Run Zero haben zum Jahresbeginn das geschafft, was ich mir seit langem gewünscht habe: sie haben mit Der Kopf bleibt oben ein Album vorgelegt, dass ich beim Rezensieren ohne eine Sekunde nachzudenken, mit der vollen Punktzahl bewerten konnte (hier nachlesen). Nach vorne eilende Punkrock-Songs, einer melodischer als der andere und eine Hitdichte, wie ich sie seit Jahren nicht erlebt habe. Bei so einer Platte ist es selbstverständlich, dass ich in einem Interview mal ein paar Sachen erfragen musste. Erstaunlicherweise ist es das erste Interview, dass Run Zero in ihrer Bandgeschichte gegeben haben. Die vier Oldenburger erzählen u. a., wie das Album entstanden ist, welcher Aufwand hinter der Produktion steckt (die trotz D.I.Y wie die einer professionellen Band klingt) und auch welche Erwartungen für die Zukunft mit solch einer Platte einhergehen.

AFL: Ich finde die Platte ja wirklich überragend. Wie fühlt ihr euch mit Der Kopf bleibt oben?
Danke, das freut uns natürlich. Wir sind super glücklich mit dem Album. Wegen der Corona-Einschränkungen konnten wir im letzten Jahr kaum proben und mussten auch einen Studiotermin verschieben. Daher wurde es am Ende zeitlich doch noch ziemlich eng. Aber wenn es drauf ankommt, können wir uns ganz gut zusammenreißen und sehr effektiv arbeiten. Sonst daddeln wir nur rum und trinken Bier…

„Wenn wir jedes mal ein paar mehr Alben und Shirts verkaufen, immer mehr Zuschauer zu unseren Gigs kommen und vielleicht auch mal ein Konzertveranstalter auf uns aufmerksam wird, sind wir schon glücklich.“

AFL: Meiner Meinung nach ist Der Kopf bleibt oben euer bestes Album. Wo seht ihr die Unterschiede zu den letzten beiden Platten?
Das sehen wir auch so. Aber das sagt man als Band ja vermutlich bei jeder neuen Platte. Insgesamt ist das Album sicher das schnellste und härteste bisher. Die Scheibe rockt einfach von vorne bis hinten und macht Spaß. Das ist unsere Interpretation von Punkrock und da haben wir wohl inzwischen auch einen gewissen Wiedererkennungswert: Kompakte, geradlinige Songs, die schnell auf den Punkt kommen und ins Ohr gehen.

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AFL: Habt ihr konkrete Erwartungen an das Album? Mehr Publikum, mehr Aufmerksamkeit von Punkrock-Fanzines etc…
Ja, klar. Man hat ja irgendwie immer die Hoffnung, dass man mal nen kleinen Hit landet oder irgendetwas Besonderes passiert. Wir konnten in den letzten Jahren unseren Bekanntheitsgrad in kleinen Schritten steigern und darum geht es ja auch. Wenn wir jedes mal ein paar mehr Alben und Shirts verkaufen, immer mehr Zuschauer zu unseren Gigs kommen und vielleicht auch mal ein Konzertveranstalter auf uns aufmerksam wird, sind wir schon glücklich. Für uns ist das Ganze nach wie vor das beste Hobby der Welt und wir müssen zum Glück nicht davon leben. Das hier ist übrigens unser erstes richtiges Interview – danke dafür!

AFL: Wie läuft das Songwriting ab? Schreibt einer die Musik und einer dann die Texte oder seid ihr gemeinsam im Proberaum kreativ?
Kurz zusammengefasst: Marco schreibt die Musik, Guido die Texte. Marco produziert die Songs dann zuhause am Rechner vor und schickt die per Whatsapp in die Runde. Micha und Malfi bringen auch noch ihre Ideen ein und haben ein gutes Gespür dafür, was funktioniert und was nicht. Ob es ein Song dann aufs Album schafft, entscheidet sich aber erst im Proberaum. Da muss das Ding einfach ins rollen kommen und allen Spaß machen. Inzwischen haben wir da aber eigentlich ne ganz gute Quote und produzieren relativ wenig Ausschuss.

