The Casualties (Photo by Jeff Schaer)
The Casualties (Photo by Jeff Schaer)

The Casualties sind seit Jahrzehnten eine Institution in Sachen Streetpunk und mit ihrem neuen Album Detonate haben die New Yorker kürzlich erst wieder gezeigt warum (Review). Nach dem digitalen Release wird nun am 17. Juli 2026 auch die CD- und Vinyl-Variante erscheinen.
Derzeit ist die Band auf Europatour und passend dazu nahm uns Sänger David Rodriguez mit auf einen kleinen Ausflug durch seine persönliche Punk- und Hardcore-Geschichte. Wir sprachen mit ihm über seine ersten Konzerterlebnisse, Lieblingsclubs, prägende Platten, unterschätzte Bands und die Shows, die ihn bis heute nicht loslassen.


Erinnerst du dich noch daran, wo du dein erstes Hardcore-/Punk-Konzert erlebt hast?
Und wenn wenn ja, gibt es den Club heute noch und konntest du dort selbst jemals gespielt?

David: Das war ein großartiger Club namens Liberty Lunch in Austin. Dort habe ich damals Bad Religion zum ersten Mal live gesehen. Das hat mich einfach sofort gepackt. Es war gefährlich, einschüchternd und gleichzeitig unglaublich faszinierend. Ich wollte sofort mehr davon.
Leider war der Club bereits Geschichte, als ich selbst die Gelegenheit gehabt hätte, dort zu spielen.

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Hast du einen absoluten Lieblingsclub?

David: Mein Lieblingsclub war das Emo’s in Austin. Leider hat auch das mittlerweile seine Tore geschlossen.
Es ist allerdings wirklich schwer, einen einzigen Lieblingsclub zu benennen.
Aber ich müsste heute wahrscheinlich das SO36 als Antwort sagen. Denn Berlin beeindruckt mich nach wie vor jedes Mal aufs Neue. Zudem treffe ich dort immer gute Freunde, was den Ort schon alleine ganz besonders macht.
Ehrlich gesagt bin ich immer noch begeistert davon, dass ich um die ganze Welt reisen und Musik spielen darf.

Erinnerst du dich an deine erste Hardcore-Punk-Platte?

David: Das war Out of Step von Minor Threat. Ich liebte schon das ganze Ritual, die Platte auszupacken: das Cover, das Inlay, das Promo-Foto, das herausfiel. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich die LP auf den Plattenspieler meiner Mutter gelegt habe. Von diesem Moment an hat sich mein Leben verändert.

Wie sieht für dich die perfekte Punkshow aus?

David: So wie eine Show im Liberty Lunch! (lacht) Nonstop Stage-Dives, Circle Pits, pogende Leute und ein Publikum, das jede Zeile mitsingt. Genau so muss das sein.

Was war die beste Show, die du jemals als Zuschauer erlebt hast?

David: Das ist eine schwierige Frage, aber SNFU haben einen enormen Eindruck bei mir hinterlassen. Ihre Liveshow war etwas, dass ich bis dahin noch nie erlebt hatte.
Chi Pig sprang von der Bassdrum, wirkte gleichzeitig vollkommen präsent und völlig entrückt. Es sah aus, als wäre er so tief mit der Musik verbunden, dass er seinen Körper verlassen könnte, während er sich wie ein wildgewordenes Tier über die Bühne bewegte.

Was war die beste Show, die du selbst gespielt hast?

David: Ich habe das große Glück, keine einzelne Lieblingsshow nennen zu müssen. Jede Tour bringt Momente hervor, die auf ihre eigene Weise besonders sind. Manche Konzerte habe ich mit Menschen gespielt, die heute nicht mehr unter uns sind. Diese Erinnerungen werde ich für immer behalten.

Und dann gibt es die Shows, die objektiv betrachtet einfach furchtbar waren. Aber wir haben sie trotzdem gespielt, durchgezogen und am Ende gerockt. Komischerweise bleiben auch solche Abende im Gedächtnis. Man schaut zurück und denkt sich: „Verdammt, diese Show war eine Katastrophe – und wir haben sie trotzdem gewonnen.“ Auch das fühlt sich wie ein Sieg an.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Konzert in Bogotá, Kolumbien. Dort mussten uns MMA-Kämpfer und bewaffnete Sicherheitskräfte in den Club eskortieren, weil die Veranstalter Angst hatten, dass die Situation vor dem Laden eskalieren könnte.
Nicht, weil die Leute wütend gewesen wären oder wir etwas Besonderes darstellen würden, sondern wegen der unglaublichen Menschenmenge und der Energie. Wenn tausende Menschen auf engem Raum zusammenkommen, kann die Stimmung jederzeit kippen.

Der Club war so voll, dass man sich kaum bewegen konnte. Gleichzeitig darfst du in so einer Situation nichts abbremsen, weil die Menge darauf wartet, dass es losgeht. Also spielst du schnell, laut und mit voller Energie.

Das Publikum war fantastisch. Ich erinnere mich noch daran, wie ich auf den Balkon im zweiten Stock geklettert bin und mich von dort in die Menge gestürzt habe. Es fühlte sich an, als würde man bei Sturm ins offene Meer springen.

Gibt es eine Show, die du bis heute bereust verpasst zu haben?

