Das Fanzine „Der gestreckte Mittelfinger“ feiert nach elf Jahren eine neue Ausgabe. Diese erscheint zudem pünktlich zum 25. Geburtstag. Die Ausgabe hat 146 Seiten und es erwarten euch Texte über Konzerte. Davon handeln mehr oder weniger alle Texte, aus verschiedenen Perspektiven.
Richtigerweise heißt es: „Ohne Konzerte, ohne AJZs und besetzte Häuser kein Punk. Deshalb handeln alle Texte und Interviews dieser Ausgabe irgendwie von Konzerten. Konzerte aus allen Blickwinkeln sozusagen. Mal aus Sicht von Besuchenden, mal aus Sicht von Bands, mal aus Sicht der Konzertveranstaltenden.“
Um die tolle Vielfalt rüberzubringen hier die Bands, die vorkommen: Babba, Costa Cordalis, FRONT, Three O’Clock Heroes, Kastelruther Spatzen, Knochenfabrik, Matthias Reim, Solitary Confinement, Lemming Project (lustig, bin ich vor Jahren durch Rapper Dendemann wieder daran erinnert worden, dass es diese Band auch in meiner „Nachbarschaft“ gab), Peter and the Test Tube Babies und Spermbirds.
Die Texte stammen unter anderen von Bäppi (Human Parasit), Bene Maltese, Bocky (Polytox Zine/Punkrock), Stefano Stiletti (Pankerknacker), Jan Röhlk (Trust Zine), Mika Reckinnen (Trust Zine), Rosi (MyRuin/Drachenmädchen), Cornelius (German Compliment Zine), Möb (Snob Value), Turbotorben (Rohrpost Zine), Düsi (We’re coming back Zine) und Steve Schiltz (Away from Life Zine). Dazu Interviews mit Amen 81, Bubonix, Stage Bottles und Toxoplasma.
Für mich ist diese Jubiläumsausgabe auch gleichzeitig die erste Ausgabe. Auch heute noch – oder gerade heute, wer weiß? – mag ich die Fanzine-Kultur. Verschiedene Menschen, diverse Designs und Themenschwerpunkte. Mitte der 1990er war das herstellen eines Zines noch ein Graus. Auf Schreibmaschine tippen, ausschneiden, layouten, mit dem „Rohling“ zum kilometerweit entfernten Copy-Shop, um dann zu merken: Hat für die nächsten drei Stunden Pause. Ich weiß schon, warum ich dann in das Internet umgestiegen bin. Aber: Ich bin froh, dass das nicht alle gemacht haben. Das haptische Gefühl ist schon wichtig.
So habe ich zwar eine Weile für den Gestreckten Mittelfinger #9 gebraucht und ich fand nicht alle Texte super-interessant. Am liebsten goutierten mir die Interviews und Texte aus Sicht der Veranstaltenden und Band-Interviews. Die Erlebnisberichte waren unterhaltsam auf ihre Weise. Wäre spannender zu wissen gewesen bis zu welchem Grad, das wirklich die Realität widerspiegelt und wie viel davon herbeigedichtet wurde. Manches klingt irgendwie – in meiner Wahrnehmung, weil ich so nicht agieren würde – etwas realitätsfern. Aber: Ich möchte niemanden etwas unterstellen. Vielleicht war das aber auch Sinn des jeweiligen Textes, offen zu lassen, wie viel Wahrheit in ihm steckt.
Meine Leselust hatte zeitweise einige Tiefpunkte aufgrund schlechter Momente und persönlichen Trouble. Dennoch freu ich mich, dass ich es endlich mal geschafft habe, dieses Fanzine zu lesen. Hat mir gut gefallen.

















