Cop An Attitude - High On Anger (2026)
Cop An Attitude - High On Anger (2026)

Es gibt Platten, die machen vom ersten Ton an klar, wohin die Reise geht. High on Anger, das Debüt von Cop an Attitude, gehört definitiv dazu. Bevor überhaupt der erste Song losbricht, eröffnet ein Sample aus Sidney Lumets Filmklassiker Network (1976) die Platte. Ein Film, der sich mit Medienmanipulation, Sensationsjournalismus und einer aus den Fugen geratenen Gesellschaft beschäftigt und unter anderem vom tragischen Live-Suizid der US-Reporterin Christine Chubbuck inspiriert wurde.

Eine düstere Wahl – und gleichzeitig der perfekte Einstieg in ein Album, das sich mit Wut, gesellschaftlichen Missständen und persönlicher Entfremdung auseinandersetzt.

Keine Sorge: So finster, wie dieses Intro vermuten lässt, sind Cop an Attitude als Menschen ganz und gar nicht. Im Gegenteil.

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Vor wenigen Wochen hatte ich die Band für unsere Hardcore History  im Interview. Schnell wurde klar, dass hier keine verbitterten Zyniker am Werk sind, sondern fünf sympathische Typen, die seit Jahrzehnten tief in der DIY-Hardcore-Szene verwurzelt sind. Genau dieses Herzblut hört man High on Anger an.

Cop An Attitude (2026) Photocredit Marc aka xEmbracex
Cop An Attitude (2026) Photocredit Marc aka xEmbracex

Ein Name mit Hardcore-Geschichte

Der Bandname sorgt zunächst für Stirnrunzeln. „To cop an attitude“ bedeutet so viel wie eine aggressive oder abweisende Haltung einzunehmen. Wer die Band kennt, weiß allerdings, dass der Name mit einem Augenzwinkern zu verstehen ist. Tatsächlich stammt er von einem Song der Hardcore-Legenden Poison Idea – und genau dort finden sich auch die offensichtlichsten musikalischen Wurzeln der Band.

Wütend, kompromisslos und dennoch vielseitig

Poison Idea sind auf High on Anger definitiv herauszuhören. Doch Cop an Attitude kopieren ihre Vorbilder nicht, sondern bauen auf deren Fundament auf und ergänzen es mit ihren eigenen Einflüssen. US-Hardcore bildet die Basis, dazu gesellen sich immer wieder Crust, D-Beat und Grindcore. Blastbeats sorgen regelmäßig für zusätzliches Geballer, bevor die Band wieder in groovige Hardcore-Riffs zurückfindet.

Das Ganze klingt herrlich nach Jugendzentrum, verschwitztem Proberaum und DIY-Ethos – allerdings ohne jemals billig oder rumpelig zu wirken. Die Produktion besitzt ordentlich Druck, ist angenehm transparent und transportiert genau die rohe Energie, die diese Songs brauchen.

Ein Artwork, das den Ton trifft

Auch optisch bleibt die Band ihrem DIY-Gedanken treu. Das raue Schwarz-Weiß-Artwork wirkt ebenso kompromisslos wie die Musik selbst. Handgeschriebene Lyrics im Booklet, reduzierte Gestaltung und keinerlei Hochglanz-Ästhetik – alles fühlt sich ehrlich und authentisch an.

Zwischen all der Wut blitzt aber auch Humor auf. Das handschriftliche „DIY, you fucks! Hugs, the fuckin‘ Coppers.“ am Ende des Booklets bringt den Spirit der Band wohl besser auf den Punkt als jede Pressemitteilung.

Mehr als nur Krach

Ein echtes Ausrufezeichen setzt auch Michas Gesang. Seine Vocals sind roh, wütend und voller Energie. Er schreit die Texte nicht einfach herunter, sondern lebt sie. Jede Zeile wirkt ehrlich und glaubwürdig.

Wer Micha persönlich kennt oder schon einmal mit ihm gesprochen hat, dürfte darüber fast schmunzeln. Abseits der Bühne ist er ein unglaublich ruhiger, freundlicher und entspannter Typ. Umso beeindruckender ist diese Verwandlung, sobald Cop an Attitude loslegen. Die Wut wirkt nie aufgesetzt, sondern wie das perfekte Ventil für die Themen, die die Band auf High on Anger verarbeitet.

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Hardcore mit Aussage

Wer sich nur vom Sound überrollen lässt, verpasst einen wichtigen Teil der Platte. Ein Blick ins liebevoll gestaltete Booklet lohnt sich. Die handgeschriebenen Lyrics zeigen schnell, dass Cop an Attitude mehr zu sagen haben als die üblichen Hardcore-Floskeln.

Die Songs beschäftigen sich mit Manipulation, sozialer Entfremdung, psychischen Belastungen, Krieg, Konsum und gesellschaftlichen Fehlentwicklungen. Besonders Perpetrator/Bastardizer setzt ein klares Zeichen gegen sexualisierte Gewalt und Tätermentalität. Andere Songs wie Everything’s Fine halten unserer abgestumpften Gesellschaft den Spiegel vor, ohne jemals belehrend zu wirken.

Hier wird nicht gepredigt – hier wird Haltung gezeigt.

Fazit

High on Anger versucht nicht, Hardcore neu zu erfinden – und genau das ist seine Stärke. Cop an Attitude konzentrieren sich auf das Wesentliche: ehrliche Songs, glaubwürdige Wut, eine druckvolle Produktion und Texte mit Substanz.

Musikalisch bewegt sich die Band irgendwo zwischen Poison Idea, Crust, D-Beat und Grind, ohne dabei ihre eigene Identität aus den Augen zu verlieren. Das Ergebnis ist ein Album, das gleichermaßen nach verschwitztem Jugendzentrum, DIY-Spirit und jahrzehntelanger Hardcore-Erfahrung klingt.

Ich hoffe jedenfalls, dass wir von Cop an Attitude noch eine ganze Menge hören werden. Wenn dieses Debüt ein Vorgeschmack auf das ist, was noch kommt, dürfte die Zukunft der Band mehr als spannend werden.

Hardcore lebt von Menschen, nicht von Images. Genau das beweisen Cop an Attitude mit High on Anger eindrucksvoll.

Tracklist

  1. Disease
  2. Anger Growing
  3. Bastard Parade
  4. Drowning in Our Own Skin
  5. Vultures Feast
  6. Everything’s Fine
  7. Pressure Increase
  8. High on Anger
  9. Perpetrator / Bastardizer
  10. The Sickest Joke
  11. Viva Bulimia
  12. Breathe In
🎧 Folgt unserer Playlist
– Playlist: Happy Release Day

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