Cancer Bats -Give Me Dirt (2026)
Cancer Bats -Give Me Dirt (2026)

Es gibt Alben, die hört man nebenbei. Und dann gibt es Alben wie Give Me Dirt. Knapp 38 Minuten lang treten Cancer Bats das Gaspedal bis zum Anschlag durch und liefern eine Abrissbirne von einem Album ab, das einen noch lange nach dem letzten Ton beschäftigt.

Der Titel lässt zunächst vermuten, dass hier alles möglichst dreckig klingen soll. Tatsächlich ist Give Me Dirt alles andere als eine matschige Lo-Fi-Produktion. Das Album klingt druckvoll und hervorragend ausbalanciert. Trotzdem geht nichts von der rauen Atmosphäre verloren. Die Gitarren besitzen genau den richtigen Dreck unter den Fingernägeln, die Rhythmussektion drückt gewaltig und Liam Cormiers Stimme schneidet sich wie ein rostiges Messer durch die Songs. Give Me Dirt klingt nicht dreckig – sondern schmutzig. Und genau darin liegt seine größte Stärke.

Dass das Album diese Wucht entwickelt, dürfte auch an Kurt Ballou liegen. Der Converge-Gitarrist hat sich mit seinen Produktionen einen exzellenten Ruf in der Hardcore- und Metal-Szene erarbeitet. Seine Handschrift ist deutlich hörbar: Jeder Schlag sitzt, jedes Riff entfaltet maximale Wirkung, ohne dass das Album jemals steril oder überproduziert wirkt. Ballou konserviert die rohe Energie von Cancer Bats, anstatt sie glattzubügeln.

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Schon der Opener World Wild Fire Death Race macht keine Gefangenen. Hardcore trifft auf Groove Metal, dazu eine Prise Sludge und nur noch dezente Stoner-Rock-Einflüsse. Das Ergebnis ist ein groovendes Monster, das sofort klarstellt, wohin die Reise geht.

Mit Stay Stuck legen Cancer Bats direkt nach. Vor allem Liam Cormiers Vocals sind hier eine Wucht. Aggressiv, angepisst und voller Energie entwickelt sich der Song schon nach wenigen Sekunden zu einem der ersten großen Highlights.

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Weniger Stoner, mehr Hardcore

Wer Cancer Bats kennt, weiß, dass Stoner- und Southern-Rock immer ein wichtiger Bestandteil ihres Sounds waren. Auf Give Me Dirt rücken diese Einflüsse allerdings etwas in den Hintergrund. Sie sind weiterhin vorhanden, bestimmen das Album aber längst nicht mehr so stark wie auf einigen Vorgängern. Stattdessen setzt die Band konsequent auf Hardcore, Groove Metal und massive Moshpit-Riffs. Dadurch wirkt das Album fokussierter, direkter und hungriger als vieles, was Cancer Bats in den vergangenen Jahren veröffentlicht haben.

Spätestens mit Bright Eyes of Gold gibt es dann kein Halten mehr. Der Song ist ein einziger Wutbolzen und für mich eines der absoluten Highlights des Albums. Gemeinsam mit Chris Cresswell (The Flatliners, Hot Water Music) entsteht ein Song, der gleichzeitig melodisch und unfassbar aggressiv klingt. Genau diese Mischung macht ihn so stark.

Der anschließende Titeltrack Give Me Dirt ist nichts weniger als ein Faustschlag ins Gesicht. Das Riff walzt alles nieder, Liam Cormier klingt komplett entfesselt und spätestens jetzt wächst das dringende Bedürfnis, irgendwo einen Circle Pit zu eröffnen.

