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AWAY FROM LIFE Streets

Nachdem Propagandhi gerade den ersten Teil Ihrer Tour zum neuen Album Victory Lap (hier geht´s zur Review) beendet haben, stand uns Gitarristin Sulynn Hago für ein Interview zur Verfügung. Dies macht unter anderem einmal mehr deutlich, wie sehr die Band darauf bedacht ist, sich auch über die Musik hinaus Gedanken über verschiedene Vorgänge in der Welt zu machen. Schon in der Vergangenheit setzte sich die Band ja immer wieder für mehr Menschlichkeit, Respekt und Toleranz in der Gesellschaft ein.

Aber wenn es darauf ankommt, ist die Gitarre meine Stimme. Sie spiegelt mich am besten wider.

AFL: Ihr habt die letzten Wochen einige Shows in Kanada und den USA gespielt – wie ist es gelaufen und wie werden die Songs vom neuen Album Victory Lap live von den Leuten aufgenommen?

Propagandhi - Victory Lap Albumcover
Propagandhi – Victory Lap Albumcover

Sulynn Hago: Die ersten beiden Touren waren super. Wir haben eine Menge neuer Stücke gespielt. Es war aufregend, das Set so zu verändern. Es war toll zu sehen, dass die Leute bereits die neuen Lieder mitsingen konnten und positiv auf uns reagierten, als wir sie live spielten.

Propagandhi hatte ja 2015 nach dem Weggang von David Guillas die freie Stelle sozusagen öffentlich ausgeschrieben. 
Wie kam es dazu, dass Du Dich dafür beworben hast und was hat Dich gereizt, für diese Band zu spielen ?

Ich bewarb mich per E-Mail und schrieb über meine bisherigen Erfahrungen beim Gitarre spielen in verschiedenen Bands. Ich schickte Videos von mir mit, in denen ich ein paar ihrer härtesten Songs spielte. Propagandhi sind schon immer einer meiner Lieblingsbands gewesen. Ich fühlte mich von der allgemeinen Genre-losen Vielseitigkeit ihrer Musik und natürlich auch von ihrem lyrischen Inhalt und den technischen Fähigkeiten angezogen. Ich wollte auch in einer Band mit hart arbeitenden Leuten spielen, die zudem ein tiefes Engagement für Moral und Musik hatten. Mit dem Ergebnis dann Songs und Shows zu spielen. Dabei aber auch Menschen bleiben, die sich selbst nicht zu ernst nehmen.

Ich meine Chris (C.Hannah/Sänger) hatte bei dem Konzert in Wiesbaden dieses Jahr gesagt, dass es Deine erste Zeit in Europa war.
Gibt es Unterschiede von der Crowd und der Stimmung in Amerika zu denen in Europa bei Euren Auftritten?

Ich habe keinen wirklichen Unterschied bemerkt. Egal wo auf der Welt Du bist, es gibt entweder das Publikum, das stillsteht und sich auf die Performance konzentriert oder das das headbangt und völlig durchdreht.

Du singst ja auch teilweise die Back up Vocals in der Band (z.B.: bei A Speculative Fiction – für mich übrigens einer der größten Punksongs, die je geschrieben wurden) wäre es für Dich vorstellbar auch mal einen kompletten Song zu singen wie es ja Todd (T.Kowalski/Bassist) auch macht?

Es besteht die Möglichkeit das zumindest Mal bei eins oder zwei Liedern zu machen. Aber wenn es darauf ankommt, ist die Gitarre meine Stimme. Sie spiegelt mich am besten wider. Besonders da ich eher ein Misstrauen gegenüber der verbalen Sprache hege.

Pressebild

Eure Songs sind teilweise echt sehr komplex – ich habe den Eindruck, Ihr macht manchmal, aus 3 Songs am Ende dann einen!
Wie kommt das – „jamt“ Ihr da viel im Proberaum und es entwickeln sich dann immer mehr neue Ideen oder wie läuft das ab ?

