Ich bin ehrlich – in leicht melancholischer Stimmung bin ich ja schon zum Tanzbrunnen gegangen. Eine der all-time Lieblingsbands womöglich das letzte Mal live zu sehen: das ist eine Premiere für mich. So ganz gerafft habe ich es noch nicht, dass NoFX auf ihrer letzten Tour sind und irgendwie glaube ich auch nicht, dass es in ein paar Jahren eine Reunion-Tour geben wird (wobei ich mich da gerne eines Besseren belehren lasse). So oder so wollte ich aber auch nicht zu viel Trübsal blasen und vor allem ein letztes Mal Fat Mike und seine Band auf der Bühne genießen. Die Ankündigung, The Decline, White Trash, Two Hebs and a Bean sowie So Long & Thanks for All the Shoes jeweils in voller Länge zu spielen, war außerdem mehr als verlockend. Und ich kann schonmal vorweg nehmen, dass NoFX wirklich ein grandioses Konzert gespielt haben.

Ab 14 Uhr waren jedoch erstmal andere Bands dran. Scream, The Last Gang und Negative Approach haben alle coole Shows gespielt, wobei ich tatsächlich der Meinung bin, dass man den Opener Clowns etwas später hätte spielen lassen können. Die Band ist live einfach so gut, und mittlerweile ja auch echt populär, dass sie durchaus einen besseren Slot als 14 Uhr an einem Sonntag verdient gehabt hätte. Ansonsten wurde es spätestens bei Itchy ordentlich voll vor der Bühne, wobei sich einige beschwert haben, dass sie musikalisch doch etwas zu krass aus dem Rahmen fallen würden. Ich persönlich empfand die Show als durchaus unterhaltsam und in Anbetracht der sieben performenden Bands auch als gelungende Abwechslung. Um ehrlich zu sein, fand ich den Auftritt sogar cooler als das Set der Circle Jerks, was zwar definitiv für Liebhaber nicht zu verachten, an Power und Energie jedoch durchaus steigerungsfähig war – vielleicht bin ich aber auch ein bisschen aus der falschen Generation. Trotzdem war es mehr als cool, solche Legenden live gesehen zu haben.

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Trotzdem muss man sagen, dass so gut wie alle aber selbstverständlich wegen NoFX hier waren. Als Fat Mike, El Hefe, Eric Melvin und Smelly dann endlich auf die Bühne kamen, gab es ab der ersten Sekunde kein Halten mehr und der ganze Tanzbrunnen ist komplett durchgedreht. Die Show begann als klassisches Best Of-Set mit Dinosours Will Die und dann direkt Stickin’ in My Eye – vermutlich wurde hier direkt der größte Pogo vor der Bühne eröffnet, den Köln seit langem gesehen hat. Den Hexenkessel danach direkt mit Leave It Alone, Bob und Seeing Double at the Triple Rock noch weiter anzuheizen, war einfach nur krass. Zwar wurde hier schon klar, dass die angekündigten Alben nicht in voller Länge gespielt werden, aber um ehrlich zu sein, war ich sehr froh, nochmal die großen Hits aller Alben zu hören, bevor NoFX in Rente gehen.

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Von der Performance her konnte man NoFX ja immer ein wenig mit Roulette vergleichen, was vor allem mit Fat Mikes Laune zusammen hing – ich erinnere mich z.B. an seinen wirklich unfassbar verkaterten Auftritt 2019 an selber Stelle, der ihm im Nachhinein sogar selbst peinlich war. Dieses Mal war dem, Gott sei Dank, überhaupt nicht so. Musikalisch war die Band voll on Point und über schlechte Laune musste man sich bei Fat Mike auch nicht beklagen. Im Gegenteil – insgesamt erschien er mir sogar schon fast zu fröhlich und ich habe es teilweise sogar „vermisst“, dass er nicht wahllos Leute aus dem Publikum beleidigt und ihnen einen ordentlichen Anschiss gibt. Naja, vielleicht ist es ja das, wenn die Leute von Altersmilde reden. Dennoch waren die Gags unter der Band wie gewohnt fabelhaft und der Entertainment-Faktor extrem hoch. Allein dass es bald keine Live-Band mehr gibt (Die Ärzte mal ausgenommen), die so viel Quatsch labern kann und dabei (fast) jedes Mal so unterhaltsam ist, ist schon sehr bedauernswert. Aber wie gesagt, Trübsal sollte man wann anders blasen… Ob es, davon abgesehen, nötig war, gefühlt 100 Leute als Zuschauer auf der Bühne zu platzieren, sei mal dahingestellt. Neben der gewohnt schlechten lokalen Organisation im Tanzbrunnen ist dies aber auch schon der einzige Punkt, der mir, wenn man so will, „negativ“ aufgestoßen ist.

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Die Setlist für den Rest der Show war ansonsten absolut brutal. Eigentlich war jeder Hit dabei und auch unterbewertete Songs wie I’m Telling Tim oder Instant Crassic waren einfach nur geil. Das Main-Set wurde dann mit Murder the Government, The Brews, Radio, Soul Doubt und natürlich Linoleum abgeschlossen. Dass der Weg in die Zugabe dann nicht als normale 3-Minuten Stille sondern als Pinkel-Pause angekündigt wurde, war selbstverständlich klassisch NoFX.
Alles nach der Pinkel-Pause war die Sahne auf der Torte: noch schnell die Übersongs Franco Un-American und Kill All the White Man abgefeuert und dann mit The Decline das große Finale: mein Gott war das ergreifend, als am Ende alle die Trompeten-Melodie mitgesungen haben. Es ist nichts neues, aber ich glaube, es wurde vielen nochmal klar, was The Decline für ein Ausnahme-Song und NoFX dementsprechend für eine Ausnahme-Band ist. Spätestens jetzt war ich dann doch etwas trauriger als ich es mir vorgenommen habe. Vielleicht ist das aber auch normal, wenn sich eine der besten Bands aller Zeiten verabschiedet.

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Es ist toll zu sehen, dass NoFX auf ihrer letzten Tour in solch bestechender Form sind. Ich denke es versteht sich von selbst, dass man es sich nicht entgehen lassen sollte, diese Band noch ein letzten Mal zu besuchen. In Deutschland stehen dafür ja noch Augsburg und zwei Mal Berlin auf dem Plan. Ich denke, mir bleibt nichts anders übrig, als zu sagen „Bye, Bye, NoFX!“ Danke für all die fantastischen Jahre und die wundervolle Zeit! Ich werde diese Band wahnsinnig vermissen.

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– Playlist: Happy Release Day

2 Kommentare

  1. Ich war in Saarbrücken und sah NOFX zum ersten Mal live. CDs aus den 90igern liegen hier im CD Regal. Die Party die NOFX in Saarbrücken entfachten war großartig ! Mir persönlich war der Auftritt zu albern und die Stücke schwach gespielt. Wenn das bei NOFX so sein soll, okay – mir gefiel es nur so mittelmäßig. The Offspring sind ähnlich drauf. Aber der Tag war dennoch genial. The Meffs und Get Dead waren super. The Last Gang gefiel mir auch sehr gut. So gesehen, hat mich Punk in Drublic keineswegs enttäuscht.

  2. Fand es in (dem hier nicht erwähnten!?) Saarbrücken ebenso genial wie im Beitrag beschrieben…bis auf circle jerks.
    aber ich schließe mich an,daß ich mich leider damit abfinden muss die beste band ever (für mich) mir nicht mehr live ansehen kann…

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