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Lange schon habe ich mich auf diesen Abend gefreut, Perkele live in der Hamburger Markthalle und vorher bekam ich noch die Möglichkeit ein Interview mit den drei Schweden zu machen. Als ich zum vereinbarten Zeitpunkt in der Markthalle aufschlug, befanden sich Perkele noch am Hamburger Flughafen, da ihr Flieger gewaltig Verspätung hatte. Als die Band dann endlich in der Markthalle angekommen war, ging es direkt erst einmal auf die Bühne zum Soundcheck machen, erst dann verschwanden Perkele im Backstage-Bereich. Kurz darauf saß ich schon mit Ron, Chris und John zusammen und durfte das Interview mit ihnen führen.

Perkele

AWAY FROM LIFE: Hallo und nochmal herzlichen Glückwunsch zu eurem neuen Album Leaders Of Tomorrow, das scheinbar nicht nur mir sehr gut gefällt.
Was würdet ihr sagen sind die größten Unterschiede zwischen Leaders Of Tomorrow und dem Vorgänger A Way Out?

John: Vielen Dank. Freut uns, das es dir gefällt. A Way Out war schon mit dem früheren Drummer fertig geschrieben, als ich zur Band gestoßen bin, das ist für mich natürlich ein großer Unterschied.

Ron: Außerdem geht es mehr zurück zu unseren Wurzeln.

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Chris: Ja genau, der große Unterschied ist, dass wir zu unseren musikalischen Wurzeln aus unser Jugend zurückkehren wollten. Die Einflüsse kommen aus der Musik der 60er, 70er, 80er, 90er und 2000er Jahre. Wir haben uns gesagt, ja lass uns diese Einflüsse, die uns geprägt haben, mit einfließen und sehen wohin es uns führt.

Ron: Wir waren schon immer von verschiedenen Metal-Richtungen beeinflusst. Ein großer Unterschied ist, dass auf Leaders Of Tomorrow dieser Einfluss ausgeprägter als auf den vorherigen Alben ist. Irgendwie denke ich auch, dass dieses Album der Nachfolger zu Forever hätte sein sollen. Wir wollen auch immer ein wenig schockieren und unsere Fans auch ein wenig herausfordern und nicht wie AC/DC immer das Gleiche machen.

John: Wir machen vor dem Song No Shame ja auch immer ein Medley aus Metalsongs und wenn wir uns im Proberaum warm spielen, spielen wir nie Punk-Songs – wir spielen dann Metal, Hardcore oder Blues. Wir spielen jetzt 6 oder 7 Jahre zusammen und es fühlt sich natürlich an, es ist nicht so, wie einige Leute denken – sie wollen ein Metalalbum machen – so ist es nicht, das ist die Art von Musik, die aus uns selbst kommt.

Chris: Ja genau, man könnte sagen es war uns ein tiefes Bedürfnis.

AFL: Welches ist den euer persönlicher Lieblingssong auf Leaders Of Tomorrow?

John: Ich mag Faraway sehr gerne, aber ich mag auch Leaders Of Tomorrow und definitiv auch The Winner.

Chris: Alle Songs sind verschieden und haben ihren individuellen Reiz, aber für mich ist es Break Out Break Free mit dem Gitarrenintro und dem Scorpions-Einfluss.

John: Oh ja, das ist auch ein richtig guter. Und der Song hat ja auch einen Yngwie- Malmsteen- und schwedischen Indie-Pop Einfluss.

„komm mit dem Arsch hoch und ändere die Dinge die du ändern kannst“

AFL: Woher nehmt ihr die Inspiration für eure Texte?

Ron: Ich würde sagen ich bekomme die Inspiration aus dem Leben. Die Texte sind mir wichtig und ich versuche auch unsere Gedanken und wofür wir als Band stehen mit rein zu nehmen.

Chris: Die Texte sind immer sehr direkt und mittlerweile auch eines unserer Markenzeichen.

John: Das ist ein ganz wichtiger Punkt im Punk. Auf der einen Seite hast du die Texte über das Aufwachsen, dann hast du Texte über das, was sich in unserer Welt ändern muss und als drittes was kannst du selbst tun, PMA aus der Hardcore-Szene und die DIY Mentalität. Ich schreibe unsere Texte ja nicht, aber so sehe ich die Texte.