Es wird viel Zeit und Aufmerksamkeit in die verschiedenen Teile der Songs gesteckt, die von Chris und Todd individuell geschrieben werden. Sie bringen dann alles was sie privat zusammengetragen haben mit in den Proberaum und es wird so lange an den Details und Strukturen gefeilt, bis alle mit dem Endergebnis zufrieden sind.

Ästhetisch und moralisch haben große Konzerne nichts mit Musik und Botschaften zu tun, und diese Band drückt dieses Gefühl aus, indem sie nicht beteiligt ist.

Ich war beim ersten Durchlauf Eures neuen Albums echt sehr überrascht, dass die Songs überwiegend Midtempo sind (der Vorgänger Failed States ging ja schon mächtig nach vorne). Gibt es einen bestimmten Grund dafür, dass Ihr das Tempo etwas rausgenommen habt ?

Selbst als ich noch nicht in der Band war, konnte ich erkennen, dass Propagandhi nie darauf hinaus war, Ihre vorherigen Alben fortzusetzen.
Ich glaube nicht, dass es eine bewusste Entscheidung war, mehr Mid-Tempo-Songs zu schreiben. Es gibt in der Band eine ständige Verpflichtung, sich selbst herauszufordern, neue Dinge in Songs auszuprobieren, und das Ergebnis zeigt das. Um das nach einem Album wie Failed States aufrechtzuerhalten, schien es eine natürliche Entwicklung zu sein, eine Platte mit einer weniger düsteren Stimmung zu schaffen.

Propagandhi meiden wegen ihrer kapitalismuskritischen Haltung von Großkonzernen gesponsorte Festivals und Locations und setzen auf ausgewählte Shows an passenden Orten statt auf flächendeckende Auftritte.
Könntest Du diese Haltung mal etwas näher erläutern?

Musikfestivals können auch ohne die Unterstützung von Großkonzernen voll funktionsfähige Veranstaltungen sein.
Ihre Anwesenheit nimmt den eigentlichen Zweck der Veranstaltung, nämlich Menschen die sich versammeln, um Live-Musik zu genießen.
Ich weiß, dass ich mich nicht wie ein Werbetool oder ein Nascar-Auto mit Firmenlogos um mich herum fühlen möchte, während ich eine Show spiele. Ästhetisch und moralisch haben große Konzerne nichts mit Musik und Botschaften zu tun, und diese Band drückt dieses Gefühl aus, indem sie nicht beteiligt ist.

Du hast auf deiner Facebook Seite ein paar Online Petitionen – dort geht es um die Auswirkungen des Hurrikans Maria in Puerto Rico.
Worum geht es da genau?

Bei diesen Petitionen ging es darum, den Menschen in Puerto Rico Hilfe zu leisten, die sie dringend brauchen.

Okay Sulynn nochmals Vielen Dank – es war mir eine Ehre. Wir freuen uns riesig, wenn Ihr nächstes Jahr im April/Mai für ein paar Shows zu uns kommt !!!

Danke für dieses Interview, Ole. Ich entschuldige mich für die Verspätung. Wir sehen uns nächstes Jahr!

Sulynn Hago
Guitar Instructor, Performer and Session Guitarist

www.sulynnhago.com

All right, peep hole!
We’re gonna have a rock ’n‘ roll party tonight!
Here we go!

Propaganhi Live 2018

20. Apr. Glasgow, United Kingdom
21. Apr. Manchester, United Kingdom
22. Apr. Bristol, United Kingdom
24. Apr. Amsterdam, Netherlands
26. Apr. Saarbrucken, Germany
27. Apr. Münster, Germany
30. Apr. Paris, France
02. Mai  Lindau, Germany
04. Mai  Wels, Austria
05. Mai  Zurich, Switzerland
06. Mai  Trezzo Sull’adda, Italy

Demons Run Amok - Fest

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