Am 06. November 2026 erscheint über das Label Bleakhouse Records das neue Studioalbum The Conversation der Band Lockslip. Vor kurzem habe ich die self-titled EP hier besprochen (hier zu lesen), um mir ein Bild zur Musik, den Texten etc. zu machen. Musikalisch bewegt sich die Band weiterhin zwischen den Genres Metallic Hardcore, Metalcore und Mathcore. Auf dem neuen Werk sind elf Songs, darunter die Gäste King Yosef auf Gray World, Kathryn Edwards von Thirdface auf Paradise Is Not for Us und Todd Jones von Nails auf Iconoclast.
Auch auf diesem Longplayer gibt es einen Haufen persönlicher Texte von Sängerin Sara. Als Opener gibt es Gray World auf die Ohren, der Track wurde durch Lois Lowrys Roman The Giver inspiriert. Als Gast ist Musiker King Yosef zu hören, er ist auch Inhaber von Bleakhouse Records. Der Roman beschreibt eine scheinbar perfekte Gesellschaft, in der Leid und Schmerz vermieden werden, dafür aber auch Freude, Schönheit, Erinnerungen und emotionale Vielfalt keinen Platz haben. Er stellt die Frage nach einer Welt ohne Schmerz und Leid, in welchem aber auch die positiven Gegenteile fehlen. Eine Welt in Grau, die nicht wehtut, allerdings auch keine Freude bereitet.
Danach folgt der Song Vengeance (You’ll Be Seen by Your God), welches Missbrauch, Macht und fehlende Verantwortlichkeit thematisiert. Das Stück ist als zweite Single erschienen und wie Sara G. berichtet, geht der Song auf die Erfahrungen einer ihr nahestehenden Person zurück, die im Umfeld der Boy Scouts Missbrauch erlebt hat. Die Auseinandersetzung mit diesem Fall führte sie zu institutionellen Verbindungen zwischen den Boy Scouts und der katholischen Kirche sowie zu der Frage, wie Organisationen Verantwortung vermeiden.
Mit dem vierten Lied, das auch die dritte Single darstellt, gibt es I’m The Same auf die Ohren. Sara G. berichtet, dass psychische Erkrankungen in ihrer Familie lange unbehandelt geblieben seien und das häusliche Umfeld dadurch über weite Teile ihres Lebens von Konflikten geprägt gewesen sei. Es werden Angst, Verhaltensmuster und das Wiederholen von Fehlern / Verhaltensweisen innerhalb der Familie behandelt.
Bei Paradise Is Not For Us ist Kathryn Edwards von Thirdface als Gastsängerin dabei. Zu Cut Out The Odds erklärte Sara G. in einem Interview mit No Echo, dass der Song aber auch die Arbeit am Album im Allgemeinen ihr geholfen habe, das Ausmaß ihrer OCD besser zu erkennen und einen Weg der Genesung einzuschlagen.
Todd Jones von Nails ist auf dem vorletzten Track Iconoclast zu hören. Während das finale Stück End The Conversation das Tempo rausnimmt, mehr Melodien zulässt aber auch Einflüsse durch ein Saxofon beinhaltet.
Zwei Jahre nach der Veröffentlichung ihrer selbstbetitelten EP legen Lockslip mit The Conversation ihr erstes Studioalbum vor. Dabei bleiben sie ihrem bisherigen Stil treu, erweitern diesen aber um zahlreiche musikalische Facetten. Neben der kompromisslosen Mischung aus Metallic Hardcore, Metalcore und Mathcore lassen sich durchaus Parallelen zu Converge, The Dillinger Escape Plan, Car Bomb und Today Is The Day ziehen. Auch Einflüsse aus dem klassischen Hardcore und gelegentliche Grenzgänge in Richtung Grindcore sind auszumachen.
Saras Gesang ist durchweg intensiv und fügt sich hervorragend in die Musik ein. Hinzu kommen persönliche und gesellschaftskritische Texte, die dem Album eine zusätzliche emotionale Ebene verleihen. Auch nach mehreren Durchläufen kann ich mich in The Conversation verlieren und sowohl dem Sound als auch den inhaltlichen Aspekten einiges abgewinnen. Ein Album, das bei mir definitiv einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

















