The Iron Roses - Molotov Nights Cover

Es muss so im Frühling diesen Jahres gewesen sein, dass ich mit Freunden bei einem Bier zusammensaß und wir uns fragten, warum immer weniger Bands ihr Maul aufmachen, bei dem was weltweit so alles geschieht. Bands, die früher klare Kante gezeigt haben, wirken teilweise konservativ verwässert und die Politik ist irgendwie nur noch eine Randerscheinung ihres musikalischen Schaffens. Das war die Quintessenz dieses Abends und ich ging, zumindest geistig, doch recht ernüchtert ins Bett.

Die Diskussion beschäftigte ich auch noch am nächsten Tag und schlug mir auch etwas aufs Gemüt. Ein paar Stunden später erhielt ich aber eine Mail, die meine Laune direkt steigerte. Becky von The Iron Roses meldete sich nämlich und kündigte an, dass Anfang August ihr zweiter Longplayer erscheinen sollte.

Dieses zauberte mir ein erstes Lächeln aufs Gesicht, denn bereits ihr selbstbetiteltes Debütalbum gefiel mir außerordentlich gut.
Dieses lag nicht zuletzt daran, dass mir der zweistimmige Gesang von Becky und Nat eine Stimme zurückgab, die mir unheimlich viel bedeutet.
Viel zu oft habe ich zu Natashas bzw. seinerzeit noch Nathans Stimme geweint, gelacht, geliebt und gehasst, so dass ich sie wie nicht viele andere in mein Herz geschlossen habe.

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Und diese Stimmen sollten nun auf Molotov Nights zurückkehren und ich hoffte, bezugnehmend auf die vorabendliche Diskussion, dass nicht auch The Iron Roses ihre politische Kante verloren haben, die sie bereits auf dem Debüt bewiesen hatten.
Dieser Gedanke wurde mit der nächsten Mail dann direkt verstreut, denn Beckys fragte ich direkt, ob ich denn das Lyric-Sheet haben möchte und damit steigerte sich meine Laune noch einmal.
Denn diese Lyric-Sheets bekam man früher als Review Verfasser bzw. Verfasserin eigentlich immer mitgeschickt. Mittlerweile ist dieses aber leider nicht mehr üblich, was mit in meinen Augen auch zeigt, dass die Texte immer weiter in den Hintergrund wandern.
Aber wie dem auch sei, hier ist es ja zum Glück anders und ich konnte mich nicht nur in die Musik reinhören, sondern auch lesen und das gelang mir außerordentlich leicht.

Denn bereits der Opener Dead Eyes geht ohne Umschweife nach vorne und zeigt direkt, dass dieses Album nicht nur unterhalten soll. Krieg, Ausbeutung und gesellschaftliche Gleichgültigkeit werden schon in den ersten Minuten kompromisslos thematisert und das in einem mehr als ausgewogenem musikalischen Gewand. Ebenso wie der zweistimmige Gesang passt hier einfach alles.

So geht es aber nicht unbedingt in den zehn Titeln weiter, denn hier und da wird auch mit dem Gesang gespielt und der Fokus anders gesetzt. Zum Beispiel rückt bei Body Count der Gesang von Becky klarer in den Mittelpunkt und zeigt nun endgültig, dass The Iron Roses nicht aus einer Hauptstimme mit Begleitung bestehen, was ich echt stark finden, denn natürlich hat zumindest pressetechnisch Natasha den höheren Aufmerksamkeitsfaktor.

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Besonders sticht auch noch die Verbindung aus eingängigen Melodien und unbequemen Themen hervor. So verbindet Fascist Lullabies fast schon beschwingte Passagen und Ska-Anleihen mit einer scharfen Abrechnung autoritärer Strukturen, während All American trotz seines lockeren Offbeat-Grooves das amerikanische politische System und wirtschaftliche Ungleichheit ins Visier nimmt.

Mit To The Last und dem Titeltrack Molotov Nights unterstreicht die Band anschließend auch noch einmal ihre enorme stilistische Bandbreite.
Folk-Elemente, Banjo, Pop-Punk, Ska und klassischer Punkrock verschmelzen zu Songs, die sofort ins Ohr gehen und dort auch bleiben.

Bleiben wird hoffentlich auch der Spaß und der Wille, den die Bandmitglieder an der Band selber haben, denn ich bin zu neugierig wie es mit ihnen weitergeht, denn eine Weiterentwicklung ist mehr als deutlich.

Molotov Nights erscheint wie aus einem Guss und schlägt hier und da auch mal härtere Saiten, als den bisher eher vordergründig stehenden Pop-Punk an. Genregrenzen werden ebenso wie die Grenzen in manchen Köpfen eingerissen, wodurch The Iron Roses zeigen, dass sie nun ganz klar zu einer festen Formation zusammengeschmolzen sind.

The Iron Roses – Molotov Nights Tour 2026

06.10.2026 DE Essen, Don’t Panic
07.10.2026 BE Dendermonde, Bastion V
08.10.2026 DE Weinheim, Cafe Central
10.10.2026 AT Graz, Erntepunk Fest
11.10.2026 AT Vienna, Arena *
12.10.2026 DE Munich, Kranhalle *
13.10.2026 CH Zürich, Dynamo *
14.10.2026 DE Wiesbaden, Schlachthof
15.10.2026 DE Schweinfurt, Stattbahnhof *
16.10.2026 DE Erfurt, VEB Kultur *
18.10.2026 DE Cologne, Helios 37 *
20.10.2026 DE Hanover, Faust
21.10.2026 DE Hamburg, Uebel & Gefährlich *
22.10.2026 DE Berlin, Female Fronted Is Not A Genre

*= Support von MARCH

The Iron Roses Tour 2026

The Iron Roses veröffentlichten ihr selbstbetiteltes Debütalbum 2023 (Review).

🎧 Folgt unserer Playlist
– Playlist: Happy Release Day

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