Fast 40 Jahre Bandgeschichte, zehn Studioalben und unzählige Touren später könnten Madball längst vom eigenen Legendenstatus leben. Stattdessen liefern die New Yorker mit Not Your Kingdom eines ihrer bissigsten und vielleicht sogar cleversten Alben der jüngeren Bandgeschichte ab. Freddy Cricien und seine Mitstreiter klingen hungrig, wütend und relevanter denn je.
Schon der Opener Tethered, der vorab als Single veröffentlicht wurde, macht klar, dass Madball keine Gefangenen machen. Druckvoll produziert und mit ordentlich Groove zieht der Song direkt hinein ins Album. Danach folgt mit Flammable ein echter Hardcore-Brecher, der mit seinem Oldschool-Vibe an die stärksten Momente der Band erinnert und in kurzer Spielzeit alles sagt, was gesagt werden muss.
Dass Madball auch 2026 noch neue Akzente setzen können, zeigt Rebel Kids. Der Song gehört ohne Frage zu den Highlights des Albums. Der Refrain setzt sich sofort fest, die Lyrics transportieren den rebellischen Geist des Hardcore authentisch und schon beim ersten Hören entsteht das Gefühl, dass dieser Song künftig fester Bestandteil jeder Madball-Show werden dürfte.
Mit Don’t MisStep gibt es anschließend den nächsten kurzen, rasenden Hardcore-Angriff, ehe What Say You das inhaltliche Zentrum des Albums bildet. Freddy Cricien klingt selten so entschlossen wie hier. Zeilen wie „You hold the keys, but it’s not your kingdom“ oder „I don’t bend a knee“ machen deutlich, worum es geht: Widerstand gegen Macht, Kontrolle und blinden Gehorsam.
Der Albumtitel Not Your Kingdom lässt dabei bewusst Raum für Interpretationen. Cricien nennt keine konkreten Namen, sondern kritisiert allgemein Machtstrukturen und diejenigen, die im Hintergrund die Fäden ziehen. Gleichzeitig dürfte der Titel gerade vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Entwicklungen in den USA viele Hörer an Politiker erinnern, die sich als unantastbare Autoritäten inszenieren. Ob diese Assoziation beabsichtigt ist oder nicht, spielt letztlich keine Rolle – die Botschaft funktioniert universell: Niemand sollte sich über andere stellen.
Überhaupt wirkt Not Your Kingdom erstaunlich vielseitig. Life’s A Mural überrascht mit deutlichen Punkrock-Einflüssen und gehört gerade deshalb zu den spannendsten Momenten der Platte. Hardcore und Punk waren schließlich schon immer eng miteinander verbunden, und Madball erinnern daran, ohne ihre Identität aufzugeben. Family First liefert dagegen genau den klassischen NYHC-Groove, den man von der Band erwartet.

Für einen der kuriosesten Momente sorgt IWI. Zunächst wirkt der Song wie ein weiteres Interlude, ehe Freddy plötzlich auf Deutsch loslegt: „Alles Scheiße! Meine Fresse! Was willst du machen? … Fickt euch alle!“ Woher diese Idee stammt, bleibt vorerst offen – hängen bleibt der Song aber definitiv.
Dabei ist es gerade die Mischung aus Bewährtem und neuen Ideen, die Not Your Kingdom so stark macht. Die Songs sind kompakt, kommen schnell auf den Punkt und verzichten konsequent auf unnötigen Ballast. Gleichzeitig wirkt das Album frischer und bissiger als viele Veröffentlichungen der vergangenen Jahre. Vielleicht ist es tatsächlich das abwechslungsreichste Madball-Album seit langer Zeit – ohne dabei auch nur eine Sekunde aufzuhören, nach Madball zu klingen.
Bemerkenswert ist außerdem, wie geschlossen die Band auftritt. Nach dem Ausstieg von Langzeit-Bassist Jorge „Hoya Roc“ Guerra hätten sich viele Fans fragen können, ob Madball etwas von ihrer Identität verlieren würden. Not Your Kingdom liefert die passende Antwort: Die Chemie stimmt, die Songs besitzen Wucht und Leidenschaft, und Freddy Cricien führt die Band mit einer Überzeugung an, die in jeder Zeile spürbar ist. Es braucht keinen Hoya, damit Madball auch 2026 ein mehr als überzeugendes Hardcore-Album abliefern.
Passend zum Album geht es für die New Yorker unmittelbar nach dem Release wieder auf Europa-Tour. Wer die neuen Songs live erleben möchte, muss also nicht lange warten – und gerade Stücke wie Rebel Kids oder What Say You dürften auf der Bühne schnell ihre volle Wirkung entfalten.
Fazit
Mit Not Your Kingdom beweisen Madball eindrucksvoll, dass Relevanz nichts mit dem Alter einer Band zu tun hat. Das Album verbindet die klassischen Tugenden des New York Hardcore mit frischen Ideen, starken Hooks und einer klaren Haltung. Es ist laut, direkt und kompromisslos – genau so, wie Madball auch 38 Jahre nach ihrer Gründung klingen sollten.
Tracklist
- Tethered
- Flammable
- Rebelude
- Rebel Kids
- Don’t MisStep
- What Say You
- Stab Wounds
- Sunrise
- Life’s a Mural
- Family First
- Clockwork
- IWI
- The Ride
- Chase a Dream



















