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Dedication Records

TODAY FOREVER veröffentlichten erst vor wenigen Wochen ihr neues Studioalbum Derangement. Das bereits fünfte Album seit ihrer Bandgründung im Jahr 2003! Wir konnten den Kasselern ein paar Fragen zum neuen Album, zur Hardcore Szene und zur Band stellen.

Geht auf Shows, organisiert Shows, gründet Bands, hört auch kleine Bands, lest Bücher und redet wieder miteinander, anstatt nur zu konsumieren. Kultur ist keine Einbahnstrasse!

Interview mit TODAY FOREVER aus Kassel

Today Forever KasselAFL: Ihr habt mit Derangement vor kurzem euer bereits fünftes Studioalbum veröffentlicht. Wie zufrieden seid ihr mit der Platte, gibt es Unterschiede zum Vorgänger und was kann der Hörer erwarten?

Today Forever 2016
Today Forever veröffentlichten 2016 ihr neues Album „Derangement“.

Wir sind sogar sehr zufrieden. Obwohl wir diesmal sehr viel anders gemacht haben als bei den Vorgängern. Wir haben in Kassel aufgenommen, in Kassel gemischt und sogar das Artwork von einer Künstlerin aus Kassel machen lassen.  Derangement ist ein Album komplett aus der Heimatstadt.

Stilistisch bleiben wir uns treu: Kurze, krachige Songs mit allerlei Breaks und Übergängen, wenig Wiederholungen. Mit dem klassischen Songschema fremdeln wir nach wie vor. Aber, hey, so sind wir nun mal. Irgendwie hat sich das über die Jahre als unsere Ausdruckform etabliert und für uns ergibt das perfekt Sinn. Wir haben diesmal vielleicht ein bißchen mehr Rock’n‘Roll und Punk einfließen lassen. Aber es ist und bleibt Hardcore – fernab jeder Schule!

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BDHW

AFL: Welche Themen sprecht ihr auf eurem neuen Album an? Woher bezieht ihr eure Inspiration für eure Texte und wie wichtig ist für euch eine Message in eurer Musik rüberzubringen?

Musik sollte dem inneren Erleben eine Ausdruckform geben und gleichzeitig auch die Grenzen dessen überschreiten, was wir uns zu denken oder zu fühlen wagen. Das ist ja die einzigartige Funktion von Kultur und Kunst. Sie öffnet Horizonte. Wir hoffen, dass die Zuhörer sich in den Texten und der Musik selbst wiederfinden und sich verstanden oder herausgefordert fühlen. Aber  klar, dazu ist ein Stück Reflektion über das eigene Handeln, die eigene Haltung, die eigenen Werte nötig.

Also geht es thematisch um das Leben in der postmodernen Welt, um Lieben, Arbeiten und unsere mehr oder weniger „gestörten“ Beziehungen. Derangement heißt ja „Störung“. Als Inspiration dienen unsere eigenen Leben. Wir sind ja Freunde und wir reden viel miteinander. Wir teilen nicht nur unsere Musik sondern oft auch alltägliches Freud und Leid.

Sobald es aber nur noch um Abgrenzung geht, wie zum Beispiel wer ist „drin“ und wer ist „draußen“, geht es mit der Szene bergab. Das hat mit dem Spirit von Harcore nichts zu tun!

Today Forever – Derangement ::: Review (2016)

AFL: TODAY FOREVER existiert mittlerweile ja auch schon ein paar Jahre (Anmerkung: 2003). Was war eure persönlich beste Zeit, die ihr mit der Band hattet?

Wir haben großartige Erinnerungen an die vergangenen Jahre, an Tourneen, einzelne Konzerte. Es gibt unzählige skurrile Geschichten. Aber die beste Zeit ist immer, wenn wir auf die Bühne gehen. Das hier und heute ist unschlagbar und ein „früher war alles geiler“ gibt es so Gott sei Dank bei uns nicht. Sonst müssten wir wohl aufhören.

AFL: Hat sich die Hardcore Szene über die Jahre eurer Meinung gewandelt? Falls ja wie?

Wahrscheinlich waren wir nie wirklich ein fester Bestandteil der Hardcore-„Szene“. Wir standen immer schon ein bißchen am Rand. Wir taugen deshalb gar nicht recht dazu, darüber eine schlüssiges Urteil abzugeben. Vielleicht so viel: Die Szene  war und ist immer dann großartig und inspirierend, wenn sich Menschen zusammenfinden, um gemeinsam etwas anzupacken: Shows organisieren, Musik machen, Kultur schaffen. Das ist positiv, das schafft Identität und ist in einer Begeisterung ansteckend. Sobald es aber nur noch um Abgrenzung geht, wer ist „drin“ und wer „draußen“ usw. geht es mit der Szene bergab. Das hat mit dem Spirit von Harcore nichts zu tun.