David: Metallica, irgendwann um 1993 herum. Damals wollte ich nicht mit meiner Mutter hingehen. Heute würde ich alles dafür geben, in die Vergangenheit zurückzukehren und dieses Erlebnis mit ihr zu teilen.

Welche aufgelöste Hardcore-/Punkband würdest du am liebsten noch einmal live sehen?

David: Oh Gott, das ist für mich fast unmöglich zu beantworten. (lacht) Aber Los Crudos würde ich wahnsinnig gern sehen. Die habe ich leider nie live erlebt. Außerdem The Clash in Austin, als sie im Armadillo World Headquarters gespielt haben. Oder Crass. Oder die Pogues in ihren frühen Jahren. Das wären alles Shows, die ich gerne erlebt hätte.

Gibt es eine Person, die dich im Hardcore-Punk besonders beeinflusst hat?

David: Als jemand, der aus Texas kommt, spielen viele Dinge eine Rolle. Bei uns liefen nicht an jeder Straßenecke Punks herum wie in Los Angeles oder New York. Ich bin mit den unterschiedlichsten Musikrichtungen aufgewachsen und musste vieles erst nach und nach entdecken.

Lustigerweise ist Willie Nelson für mich eine riesige Inspiration. Wer wird nicht von Willie inspiriert? Der Typ macht einfach immer weiter. Nichts scheint ihn aufhalten zu können.

Wenn es um meinen Stil geht, haben mich vor allem Wattie Buchan von The Exploited und Mike Patton von Mr. Bungle und Faith No More geprägt. Die beiden haben mir gezeigt, wie man auf der Bühne komplett frei dreht und sich nicht darum schert, was andere denken. Willie Nelson wiederum hat mir beigebracht, seinen Weg konsequent weiterzugehen.

Wer sind für dich die besten Hardcore-Frontleute?

David: Das ist wirklich schwer. Ich könnte wahrscheinlich zwanzig Namen nennen. Aber drei Leute, die ich absolut liebe, sind Martin Sorrondeguy von Los Crudos, John Brannon von Negative Approach und Jack Control von Severed Head of State, World Burns to Death und Butcher.

Martin ist ein absolutes Heiligtum und Psycho-Punk durch und durch. John Brannon hingegen ist eine Naturgewalt. Ihn live zu erleben fühlt sich an, als würde Mike Tyson einem direkt ins Gesicht schlagen. Ja und Jack Control ist sowohl textlich als auch auf der Bühne ein absolutes Monster.

Welche aktuellen Bands beziehungsweise Frontleute begeistern dich besonders?

David: Da gibt es einige. Alex von Habak zum Beispiel. Sie ist eine unglaubliche Sängerin und Frontfrau. Ich kann momentan gar nicht aufhören, diese Band zu hören.
Dann wäre da Graeme von Home Front. Ein großartiger Sänger mit enormer Bühnenpräsenz, der verschiedene Einflüsse auf seine ganz eigene Art zusammenbringt.
Außerdem mag ich Bullshit Detector aus Texas sehr. Richard ist ein fantastischer Sänger und Musiker. Die Band verbindet düstere Sounds mit UK82-Einflüssen und klingt dabei völlig eigenständig.
Und schließlich Gabe von 1876. Die Band verbindet traditionelle Powwow-Musik der Native Americans mit Punk und ihrem eigenen Stil. Gabe setzt sich stark für die Sichtbarkeit indigener Stimmen ein. Er nennt das Ganze „Pow Wow Punk“.

Welche Hardcore-/Punkband ist deiner Meinung nach am meisten unterschätzt?

David: Ganz klar: The Big Boys aus Austin, Texas.


The Casualties – Europa-Tour 2026

23.06. – Lopez, Zaragoza (ES)24.06. – Secret Place, St Jean de Vedas (FR)25.06. – La Rhapsodie, Biarritz (FR)26.06. – Superbowl of HC, Rennes (FR)27.06. – Vainstream, Münster (DE)28.06. – Mighty Sounds, Tabor (CZ)30.06. – 2 Progi, Poznan (PL)01.07. – Hydrozagadka, Warsaw (PL)02.07. – Analog, Budapest (HU)03.07. – Heavy Mölltoll, Kolbnitz (AT)

18.07. – Festiwal Urwanych Filmów, Rowy (PL)19.07. – SO 36, Berlin (DE)24.07. – Im Wizemann Studio, Stuttgart (DE)25.07. – Speedfest, Hohenems (AT)26.07. – Sedel, Luzern (CH)28.07. – Free & Easy Festival, München (DE)30.07. – DLB Festival, Argenta (IT)31.07. – Sylak Open Air, St Maurice D. G. (FR)03.08. – Cafe Central w/ Terror, Weinheim (DE)04.08. – Goldgrube, Kassel (DE)05.08. – LA w/ Terror, Cham (DE)06.08. – Brutal Assault, Jaromer (CZ)07.08. – Sonic Blast Festival, Ancora Praia (PT)08.08. – Brakrock, Duffel (BE)09.08. – MTC, Köln (DE)11.08. – Punkrock Holiday, Tolmin (SI)13.08. – Brin de Zinc, Barbez (FR)15.08. – Motocultor, Carhaix (FR)19.08. – Gulfhaus, Vechta (DE)20.08. – Spirit Festival, Loburg (DE)21.08. – Don’t Panic, Essen (DE)22.08. – Parkpop, Oostkamp (BE)

The Casualties – Tour 2026

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