Ron: Andere Bands schreiben nur über Sachen die Scheiße sind, also nur negativ und wir sagen lieber komm mit dem Arsch hoch und ändere die Dinge die du ändern kannst.

AFL: Beschreibt Perkele in drei Worten.

John: Friendly neighborhood punks.

Chris: Grumpy Old Men. (alle lachen)

Ron: Perkele in drei Worten ist wirklich schwer zu beschreiben.

John: Never give up.

AFL: Welche Bands haben euch am meisten beeinflusst und hat es sich über die Jahre verändert? Wir haben ja schon über den großen Metal-Einfluss gesprochen.

John: So viele verschiedene Musikrichtungen und Einflüsse kommen da zusammen. Ich höre viel, sehr viel Reggae und Hip-Hop, aber auch genauso Thrash-Metal und modernen Metal, aber auch die alten Sachen wie Led Zeppelin und Punkrock aus den Neunzigern, ach einfach alles. Musik ist Musik, ich bin da nicht auf bestimmte Genre festgelegt.

Chris: Als Ron und ich in den Neunzigern angefangen haben Punk zu spielen, gab es gerade die zweite Punk-Welle in Schweden, von der wir inspiriert wurden. De Lyckliga Kompisarna und viele andere Bands, die wir gehört haben, als wir uns mit 14, 15 in irgendwelchen dunklen Clubs rumgetrieben haben. So hat das alles angefangen und auch solche Metal-Sachen wie Helloween, Maiden usw. Ron und ich kennen uns ja schon seitdem wir sieben Jahre alt sind.

Ron: Und ich höre auch Jazz, Blues, Mike Oldfield…

Chris: Was wir gemeinsam haben ist die Verbindung mit Punk und Metal, aber dann geht es ziemlich in die Breite, ich mag auch Brian Adams sehr gerne.

AFL: Welche Band oder Künstler, egal ob tot oder lebendig, würdet ihr gerne nochmal live sehen?

John: Ich würde sagen Led Zeppelin, mit ihrem originalen Drummer John Bonham oder vielleicht Jimi Hendrix Experience oder doch Bob Marley & The Wailers.
(Chris, Ron und auch ich nicken zustimmend und sind uns einig, da kann jetzt eigentlich nichts mehr drüber kommen.)

„Für uns ist das Luxus, dass Leute kommen und sogar dafür bezahlen um uns Live spielen zu sehen“

AFL: Macht ihr auch ein Kulturprogramm, wenn ihr auf Tour seid oder macht Ihr Sport oder überbrückt ihr die Zeit einfach nur mit Trinken?

Chris: Wenn wir die Zeit haben, lieben wir es uns die Städte anzuschauen, manchmal haben wir gute Promoter, die sich die Zeit nehmen uns die Stadt zu zeigen – wir lieben das wirklich. Aber oft sind es nur rein-und-wieder-raus-Shows.

John: Wir machen ja keine Tourneen.

Ron: Wenn wir einen Auftritt haben, trinken wir sowieso nicht viel. Eigentlich ist es so, wir kommen in dem Veranstaltungsort an, fahren zur Location und machen Soundcheck, dann fahren wir ins Hotel und schlafen noch ein wenig, bevor wir dann auf die Bühne gehen.

John: Aber manchmal klappt es dann am nächsten Tag mit einer Stadttour, bevor wir wieder abreisen.

Chris: Ich liebe das wirklich.

John: Ja, ich würde das auch sehr gut finden, aber wir haben leider nur selten die Zeit.

Chris: Wir gehen vor den Auftritten halt schlafen, weil wir wissen, das unser Publikum dafür arbeiten geht, um uns zu sehen und wir wollen ihnen die beste Show bieten, die für uns möglich ist. Für uns ist das Luxus, dass Leute kommen und sogar dafür bezahlen um uns live spielen zu sehen. Deshalb wollen wir so professionell wie möglich an jeden Auftritt rangehen. Wir wollen alles dafür tun, dass die Leute die Show genießen – das ist das Wichtigste was wir tun müssen.

John: Aber auch für uns ist das wichtig. Um auf dem Level zu performen, brauchen wir immer das Gleiche, einen ruhigen Backstage-Bereich, ein gutes Hotel in dem wir gut schlafen können und wir brauchen was zu essen. Manchmal verstehen die Leute das völlig falsch und denken wir haben Rockstar-Allüren, aber genau das Gegenteil ist der Fall: Wir wollen nicht diese Rockstarnummer, mit wilder Party usw. Wir sind alte Männer und wir brauchen einfach vorm Gig Ruhe und…Kebab.

