Ab und zu schadet es nicht, sich ein Repress zum Anlass und eine wegweisende Scheibe mal wieder unter die Lupe zu nehmen. So mach ich das jetzt mit I Am Nemesis von Caliban. Die Band aus NRW existiert ja mittlerweile seit fast 30 Jahren und ist wohl mit Heaven Shall Burn die bekannteste der Metalcore-Bands aus deutschen Landen. Als I Am Nemesis 2012 erschien, waren viele Fans der alten Scheiben schon nicht mehr so begeistert. Ich selber erinnere mich, dass ich es bis zum Erbrechen gehört habe, denn mir gefiel zu der Zeit der Weg, den sie nach und nach eingeschlagen haben. Klar, auch ich kann der Rauheit und dem nichtexisteten Sing-Sang auf z.B. Vent sehr viel abgewinnen. Trotzdem gehört es einfach dazu, dass man sich als Band entwickeln soll/muss/darf.
Vielleicht liegt mir auch so viel an I Am Nemesis, weil ich zu der Zeit ganz stark in die M-Core Richtung tendiert habe (neben Punk natürlich) und ich die CD damals von einem Freund in die Hand gedrückt bekam mit den (sinngemäß wiedergegebenen) Worten: „Alter, ich kann mir den Scheiss mit ihrem Gesinge nicht mehr anhören. Nimm du sie.“ Das erste Mal aufgelegt und mich gefragt: Welches Gesinge? Aber dazu jetzt mehr…
Na gut, hab ich dann so genommen und gleich bei der nächsten Autofahrt mal in den Player geschoben. Und was soll ich sagen? Ich versteh das Problem nicht. Ich glaube, dass Caliban seit ihren Anfängen keinen so derben Brecher mehr gemacht hatten. Da ist Deathcore drin, aber auch Spuren von Thrash und so. You gotta be fucking kidding me. Schöne derbe Riffs und dann das, was immer schon an Caliban mochte: Die derben Vocals in den Strophen. Das ist nicht einfach nur der übliche Growl, sondern richtig fetter Shout und Scream. Auch diese immer gleichen und langweiligen melodischen Refrains, die keine Sau braucht, sind nicht da. Dafür fette Gangshouts und fiese Breakdowns. Egal ob der Bogeyman kommt oder bei No tomorrow. Die Songs krachen, ballern und schieben absolut nach vorne.
Das was Metalcore ausmacht, nämlich die teilweise melodischen Riffs, welche die treibenden Beats und den harten Gesang begleiten, die sind natürlich immer wieder da. Aber selbst wenn es mal etwas melodischer wird, dann geht man nicht in diesen „Kirchengesng“ a la The Amity Affliction oder so, sondern dann sind es eher Hardcore-Shouts vom Feinsten.
Claiban haben mich seitdem immer behalten. Ich gebe zu, dass ich zwar seit ein paar Jahren eher weniger Metalcore höre und die Songs, bei denen dann Gesinge drin ist (z.B. Edge of Black) gerne mal skippe, aber alles in allem ist I Am Nemesis ein absolutes Brett.
Deswegen hab ich es mir zum Anlass genommen, ein paar Worte über dieses Album zu verlieren, da Noisy Plastics Records eine wunderschöne Neuveröffentlichung dieses Werkes raus bringt. Für mich als Freund der großen Plastik-Scheiben ist da ein Highlight, den es gibt sie in einer Version mit Cornetto-Effect, eine Version als Special Liquid Filled und dann noch eine Picture Liquid Filled. Da werd ich mir wohl eine davon holen müssen.
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