Biere, bei der ein 0,4 Liter Becher 4 Euro kostete, zu genehmigen. Beerbong spielten richtig coolen, melodischen Skatepunk, der ordentlich 90er-Flair aufbrachte. Eine Band, die ordentlich Bock machte, bei der wir uns vornahmen die Jungs auch mal auf Platte auszuchecken.

Als nächstes auf dem Running-Order standen The Lillingtons – eine Bands, auf die wir uns mit am meisten freuten. Grund hierfür war vor allem, dass wir uns die Band bereits am Montag vor dem Bay Fest im Vorprogramm von Lagwagon in Frankfurt total überzeugte. Auch diesmal wurden wir alles andere als enttäuscht und unsere Stimmung stieg noch einmal genau wie bei den restlichen Zuschauern des immer besser gefüllten Festivalgeländes an. Punk-Rock wie er sein muss – keine lange Ansagen, voll auf die Zwölf. Nachdem The Lillingtons gefühlte 20 Songs in 30 Minuten herunterbretterten ging es weiter mit Mad Caddies.

(Photo by Annæmma Antonello)

Die Ska-Punk-Pioniere aus Kalifornien sind eigentlich die perfekte Band für heiße Open-Airs im Sommer, bei der eigentlich nichts anderes als gute Laune aufkommen kann. Leider sind Mad Caddies für mich persönlich mit ihren neuen Veröffentlichungen komplett uninteressant geworden, obwohl ich die Band in meiner Jugendzeit mit ihren ersten Veröffentlichungen noch total abfeierte. Einfach zu lahm geworden! Ein Glück gab die Band auch einige Klassiker wie Monkeys oder Road Rash zum Besten und auch der restliche Auftritt ging voll ok, auch wenn ich mir die Songs niemals „so“ anhören würde.

Headliner des ersten Festivaltages waren dann Lagwagon! Wie wenige Zeilen zuvor erwähnt, haben wir die Jungs bereits wenige Tage zuvor in Frankfurt gesehen. Auch diesmal gab es ein Großteil der Songs ihres 20-jährigen Jubiläumalbums Let’s Talk About Feelings, doch da die Setlist etwas kürzer als bei der Clubshow war, mussten hierfür auch einige Hits weichen. Ich persönlich fand es sehr schade, dass ihr Klassiker Alien 8 ausgelassen wurde. Gerade deshalb ging der Auftritt für mich nur „ok“.

Für uns ging es dann weiter auf die unmittelbar am Festivalgelände anliegende After-Show-Party, die direkt am Strand stattfand. Hier wurde bei Klassikern aus sämtlichen Musikrichtungen noch einmal ordentlich gefeiert, bevor es für uns dann irgendwann wieder Richtung Hotel ging.

2Der zweite Festival-Tag auf dem Bay Fest 2018 mit Dropkick Murphys, Agnostic Front & Lagwagon

(Photo by Annæmma Antonello)

Nachdem wir langsam aus unserem Delirium erwachten und den ersten Festival-Tag beim Frühstück Revue passieren ließen, beschlossen wir die schöne Gegend etwas näher zu erkunden. Die Kleinstadt ist keine 30 Kilometer von Rimini entfernt und auch der bergige Kleinstaat San Marino ist keine Stunde Fahrzeit entfernt. Wir entschieden uns somit sowohl Montag (Rimini) als auch Dienstag (San Marino) für Sightseeing und gegen die Voraktivitäten die das Bay Fest angeboten hatte. Scheiß Touris halt! Akustik-Shows und Kindersaufspiele sind halt nicht so unsere Sache. Für alle, die vorhaben das Bay Fest einmal zu besuchen, können wir euch vor allem einen Halbtagesausflug nach San Marino wärmstens empfehlen!

Second day, same as the first: Nach unserem Ausflug stand nun der zweite Tag des Bay Fest 2018 vor der Tür und wir machten uns wieder auf unserem Wanderweg von Hotel zum Open-Air.

Da wir eine Abkühlung am Strand den lokalen Bands vorzogen, hatten wir uns an diesem Tag Booze & Glory, Agnostic Front und Dropkick Murphys im Running-Order fett markiert. Die After-Show-Party war seit dem Festivalauftakt sowieso gesetzt!

Den Start machten also die Streetpunk-Durchstarter von Booze & Glory. Die Engländer spielen sehr „catchigen“ Oi! wie man ihr von ihren Landeskollegen kennt. Die Songs beißen sich sofort ins Ohr und lassen sich schnell mitsingen. Das zunächst etwas verhaltenen Publikum taute spätestens mit ihrem Überhit London Skinhead Crew richtig auf. Mit den letzten Song Only Fools Get Caught beendeten Booze & Glory einen grandiosen Auftritt.

Nach kurzer Umbaupause ging es weiter mit Agnostic Front. Ich habe die New York Hardcore Legende in den vergangenen Jahren gefühlte 20-mal sehen können und muss sagen, dass die Stimme von Roger Miret schon langer nicht mehr so gut und deutlich zu hören war wie auf dem Bay Fest. Wo wir schon beim Frontmann sind; dieser spielte mit Gips und erzählte, dass er erst vor kurzem am Arm und auch am Herz operiert worden sei, was ihn aber trotzdem nicht daran hintere mit seiner „Family“ auf und vor der Bühne Gas zu geben. Chapeau Roger! Übrigens hat das Hardcore-Urgestein auch erst vor kurzem seine Autobiografie veröffentlicht, die wirklich sehr lesenswert ist – hierzu findet ihr hier auf AWAY FROM LIFE auch eine Buchbesprechung.

