Mit ihrem Debütalbum, das am 1. August2026 erscheint, machen Cop An Attitude deutlich, dass sie zwar eine junge Band sind, ihre Wurzeln aber tief in der DIY-Hardcore-Szene liegen. Die Band existiert erst seit Februar 2023, doch ihre Mitglieder sind seit Jahrzehnten in der Szene aktiv und waren unter anderem bei Diavolo Rosso, Black Shape of Nexus, Bellrope, Ghost of Wem, Evolution Ends?, Snutskallar, Grey Walls oder Spätzlesdreck unterwegs. Mit Meta Matter Records steckt zudem auch ein DIY-Label hinter einem der Köpfe der Band.
Als ich die Band für eine neue Ausgabe unserer Hardcore History angefragt haben, war schnell klar: Hier sitzen Menschen, die auf viele Jahre Szene-Erfahrung zurückblicken und einiges zu erzählen haben. Eine Vermutung, die sich beim Lesen der Antworten mehr als bestätigt hat. Statt kurzer Anekdoten gibt es ehrliche Erinnerungen, spannende Einblicke und jede Menge Herzblut – genau das, was eine Hardcore History ausmacht.
AFL: Weißt du noch in welchen Club deine erste Hardcore / Punk Show stattfand? Gibt es den Club heute noch und hast du dort schon einmal selbst auftreten können?
Micha: Hmmm, müsste Ende der 80er in einem Keller in Speyer gewesen sein…ich war 16, das war ne lokale Grindcoreband namens Deathcore, die tatsächlich sehr geil waren und ne LP auf Nuclear Blast hatten…danach ging’s dann Schlag auf Schlag mit den Straw Dogs, die im HdJ Ludwixhafen (glaube das gibt’s noch) gespielt haben und als Zugabe eine halbe Stunde ein F.U.’s Set heraus gehauen haben dass ich schon als Teenie vor Glück fast geweint habe 🙂
Dann sehr früh auch die Spermbirds, EA 80 im Schwimmbad Heidelberg etc…
Die Läden gibt’s nicht mehr, und gespielt hab ich da leider auch nicht.
Maciej: So genau kann ich es nicht sagen, aber 2005 habe ich meine ersten “Punk” Freunde kennengelernt und habe viele kleine Konzerte im Raum Karlsruhe und Mannheim besucht. In dem Jahr, habe ich im Juz Mannheim Behind Enemy Lines und Bombenalarm gesehen. Ich selbst bin seit mindestens 15 Jahren im Juz aktiv und habe mit all meinen Bands dort gespielt. Das Juz Mannheim gibt es hoffentlich weitere 50 Jahre!
Ralf: Ich hatte schon einige Metal Shows, wie z.B. Testament auf der ersten Tour mit Anthrax oder Megadeth gesehen, bevohr ich meine Liebe zu Punk und Hardcore entwickelt habe. Die ersten Shows, an die ich mich bewusst erinnern kann, war Prong zur Forced Fed Tour mit Ted Parsons von den SWANS an den Drums im Schwimmbad Musik Club in Heidelberg. Im Dez. 1989 spielte Fugazi in der Triplex Mensa in Heidelberg und um die Zeit rum habe ich EA80 in Hirschhorn im Jugendhaus gesehen. Die Läden gibt es leider nicht mehr und ich hatte nie die Chance, mal dort zu spielen. Das Schwimmbad war ganz cool, da der Eintritt immer nur 3 Mark gekostet hat, das teuerste was ich dort gesehen habe war das Caspar Brötzmann Massaker, das hatte unglaubliche 33 Mark gekostet und ich hatte nur 35 Mark dabei und konnte mir nicht mal was zu trinken leisten. Aber jeder Pfennig hatte sich gelohnt, das war eine Show aus einer anderen Galaxis, ungefähr so, als würde Jimi Hendrix in der Neuzeit Konzerte geben, absoluter Wahnsinn.
Ja Micha, an die Deathcore Shows im Keller in Speyer kann ich mich auch noch erinnern, ich habe sogar noch die alten Demos hier irgendwo rumfliegen. Lustigerweise haben wir damals viele Shows gemeinsam gesehen, aber wir kannten uns damals noch nicht, das kam erst durch das JUZ Mannheim.