AFL: Seid Ihr eigentlich noch nervös vor einem Auftritt?

Ron: Oh ja, ich bin sehr nervös, aber ich versuche einfach nicht daran zu denken.

Chris: Ich mag die leichte Anspannung, irgendwie brauche ich das auch, dann kann ich auch gut spielen. Aber nervös bin ich nicht, wenn es auf die Bühne geht, aber ich kann ein paar Stunden vorher schon mal nervös werden.

AFL: Habt Ihr spezielle Rituale bevor Ihr auf die Bühne geht?

Ron: Ja, wie schon gesagt ist der Ablauf immer der gleiche. Wir kommen normalerweise 40 Minuten vor dem Auftritt in den Club.

Chris: Und bevor es auf die Bühne geht umarmen wir uns und schreien: „Wir sind die Besten und jetzt gehen wir raus und liefern richtig ab“ und dann entern wir die Bühne.

AFL: Wie seht ihr Eure deutschen Fans? Sind die anders als andere Fan-Szenen?

Chris: Die Besten.

John: Ja stimmt und das ist die Wahrheit, das sagen wir auch, wenn wir uns privat unterhalten.

Ron: Ja genau. Weil die deutschen Fans haben uns dahin gebracht wo wir heute sind.

Chris: Und wir sind ihnen sehr treu und sie sind es uns. Wir haben in Magdeburg die ersten Shows so vor 100 Leuten gespielt und manche kommen immer noch zu unseren Konzerten. Magdeburg ist wie unser zweites Zuhause. Die Leute sind immer gut drauf und die Stimmung ist immer großartig, genauso wie hier oder in Leipzig im Conne Island. Die besten Zuschauer, die wir haben.

John: Ich denke auch, die deutschen Fans sind offen für neue Sachen. Sie sind sehr offen, auch wenn sie es nicht mögen und dann sagen sie es uns auch.

Ron: Oh ja, das tun sie.

John: Aber sie akzeptieren auch Veränderungen, da gibt es in anderen Szenen eher Probleme diese Veränderungen auch zu akzeptieren.

AFL: Leaders Of Tomorrow ist ja auch gerade Nummer eins der CoreTex-Verkaufscharts!

Ron: Ja, aber da gibt es auch eine kleine witzige Anekdote zu.

Chris: (lacht)

AFL: Erzähl mir jetzt nicht, ihr habt sie alle selbst gekauft.

(Alle drei lachen)

Ron: Nein, das haben wir nicht gemacht. Wir haben am Tag vor der Veröffentlichung von Leaders Of Tomorrow mit Volxsturm in Berlin gespielt und die Jungs von Volxsturm waren im Laden zu Besuch und haben uns erzählt, dass die Leute im Laden gesagt haben, das Album ist nicht besonders gut, es ist zu sehr Heavy Metal, aber jetzt ist es die Nummer 1.

AFL: Deutsches Bier?

John: Ja bitte. Ich mag sehr gerne deutsches Bier. Meine Vorstellung vom Sommer, wenn wir auf einem Festival spielen ist es auf einer schönen Terrasse mit gutem Essen zu sitzen und Weizenbier zu trinken. Ich bin ein Bier-Liebhaber.

AFL: Fußball oder Eishockey?

Chris: Football!

Ron: Keins von beiden. Ich trinke nicht und Sport ist auch nichts für mich, ich liebe einfach nur Musik.

Chris: (lacht) Fußball ist für mich wichtig, mit Kindern und Familie bleibt mittlerweile weniger Zeit, aber ich liebe Fußball. Ein aufregendes Spiel. Ein kleines Team kann immer noch den übermächtigen Gegner, mit den teuersten Spielern, schlagen.

Ron: Und der Ball ist rund.

AFL: Das ist ein schönes Schlusswort. Vielen Dank das Ihr euch die Zeit für das Interview genommen habt.

Perkele: Wir danken Dir für das Interview.

Im Anschluss an das Interview haben Perkele einen wirklich erstklassigen Auftritt abgeliefert, den Bericht und die Fotos zu dem Konzert könnt Ihr euch hier anschauen.

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