Gäste mit Bedeutung

Die Gastmusiker sind dabei weit mehr als bloße Namedrops. Cancer Bats holen ausschließlich Musiker an Bord, die perfekt zur eigenen Geschichte passen. Nate Newton (Converge, Doomriders) verleiht bereits dem Opener zusätzliche Schwere. Chris Cresswell bringt seinen unverwechselbaren Punkrock-Einschlag ein, ohne dem Song die Härte zu nehmen. Brooklyn Doran sorgt auf Long Tooth für einen spannenden Kontrast und Efrem Schulz (Death By Stereo, ehemals Voodoo Glow Skulls) liefert auf Fools Like You schließlich genau die Intensität, die ein Albumfinale dieser Größenordnung braucht.

Das Beste daran: Keiner der Gäste drängt sich in den Vordergrund. Sie bereichern die Songs, ohne Cancer Bats die Show zu stehlen.

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Hey You, You Wanna Go To The Big Show?

Diese Zeile aus Speed Wizard bringt das Album eigentlich perfekt auf den Punkt.

Give Me Dirt ist der Soundtrack für verschwitzte Clubs, blaue Flecken und heisere Stimmen. Für Circle Pits, Stage Dives und Menschen, die sich nach dem Konzert grinsend in den Armen liegen.

Mit Fools Like You folgt schließlich der perfekte Abschluss. Gemeinsam mit Efrem Schulz entsteht ein Hardcore-Brecher, der einem sprichwörtlich die Haut vom Gesicht zieht. Die Gangshouts laden sofort zum Mitbrüllen ein und spätestens jetzt dürfte jedem klar sein: Dieses Album muss live erlebt werden.

Fazit

Nach dem letzten Song fühlt man sich, als wäre ein 40-Tonner über einen hinweggerollt. Erschöpft, verschwitzt und mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Cancer Bats haben nach zwanzig Jahren nichts von ihrer Wut verloren. Im Gegenteil: Give Me Dirt wirkt wie das Album einer Band, die immer noch etwas beweisen will. Weniger Stoner-Rock, mehr Hardcore, mehr Groove und elf Songs, die förmlich nach der Bühne schreien.

Give Me Dirt ist nicht nur eines der stärksten Cancer-Bats-Alben überhaupt, sondern schon jetzt ein heißer Kandidat für die Hardcore-Platte des Jahres.

Jetzt bleibt eigentlich nur noch ein Wunsch: Holt Cancer Bats endlich wieder nach Europa.

Cancer Bats (2026)
Cancer Bats (2026)

Tracklist

  1. World Wild Fire Death Race (feat. Nate Newton)
  2. Stay Stuck
  3. Don’t Trip
  4. Bright Eyes of Gold (feat. Chris Cresswell)
  5. Give Me Dirt
  6. Long Tooth (feat. Brooklyn Doran)
  7. Speed Wizard
  8. Ocean Crash
  9. Positive Grid Prognosis
  10. Fools Like You (feat. Efrem Schulz)
🎧 Folgt unserer Playlist
– Playlist: Happy Release Day
BEWERTUNG
Give Me Dirt
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SteveS
Hey, ich bin Steve. Punk hab ich mit 12 entdeckt als ich eine CD von The Exploited kaufte. Hardcore kam ein wenig später, weil ich Gang Green durch ein Coversong von Tankard entdeckte. Ich veranstaltete kleine DIY-Shows in Luxemburg und schrieb fürs Punkrock!, fürs Plastic Bomb, für den Gestreckten Mittelfinger und fürs Polytox. Und nun bin ich hier :)
cancer-bats-give-me-dirt-review-2026Cancer Bats haben nach zwanzig Jahren nichts von ihrer Wut verloren. Im Gegenteil: Give Me Dirt wirkt wie das Album einer Band, die immer noch etwas beweisen will. Weniger Stoner-Rock, mehr Hardcore, mehr Groove und elf Songs, die förmlich nach der Bühne schreien. Give Me Dirt ist nicht nur eines der stärksten Cancer-Bats-Alben überhaupt, sondern schon jetzt ein heißer Kandidat für die Hardcore-Platte des Jahres.

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