Jan: Die erste “Punk”Band hab ich an meiner Schule auf der Schülerdisco gesehen 😀 Das war wohl so 1995/96. Die haben eher so tocotronic sound gemacht und hießen ten beers after, bevor sie sich in die Autos umbenannten. War eine der wenigen Bands in die Richtung zu der Zeit in Schwäbisch Gmünd.
Danach hab ich Konzerte von anderen lokalen Bands gesehen und vor allem dann mit der eigenen Band gespielt, z.B. im evangelischen Gemeindehaus in Lorch… ich glaube da war vorher und nachher nie ein Konzert. War halt der einzige Ort, wo wir irgendwie Connections hin hatten. Alle meiner ersten Konzerte waren DIY, wahrscheinlich hab ich deswegen heute noch eine Abneigung gegen Auftritte von bekannten Bands, Veranstaltungen mit mehr als 300 Besuchenden oder Läden, wo der Eintritt mehr als 15€ kostet 😀 bisschen dumm, aber ist so.

AFL: Hast du einen absoluten Lieblingsclub (In deiner Heimat / in Europa)?
Micha: DEN absoluten Lieblingsclub habe ich nicht, aber da wir uns ja nach wie vor in DIY Kreisen bewegen schlägt mein Herz natürlich für Selbstverwaltete Zentren, besetzte Häuser etc.
Läden wie das JUZ Mannheim, in dem ich auch mit Diavolo Rosso vorher jahrelang geprobt hatte, seit Jahrzehnten dort auf Konzerte gehe, oder in den 90er auch das HdJ Bad Dürkheim, die Steffi in Karlsruhe, das AZ in Heidelberg waren immens wichtig für meine Sozialisierung.
Clubs wie die Alte Hackerei in Karlsruhe, deren Inhaber Plüschi ja auch Bewohner und Booker in der Steffi war schaffen es auch trotz aller Professionalität den Punkspirit zu bewahren.
Fühl mich da sehr wohl und hab sowohl in der Steffi, im JUZ Mannheim, im HdJ Bad Dürkheim und in der Hackerei selbst schon gespielt.
Maciej: Es gibt so viele tolle Läden und Orte, wo ich war und immer noch hingehe. Die Liste wäre lang. Aber hier mal ne kleine Auflistung: Juz Mannheim, Kessel Offenburg, Alte Hackerei, AZ Mülheim, AU Frankfurt, Exzess Frankfurt, Ungdomshuset, Rote Flora und und und.
Ralf: Wie Micha und Maciej schreiben gibt es so viele coole Orte die man unterstützen sollte. Für mich nach wie vor einer der wichtigsten Anlaufpunkte ist das JUZ in Mannheim, auch weil ich da seit über 25 Jahren Livesound mache und unendlich viel dabei gelernt habe.
Jan: Eindeutig das Fatal in Landau. Das hat die perfekte Größe (80 Personen passen rein), manchmal stinkt es und alles DIY. Ist sicher der Laden, in dem ich schon am häufigsten gespielt hab.

AFL: Erinnerst du dich an deine erste Hardcore-Punk Platte, die du besessen hast?
Micha: Puh…du hast da ein paar harte Denksportaufgaben für alte Menschen, haha…
Da kann ich dir nicht sagen was exakt als erstes da war, aber sehr sehr früh waren die DRI – “Dirty Rotten EP”, die erste Suicidal Tendencies LP, die “Scum” von Napalm Death, die erste Spermbirds, die “Walk among us” von den Misfits und die erste Gang Green LP in meiner Hütte vorhanden.
Maciej: Ich bin durch Zufall zum Platten sammeln gekommen. Meine Eltern haben eine kleine Sammlung mit Classic Rock und viel Jazz. Und ich habe damals CDs gekauft und hatte wenig interesse an Platten.