(Photo by Annæmma Antonello)

Nun aber zurück zum Bay Fest und Agnostic Front. Sehr guter Auftritt mit einer grandiosen Songauswahl. Neben vielen alten Klassikern wurden auch einige Songs zum besten gegeben, welche die Band schon länger nicht mehr live performt hat. Leider wurde der Auftritt von einigen Vollidioten überschattet, die im Pit wahllos Leute zusammengeschlagen haben. Später stellte sich heraus, dass es eine Nazi-Gruppe war. Ekelhaft!

Wo wir schon bei negativen Geschehnissen sind: Leider war auch eine Gruppe von Dieben unterwegs, die während der Mad Caddies Show am Sonntag und der Dropkick Muprhys Show am Montag knapp 100 Handys und Geldbeutel gestohlen hatten. Leider hat es auch mich erwischt. ARSCHLÖCHER! An dieser Stelle noch einmal ein bigges Shoutout an Annæmma Antonello, die uns deshalb Bilder für das Bay Fest 2018 zur Verfügung gestellt hat. Meine geschossenen Bilder waren allesamt auf dem Handy…

Dropkick Murphys spielten ansonsten einen souveränen Auftritt, bei dem verwunderlich war, dass Ken Casey, der sonst den Bass spielt und singt, diesmal ganz als zweiter Frontmann agierte. Soll das jetzt so bleiben? Ich habe keine Ahnung, muss jedoch sagen, dass es etwas verwirrend und wir uns alle einig waren das Ken wieder an die Bassgitarre sollte. Da ich auch bei den Murphys eher auf die alte Sachen stehe, war es etwas enttäuschend, dass nur ein Song von ihrem Debüt Do Or Die (nämlich Barroom Hero) zum besten gegeben wurde. Trotzdem, wie bereits geschrieben, ein Auftritt der Spaß machte, auch wenn ich während der Show den Schwund meines Handys feststellen musste.

Nachdem zuvor die Bands auf der Bühne alles gegeben hatten, gaben wir anschließend nach einem kurzen Snack an den Essensbuden des Bay Festes (es gibt hier wirklich eine sehr gute Auswahl an Burgern, Pommes, Pizzen, sowohl für Fleischesser als auch Veganer) auf der After-Show-Party alles.

3Der letzte Festival-Tag auf dem Bay Fest 2018 mit Suicidal Tendenciese, Bad Religion & Millencolin

(Photo by Annæmma Antonello)

Nach einer durchzechten Partynacht brachen wir Dienstagvormittag wie oben erwähnt nach San Marino auf und bereiteten uns dort seelisch schon einmal auf einen den Festivaltag vor, der es wirklich so richtig in sich hatte. So standen für uns Bad Religion, Suicidal Tendencies, Millencolin und Nothington auf dem Programm!

Leider machte das Wetter letztere ein Strich durch die Rechnung. Aufgrund einer Unwetterwarnung wurde das Festival einige Stunden unterbrochen – zum Leiden der Zuschauer und Nothington. So musste durch die Regenpause der Auftritt von Nothington leider abgesagt werden. Als kleines Trostpflaster spielte die Band an einem Festivalstand ein kleines Akustikset zwischen den Umbaupausen. Schade!

Das zwischenzeitliche Wetterchaos hatte zufolge, dass auch Millencolin nur eine verkürzte Setlist spielen konnten. Das die Schweden live nicht komplett abreißen wie beispielsweise ihre Kollegen von The Baboon Show ist schon länger kein Geheimnis mehr. Dies hat sich einmal mehr auf dem Bay Fest bestätigt. Die Band kam einem auch leicht angepisst vor, dass sie nur ein Set von ca. 30 Minuten spielen konnten. Mir hat es gereicht, denn die verkürzte Setlist hatte ihre Klassiker No Cigar und Mr. Clean dabei.

(Photo by Annæmma Antonello)

Dann kam für mich mit Bad Religion der Auftritt des Bay Fest 2018. Nachdem zunächst alle Klassiker wiedergegeben wurde, spielte die Punk-Rock-Legende anschließend zum 30-jährigen Jubiläums ihres Kultalbums Suffer, in kompletter Länge. Das ganze ohne langes Vorgeplänkel und langweilige Ansagen. Quasi ohne Unterbrechungen runtergerotzt. Irre gut! Bad Religion waren einfach schon immer eine unglaublich gute, authentische Band und werden dies auch ewig bleiben.

Suicidal Tendencies beschlossen dann das Bay Fest 2018 mit einem gewohnt souveränen Auftritt, bei der Songs aus mittlerweile knapp 40 Jahren Bandgeschichte gespielt wurden.

Nach einigen Stunden Schlaf traten wir dann über Bologna, Parma und Mailand unsere Heimreise an, bei der man im Nachhinein ganz klar sagen muss, dass jeder der über 2.000 gefahren Kilometer wert war das Bay Fest 2018 zu besuchen. Schönes Line-Up, gute Orga, mega Location und eine großartige Umgebung! Solltet ihr 2019 vorhaben das Festival zu besuchen und Fragen haben, könnt ihr uns gerne kontaktieren.

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