Als ich Ende letzten Jahres Leave More Light von Final Rescue Attempt besprochen habe, gab es ordentlich auf die Fresse. Oldschool Hardcore, Youth-Crew-Einflüsse, wütend, schnell und teilweise einfach nur wildes Geknüppel. Damals schrieb ich schon, dass bei der Band noch einiges gehen könnte.
Nun sind Final Rescue Attempt mit Small Steps, Every Day zurück und machen genau da weiter. Und das ist durchaus positiv gemeint, denn die Band bleibt sich und ihrem Stil absolut treu. Einen deutlichen Unterschied zum Vorgänger gibt es allerdings: Der Sound ist um einiges besser geworden.
Die Produktion klingt voller, druckvoller und gibt den Songs noch einmal eine ganz andere Wucht. Final Rescue Attempt waren schon auf Leave More Light wütend wie Sau, diesmal knallt einem das Ganze aber noch heftiger entgegen. Teilweise wird dermaßen geprügelt, dass das Ganze schon fast grindcorige Züge annimmt.
Und dann diese Stimme. Stellenweise könnte man fast meinen, ein Dwid Hellion würde einem hier höchstpersönlich ins Gesicht brüllen. Das klingt angepisst, düster und verdammt aggressiv.
Umso interessanter ist der Blick auf die Texte. Denn während dir musikalisch gerade jemand die Bude zerlegt, geht es auf Small Steps Every Day erstaunlich oft um Positivität, Veränderung und darum, weiterzumachen.
So dunkel kann Positivität sein.
Schon Wounded Soul bringt diese Haltung ziemlich gut auf den Punkt. Freundlichkeit wird hier nicht als irgendein nettes Extra gesehen, sondern als etwas Essenzielles. Lass dich von anderen nicht zum Arschloch machen, behalte deine PMA und geh weiter. Eine ziemlich positive Botschaft für einen Song, der klingt, als würde dir jemand gerade den Kopf abreißen wollen.
Der Titelsong Small Steps führt diesen Gedanken konsequent weiter. Veränderung muss nicht immer der riesige Befreiungsschlag sein. Kleine Schritte, kleine Siege, die vielleicht niemand außer einem selbst bemerkt – Hauptsache, man bewegt sich weiter. Small Steps Every Day ist damit nicht nur der Titel des Tapes, sondern irgendwie auch das Motto der gesamten Veröffentlichung.
Bei Chasing Dreams wird es etwas gesellschaftlicher. Ein System, das einen klein hält und irgendwann dafür sorgt, dass man selbst Angst vor den eigenen Möglichkeiten bekommt. Die Antwort darauf ist eigentlich simpel: Vergiss deine Träume nicht und jag ihnen verdammt nochmal hinterher.

Fuck This Attitude hat schon im Titel keinen Bock auf lange Diskussionen. Egoismus, Zynismus und die Scheißegal-Haltung bekommen ihr Fett weg, bevor Get It Done zum Abschluss noch einmal nach vorne schaut. Gestern ist vorbei, also fang heute an.
Das alles klingt auf dem Papier beinahe nach Motivationsseminar. Bei Final Rescue Attempt hört es sich allerdings eher so an, als würde der Motivationscoach gleich den Tisch durch den Raum treten.
Und genau diesen Gegensatz mag ich an Small Steps Every Day. Die fünf Songs sind unfassbar wütend, dunkel und aggressiv, transportieren dabei aber eine überraschend positive Grundhaltung. Dazu kommt die wesentlich bessere Produktion, die der Band richtig guttut. Das Ding drückt, scheppert und prügelt, ohne dabei den rauen Hardcore-Charakter zu verlieren. Ich mag den Sound!
Ein Problem habe ich trotzdem: Fünf Songs sind mir einfach zu wenig. Kaum ist man drin, ist der Spaß schon wieder vorbei.
Aber gut: Mit Small Steps Every Day kommen Final Rescue Attempt ihrem Ziel definitiv einen weiteren Schritt näher.
Jetzt hätte ich aber verdammt gerne ein ganzes Album!
Hier könnt ihr euch die ganze EP reinziehen. Alternativ findet ihr sie natürlich auch auf den gängigen Streamingportalen.
Tracklist
- Wounded Soul
- Small Steps
- Chasing Dreams
- Fuck This Attitude
- Get It Done

