Der Vater einer Bekannten ist 2004 verstorben, er war immer auf Flohmärkten unterwegs und hat Platten verkauft und gekauft. Da sie und ihre Mutter nur wenig damit anfangen konnten, habe ich für wenig Geld um die 500 LPs bekommen. Es war sehr viel Metal, was ich zudem Zeitpunkt hauptsächlich gehört habe. Es waren aber viele US Hardcore-Punk dabei wie Circle Jerks, Gang Green, DRI, Black Flag ect. Genau kann ich es also nicht nachvollziehen, welche die erste war. Ab da war ich Sammler und besitze mittlerweile viel zu viele Platten…
Ralf: Ja, ganz genau. Das war die Condemned? ‘Humanoid Or Biomechanoid’ in grünem Vinyl auf Nuclear Blast. Hab ich heute noch, mittlerweile sogar zweimal, da meine eigene schon ziemlich runtergespielt war.
Jan: Die erste CD, die ich selbst gekauft habe, war Dookie von Green Day, dann the Offspring und Bad Religion. Ist jetzt nicht so underground, aber so war’s.

AFL: Wie sieht für dich die perfekte Show aus?
Micha: Inwiefern? Zum selbst spielen oder zum daran teilnehmen?
Egal wie…kleiner Laden bis maximal 400 Leute, kleine und flache oder gar keine Bühne. Keine Security, Band und Publikum face to face, Energie überträgt sich, faires Tanzen, jede:r kann vorne mit im Pit sein, gute Stimmung, keine Stumpfpunks oder Grauzonen Oi Deppen die Bier-und-Stiefel-Pogo “tanzen” und keine Turnschuh-Prollo-HC Deppen mit Highkicks etc.
Eigentlich ganz einfach wenn jede:r ein bisschen nach den anderen Menschen im Publikum schaut.
Ralf: Genau wie Micha es beschreibt. Könnte es nicht besser zum Ausdruck bringen.
Jan: Alles, was Micha schreibt. Nur etwas weniger Leute dürften es sein und natürlich spielen wir auch selbst 😉
Maciej: Perfekte Show ist, wenn Bolt Thrower wieder spielen würden.
AFL: Was war deine absolute Lieblingsshow, die du besucht hast?
Micha: Auch da gibt’s einige, die mich nachhaltig beeindruckt haben.
Neurosis auf der ersten Tour waren ein Monster, Kylesa auf der ersten Tour im Café vom JUZ Mannheim auch die Hölle. Econochrist auch eine brutal gute Liveband. Spermbirds auch.
Was definitiv zu den Top 5 gehört:
Rorschach im HdJ Bad Dürkheim.
Da war ne richtige Spannung im Raum die fast greifbar war, und du hattest das Gefühl dass beim ersten Ton der Band der komplette Laden explodiert.
Das war unbeschreiblich. Davon kursiert auch ein Video bei YouTube.
Ebenso wild war So Much Hate zusammen mit Chaos UK 1991 in der Steffi.
Einfach eine komplett mitreißende Atmosphäre, auch hier hatte mein Kumpel Olli Barth gefilmt und mein 18 jähriges ich hüpft durch den Pit.
Nicht wirklich gut, aber sehr lustig waren Slapshot im JUZ Wörth zu meiner Stachel/Nieten/Crustiekid Zeit.
Choke wollte mich wohl ein bisschen auf den Arm nehmen und veräppeln, hat öfter Späßchen über meine Haare und Outfit gemacht und mir aus Jux bei “In your Face” das Micro hingehalten.
Er konnte ja nicht wissen dass meine ganz alte Band den Song gecovert hatte ich ich jedes Wort singen konnte…Chokes Augen wurden immer größer, er hat gestrahlt und ist vor mir auf die Knie gegangen um mich anzubeten als ich den Song zu Ende gesungen habe 😀
Maciej: Ausnahmslos das schönste Konzert war 2009 Bolt Thrower auf dem Rockarea Festival, ich habe vor Freude geweint, so gut war das.
Konzerte die mir sehr in erinnerung geblieben sind:
Axe Rash 2019 K-Town Hardcore Fest
Impalers New 2015 Direction Festival Herrenberg
Tragedy 2014 K-Town Hardcore Fest
Infernöh 2013 Roten Flora
Seeing Red, Hårda Tider, Herätys, Citizens Patrol 2012 OCCII Amsterdam
Spermbirds 2007 Juz Mannheim
Wurde zwar nicht gefragt, aber hier eine Auflistung von Verletzungen, die ich mir bei Konzerten zugezogen habe.