RUN ZERO - Der Kopf bleibt oben
RUN ZERO – Der Kopf bleibt oben

AFL: Ihr habt das Album mit Jörg Uken in der Soundlodge aufgenommen. War sonst noch jemand an den Aufnahmen beteiligt und wie war der Songwriting- und Produktionsprozess?
Bis auf den Text zu „Alles Gute kommt von unten“ (der stammt von Barbro Schönberger) ist alles von uns. Wir gehen im Prinzip mit fertigen Songs ins Studio. Die Rohfassungen der Songs bekommt Jörg vorab und wir nehmen dann im Studio klassisch hintereinander auf. Jörg kennt uns inzwischen ja schon recht gut und weiß genau, in welche Richtung das Ganze gehen soll. Da lassen wir ihm auch soundmäßig freie Hand – und sind vom Endergebnis immer wieder total begeistert. Die Zusammenarbeit ist auf jeden Fall sehr angenehm. Jörg ist ein feiner Kerl, der bei Fragen oder Problemen immer eine gute Lösung parat hat. Kleine Details wie die Triangel im Titelsong oder das Reverse-Crashbecken bei „Messlatte“ sind übrigens auch auf seinem Mist gewachsen.

AFL: Ihr singt über das „Niemandsland“, was eine Kneipe zu sein scheint. Online finde ich nichts über diesen mysteriösen Ort. Könnt ihr mehr darüber erzählen?
Die Idee dazu ist tatsächlich im Pub entstanden. Aber es könnte jede Kneipe der Welt sein. Egal wer du bist, woher du kommst oder woran du glaubst – sei einfach kein Arschloch und respektiere deinen Mitmenschen, dann kommen wir gut miteinander aus. Das friedliche Miteinander von verschiedenen Hautfarben, Kulturen, Sprachen und Glaubensrichtungen müsste überall auf der Welt so gut funktionieren wie in der Kneipe. Darum geht’s.

„Das Fernsehprogramm, die Nachrichten und Social Media sind einfach eine unerschöpfliche Inspirationsquelle. Da tauchen immer wieder Themen auf, die einen Song verdient haben.“

AFL: Der Text von „Gegenmittel“ ist so simpel wie genial und ich wunder mich, dass noch keiner früher auf diese Idee gekommen ist. Was war euer Gefühl, als ihr diesen Song ausgearbeitet habt? Wusstet ihr schon, dass das die Lead-Single wird, bzw. dass das ein ganz besonderes Lied ist?
Nein, das war uns da noch nicht klar. Aber wir haben den Song schon ein paar mal live gespielt und da gemerkt, dass der gut ankommt. Deswegen haben wir mit den Jungs von VM Media auch ein Video dazu gedreht, was tierisch Spaß gemacht hat. Wir sind sicher keine politische Band, wollten aber mit „Gegenmittel“ auch mal klar Stellung beziehen gegen Fremdenfeindlichkeit, Homophobie, Verschwörungstheorien und diesen ganzen Mist.

AFL: Neben den politischen Liedern hab ich das Gefühl, dass ihr (auch auf den letzten Alben schon) viel über Themen wie Narzissmus und Egoismus auf persönlicher Ebene singt. Ist euch das besonders wichtig und wie wählt ihr allgemein eure Themen aus?
Tatsächlich haben wir dieses mal besonderen Wert auf die Texte gelegt und versucht, das Ganze möglichst konkret und verständlich zu halten. Das Fernsehprogramm, die Nachrichten und Social Media sind einfach eine unerschöpfliche Inspirationsquelle. Da tauchen immer wieder Themen auf, die einen Song verdient haben. Aber natürlich haben wir mit „Messlatte“ oder „So viel investiert“ auch ein paar persönliche Themen aufgegriffen. Das soll inhaltlich nicht zu einseitig werden – deswegen hat es auch ein Spaß-Song wie „Spider Mofa Gang“ aufs Album geschafft.

