Wenn am Tag der deutschen Einheit OHL im Studio 30 spielen, dann muss man hin, ganz klar. ich denke, wir sind ein Punk und Hardcore-Punk-Webzine, da muss ich die Oberste Heeresleitung sicherlich niemand vorstellen, aber ein paar einleitende Worte sind sicherlich von Nöten.OHL gehörten für mich von Beginn an dazu, als ich beschloss vom Metal zum Punk zu wechseln. Die Band war immer irgendwie umstritten, was vor allem an den antikommunistischen Texten lag. Das sie aber auch eine ganze Reihe Lieder gegen Rechts haben wurde dabei immer wieder vergessen. Ja, es gab sicherlich auch eine Lust an der Provokation, spätestens nach ihrem Comeback in den 1990ern, nachdem das Album Jenseits von Gut und Böse, das eher zum Seitenprojekt Der Fluch (beziehungsweise dem zweiten Herzen von Deutscher W.) gepasst hatte, zur Auflösung führte.

Ein gutgelaunter Deutscher W. betrat als letztes von seiner Band gegen 20:30 die Bühne. Eine Vorband konnte leider nicht gefunden werden, dafür hab ich vorher schon die üppige Setlist mit über 30 Liedern bewundern dürfen. Und so gings mit Warschauer Pakt los. und ja, die russlandfeindlichen Lieder sind, das weißt der streitbare Sänger auch selbst nach, sind aktueller den je. Sie sind plötzlich auch für Linke annehmbarer, heute, wenn die die Bedrohung durch Russland und seine Steigbügelhalter von der (keine) Alternative für D. für jeden offensichtlich ist. Jedenfalls bekam es in den nun folgenden 90 Minuten jeder ab, der nicht bei drei auf den Bäumen war. Mit einer Ausnahme, aber dazu später mehr. Altersmilde: nein danke!

Wobei, das muss man ihm klar zugute halten, ich habe ihn als sehr netten zuvorkommenen Gesprächspartner erlebt. Gut, er wollte auch was verkaufen, aber auch die restlichen Ansagen waren von einem Gefühl der Toleranz geprägt, wenn er auch klare und deutliche Grenzen aufzeigte. Immer wieder gabs auch mal was Persönliches aus der Biografie, wie zum Beispiel die Geschichte von der Jenseits von gut und böse oder sein Engagement für die Ukrainehilfe. Die einzigen Jungpunks des Abends wurden ebenfalls gesondert erwähnt und begrüßt. Immer wieder zog es ihn auch ins Publikum, wenn sein Auftreten auch weniger theatralisch war, als mit Der Fluch ein halbes Jahr vorher. Hatte ich gar nicht reviewt… war aber auch fantastisch. An dieser Stelle teile ich noch einmal gerne den Aufruf von SteveS. das Studio30 zu retten (wozu Deutscher W. auch aufrief): Studio 30 braucht Hilfe: Crowdfunding soll Saarbrücker Club retten.

Auch gegen Trump wurde ausgeteilt. Beim Lied USA, das leicht textlich nachbearbeitet wurde, trat der Sänger mit Trump-Maske auf. Ein etwas gruseliger Auftritt, der gut den Schocktober einleitete. Ah, zwei Mittagspause-Cover gabs auch noch, den Klassiker Wir sind die Türken von morgen (auch bekannt als Türkenlied, Atatürk und Militürk) sowie Ernstfall.Am Ende gab es nur noch einen Befehl: Freut euch! Im Anschluss gabs noch einen kurzen Zugabenteil. Leider, leider, gabs kein Kernkraftritter. Ich als „alternative, langhaarige Sau“ hab mich so darauf gefreut, dafür gabs aber wenigstens mein absolutes Lieblingslied Deutschland auf die Ohren. Der passende Ausklang an diesem geschichtsträchtigen Feiertag!










