Kreuzbandriss Winter 2008/09 Juze Backnang, ich glaube das Scheisse Minneli, Liberty Madness und/oder The Rätz gespielt haben. Sam von Scheisse Minneli meinte an dem Abend zu mir, als er gehört hat, sie spielen in Backnang, dachte er, sie spielen in Thailand oder so.
2012? bei P.R.O.B.L.E.M.S. in der Alten Hackerei mit nem Whiskyglas in der hand gestürzt. Richtig dumm. Plüschi hat mich dann in die Klinik gefahren, danke dafür!
War zum Glück nur ein kleiner Schnitt, der mit einem Stich genäht wurde.
Seitdem nie wieder mit Flasche oder Glas in der Hand Bands angeguckt.
2018 auf dem K-Town Hardcore Fest habe ich bei The War Goes On richtig dumm einen Stagedive gemacht und bin auf dem Kopf gelandet, direkt knockout, und bin draußen wieder zu mir gekommen… ich hatte auf jeden fall ne Gehirnerschütterung und stand total neben mir und wollte direkt wieder rein und Bier trinken, eine Freundin wollte mich aufhalten und ich hab sie richtig blöd angemacht, nochmals sorry dafür.
Don’t drink and stagedive kids!
2022 auf dem Pfingstfest im Juz Mannheim bei Shitty Life bin ich ausgerutscht und voll mit der rechten Hand in Glasscheiben rein. Nestor a.k.a “hardest working man in D.I.Y. Showbusiness” und ich haben kurz vorher die Scherben zur Seite gekehrt, und ich fiel genau in den Haufen… 8 Stiche waren notwendig. Wir hätten am nächsten Tag mit meiner Band Snutskallar unser Abschiedskonzert gespielt, das ging leider nicht, da ich keine Gitarre spielen konnte. War richtig ätzend.
Punk Is Danger!

Jan: Maciej, du hast bei deinen Verletzungen den Stagedive von der Theke im Fatal vergessen! Ich glaube das war 2011, the Rätz, Liberty Madness und meine damalige Band Burn/it/out.
Beste Konzerte? Für mich auf jeden Fall Limp Wrist 2009 in Esslingen. Das war eins von wenigen Konzerten in der Gegend und die Leute hatten richtig Bock. Da war nur Liebe im Raum und so eine geile Energie – Hammer!
Außerdem Short Fuse, Dean Dirg und Hatepinks (?) im Haus in Ludwigshafen. Ich kannte vorher keine der Bands, dann war ab der ersten Sekunde Mosh Pit und es hat richtig viel Spaß gemacht. So viel, dass wir Short Fuse und Dean Dirg am nächsten Tag nochmal in Esslingen angeguckt haben, wo es auch geil war und außerdem An Albatross gepielt haben, so eine arty grind/hc Band. Die waren live auch unschlagbar.
Und mein letztes highlight: Bubonix im Fatal in Landau. Bühne viel zu klein für die Band mit drei Gitarren, Laden übervoll, Sänger auf der Theke, spuckt ins Publikum, tropft sich heißes Wachs auf die Zunge, der ganze Raum ist in Bewegung. Sehr geil!
Ralf: Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, da es da ziemlich viele beeindruckende Shows gab. Auf jeden Fall zählt da Neurosis auf ihrer zweiten Tour in Frankfurt im Negativ dazu. Das war sicher das intensivste, klaustrophobischste was ich je erlebt habe, allein schon weil der Raum völlig überfüllt war, und es unmöglich war sich auch nur einen Millimeter zu bewegen. Selbst der Typ, der an diesem Abend den Livesound gemacht hat, meinte später in einem Interview, dass er danach aufgehört hat Drogen zu nehmen, da nichts diesem intensiven Erlebnis nahe kommt.
Sehr erhellend war für mich auch die Show im Negativ von Grotus, einer Band, die auf Alternative Tentacles zwei geniale Scheiben veröffentlicht hat. Sie benutzen sehr viele Samples, um der Musik eine weitere Ebene und Tiefe hinzuzufügen, die für mich einfach total passt. Danach war mir klar das ich einen Sampler brauche, was Anfang der 90er einfach eine schweineteure Angelegenheit war, den Sampler hab ich heute noch und nutze das Teil in all meinen Bands und Musik.