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AFL: „Rettungsgasse“ ist ja vermutlich euer bekanntester Song und hat über 20.000 Klicks bei Youtube und wurde auch von der örtlichen Feuerwehr/THW supportet. Wie kamt ihr darauf, ausgerechnet über dieses Thema einen Song zu machen? Hat jemand von euch eine Erfahrung mit Gaffern gemacht oder wurdet ihr vielleicht gefragt, mit dem Song Aufmerksamkeit für das Thema zu schaffen?
Vor ein paar Jahren war das Thema „Rettungsgasse“ in aller Munde und da ist auch die Idee entstanden. Außerdem ist das natürlich eine schöne Metapher für eine ausweglose Situation im Leben und die Schwierigkeiten, da wieder rauszukommen. Michas Bruder ist bei der Freiwilligen Feuerwehr Zetel – die haben damals sofort zugesagt und uns beim Videodreh unterstützt. Für den Rap-Part konnten wir dann noch Steppo (STO, Knallfrosch Elektro) gewinnen – der hat auch richtig gut abgeliefert.

AFL: Vermutlich schwer zu beantworten, jetzt wo das Album noch so frisch ist, aber trotzdem: habt ihr Songs aus dem Album, die euch besonders wichtig sind? Meine Favoriten sind ja „Gegenmittel“, „Herr der Lage“, „Messlatte“ und „Alles Gute kommt von unten“.
Da hat jeder so seine Lieblinge und das wechselt auch immer mal wieder. Wir können uns aber vermutlich alle auf „Der Kopf bleibt oben“, „Die Wiederholung“ und „Eure Generation“ einigen. Letzterer ist textlich inspiriert von dem Astronauten Alexander Gerst und einer wichtigen Botschaft an seine (ungeborenen) Enkel. Das Video dazu sollte jeder mal gesehen haben.

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AFL: Bei einem Album mit diesen starken Songs und dieser Soundqualität könntet ihr bestimmt bei dem ein oder anderen Punklabel landen – und trotzdem macht ihr alles selber. Hattet ihr schonmal Anfragen oder Pläne mit einem Label zusammen zu arbeiten?
Wir hatten noch nie Anfragen, haben aber selbst auch noch nie die Initiative ergriffen und irgendwo angeklopft. Andererseits – wenn mal ein Label Interesse hätte, hören wir uns das natürlich gerne an. Es ist aber auch ein gutes Gefühl, alles selbst in der Hand zu haben, auch wenn wir gerade beim Booking echt mal Unterstützung gebrauchen könnten. Wir sind einfach keine guten Netzwerker und Klinkenputzer.

AFL: Habt ihr musikalische Vorbilder/Helden? Falls ja, welche?
Das ist bei allen total verschieden. Rock, Metal, Punk, Alternative… Im Zweifel eher die Klassiker. Von Muff Potter über Bad Religion bis Slayer ist da für jeden was dabei.

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AFL: Wie seht ihr es um die Punkszene in Oldenburg und Umgebung bestellt? Welche Läden sollte man kennen und welche Bands auschecken?
Reine Punk-Läden gibt es in dem Sinne gar nicht. Gute Konzerte gibt es aber immer mal wieder im Amadeus, Alhambra, in der Umbaubar oder im Polyester.
Bei den Bands sind Disco/Oslo sicher die Bekanntesten und Gruppen wie Bitume oder Voodozer sind auch schon lange dabei. Unbedingt anchecken sollte man auf jeden Fall mal unsere Freunde und Proberaumkollegen De Schkandolmokers, die richtig guten plattdeutschen Punk machen sowie BRACK – klassischer 77er Punk vom Feinsten.

AFL: Was sind eure weiteren Pläne mit dem Album? Ihr könnt es ja vermutlich kaum erwarten, die Songs auf die Bühne zu bringen…
Absolut. Wir warten erstmal ab, wann es wieder losgeht und man ganz unbeschwert feiern kann. Jetzt schon Termine zu machen, die dann doch wieder abgesagt werden müssen, macht für uns keinen Sinn – und Sitz- oder Streamingkonzerte sind auch nicht unser Ding. Aber spätestens im Herbst wollen wir wieder auftreten und die neuen Songs live präsentieren. Wir haben richtig Bock!

AFL: Habt ihr noch letzte Worte?
Immer schön den Kopf oben halten – das geht auch mit Maske!

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1 Kommentar

  1. Schon krass, dass in Deutschland (außer im Oi/Skindhead Bereich) Musiker immer aussehen wie Lehrer, Hipster oder andere Volldullis.

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