Nachdem 2017 bereits das 20-jährige Band-Jubiläum in Gießen gefeiert wurde – wir berichteten – steht nun die Release zum neuen Pestpocken-Album Another World Is Possible an. Die zugehörige Release-Tour mit Kotzreiz im April ist leider ins Wasser gefallen, wird aber Anfang 2021 nachgeholt. Da hat wer der „Schlimmsten Seuche aller Zeiten“ die Show gestohlen. 😉

Kommen wir zum Album. Another World Is Possible ist die erste Veröffentlichung der Pestpocken seit acht Jahren. Es gab einige Besetzungswechsel und das zeigt sich auch an der musikalischen Entwicklung der Band. Der Sound ist modern, druckvoll und erinnert an zeitgenössischen Hardcore-Punk. Sofort sticht der Bass mit einem knackigen, gut angezerrten Sound hervor, der einfach alles umrollt. Unterstützt wird er von einem fett klingenden und tight eingespielten Schlagzeug, das ordentlich Dampf auf dem Kessel hat. So muss es sich wohl anfühlen Lokführer einer Dampflok zu sein, der Spaß an seinem Job hat. Die Gitarren mauern einerseits eine stabile Wand und anderseits gibt es genügend Platz für Spielerein und Akzente, die das Ganze interessant und musikalischer machen. Knackige Riffs und gut platzierte Melodien mit einer kleinen Metal-Kante würzen die 13 Songs pikant bis scharf!

 
Pestpocken
Pestpocken

Bemerkenswert ist, dass gesanglich viel ausprobiert wurde. Der bisher bekannte, wechselnde Gesang von Danny und Andrea wurde durch durch einige Passagen, gesungen vom Bassisten Eddie, ergänzt. Auch die Platzierung der Background-Chöre fügen den Songs Singalong-Charakter hinzu, was schon manchmal in die Richtung Hymne geht. Das bringt nochmal neue Dynamiken rein und harmoniert wie ich finde ganz gut zusammen. Nichtsdestotrotz bleibt der asoziale-aggro-Punk keinesfalls auf der Strecke!

Inhaltlich beschäftigen sich die Pestpocken mit aktuellen gesellschaftspolitischen Themen und dem Kampf für eine andere, bessere Welt. So knallt direkt der Opener Wir Stehen Wieder Auf als hartes Brett vor den Latz. Anschließend folgt der  melodischere Album-Titel Another World Is Possible – ideal zum mitgröhlen. Die beiden Songs geben die Richtung, in die die Platte gehen wird, vor. Mit Über 20 Jahre und Wie Ein Faustschlag wird die eigene und die Bandgeschichte nochmal revue passiert. Zum Thema „20 Jahre Pestpocken“ hat Sänger und Gitarrist Danny hier schon ein bisschen erzählt. Ein kurze Doku über die Bandgeschichte findet ihr am Ende des Beitrags.

Aktueller denn je ist der letzte Song des Albums Don’t Talk 2 Police. Außerdem beschäftigt sich die Band mit der Frage, wem denn heutzutage die Straße gehört. Damit beziehen sie sich unter anderem im Song Battle Of Cable Street auf die Straßenschlachten in der Londoner Cable Street 1936 in der Gegendemonstrant*innen den Aufmarsch der British Union Of Fascists verhinderten. Generation Me hingegen zeigt die Abgründe der Instagram-Generation, in der sich alles um Selbstdarstellung und Selbstoptimierung dreht.

Abschließend empfinde ich Another World Is Possible als eine Weiterentwicklung der Band. Es harmoniert noch nicht alles 100 Prozent, aber es knallt, macht Spaß und sie sind immer noch angepisst! Das ist zu hören und das geht auch gut ins Ohr. Ich bin auf die Release-Konzerte gespannt! Hier das Video zum ersten Song der Platte:

Und hier gibt es einen kurzen Film über 20 Jahre Pestpocken:

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Was aus der Auswahl ist euer bisheriges Album des Jahres?

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Ahoi! Ich bin Felix, komme aus Dresden und bin seit Mai 2017 bei AWAYFROM LIFE aktiv. Hier schreibe ich hauptsächlich Reviews und Konzertberichte, wirke bei „10 Records Worth To Die For“ mit und schreibe ab und an einen News-Artikel. Musikalisch fühle ich mich im Punk-Rock zu Hause und steh‘ da besonders auf alles was in die Rubrik „Raw’n’Dirty“ passt! Je nach Gemütslage schwankt die bpm-Anzahl. Ich bin ansonsten Student in Dresden und spiele in der Band Deep Shining High Gitarre. Ich bin gerne draußen unterwegs, gehe auf Konzerte und verbringe liebend gerne eine gute Zeit mit Leuten, die ich gerne habe. Wandern (also auf richtigen Bergen) fetzt, bouldern auch und in der Natur mal die Ruhe genießen finde ich auch schön. In diesem Sinne, UP THE PUNX!

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