Anfang der 70er, als in Deutschland nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten für kreative Musik gesucht wurde, veröffentlichten FAUST ihre ersten Scheiben und nahmen damit sowas wie Punk oder New Wave und Industrial schon vorweg. Ich hatte das Glück sie in den 90ern in Heidelberg im Karlstorbahnhof sehen zu können. Die haben es tatsächlich geschafft mit der Show ein Auftrittsverbot in Heidelberg auf Lebenszeit zu bekommen. Die Show strotzte nur so vor völlig verrückten Ideen und Showeinlagen. Sie haben z.B. ein mehrere Meter hohes Feuer auf der Bühne gelegt, das fast die Saaldecke und die Beleuchtung abgefackelt hätte. Aber am krassesten war das Ende der Show, während des letzten Songs haben sie die Türen zum Saal schließen lassen und mit dem letzten Ton wurde die gesamte Beleuchtung ausgeschaltet und es war stockdunkel, dann haben sie eine Heuschußmaschine , die mit Heu und Tränengas befüllt war, abgeschossen und den kompletten Saal unter Tränengas gesetzt, klar ist da sofort eine Massenpanik ausgebrochen da alle so schnell wie möglich raus wollten, was ja wegen der verschlossenen Türen nicht ging, es war richtig krass.

AFL: Was war deine absolute Lieblingsshow, die du selbst gespielt hast?
Micha: Das sollte Diavolo Rosso auf nem Pfingstfest im Café vom JUZ Mannheim gewesen sein.
Der Laden war von vorne bis hinten und zu Theke voll und ist komplett durchgedreht…Leute sind zwischen uns auf die Bühne gefallen, komplettes und spaßiges Chaos.
Maciej: 2020 kurz vor dem Lockdown mit Snutskallar auf dem Frostpunx Picnic im AZ Mülheim. Es war einfach perfekt, alles hat gepasst und die Rückmeldungen waren super.
Wir haben es leider nie geschafft, etwas zu veröffentlichen. Ich trauer der Band immer noch hinterher, aber alles hat irgendwann ein Ende. An dieser Stelle danke Bianca, Justus und Tim für die tolle Zeit und eure unendliche Geduld mit mir!
Ralf: Am krassesten war damals in 2012 unsere Show mit B.SON auf dem Roadburn Festival im Green Room. Der Raum war komplett überfüllt und alle sind total ausgerastet, Wahnsinn.
Aber mein persönliches Highlight war die Anreise zu unserer Show in Heidelberg im Karlstorbahnhof, der ist direkt an der S-Bahnhaltestelle gelegen. Ich wollte schon immer Ramones mäßig, wie zu Zeiten der early CBGB’s Shows, mit Öffis anreisen und alles in Plastiktüten transportieren. Das hab ich dann auch gemacht, in Tüte eins die Effekte und Kabel und in Tüte zwei die Gitarre reingepackt. Dann bin ich gemütlich in 15 Minuten mit der Bahn angereist und wollte am Haupteingang den Laden betreten. Die Türsteher fanden das gar nicht witzig und meinten das ich Penner mich verpissen soll, ich hab sie dann freundlich drauf hingewiesen, dass die Mainband dann ausfällt, wenn sie den Gitarristen nicht reinlassen, das hat sie natürlich überhaupt nicht beeindruckt. Zum Glück ließ es sich dann doch noch klären, HaHa.
Jan: Neben allen shows mit Cop An Attitude meinst du? 😉 Denkwürdig war auf jeden Fall unser Auftritt mit Burn/it/out in Freiburg auf so einem Wagenplatz. Das Jahr weiß ich nicht mehr, 2013 vielleicht. Da war Straßenfest, danach Nachttanzdemo zu dem Ort, wo der neue Wagenplatz entstehen sollte. Als wir nach dem Fest so gegen 2 Uhr nachts dort ankamen, haben die Leute innerhalb von maximal 30 Minuten ihre Wägen, eine Bühne und eine Bar aufgebaut. Dann kamen irgendwann alle Leute von der Demo und wir haben so gegen 4 Uhr morgens angefangen zu spielen. Da wurde es schon langsam hell, gleichzeitig zog ein Gewitter auf und die Leute sind einfach durchgedreht – stagedive aus dem Baum inklusive. Das war echt was besonderes.