Für uns ist Rockmusik immer eine offene Tür gewesen, die Menschen einlädt mitzumachen und teilzunehmen, trotz der Unterschiede. Wenn sich jemand plötzlich als Außenseiter fühlt, weil er vielleicht das falsche T-shirt trägt oder auch andere Musik hört, ist das bullshit.  Ein anderes Problem ist, dass Menschen  offenbar wahnsinnig bequem geworden sind. Bands brauchen Publikum, aber wenn niemand mehr in die Clubs geht oder Shows organisiert, dann setzt sich eben auch nur der Mainstream durch. Dabei sieht man oft die größten kulturellen Senstationen live in kleinen verrauchten Clubs, nicht bei Youtube im Internet.

AFL: Was habt ihr in der nächsten Zeit sonst für Pläne? Ihr habt ja schon so einige großen Tourneen hinter euch. Ihr wart 2006 unter anderem mehrere Wochen in Nordamerika auf Tour etc. Plant ihr noch einmal eine solche Tournee? Wie war die Zeit damals auf Tour?

Wir sind alle berufstätig und die meisten von uns haben auch Familie. Eine lange Tournee wie damals ist wohl kaum mehr denkbar. Aber wer weiß? Wenn sich die Möglichkeit ergibt, würden wir es natürlich machen, weil es eine einzigartige Erfahrung ist. Der Rock’n’Roll Zirkus ist eines er letzten verbliebenen Abenteuer. Wir sind weit herumgekommen, nur weil wir Musik gemacht haben. Haben Orte  gesehen, Leute getroffen, Unglaubliches erlebt. Intensive Erfahrungen zwischen Glück und Enttäuschung, Rausch und Ernüchterung. Definitiv eine Art Lebenserfahrung, die wir  nicht vermissen möchten.

AFL: Wenn ihr euch eine Band aussuchen könntet mit der ihr auf Tour gehen könntet, welche Band würdet ihr wählen und wo würde die Tour stattfinden? Warum gerade diese Band?

Da würde jeder von uns wohl ein paar andere Bands nennen. Wir waren ja gerade mit Silverstein und Being As An Ocean für ein paar Dates auf Tour und das war erstklassig. Mit denen jederzeit wieder. Wir wären da glaube ich nicht wählerisch. Und da wir nette Typen sind, kommen wir wohl auch mit vielen Bands recht gut klar. Ich denke, wir warten auf Möglichkeiten. Es wird wohl eher eine Frage der Dates sein, als der „richtigen“ Band.

AFL: Was für Musik hört ihr den sonst aktuell gerne? Irgendwelche Lieblingsbands? Und was sind eure Top 5 Lieblingsalben die TODAY FOREVER am meisten geprägt und beeinflusst haben?

Wir können das beim besten willen nicht beantworten. Jeder von uns hat wahrscheinlich 10 verschiedene Lieblingsalben und wir sind Fans von unterschiedlichen Bands. Diesen linearen Zusammenhang zwischen Liebelingsbands und eigener Musik lässt sich meines Wissens bei den wenigsten Bands herstellen. Einen Rieseneinfluss hat überraschenderweise SANTANA auf uns, vor allem das Stück „Samba pa ti“ – kaum zu glauben, stimmt aber. Und natürlich gibt es Bands und Platten, an denen kamen wir als Band auch nicht vorbei, einfach weil sie Massstäbe gesetzt haben. CONVERGE,  MODERN LIFE IS WAR, COMEBACK KID, NORMA JEAN und all die zahllose Klassiker wie AC/DC, METALLICA und SLAYER. TURBONEGRO muss noch genannt werden, einfach der Radikalität wegen. Aber diese Bands sind ja alle Konsens. Natürlich haben die uns mittelbar beeinflusst. Aber am Ende kommt doch immer etwas Neues raus, weil es durch unsere Herzen und Hände muss.

AFL: Vielen Dank für das Interview! Habt ihr sonst noch etwas, dass ihr loswerden möchtet?

Vielen Dank für das Interview und Euer Interesse! Wir wünschen uns, dass es auf Dauer eine lebendige Subkultur gibt. Wir dürfen den Mainstreammedien nicht unsere Kultur überlassen, ganz besonders nicht den Rock’n’Roll. Deswegen unsere Bitte: Geht auf Shows, organisiert Shows, gründet Bands, hört auch kleine Bands, lest Bücher und redet wieder miteinander, anstatt nur zu konsumieren. Kultur ist keine Einbahnstrasse!

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