In Neunkirchen wurde mal wieder zum Tanz aufgerufen, diesmal an einem Donnerstag. Ein Abend voller Überraschungen kann man sicherlich sagen. Ursprünglich waren zwei andere Support-Bands angekündigt, doch eine wurde wieder ausgeladen, anscheinend wegen etwas zu viel Sympathie für die Sache der Palästinenser. Die andere Band sprang dann aus Solidarität auch ab. Ich will da auch nicht so viel drüber schreiben, ob dies gerechtfertigt war oder nicht, denn ehrlich gesagt kenne ich die Hintergründe nicht ganz, aber da Shai Hulud am Ende darauf Bezug nahmen, ist das wohl meine „journalistische“ Pflicht darauf hinzuweisen. So mussten also zwei Supportbands gefunden werden und zwar relativ kurzfristig.

To A Friend bestehen zu 3/5 aus den von mir sehr gerne gemochen The Day We Fall, mit denen ich damals bei Iamhavoc noch eines meiner allerersten Interviews führen durfte. 2025 gegründet und eine EP später sahen sie sich plötzlich vor dem Problem, das ihr Sänger ausgestiegen war. Keine schöne Trennung, aber ein Gig für die Rockwiese am Altstadtfest war schon gebucht. Mit Luklas wurde in Windeseile ein neuer Sänger gefunden, so dass man den Gig in Neunkirchen spontan zusagen konnte, als erweiterte Probe für die nächste Feuertaufe. Nach einem netten Intro über die saarländische Konzertkultur kam dann das zweite Intro und sie legten mit Hostage, dem ersten Song von ihrer EP los. Melodischer hardcore mit einem Wechsel aus clean und hartem Gesang, den der neue Sänger sehr gut beherrschte. Mal gespannt, wie sich die Band entwickeln wird. Neben den Sonfgs der EP gabs noch einige noch nicht veröffentlichte Stücke. Die Band bedankte sich beim schon zu diesem Zeitpunkt zahlreich erschienen Publikum und bekam tatsächlich noch Zugaberufe. Hatten sie sich auch wirklich verdient. Und so gab es mit dem The-Day-We-Fall-Klassiker Bloody Mindset, ein Lied gegen Fremdenfeindlichkeit, noch ein deutliches Zeichen gegen Faschismus. Eine Band, mit der zu rechnen ist… Ach ich vermisse TDWF, aber viel Glück mit neuem Sänger, Potential ist definitiv vorhanden.

Gleich die nächste Überraschung gabs bei Dead End Tragedy. Auch die Neinkeijer Lokalheroen waren etwas überrumpelt von der Anfrage, denn ihr Sänger war gerade im Urlaub auf Kolumbien oder so. Aber ein Gig ist ein Gig und so fand man mit Peter von Trees einen langjährigen Fan, der auch die meisten Songs schon vorher mitsingen konnte, aber eigentlich gar nicht zum Beatdown-Stil der HC’ler passen will. Dachte man, denn tatsächlich machte er seine Sache verflucht gut, so viel sei vorweggenommen. Dead End Tragedy haben seit 2007 schon einige Alben herausgebracht, so dass ein buntes Potpourri alter und neuer Hits gesucht und gefunden wurde, um die Setlist möglichst vollzukriegen. War die Stimmung erst noch etwas verhalten, den vorne gabs noch in bester Beatdown-Manier einen Vortänzer, der jedoch von seinem Kumpel, der zufälligerweise der erste Gitarrist der Band war, irgendwann zurückgehalten wurde, damit sich der Platz vor der Bühne füllt, ohne das die Angst uns Otto-Normalbesucher ergriff. 10 Songs gabs auf die Ohren, mit einem deutlichen Fokus auf ihrem letzten Album Electrical Impulses of Hate.

Bei einem Song durfte dann auch ihr ehemaliger Gitarrist das Duett mit dem souverän agierenden Ersatzsänger übernehmen. Ein sehr schöner Auftritt mit brutalem Hardcore.

Danach war Zeit für Shai Hulud, eine Band, die man getrost als legende bezeichnen kann. Seit 1995 unter uns weilend bringen sie es lediglich auf vier Studioalben, zwei auf Revelation und zwei auf Metal Blade Records. Dem gegenüber stehen ungefähr, geschätzt 200 ehemalige Mitglieder, wobei mit Matt Fox immehrhin ein Originalmitglied in der Band ist und auch alle Lieder schrieb. Sänger Geert van der Velde war auch nicht immer in der Band, aber immer mal wieder. Auch wenn er erst gegen Ende die Entscheidung des Veranstalters bemängelte, die andere Supportband abzusetzen, kommt dies in diesem Bericht jetzt, um den absolut positiven Gesamteindrucks des Abends nicht zu trüben. Geert stellte noch einmal klar, das sie diesen Gig spielen wollten, auch weil sie mit dem Veranstalter lange Jahre der Freundschaft verbinden, sie aber ebenso zu den beiden anderen Bands stehen und die Entscheidung eine davon nicht auftreten zu lassen, weil man ihre politische Meinung nicht teilt, für falsch halten. Jetzt aber zurück zur Musik…

Shai Hulud lieferten eine beeindruckende Show ab. Ihr Stilmix aus Hardcore Punk und Metalcore war sehr überzeugend. insgesamt 14 Songs gab es an diesem Abend zu hören. Von uralt bis brandeu. naja, so brandneu wie man es halt sein kann, wenn das letzte Album von 2015 ist. Dabei wurde sich artig bei den beiden Vorbands bedankt und diesen auch wirklich viel Platz eingeräumt. Auch bei Veranstalter Tim und den Leuten vor Ort wurde sich mehrfach bedankt. Und natürlich beim Publikum, das auch gegen Ende ihre Schockstarre, die viele überfällt, wenn mal ein Konzert in NK stattfindet, überwand und es tatsächlich noch etwas krachen ließ. Und am Schluss gab es, für Hardcore-Shows eine Seltenheit, Zugaberufe und tatsächlich nach Misanthropy Pure, einem ihrer besten Songs, noch einen Uraltsong, der leider nicht auf der Setlist stand 😉
Ein wunderschöner Abend in Neunkirchen! Wie eigentlich immer…

























































