AFL: Gab es eine Show, bei der du dich heute noch ärgerst, dass du nicht dabei sein konntest?
Micha: Was mich so ein bisschen ärgert, aber das dürfte jede Generation haben, dass ich für einige Sachen ein paar Monate zu spät dran war…in meinem speziellen Fall bedauere ich SEHR Heresy und Ripcord nie live gesehen zu haben…
Maciej: Ich habe irgendwann aufgehört mich zu ärgern, wenn ich eine Band nicht gesehen habe oder sehen konnte. Aber die Liste wäre sehr lang.
Ralf: Auf der Tour vor der ‘Nevermind’ haben Nirvana in Heidelberg im Schwimmbad Club gespielt, leider hatte ich an dem Abend keine Zeit. Danach waren sie zu berühmt und haben nur noch in riesigen Hallen gespielt, und ich habe sie nie live gesehen.
Jan: Ich ärgere mich ein bisschen, dass ich meine Teenie-Helden Bad Religion nie in einem kleinen Club erleben durfte. Das wär schon geil gewesen. Die hab ich dann nur einmal auf dem Fest in Karlsruhe gesehen, das ist jetzt nicht wirklich meine Veranstaltung, aber trotzdem hab ich ein bisschen Pipi in den Augen gehabt.

AFL: Welche bereits aufgelöste Hardcore / Punk Band würdest du am liebsten noch einmal sehen?
Micha: Da gibt’s Massen…wie bereits erwähnt Ripcord und Heresy…
Negazione würde ich unglaublich gerne sehen. Offenders aus Texas, Dresden 45, Gauze, und x andere…
Maciej: Endlose Liste, aber ich hasse Bands, die sich auflösen und alle Jahre eine Reunion machen. Oder wenn die Mitglieder sich streiten und es gibt Band A und Band B.
Ralf: Sie haben sich zwar nie offiziell aufgelöst, spielen aber schon lange nicht mehr live, ich meine natürlich Fugazi. Die würde ich mir jederzeit gerne wieder anschauen, da sie eine der Top Five besten Bands sind. Und natürlich SUICIDE, die hätte ich gerne mal in den 70igern im CBGB’s gesehen, sicherlich mit die einflußreichste Band überhaupt.
Jan: Bad Brains 1982 im CBGB’s. Was Besseres kam musikalisch danach nicht.
AFL: Gibt es eine Person, die dich in Sachen Hardcore/Punk besonders beeinflusst hat?
Micha: Eine Person nicht direkt.
Vielleicht der große Bruder meiner Kindergartenfreudin und Nachbarin der mir Mixtapes gemacht hat, oder eine Punk-Frau aus der Oberstufe meiner Schule die ein wenig für meinen Kumpel und mich als Mentorin fungiert hat und uns ein wenig in ihre Obhut genommen hat und mit wahnsinnig guter Musik versorgt hat.
Wenn du 15/16 Jahre alt bist und ne 18/19 jährige Frau mit grünem Iro, Sacrilege Logo auf der Jacke, C.O.C. Shirt und einem genialen Musikgeschmack dich mit Mixtapes versorgt ist das schon ein Ritterschlag für ein Punk-Kid 😀
Maciej: Ganz klar der Ralf, er hat mich immer so akzeptiert wie ich bin und stand zu mir in meinen schlimmsten Phasen.
Er hat mir alles beigebracht, was mit Livesound, Aufnahmen, Mischen, Musik machen, Gitarre spielen usw zu tun hat. Zudem ist er Ralfopedia und ich habe so viel anderes von ihm lernen dürfen. Und er ist einfach ein toller Mensch. Ich fühle mich geehrt, mit ihm in einer Band zu spielen und ihn als Freund zu haben.
Wen ich noch erwähnen möchte, ist Johannes Litty (Prügelprinz Records), auch wenn er einen komischen Weg gegangen ist die letzten Jahre, kann ich nicht leugnen, dass er mich sehr beeinflusst hat. Viele meiner Freunde aus der ganzen Welt habe ich durch ihn kennengelernt.
