Converge - Hum Of Hurt - Cover

Am 1. April flatterte völlig überraschend eine News ins Postfach: Converge kündigen ihr neues Album Hum Of Hurt an. Abgesehen von der offensichtlichen Aprilscherzvermutung war das gleich in mehrfacher Hinsicht merk- und denkwürdig. Warum?

Converge hatten gerade erst im Februar Love Is Not Enough veröffentlicht als erstes Lebenszeichen nach fünf Jahren. Direkt den Nachfolger im gleichen Jahr hinterherzuschieben, bricht mit dem in der Musikindustrie etablierten Album-Promo-Tour-nächstes-Album Zyklus, den Converge ja eh schon nie in der 2 Jahre Frequenz gelebt haben, wie das andere Bands tun.

Kommerziell macht diese Doppelveröffentlichung auch wenig Sinn. Normalerweise gilt es erstmal, das aktuelle Album zu monetisieren, bevor das nächste folgt. Diesen antikapitalistischen Ausbruch kann man durchaus sympathisch finden.

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Auch hinsichtlich der Kreativität zeigt eine zweite Veröffentlichung eine durchaus große Schaffensfreude. Aber die Band hat sich auch ganz bewusst entschieden, kein Doppelalbum sonder zwei einzelne Platten von 31 und 34 Minuten aus dem vorhandenen Material zu machen.

Und dann natürlich entsteht mit einer so zeitnahen weiteren Veröffentlichung ein direktes Vergleichsobjekt. Klar, man vergleicht den neuen Output immer mit dem letzten letzten Album. Aber bei so großer Nähe wird daraus automatisch ein entweder-oder-Denken.

Soundtechnisch ist auch Album Nummer 2 in 2026 wieder über alle Zweifel erhaben. Das was ich bei Love Is Not Enough geschrieben habe, trifft auch auf dieses Release zu. Hört man die Songs beider Alben im Wechsel, ist zumindest soundtechnisch nicht unbedingt eine direkte Zuordnung möglich.

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Und trotzdem fühlt sich Hum Of Hurt anders an. Love Is Not Enough hatte einen sehr bewussten Spannungsbogen, Hum Of Hurt wirkt eher wie eine homogene Masse, im positiven Sinne. Dazu passt das Converge selbst sagen, sie wollten zwar nicht bewusst eine Noiserock Platte machen, aber dass das Album schon viele Elemente davon enthalte. Und Noise funktioniert anders als klar durchkomponierte Stücke, muss querliegen, Atmosphäre erzeugen, darf nicht schmeicheln. Das muss man auch mögen und in dem Moment bereit dafür sein. Und am Ende kommt dann aber doch ein Converge Album heraus, roher als der Vorgänger, aber mit den typischen Converge Stilelementen.

Die 10 Songs des Albums sind ein Ritt durch die Metriken. Musiktheorie Nerds haben ihren Spaß daran zu versuchen, das Metrum der Songs herauszufinden. 3/4, 4/4, 5/4, 6/4, 10/8 Takt, alles dabei, zum Teil mehrmals im Song fließend wechselnd. Und damit wird die Klasse von Converge mal wieder deutlich, denen es selbst in Noise gelingt, so viel Komplexität unterzubringen.

Einzelne Songs herauszuheben ist schwierig bei dieser Platte. Von Slip The Noose bis It’s Not Up To Us sind die ersten sechs Songs eigentlich recht homogen, wenn man das bei dem beschriebenen Metrum-Chaos und der Converge üblichen Hektik so sagen kann. Dream Debries ist mit 6 Minute  dann nicht nur aufgrund der Länge ein Ausreisser. Das Hauptriff ist knapp 30 Sekunden lang, wobei es 25 davon auf genau einem Grundton verharrt. It Used To Mater im Anschluss ist eher als Interlude und Überleitung zum Titelsong zu verstehen. Und nach Nothing Is Over ist die Platte dann auch schon überstanden, obwohl der Songtitel das Gegenteil suggeriert.

Fazit

Hum Of Hurt ist schwere Kost, schwerere Kost als Love Is Not Enough, und dabei Converge pur. Im direkten Vergleich mit dem Vorgänger ist schwer zu sagen, ob es einen Gewinner gibt. Love Is Not Enough ist definitiv einfacher zugänglich, Hum Of Hurt aber kathartischer, wenn man das so sagen kann. Spannenderweise klappt der Übergang vom einen Albums ins andere in beide Richtungen sehr gut, wenn man nach dem letzten Song des einen, den ersten Song der anderen Platte folgen lässt. Vielleicht ist Converge doch gar kein so schlechtes Doppelalbum gelungen.

Tracklist

  1. Slip The Noose
  2. Doom In Bloom
  3. It Only Gets Worse
  4. Detonator
  5. I Won’t Let You Go
  6. It’s Not Up To Us
  7. Dream Debries
  8. It Used To Matter
  9. Hum Of Hurt
  10. Nothing Is Over
🎧 Folgt unserer Playlist
– Playlist: Happy Release Day
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Tobias
2021 erst zu Away From Life dazugestoßen, aber seit über 20 Jahren vor, auf und neben den Bühnen dieser Republik aktiv. Young til I die! Irgendwann habe ich dann immer öfter die Gitarre gegen die Kamera getauscht, versuche mich aber gerne auch mal an dem ein oder anderen Review. Auf die einsame Insel gehe ich nicht ohne die wichtigsten Platten von Shai Hulud und Bane. Vinyl Lover. Zuhause an Rand von Hamburg, mit dem Herzen aber am Millerntor.

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