Was für ein scheiß Event! Ich meine natürlich den Cannstatter Wasen und nicht eine der acht Release-Shows von Shorelines neuem Album Is This The Low Point Or The Moment After? am 10. Oktober 2026 im ClubCann in Stuttgart. Denn eigentlich sind wir pünktlich aus Ulm los, das Navi prophezeit eine Ankunftszeit von kurz vor 19 Uhr, also wären wir quasi mit dem ersten Takt von Pluto The Racer in den ClubCann eingelaufen. Wieso muss die Show überhaupt so früh starten? 19 Uhr an einem Samstag finde ich schon extrem. Naja, hätten wir ja geschafft. Noch beim Reinfahren nach Cannstatt stelle ich die Frage, ob denn der Wasen schon durch sei, die ersten Alkoholleichen in Tracht belehren mich schnell eines besseren. An der nächsten Ampel kriecht eine junge Frau auf allen Vieren und reiert 10 Meter vom Auto entfernt an einen Baum – Halleluja!
Damit war auch schnell klar, dass wir 19 Uhr nicht schaffen würden, da die Zugangsstraßen zum ClubCann gesperrt waren und ein direktes Parken vor der Location somit verunmöglicht wurde. Zweimal im Kreis gefahren, erstes Parkhaus voll, beim zweiten hat es dann geklappt. Im Eilschritt den Weg durch die (unangenehme) Menge gebahnt und gegen 19:30 Uhr immerhin noch vier oder fünf Songs von Pluto The Racer mitbekommen, die wahrscheinlich auch nicht ganz um 19 Uhr begonnen haben. Der ClubCann war schon gut gefüllt, die Menge lauschte gebannt den – für mich – eher ruhigen Tönen der Pop-Punker*innen aus Hannover. Angenehmer Start, auch wenn mir ein bisschen die Ecken und Kanten gefehlt haben. Auf Platte klappt das mit Sicherheit super, werde ich zu gegebener Zeit definitiv noch nachholen. Die Band machte einen sympathischen Eindruck, hatte Spaß auf der Bühne und das Publikum schien auch angetan – läuft!

In der Umbaupause die bekannten Gesichter begrüßt, Kaltgetränke aufgefüllt und schon ging es weiter mit Between Bodies, die dieses Jahr mit Hands To Hold Each Other eine mega Platte veröffentlicht haben. Funktioniert das Ganze auch live? Und wie! Die Kölner*innen geben von Anfang an Vollgas und starten mit Waves und Annie (21st Century Working Class) gleich mal mit meinen beiden Lieblingssongs des neuen Albums. Between Bodies legen einen starken Auftritt hin, man merkt ihnen – vor allem dem Drummer, der immer wieder aufsteht und mitschreit – sichtlich an, dass sie mit viel Leidenschaft und Spaß auf der Bühne stehen. Das ganze Set ist enorm kurzweilig, was auch an der Ausgefeiltheit und dem Abwechslungsreichtum der Songs liegt. Between Bodies sind eine der Neuentdeckungen des Jahres für mich!

Wieder Kaltgetränke, wieder Quatschen und weiter geht’s. Der Headliner des Abends, Shoreline aus Münster, betreten die Bühne. Ich habe die Band bislang einmal live gesehen, daher konnte ich erahnen, wie sie loslegen würden. Und so kam es natürlich: Mit richtig viel Dampf, Bewegung und Energie starten Shoreline ihr Set. Vor der Bühne geht die Post ab, Pogo, Circle Pits und eine Wall Of Death lassen die Temperaturen in der Halle steigen. Das Publikum ist außerdem ordentlich textsicher, auch bei den Songs vom neuen Album. So schlagen Sweet Spot, Forgive oder mein Highlight des Abends Paradox Man total ein. Dazu kommt, dass Shoreline eine unglaublich sympathische Band mit einem charismatischen Frontmann sind, der durchdachte & intelligente Ansagen macht. In eineinviertel Stunden ballern Shoreline dem Publikum neben den neuen Songs auch eine schöne Mischung an alten Hits um die Ohren. Das Set ließ keine Wünsche offen, die Leute gehen verschwitzt und mit einem Grinsen im Gesicht nach Hause (oder vorher noch zum Merchstand, selten hab ich so eine lange Schlange bis weit nach Show-Ende an einem Merchtisch gesehen).

Fazit: Der durchwachsene Start hat sich zu einem rundum gelungenen Abend entwickelt. Between Bodies und Shoreline haben abgeliefert und ich bin mir sicher, beide Bands werden noch viel von sich hören lassen!




