Ralf: Ich kam vom Dorf, da gab es keine anderen Punker, ich war da der einzige Sonderling der sich für Underground, DIY und Punk/Hardcore interessiert hat.
Jan: Da fällt mir jetzt nicht eine Person ein. Mich haben eher Songtexte oder einzelne Zeilen oder Aussagen beeinflusst, glaub ich. Auf der ersten Platte von Hass z.B. singt er sowas wie, dass er sich nicht ausgesucht hat, auf der Welt zu sein, aber jetzt ist er nun mal da, also macht er das Beste daraus (so in die Richtung) – das fand ich als Teenie irgendwie hilfreich…

AFL: Was sind deiner Meinung nach die Top 3 Hardcore Frontmänner (-frauen)?
Micha: Heieiei…no gods no masters würde ich sagen.
Amy von Nausea finde/ fand ich extrem beeindruckend.
Ansonsten mag ich es wenn die Menschen auf der Bühne authentisch und sympathisch sind und nicht den dicken markieren.
Apropos “Dick” …Jerry A von Poison Idea ist natürlich ein unfassbarer Sympathieträger und ein nicht gerade geringer Einfluss für uns als Band.
Maciej: Kill your idols!
Ralf: Auf jedenfall Kathleen Hanna von Bikini Kill und die ganze Riot Girl Bewegung anfang der 90er. Sie haben uns gezeigt, dass wir keine Macho Arschgeigen sein müssen und trotzdem ‘cool’ sein können, das war sehr befreiend. Natürlich gehören da auch Debbie Harry von Blondie, Joan Jett und Poly Styrene dazu, die da schon eine Generation früher den Weg hin zum Feminismus geebnet haben.
Beeindruckend fand ich auch immer Vic Bondi von Articles Of Faith, Alloy usw. der in Interviews immer interessante Gedanken geäußert hat. Er meinte z.B. das wir das Disneyland Paris abfackeln sollten, da es sich dabei um nichts anderes als Kulturimperialismus handelt.
Und klar darf hier Lee Hollis von den Spermbirds nicht fehlen, da er der perfekte Frontmann einer perfekten Band war. Ja und auch Chi Pig von SNFU war absolut großartig. Etwas ganz besonderes waren auch die Shows mit False Prophets da Stephan Ielpi, der Sänger, immer wahnsinnige Bühnenshows abgeliefert hat, definitiv sehenswert.
AFL: Was ist für dich die meist unterschätzteste Hardcore/Punk Band?
Micha: Unterschätzt…was mir jetzt ganz spontan einfällt wären Spitboy aus den 90ern. Eine Frauenband aus den USA, die extrem gute Texte hatte, Feminismus unverkrampft herüber gebracht hat, das Gefühl da war die Menschen im Raum verstehen worum es geht und alles war irgendwie mit einem Augenzwinkern verbunden. Denen ist die Kommunikation auf Augenhöhe mit dem Publikum einfach so unfassbar leicht gefallen.
Das wäre ne Band von der ich mir wünschen würde dass sie größeren Einfluss genommen hätte.
Den Song “Seriously” sollte sich jeder Mackertrottel mal anhören.
Was definitiv auch immer in meinem Hirn aufploppt wenn es um “unterbewertet” geht ist eine Band wie Kort Prosess aus Norwegen.
Als Ende der 80er/ Anfang und Mitte der 90er alles nach NYC geschielt hat, hatten die norwegischen Bands einen ungleich brutaleren Ansatz.
Wenn du die erste 7” von Sick of it All oder Judge mit einer EP von Kort Prosess vergleichen wirst musst du zugeben dass die NYer komplette Pipi-Jungs sind 😉
Ralf: Da fallen mir Stickdog aus USA ein, die haben ca. 1988 eine LP namens Human auf Alternative Tentacles veröffentlicht, die sich quasi nicht verkaufte, da sie ihrer Zeit weit voraus waren. Für diese Musik war noch niemand bereit.
Micha:
Ganz lieben Dank, Steve, für dein Interesse an uns und deinen Support
Hugs
The fuckin‘ Coppers





















